Bundesregierung Abhebegebühren an Geldautomaten sinken kaum

Besonders hohe Abgaben erheben Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Die Privatbanken hatten sich auf eine Höchstgrenze von 1,95 Euro verständigt. Die SPD fordert nun eine allgemeine gesetzliche Obergrenze.
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Viele Millionen müssten Bankkunden jährlich für das Fremdabheben zahlen. Quelle: dpa

Viele Millionen müssten Bankkunden jährlich für das Fremdabheben zahlen.

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BerlinDie Abhebegebühren an Geldautomaten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind für Kunden fremder Institute nach Angaben der Bundesregierung bislang kaum gesunken. Sparkassen verlangen von Fremdkunden im Schnitt 4,26 Euro pro Abhebevorgang, Genossenschaftsbanken 3,90 Euro, hieß es in einer am Freitag in Berlin veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion. Die privaten Banken hatten sich 2010 auf eine Gebührenobergrenze von 1,95 Euro verständigt. Die Bundesregierung berief sich bei ihrer Antwort auf Zahlen des Bundeskartellamtes.

Das Online-Finanzportal Biallo hatte Anfang 2012 die Abhebegebühren bei Deutschlands Genossenschaftsbanken und Sparkassen erhoben und festgestellt, das die damals untersuchten 258 Sparkassen im Schnitt 4,31 Euro pro Abhebevorgang von Fremdkunden verlangten. Die untersuchten 290 Genossenschaftsbanken berechneten damals demnach 3,67 Euro.

Die Einnahmen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken aus Fremdabhebegebühren hätten sich vom August 2011 bis Ende Juli 2012 bundesweit auf "mehr als 389 Millionen Euro" belaufen, hieß es in der Antwort der Bundesregierung.

Das darüber hinausgehende Gesamtvolumen der Einnahmen, bei dem auch die privaten Banken erfasst wären, sei der Bundesregierung jedoch "nicht umfassend bekannt".

SPD-Finanzexperte Carsten Sieling kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag, die Verbraucher zahlten an Geldautomaten "jährlich viele Millionen Euro zu viel". Um die Einführung einer allgemeinen gesetzlichen Obergrenze für Abhebegebühren "kommen wir nicht herum", sagte Sieling.

Wenn das Geld nichts mehr wert ist
Staatskrisen und politischer Wille
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Der Tausch einer Währung kann viele Gründe haben. In Deutschland waren es politische, wie bei der Einführung des Euro. Aber auch Inflation wie bei der Einführung der Rentenmark mit drohendem Staatsbankrott könne Gründe für einen Währungswechsel sein. Auch nach Kriegen werden die Geldsorten gewechselt, in Deutschland etwa im Jahre 1948. 

Foto: Peter Hintze, ehemaliger CDU-Bundesgeschaeftsführer, stellt ein Plakat zur Euroeinführung vor.

Staatliche Wechselstube
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Die Auswirkungen sind enorm und Währungswechsel kommen sehr häufig vor. So erlebte etwa ein Deutscher, der im Jahr 1921 in Leipzig geboren wurde, sechs Währungen. Im Durchschnitt wechselte bei ihm die Währung alle 15 Jahre. Handelsblatt Online zeigt auf den nächsten Seiten die wichtigsten Währungsreformen in Deutschland.

1871 bis 1873
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Nach der Gründung des deutschen Reichs aus zahlreichen souveränen Einzelstaaten sollte auch eine einheitliche Währung her. Im Laufe der Jahre tauschten die Deutschen ihre Taler, Gulden und Kreuzer in Mark. Als letztes Land führte Bayern die Mark ein.

1923 bis 1925
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Die Hyperinflation in der Weimarer Republik besiegelte das Schicksal der Mark. Wegen des Weltkrieges hatte die Währung bereits mehr als die Hälfte an Kaufkraft verloren. In den Folgejahren verlor die Währung- auch wegen Kriegskosten und Reparationsleistungen drastisch an Wert.

Reichsmark
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In der Folge wurde die Mark auf die Renten- und später Reichsmark umgestellt. Der Wechselkurs betrug eine Billion Mark zu einer Reichsmark. Auch wenn die Reichsmark als Goldkernwährung keinen Goldstandard hatte, bewirkte sie eine Entspannung bei der Inflation. Der Währungskurs pendelte sich zum US-Dollar auf den Stand vor 1914 ein. Nach der Machtübernahe der Nazis und im folgenden Krieg stieg das Geldvolumen wieder stark an.

1948 (BRD)
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Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges wurde in den alten Bundesländern die Deutsche Mark eingeführt. Die Reichsmark hatte keinen Wert mehr, die Deutschen schlugen sich mit Tauschgeschäften durch oder rechneten mit Zigaretten ab.

