Bundesregierung schaltet sich beim BER ein „Wir planen ja keine Mondlandung“

Das erneute Desaster um die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens zieht weite Kreise: Jetzt schaltet sich die Bundesregierung ein und fordert endlich Klarheit über einen realistischen Eröffnungstermin.
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Der neue Hauptstadtflughafen wird auch in diesem Jahr nicht eröffnet. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen BER

Der neue Hauptstadtflughafen wird auch in diesem Jahr nicht eröffnet.

(Foto: dpa)

BerlinNach der erneuten Verschiebung der Eröffnung des Hauptstadt-Flughafens BER dringt die Bundesregierung auf einen neuen Termin. Die Flughafengesellschaft müsse sich dazu erklären, wann sie die Eröffnung nun für realistisch erachte, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Montag in Berlin und verwies auf die Sitzung des Aufsichtsrats am 7. Februar.

Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sein Bedauern über die erneute Verschiebung: „Dass dieses keine für Berlin oder Deutschland besonders schöne Situation ist, mit der wir große Werbung für uns machen, ist glaube ich jedem klar.“

Wie man keinen Flughafen baut
Hauptstadtflughafen BER
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Am neuen Hauptstadtflughafen ist das erste Bauwerk schon wieder abgerissen: Der 32 Meter hohe Aussichtsturm für Baustellenbesucher hat seine Lebensdauer überschritten. Macht eigentlich nichts, denn im neuen Jahr sollte es ja eigentlich so weit sein: Der drittgrößte deutsche Flughafen endlich am Netz – nach Jahren der Neubau-Sanierung, nach Milliardenaufwand und Skandalen. Noch ist das der offizielle Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017, aber alles spricht dafür, dass dieser Plan im Januar gekippt wird. Es wäre die fünfte Verschiebung, die Verspätung würde sich noch einmal um ein halbes Jahr auf dann sechseinhalb Jahre verlängern. 2017 ist einfach zu kurz für all das, was die Verantwortlichen noch schaffen müssen. Ein Überblick.

Genehmigen
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Der Kampf gegen Murks beim Brandschutz und anderen Einrichtungen im Terminal glich einer Sanierung im Bestand – mit immer neuen Bauanträgen. Für Mitte Januar rechnet Flughafenchef Karsten Mühlenfeld mit der letzten Genehmigung – hoffentlich ohne Nachforderungen des Bauamts. Denn der Ingenieur hat Airlines, Passagiere und Politik schon lange hingehalten: Er will auf Nummer sicher gehen, bevor er einen definitiven Eröffnungstermin nennt. „Wir erwarten eine auf Herz und Nieren geprüfte Einschätzung“, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), nach einer Sitzung des Kontrollgremiums Anfang Dezember. Das klang wie eine Drohung an Mühlenfeld. Denn jeden Monat verschlingt der leere Flughafen 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.

Fertig bauen
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Erst nach der letzten Genehmigung kann Mühlenfeld sicher sein, dass keine wesentlichen Umbauten mehr anstehen. Bei den vorherigen Anträgen hatte das Bauamt immer noch neue Mängel entdeckt: Lüfter unter der Terminaldecke standen auf zu schwachen Bühnen, am Bahnhofseingang zog der Rauch im Brandfall nicht richtig ab – das brachte jedes Mal neue Verzögerungen.

Testen und abnehmen
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Seit Monaten arbeiten sich Teams Abschnitt für Abschnitt durch das Terminal und nehmen Anlagen in Betrieb. Noch bis zum Sommer werden nach und nach alle Geräte eingeschaltet und geprüft, ob sie auch im Verbund laufen. „Nicht alles, was man einschaltet, funktioniert“, berichtet Mühlenfeld. Immer wieder sind kleine Umbauten nötig. Der Brandfall wurde in den meisten Bereichen bisher nur am Computer simuliert. Heißgasrauchversuche sollen im neuen Jahr zeigen, ob die Entrauchung wirklich funktioniert. Weil die Zeit knapp ist, sollen Tests, behördliche Abnahmen und Probebetrieb teils parallel laufen.

