Bundespräsident vor Rückzug Warten auf Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck soll sich entschieden haben, keine zweite Amtszeit anzustreben. Für den Mittag hat der 76-Jährige ein Statement angekündigt. Das Gezerre um seine Nachfolge hat schon begonnen.
Der 76-Jährige dürfte am Mittag bekannt geben, dass er für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung steht. Quelle: dpa
Joachim Gauck

Der 76-Jährige dürfte am Mittag bekannt geben, dass er für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung steht.

(Foto: dpa)

BerlinBundespräsident Joachim Gauck gibt um 12 Uhr im Schloss Bellevue eine Erklärung ab. Das teilte das Präsidialamt am Montag mit. Der 76-Jährige wird sich voraussichtlich dazu äußern, ob er 2017 für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht oder nicht. Die „Bild“-Zeitung hatte am Samstag berichtet, er habe sich vor allem wegen seines Alters und gesundheitlicher Beschwerden gegen eine zweite Amtsperiode von nochmals fünf Jahren entschieden.

Der Bericht heizte bereits die Debatte über einen möglichen Nachfolger an – und verstärkt die ohnehin massive Unruhe in der großen Koalition. Angesichts der Bundestagswahl im Herbst 2017 zeichnet sich eine komplizierte Kandidatensuche für die Kür des Staatsoberhaupts im Februar ab. Eine gemeinsame Lösung von Union und SPD ist nicht in Sicht - trotz ernstzunehmender Vorschläge wie Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Wer zieht ins Schloss Bellevue?
Norbert Lammert
1 von 9

Seit 2005 ist der CDU-Mann aus Bochum Präsident des Bundestages, der Umzug ins Schloss Bellevue wäre ein naheliegender Karriereschritt. Der 67-Jährige gilt als wortmächtig und intellektuell brillant, was er andere auch gerne spüren lässt.

Volker Bouffier
2 von 9

Früher eher dem rechten Flügel der CDU zugeordnet, führt der 64-jährige Volker Bouffier seit 2014 relativ geräuschlos und erfolgreich die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen. Ein Signal für Schwarz-Grün auch im Bund also.

Ursula von der Leyen
3 von 9

Ihr Name fällt immer, wenn es um Spitzenämter geht, auch als künftige Kanzlerin ist die CDU-Frau im Gespräch. Schon 2010 war die amtierende Verteidigungsministerin als mögliche Kandidatin für das Präsidenten-Amt im Gespräch.

Frank-Walter Steinmeier
4 von 9

Beinahe so etwas wie der natürliche Kandidat für das höchste Amt im Staate. Der 60-Jährige ist beliebt bei den Bürgern, angesehen über Parteigrenzen hinweg und diplomatisch erfahren. Aber hat ein SPD-Mann diesmal überhaupt eine Chance?

Martin Schulz
5 von 9

Der Präsident des Europaparlaments wird immer wieder genannt, wenn die SPD nach Kandidaten für Spitzenämter sucht. Doch abgesehen von der Schwierigkeit, eine Mehrheit zu finden: Kanzlerin Angela Merkel gilt nicht als Fan des 60-Jährigen.

Annegret Kramp-Karrenbauer
6 von 9

Die 53-jährige CDU-Ministerpräsidentin aus dem Saarland genießt Ansehen auch bei der SPD und den Grünen. Sie ist linker und jünger als andere CDU-Kandidaten, und sie ist eine Frau.  

Winfried Kretschmann
7 von 9

Der grüne Ministerpräsident aus Baden-Württemberg ist nicht nur in seiner Heimat populär. Sein landesväterlicher Habitus könnte auch für die Rolle des Bundespräsidenten passen. Wenn sich Union und SPD nicht einigen können, wäre der 68-Jährige ein Kompromiss.

Die Union will nach „Spiegel“-Informationen einen eigenen Kandidaten nominieren, falls Gauck (76) tatsächlich nicht mehr für eine zweite Amtsperiode von fünf Jahren antritt. Aus den Reihen von SPD und Linken kommen Forderungen, angesichts aussichtsreicher Kräfteverhältnisse in der Bundesversammlung einen rot-rot-grünen Bewerber dagegen zu stellen.

Der Bundespräsident hatte die Entscheidung über seine politische Zukunft bis zum Frühsommer angekündigt. Union, SPD und Grüne befürworten eine zweite Amtszeit des parteilosen Ex-Pastors und DDR-Bürgerrechtlers. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für eine Wiederwahl aus. Zuletzt meinten 70 Prozent der Bürger, Gauck solle weitermachen. Die Bundesversammlung zur Wahl des Staatsoberhauptes tritt am 12. Februar 2017 zusammen. Nach jetzigem Stand wäre dort auch die Durchsetzung eines rot-rot-grünen Bewerbers möglich.

Die Kandidatensuche ist so kompliziert, weil viele in der Spitze von Union und SPD vor der Bundestagswahl ein Signal in Richtung einer erneuten großen Koalition scheuen. Das Bündnis der Volksparteien gilt als Notlösung und solle nicht durch eine politische Weichenstellung wie die Präsidentenwahl quasi vorbereitet werden, heißt es.

Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte nannte die Gauck nachgesagten Beweggründe für seine Entscheidung in der „Passauer Neuen Presse“ (Montag) nicht ausreichend: „Ein Bundespräsident von diesem Kaliber sollte an seinem Thema weiterarbeiten. Joachim Gauck ist ein großer Integrationspräsident.“

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Bundespräsident vor Rückzug - Warten auf Gauck

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%