D-Mark
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Die Deutschen konnten ihre neue D-Mark an den Ausgabestellen für Lebensmittelmarken abholen: 40 DM sofort und weitere 20 DM zwei Monate später. Nach der Einführung folgte ein enormer Wirtschaftsaufschwung.

Bild: Am 20. Juni 1948, dem Stichtag der Wahrungsreform in den westlichen Besatzungszonen, drängen sich die Bürger in einer Hamburger Umtauschstelle, um sich die neue Währung auszahlen zu lassen.

Nach massiver öffentlicher Kritik an hohen Abhebegebühren hatte sich die Kreditwirtschaft 2010 nicht auf die Einführung einer einheitlichen Gebührenobergrenze fürs Geldabheben an fremden Bankautomaten verständigen können. Stattdessen einigte sich die Branche darauf, Verbrauchern beim Abheben an den Geldautomaten fremder Institute oder Finanzgruppen künftig die Höhe der anfallenden Gebühren direkt anzuzeigen.

Auch wurde damals beschlossen, dass die Abhebegebühren direkt an die Kunden weitergereicht werden und nicht mehr zuerst unter den Instituten verrechnet wurden. Diese hatten im Konkurrenzkampf untereinander teils noch deutlich höhere Gebühren verlangt, als den Verbrauchern am Ende in Rechnung gestellt wurden. Durch die Neuregelungen sollten die Gebühren für Verbraucher sinken.

Die privaten Banken erlegten sich damals zudem freiwillig die Gebührenobergrenze von 1,95 Euro für Abhebevorgänge fremder Kunden auf. Sparkassen und Genossenschaftsbanken folgten diesem Schritt aber nicht.

  • afp
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5 Kommentare zu "Bundesregierung: Abhebegebühren an Geldautomaten sinken kaum "

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  • Liebes Handelsblatt,

    eine differenziertere Berichterstattung hätte die berechtigten Kommentare überflüssig gemacht. Ist es nicht die Aufgabe des Journalismus ausgewogen zu berichten?

    Gruss

  • Super Beitrag!

    Mich ärgert diese ganze Diskussion auch maßlos. Wenn ich ein dichtes Geldautomaten-Netz kostenlos nutzen will, dann muss ich halt ein Sparkassenkonto eröffnen. Mit den entsprechenden Kontoführungsgebühren bezahle ich schließlich den Betrieb der Geldautomaten mit.

  • ... kostenfrei wären oder günstiger als die von den Kreditkartenunternehmen vorgegebenen Gebühren. Ein bisschen politischer Druck hat ja noch nie geschadet dem Ziel etwas näher zu kommen.

    Nicht unerwähnt bleiben sollte dabei, dass es ohnehin die von Steuergeldern geretteten Institute sind, die keine flächendeckende Bargeldversorgung garantieren können und wollen.

    Wir befinden uns auf bestem Weg in die Planwirtschaft. Leistung, Seriosität, Beständigkeit etc. für den Kunden wird nicht mehr honoriert. Gleichschaltung, Regulierung und Überheblichkeit gewinnen die Oberhand.

    Ein immer wieder gerne von mir genutzter Vergleich:
    --> Sie haben einen Swimmingpool im Garten. Ihre Nachbarn haben keinen, sie haben aber die Möglichkeit in das nur wenige Kilometer entfernte Schwimmbad zu gehen und dort gegen Eintritt zu schwimmen. Eines Tages kommen Sie von der Arbeit nach Hause und in Ihrem Garten liegt der halbe Straßenzug, sonnt sich und planscht in ihrem Swimmingpool. Sie sprechen einen der Nachbarn an und fragen ihn was das soll. Dieser erwiedert, das das doch kein Problem sei, im Schimmbad wollen Sie 2 Euro Eintritt haben und man muss ja auch erst ein paar Meter fahren um hin zu kommen. Dieser Garten ist schön angelegt, liegt idyllisch und hat einen wunderbar sauberen Swimmingpool. Sie als Eigentümer sind ja ohnehin den ganzen Tag an der Arbeit und da könne man doch wunderbar einfach den Swimmingpool teilen. Das meine übrigens auch der Bürgermeister, der später noch vorbei kommt und ein Schild an der Straße aufstellen will, dass der Swimmingpool von nun an kostenfrei von allen Einwohnern genutzt werden kann. Der Bürgermeister sagt, so gewinne das Virtel an Wohnqualität und alle hätten etwas davon.

    Ärgerliche Grüße,
    der Spielverderber

  • ... eigene Geldautomaten aufzustellen.