Proben
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Im Mai soll der Probebetrieb beginnen. Das gab es schon mal – vor der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012. Damals mussten die Komparsen Gepäckwagen an Baugerüsten vorbeibugsieren. 10 000 Freiwillige sollten Schwachstellen aufdecken. Die größte fand jedoch das Bauamt – den Brandschutz – und stoppte die Eröffnung. Mühlenfeld versichert: „Wir stehen heute ganz anders da als 2012.“

Umziehen
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Rund 1500 Lastwagen werden sich für den Flughafen-Umzug auf die 35 Kilometer lange Strecke von Tegel nach Schönefeld machen müssen. Anders als 2012 soll dieses Mal aber nicht alles in einer Nacht herüber, sondern in einem Zeitraum von vier Wochen.

Erweitern
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Der alte Flughafen Tempelhof ist seit 2008 geschlossen. Spätestens sechs Monate nach dem BER-Start soll auch Tegel schließen. Doch der Neubau in Schönefeld ist mit möglichen 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein. Die Planer in den 90er Jahren hatten nicht erwartet, dass Berlin 2016 schon rund 33 Millionen Fluggäste zählen würde. Neben dem neuen Terminal soll ein weiteres entstehen, das in Sichtweite gelegene alte Schönefelder Terminal für rund 10 Millionen vorerst offen bleiben. Mühlenfeld steht vor dem Spagat, einerseits die Eröffnung voranzutreiben, andererseits schon die Erweiterung zu planen. Wieder ist die Debatte entbrannt, ob der Flughafen Tegel am Rande der Innenstadt nicht doch einfach offen bleiben sollte.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft sowie und Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld hatten am Wochenende mitgeteilt, dass eine Eröffnung des Airports in diesem Jahr nicht mehr funktionieren könne. Der elektronische Schließmechanismus der Türen im Zusammenhang mit dem Brandschutz sorgte für neue Probleme. Mühlenfeld wies im „Tagesspiegel“ aber Befürchtungen zurück, der Flughafen könne auch 2018 nicht in Betrieb gehen. „Es entbehrt jeder Grundlage, über 2019 oder 2020 zu diskutieren“, sagte er.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte ebenfalls Klarheit. „Wir müssen in diesem Jahr mit dem Bau fertig werden, mit der technischen Fertigstellung, um den Flughafen 2018 eröffnen zu können“, sagte er dem „Tagesspiegel“ und fügte hinzu: „Wir planen ja keine Mondlandung.“ Die Geschäftsführung müsse Aufsichtsrat und Gesellschaftern ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegen und auch Druck auf die Firmen ausüben.

Der BER hat schon eine Reihe von Verschiebungen hinter sich. Im Jahr 2012 waren schon Einladungen zur Eröffnung verschickt worden. Gesellschafter und Eigentümer des Projekts sind die Länder Berlin und Brandenburg (je 37 Prozent) sowie der Bund (26 Prozent).

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11 Kommentare zu "Bundesregierung schaltet sich beim BER ein: „Wir planen ja keine Mondlandung“"

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  • Warum schreiben die Medien immer noch die falsche Jahreszahl? Richtig ist doch 3017. Die Experten müssen doch weiter ihre Boni erhalten. Die Jahreszahl kann sich jedoch noch weiter nach hinter verschieben, da wir doch das Drehkreuz schon gestrichen haben. Änderungen kosten Zeit.

  • Den BER könnte man auch in ein Mahnmal unfunktionieren.

    Es wäre ein Zeichen dafür, was verantwortungslose Politiker im "kleinen" an Schaden anrichten, um anschließend auf Andere als Verantwortliche zu zeigen.

    Es ist beliebig übertragbar auf die "große Politik".

