Bundespräsident unter Druck „Wulff muss Bellevue räumen“

Der Bundespräsident gerät zunehmend unter Druck, nachdem er versucht haben soll, Einfluss auf die Berichterstattung über ihn zu nehmen. Politiker von SPD, Grünen und FDP zeigten sich empört. Und auch Wulff reagierte.
Update: 02.01.2012 - 15:55 Uhr 105 Kommentare
Christian Wulff. Quelle: dpa

Christian Wulff.

(Foto: dpa)

Berlin/HamburgDer FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter hält Bundespräsident Christian Wulff angesichts neuer Vorwürfe endgültig für untragbar. „Der Präsident muss Schloss Bellevue räumen und als Privatmann ohne lebenslange Staatsapanage in sein Einfamilienhaus zurückkehren“, sagte Lotter am Montag in Berlin. „Ich schäme mich, ihm meine Stimme gegeben zu haben.“ Mit seinem „kruden Verfassungsverständnis von Pressefreiheit“ habe sich Wulff endgültig für das Amt diskreditiert.

Wulff soll versucht haben, Einfluss auf die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zur Finanzierung seines Privathauses zu nehmen. Seit Wochen steht der Präsident wegen eines umstrittenen Privatkredits in der Kritik. Lotter war bereits Mitte Dezember mit einer Rücktrittsforderung an Wulff vorgeprescht.

Wulff selbst reagierte auf Kritik an seinem Umgang mit den Medien, indem er den Wert der Pressefreiheit unterstrich. Das Bundespräsidialamt teilte am Montag auf Anfrage mit: „Die Presse- und Rundfunkfreiheit ist für den Bundespräsidenten ein hohes Gut. Er hat deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere Hundert Medienanfragen beantwortet. Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft.“

Nach Einschätzung des Vorsitzenden der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, bleibt Wulff nicht mehr viel Zeit, die Vorwürfe gegen ihn auszuräumen. „Wenn das Staatsoberhaupt immer noch in der Kritik steht, so liegt das weder an der Opposition noch an den Medien. Christian Wulff hatte es und hat es immer noch selbst in der Hand, mit vollständiger Klarheit und Transparenz diesen für unser Gemeinwesen, das Amt und ihn selbst unwürdigen Zustand zu beenden“, sagte Stegner Handelsblatt Online. „Dafür bleibt aber sicher nicht mehr viel Zeit.“ Stegner betonte aber auch, dass es sich nach wie vor verbiete, „aus dieser Angelegenheit parteipolitisches Kapital schlagen zu wollen, weil dies nur Politik- und Parteienverdrossenheit befördert“.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz kritisierte das Vorgehen Wulffs scharf. „Dass Herr Wulff nicht sofort reinen Tisch gemacht hat, schadet der ganzen politischen Klasse“, sagte Özoguz dem „Hamburger Abendblatt“. Sie wünsche sich weitere Aufklärung. Es sei misslich, dass alle Details nur stückchenweise aufgeklärt würden. Sie wolle, dass er als „glaubwürdiger“ Bundespräsident im Amt bleiben könne. Denn, so Özoguz: „Es wäre für Deutschland kein gutes Signal, wenn innerhalb kürzester Zeit wieder ein Bundespräsident gewählt werden müsste.“

Grüne dringen auf Aufklärung
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105 Kommentare zu "Bundespräsident unter Druck: „Wulff muss Bellevue räumen“"

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  • Immerhin wurde Wulff nicht vom Volk gewählt, sondern von Merkel (Lehrfach Agitation und Propaganda) als Konkurent nach oben weitergereicht.

    Es wird aber Zeit, daß das Volk mehr zu sagen hat:
    Spitzenpolitiker müssen vom Volk direkt gewählt werden.
    Und das Volk muß sie auch schnell wieder abwählen können! Beides kann man vorsichtshalber in Deutschland nicht.

  • Klartext!

    Diese Parasiten können nur exestieren, weil das Volk ohne Zivielchurage, Rückgradlos, ohne Werte und als Ego nur sich selber kennt.

    Recht, Fainess, Freiheit muss vom Volk kontrolliert, gemeinsam gesichert und immer neu erkämpft werden, Parasiten immer aufs neue eliminiert werden.

    Wir haben das was wir verdienen. Die Fetten Maden werden solange schmausen, bis sie vom blank genagten Volsknochen fallen.

    Erst dann wird die Strasse sich der Parasiten annehmen!

  • und tschüss

  • @alf

    "vom orgaNIEsierten Volk"

    eben ...

    Das war wohl eine Katze zu viel, oder?

  • Wulf ist das Spiegelbild einer voellig verkommenden, inkompetenten, selbstversorgenden Polit Mafia, welche von der Korrupten Justiz und derren Rechtsverdreher gedeckt wird.

