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Bundesagentur für Arbeit Verwaltungsrat wählt Valerie Holsboer ab - keine Frau mehr im Vorstand der Arbeitsagentur

Valerie Holsboer, die erste Frau im Vorstand der Arbeitsagentur, verliert drei Jahre vor Vertragsende ihren Job. Es ist der Schlusspunkt einer beispiellosen Schlammschlacht.
Update: 12.07.2019 - 15:54 Uhr 1 Kommentar
In den Medien tobt eine Schlammschlacht um die Abberufung von Holsboer. Quelle: dpa
Valerie Holsboer

In den Medien tobt eine Schlammschlacht um die Abberufung von Holsboer.

(Foto: dpa)

BerlinSie hat bis zuletzt gekämpft: In einer Online-Petition hatten sich mehr als 1.200 Unterstützer hinter sie gestellt. Doch genützt hat es nichts: Valerie Holsboer, die erste Frau im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), verliert ihren Job.

Der Verwaltungsrat, dem je sieben Vertreter der Arbeitgeber, der Gewerkschaften und der öffentlichen Hand angehören, hat die 42-jährige Juristin am Freitag abgewählt. Die Bundesregierung muss der Entscheidung noch zustimmen.

Der Entscheidung war eine wochenlange, über die Medien ausgetragene Schlammschlacht vorausgegangen. Unterstützer Holsboers, die 2017 für eine fünfjährige Amtszeit gewählt wurde, sehen die Vorstandsfrau als Opfer einer persönlichen Fehde mit dem stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden Peter Clever.

Das Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), hatte Holsboer einst selbst für den Posten vorgeschlagen. Holsboer, so lautet die eine Version der Geschichte, soll nicht nach der Pfeife des erfahrenen Aufsehers getanzt haben, der seit 15 Jahren im Verwaltungsrat sitzt.

Die andere Version lautet, dass Holsboer mit ihrem Job schlicht überfordert gewesen sei und keine eigenen Akzente gesetzt habe. Statt mit Massenarbeitslosigkeit habe es die Bundesagentur mit ihren fast 100.000 Mitarbeitern heute vor allem mit verfestigter Langzeitarbeitslosigkeit zu tun.

Auch müsse ihr Beratungsangebot ausgebaut werden. Holsboer, die für Finanzen und Personal zuständig war, habe zu wenig getan, um die Mitarbeiter für die neuen Aufgaben vorzubereiten und zu qualifizieren, heißt es aus Kreisen des Verwaltungsrats und der Behörde.

Clever spricht vom „notwendig gewordenen Konflikt“

„Die heute getroffene Entscheidung des Verwaltungsrates zur Abwahl einer Vorständin ist der Schlusspunkt eines leider notwendig gewordenen Konfliktes“, sagte Clever. „Dabei bedauern wir, dass von der Arbeitgebergruppe angebotene Gespräche um eine einvernehmliche Lösung mit der Beteiligten von ihr abgelehnt wurden.“ Nun gelte es, sich wieder auf die Aufgaben der BA zu konzentrieren und nach vorne zu blicken. Längst überfällig sei die Qualifizierung der Mitarbeiter für neue anspruchsvolle Beratungsaufgaben.

Für die Abwahl ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Auch die Arbeitnehmervertreter stellten sich hinter die Entscheidung. „Wenn die Arbeitgebergruppe im Verwaltungsrat der BA das Vertrauen zu dem von ihr selbst vorgeschlagenen Mitglied im BA-Vorstand für unwiderruflich zerrüttet erklärt, ist keine tragfähige Grundlage für die weitere Arbeit des Vorstandes mehr gegeben“, teilte die Verwaltungsratsvorsitzende Annelie Buntenbach mit, die dem Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) angehört.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei aber angesichts der anspruchsvollen Herausforderungen, vor denen die BA gerade in Zeiten des Strukturwandels stehe, unverzichtbar. Die Arbeitnehmergruppe habe sich bis zum Schluss für eine einvernehmliche Lösung eingesetzt, die aber nicht gefunden werden konnte.

Verwaltungsrat gerät wegen Reisekosten unter Druck

Zuletzt waren der Verwaltungsrat und sein Vize Clever selbst unter Druck geraten. Die „Bild“-Zeitung zitierte aus einem Bericht des Bundesrechnungshofs, der die Reisekosten des Verwaltungsrats unter die Lupe genommen hatte. Dort ist von Business-Class-Flügen, teuren Hotelübernachtungen und der privaten Nutzung von Mietwagen die Rede.

„Uns ist bewusst, dass die Selbstverwaltung der Bundesagentur die Erstattungsgrundsätze in eigener Zuständigkeit bemessen und festlegen kann“, heißt es in dem Gutachten, das dem Handelsblatt in Teilen vorliegt. Da aber die Grundsätze für die Erstattung von Flugreisen deutlich über die Bestimmungen des Bundesreisekostengesetzes und gemeinsame Empfehlungen der BDA und des DGB hinausgingen, „sehen wir hier Einsparpotenziale“, schreiben die Rechnungsprüfer. Sie werfen den Verwaltungsratsmitgliedern aber kein Fehlverhalten vor.

Holsboer selbst bedauerte das Ergebnis der Wahl – und dass es „so unnötig und schädlich laut zustande gekommen ist“. Sie habe in den letzten zwei Jahren alles daran gesetzt, die Bundesagentur für Arbeit fit für die Zukunft zu machen, teilte sie mit. „Wir müssen uns weiterentwickeln. Die BA hat eine enorme Verantwortung für viele Menschen und leistet einen Beitrag zum sozialen Frieden.“

Zusammen mit vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen seien entscheidende Weichen gestellt worden, etwa mit der Strategie BA 2025, mit der Lern- und Qualifizierungsoffensive, mit neuen Arbeitsformen und Prozessen. „Dass innerhalb von zwei Jahren ein Tanker nicht zum Schnellboot wird, ist klar“, sagte sie. Es gebe noch viel zu tun.

Der Verwaltungsrat will dem Bundesarbeitsministerium „zeitnah“ einen Vorschlag für die Nachfolge von Holsboer machen. Im Gespräch ist die Chefin der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der BA, Christiane Schönefeld.

Mehr: Der Strukturwandel und die Konjunkturabkühlung belasten zunehmend den Arbeitsmarkt. Jüngste Massenentlassungen schüren die Angst vor dem Ende des Jobbooms.

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1 Kommentar zu "Bundesagentur für Arbeit: Verwaltungsrat wählt Valerie Holsboer ab - keine Frau mehr im Vorstand der Arbeitsagentur"

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  • Wenn es Unregelmäßigkeiten gegeben dann muss Frau Holzbeur das widerlegen. Es kann auch der Eindruck entstehen, dass sie von Herrn Peter „Clever“ und anderen gemoppt wurde. Das ist zumindest mein Eindruck. Bei den Mitarbeiten scheint sie nach Presseberichten beliebt zu sein. Jetzt muss das Ministerium entscheiden. Siehe auch Welt Artikel vom 12.07.2019.

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