  • Berlin, wie hast dir verändert ... vom Aushängeschild des freien Westens und rel. Wohlstand zum Verwaltungschaos, ausufernder Kriminalität und No Go Areas wie Kotti und Görlitzer Park. Man sieht wohin links-grüne Ideologie am Ende führt ... Chaos und Abstieg für alle.

  • ich bin nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte... deswegen kommt mir der Gedanke, dass hier Steuermittel (Geld der Bürger) an andere (Anteilseigner der Firmen, die dort involviert sind - wohl meist im Ausland sitzend) umverteilt werden.

    Aber naja, wie gesagt, der hellste bin ich nicht. Ab einem IQ von 120, denkt man über diesen Sachverhalt sicher ganz anderst -> "es läuft reibungslos"

    PS: Klasse! Weiter So.

  • Vielleicht kann man den BER ja auch noch umwidmen? Bahnhof oder Kulturzentrum mit angeschlossener Kart-Bahn wären doch sinnvolle Alternativen.

  • Der BER ist auch nur ein staatliches Projekt, wie viele andere staatliche Projekte auch. Der BER wirkt als schwarzes Loch, das jede Menge Geld anzieht. Geld das in dem schwarzen Loch verschwunden ist, kann nie wieder daraus entkommen.
    Versprochen.
    Andere schwarze Löcher sind beispielsweise S21 (viel Spass mit dem Gips-Keuper), die Energiewende, die Euro-Rettung und die Willkommenskultur. Esgeht vorrangig darum, die Leistungsbilanzüberschüsse, die Deutschland erwirtschaftet in aus Sicht der regierung sinnvolle Projekte zu versenken. Und das auf Nimmerwiedesehen.

    So geht Wirtschaft heute.

  • Der BER steht stellvertetend für die Deutsche Bundesregierung unter einer Grün-Sozialistischen Merkel Führung.
    Es waren doch die Sozen, die meinten, Sie könnten als Politiker besser einen Flughafen planen und bauen als ein Baukonzern. Das Ergebnis sieht man ja jetzt.

  • „Wir planen ja keine Mondlandung“

    Richtig - am Mond sind die doch schon seit Jahren vorbeigeflogen. Und das zu Mondpreisen(Kosten)

  • BER ist ein Zeichen für den Zustand Deutschlands. Wir verwalten und reglementieren uns zu Tode. Vorschriften und Auflagen ohne den Sinn zu hinterfragen und über allem natürlich ein Beamtenheer das alles überwacht und kontrolliert und ein sofortiges Veto einlegt wenn es nicht 100% so läuft wie es die Beamten gerne hätten.

    In der heutigen Zeit hätten es Daimler, Siemens, Krupp und Co. niemals geschafft ihre Unternehmen zu gründen. Warum? Einfach mal mit "Gründern" reden, was ihnen für Steine in den Weg gelegt werden. Aber vor allem ist es wichtig, dass jeder Existenzgründer zuerst seine GEZ-Gebühr, seine Müllgebühren, seinen IHK-Beitrag, seinen Krankenversicherungsbeitrag und natürlich seine Steuervorauszahlungen leistet.... Wenn er dann auch noch erfolgreich ist, darf er die Hälfte seines Gewinnes an den Staat abführen. Wenn er sogar sehr erfolgreich ist, bekommt er alle 3 Jahre vom Finanzamt Besuch, die ihn dann jeden einzelnen Beleg rechtfertigen lassen.

    Tja, Unternehmer in Deutschland macht nicht wirklich Spass. Kein Wunder, dass es mit dem BER nicht klappt. Vielleicht sollte man hier mehr ausländische Unternehmen beschäftigen. Die haben neben der Verwaltung noch Zeit zum Arbeiten...

  • Tja - wenn der Herr Dobrindt als Vertreter des Mit-Bauherren Bund lieber seine Zeit mit einer nutzlosen Pkw-Maut vertändelt, statt vor der Ministeriumstür mal nach dem Rechten zu sehen - dann darf man sich nicht wundern, wenn nix vorangeht.

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