    Die ungefähren Kosten bzw. Kostenbestandteile eines Geldautomaten möchte ich hier gerne mal kurz aufführen:
    - Kalkulatorische Miete für den Stellplatz des Automaten: ca. 3.000 Euro im Jahr
    - Hardware für den Geldautomaten: Kosten ca. 55.000 Euro einmalig inkl. aller Nebenkosten und Installation
    - Wartung für die Hardware bei einem Servicedienstleister: ca. 4.800 Euro im Jahr
    - Alarmaufschaltung und Videoüberwachung, Skimmingschutz, Manipulationsschutz, Explosionsschutz, etc.: ca. 2.400 Euro im Jahr
    - Gesicherte Netzwerkanbindung per WAN: ca. 1.800 Euro im Jahr
    - Versicherungsleistung für die Geldaufbewahrung in Abhängigkeit zum zur Verfügung stehenden maximalen Geldvolumen: ca. 2.000 Euro im Jahr
    - Geldbeschaffung von geprüften/neuen Banknoten von der Bundesbank inkl. Geldtransportunternehmen: ca. 4.000 Euro im Jahr
    - Befüllung durch eigenes Personal oder wahlweise Geldtransportunternehmen: ca. 1.500 Euro im Jahr

    Das macht einmalig ca. 55.000 Euro (sicherlich verteilt über die Nutzungsjahre nach AfA-Tabelle) und jährlich ca. 19.500 Euro Sachaufwand. Hinzu kommen ggf. noch weitere Kosten wie die ausserplanmäßige Einführung neuer Banknoten (wie dieses Jahr die 5 Euro Noten), neue gesetzliche Sicherheitsstandards wie EMV-Chips, der Austausch von Sicherheitstastaturen nach den aktuellen Spezifikationen und selbstverständlich außerplanmäßige Reparaturen. Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, verdeutlicht aber, dass wir hier nicht über Peanuts sprechen.

    Wenn das eine Groß- Privat- oder Direktbank im ländliche Raum für ihre Kunden investieren möchte nur zu. Bislang ist es aber immer noch günstiger gewesen die geldautomatenaufstellenden Institute für diese Dienstleistung zu entlohnen. Die Kunden bezahlen ja ohnehin schon fast nichts für Bargeldverfügungen, die Direktbanken müssen aber einen festen Betrag an die Kreditkartenanbieter abdrücken, den sie sich sparen könnten, wenn die EC-Kartenabhebungen gänzlich....

  • Wieder einmal so ein unkritischer Artikel. Wieso ist eine Wirtschaftszeitung nicht in der Lage in diesem Zusammenhang tiefgreifender zu recherchieren und unabhängig zu berichten?

    Ich fasse einmal aus meiner Sicht mit dem Versuch keiner Wertung zusammen:

    - Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreiben auf eigene Kosten zusammen ein Geldautomatennetz mit bundesweit über über 43.000 Geldautomaten.
    - Die anderen drei Verbünde der Privatbanken betreiben bundesweit ca. 11.500 eigene Geldautomaten.
    - Innerhalb der Verbünde können die Kunden an den Automaten kostenfrei verfügen, d.h. den Sparkassenkunden stehen ca. 25.000 und den Genossenschaftsbankenkunden ca. 18.000 Geldautomaten für kostenlose Bargeldtransaktionen zur Verfügung.
    - Nur wenn man an einem Automaten eines anderen Verbundes Geld abheben möchte, muss der Kunde für diese Dienstleistung bezahlen.
    - Insbesondere im ländlichen Raum sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit ihren Geldautomaten vertreten. Wo der eine ist, ist der andere meist nicht weit.
    - Kostenlose Smartphone-Apps bieten den Service vom monmentanen Standpunkt des Kunden aus den nächsten kostenfreien Geldautomaten zu orten und den Kunden dort hin zu navigieren.
    - Groß- Privat- und Direktbanken betreiben ihre Automaten meist in Ballungszentren, an Autobahnrasthöfen, in Einkaufszentren, etc.
    - Direktbanken und auch einige Privatbanken bieten ihren Kunden meist über kostenlose Kreditkarten weltweit die kostenlose Bargeldversorgung an.
    - Zusammenfassend kann man sagen, dass über 95% der Kunden in kürzester Zeit ohne Aufwand einen Automaten finden können, an dem sie kostenfrei Bargeld verfügen können.
    - Die verbleibenden Kunden haben sich bewusst für eine Bankverbindung entschieden, bei der sie diesen Service nicht geniessen können, beispielsweise weil sie ihn einfach nicht in Anspruch nehmen wollen oder aus Kostengründen oder warum auch immer.
    - Es steht jeder Bankengruppe frei an jeder beliebigen Stelle der Republik ...




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