    Das System ist ein stinkender Eiterbeutel, stinkt vom Kopf her und muss jetzt vom organiesierten Volk abgeschnitten werden.

    Einen Neuanfang, ohne diese gierigen Parasiten, gibt es nur dann, wenn diese Krebsgeschwuere radikal entfernt werden!

  • ps:

    damit niemand behauptet, ich hätte mir das ausgedacht mit dem MP ausgedacht. Es war die Sendung "Fragen an den Autor" des SR vom 2009-05-04 Jürgen Roth - Mafialand Deutschland

    Ist leider nicht mehr in deren Angebot, aber dafür in meinem exzellent bestückten Archiv ;-)

  • @dexx

    Ach ja, da wäre ja auch noch die Geschichte von einem MP, von dem die Berliner Presse weiss, daß er gelegentlich seine Nase in weisses Pulver hält - die kenne ich schon seit gut anderthalb Jahren ohne sie je irgendwo gelesen zu haben, weil sie in einem Feature oder einer "Fragen an den Autor"-Sendung über die Mafia in Deutschland erzählt wurde.

    Die sparen sich die Herrschaften, die das Publikum lieber unterhalten als zu informieren für schlechte Zeiten auf, wenn er vorher nicht mit einem "Liebe Freunde, ich kokse und das ist auch gut so", die Sache umdreht ...

    Herr im Himmel, Heuchler überall und der Mob tanzt Pogo. Das ist alles so jämmerlich. Als ob wir nicht auch schon so genug Probleme hätten, die es wert wären berichtet zu werden.

    Ich habe gestern abend zb. gehört (DLF http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/01/01/dlf_20120101_1905_906bd3db.mp3) daß der Iran gar nicht gedroht hat, die Strasse von Hormus zu sperren, sondern davor _gewarnt_ hat, daß die USA sie sperren. Und trotzdem höre ich überall das Gegenteil.

    Interessant, oder?

  • @RBern

    Wuff Wuff, was soll der Blödsinn? Ich habe mich die Tage ausführlichzu Lammert geäußert - vor allem dazu, daß der durchschnittsverblödete HBProll offensichtlich nur die Überschriften zu lesen scheitn und dabei übersieht, daß das, was Lammert zum Thema zu sagen hatte ZWEI Seiten hatte. Er hat, wie wir uns erinnern, zuerst Wulff gerügt und dann die Presse.

    Beim Durchschnittsdödel, der seine Meinung sofort gebildet hat, wenn er eine Schlagzeile gelesen hat, ging die Hälfte, in der nicht sofort die "ZENSUUUUUR!" Alarmglocken läuteten wie beim Pawlowschen Köter, schlicht unterging.

    Also, was soll der Quatsch? Muss ich mich zwanghaft an jedem SaudurchsDorftreiben beteiligen, nur weil die Yellow Press (also der Spiegel und Konsorten) damit ihr Geld verdient?

    Geht mir am .... vorbei.

    Mit ein bißchen Grips, also dem, was den keifenden Hysterikern hier komplett abgeht, sind einem die Regeln des Spiels doch klar: Zuerst wird ein bißchen gepiekst, der Adressat wird unruhig und versucht, den Ball flach zu halten, was im nächsten Atemzug wiederum zur Zündung der nächsten Stufe genutzt wird usw usf. Gähn.

    Das sind die Regeln der Medialen Verblödung.

    Mir geht übrigens auch der Wulff sonstwo vorbei, auch wenn ich klitzekleines bißchen erleichtert bin, daß sein Konkurrent bei der Wahl nicht ein halbes Jahr später mit präsidentieller Würde "Occupy" desavouieren konnte. Ich stelle mir gerade das Gekreische vor und die mediale Entrüstung.

    Wenn Medien sich entrüsten, wird mir eh übel. Denkt irgendjemand allen Ernstes, jeder xbeliebige Journalist wäre nicht auch irgendwann bereit, die Augen gegen Obulus zuzudrücken oder linke Nummern zu fahren.

    Ich sag nur "Netzwerk Recherche".

    Hauptsache Ihr habt Spaß daran, Euch zu echauffieren, ich find's jämmerlich.

  • Ich habe von dem Gerücht auch gehört und dass das Vorleben von BW in Berlin bekannt gewesen sei. Allerdings gilt noch immer in Deutschland: Affairen und Sexgeschichten von Politikern sind tabu und werden nicht instrumentalisiert. Von keinem Blatt.

    BW's Vorleben ist für CW's Fehlverhalten irrelevant. Das einzige, was interessant wäre: Wie hat CW BW kennengelernt? Stammgast? ;-D

  • @hardy Haben Sie eigentlich schon was von Gerstenmeier, ich meinte natürlich Dr. Lammert gehört?

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