Bundestag stimmt Eurorettung zu „Denn sie wissen nicht, was sie tun“

Reise ins Ungewisse, Unfall nicht ausgeschlossen: Der deutsche Bundestag hat die Erweiterung des Euro-Rettungsfonds abgesegnet. Die Konsequenzen ihrer Entscheidung können die Abgeordneten nicht übersehen. Ein Kommentar.
81 Kommentare

DüsseldorfEs kann sein, dass unsere Kinder einmal mit Stolz in ihrem bis dahin garantiert elektronischen Geschichtsbuch lesen: Am 29. September 2011 beschloss eine Mehrheit der Abgeordneten im Deutschen Bundestag, die Gemeinschaftswährung für Europa gegen Angriffe aller Spekulanten zu verteidigen - koste es was es wolle. Dieser Beschluss beschert Europa seither Frieden und Wohlstand.

Wie gesagt, das kann sein. Wahrscheinlich ist es aber nicht. Wahrscheinlich ist, dass unsere Kinder feststellen, dass ihre Eltern und deren Volksvertreter einem Mechanismus in Gang gesetzt haben, der ihnen die finanzielle Unschuld geraubt hat, bevor sie überhaupt geboren wurden. Der einen Schuldenberg für die Zukunft heraufbeschworen hat, der zu ihren Lebzeiten dazu führt, dass Europa im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallen ist.

Nicht weil unsere Abgeordneten grenzenlose Optimisten wären, haben sie sich zu ihrem Entschluss durchgerungen. Sie baden viel mehr eine Entwicklung aus, die damit begonnen hat, dass Europa sich eine Währungsunion gönnte, bevor die politische Union geformt war. Seither werden Unzulänglichkeiten der Europäischen Gemeinschaft, wie der unterschiedliche Umgang mit der eigenen Haushaltskasse, auf dem Rücken der Gemeinschaftswährung ausgetragen. Der Zwangsläufigkeit, die die Europäer der Jahrtausendwende von Kohl bis Mitterand mit der Einführung des Euro schafften, ist heute auch die Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag wieder nicht entronnen.

Da nützen Ausreden, dass das Geld nur eine Bürgschaft sei, wenig. Sie enthüllen bloß, dass keiner derjenigen, die jetzt "Ja" zum vergrößerten Rettungsschirm gesagt haben, wissen kann, was die Konsequenz dieser Entscheidung sein wird. Es hätte helfen können, sich in so einer Situation an das zu halten, was als solide gilt.

Zum Beispiel jener Satz aus dem Wörterbuch eines Schwaben: Wer bürgt, heißt der, gibt besser Geld. Und wer kein Geld geben kann, soll besser nicht bürgen. Daran haben sich die Abgeordneten nicht gehalten.

Eine bessere Methode, als sich in Ausreden und Zweckoptimismus zu flüchten, wären auch einfache Schlussfolgerungen. Etwa die, dass es notwendig ist, in Griechenland den Schuldenschnitt zu wagen. Dort steigen, seit dem wir in die Rettung dieses Landes investieren, die Schulden unaufhörlich weiter, was ein Indiz dafür ist, dass die augenblickliche Methode versagt.

Eine Schlussfolgerung muss auch sein, ein Land aus dem Euro entlassen zu können, um es in Würde in Konkurs zu schicken. Das wäre besser für die Menschen innerhalb und außerhalb dieses Landes. Eine Erkenntnis ist auf jeden Fall, dass auch die Eurokernländer, dass auch Deutschland seine Schulden abbauen muss, anstatt neue anzuhäufen.

Schade, dass das alles heute im Parlament eher untergegangen ist. Unsere Kinder werden deswegen einst Fragen an uns haben.

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81 Kommentare zu "Bundestag stimmt Eurorettung zu: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“"

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  • Entschuldigung ich vergass ihn mitzugschicken oder kennen Sie ihn:
    "DER AMTSEID: Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe. Ein Schelm wer böses dabei denkt:innocent:

  • Bitte wiederholen Sie in Ihren nächsten Beiträgen doch mal den Abgeordneten Schwur bei der Eid-Abnahme im Bundestag.
    Man sollte die Verklagen, die dagegen handeln, denn wie war das mit dem falschen Schwur !?

  • Es gibt einen Politiker der weiss ganz genau was er tut: Wolfgang Schäuble!
    Als Bundesfinanzminister hat er einen Einblick in die ganze Finanzmisere wie kaum ein anderer.
    Für ihn ist Politik und Macht sein einziger Lebenszweck und Antrieb. (verstärkt durch sein Leben im Rollstuhl)
    Nun hat er mit seiner angeschlagenen Gesundheit wohl nicht mehr so viele Jahre vor sich.
    Was soll ihm also noch gross passieren ausser dass er sein Amt verliert?
    Daher wird er Deutschland und damit auch ganz Euroland in den grösste Pleite aller Zeiten führen.
    Auch A. Merkel weiss genau was sie anrichtet.
    Bei ihr ist es mehr die Angst ihre Führungsschwäche zugeben zu müssen die sie immer weitermachen lässt.
    Das Versagen der deutschen Regierung wird im Blick zurück auf gleicher Stufe wie das Versagen der weimarer Republik stehen.

  • Und unsere Kinder werden fragen, warum Journalisten erst nach der Abstimmung auf kluge Gedanken gekommen sind und nicht im Vorfeld massiv dagegen Stellung bezogen haben.

  • Und hier bittesehr der Kommentar zu diesem Kommentar:

    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=235162

    Die vereinte Medienlandschaft Deutschlands sollte sich schämen, ihrer Pflicht als vierte Gewalt im Staat nicht nachgekommen zu sein.

  • Schöne Geschichte, aber im Ernst, es ist erschütternd für mich als Bürger zusehen zu müssen, wie am gestrigen Tag
    das Recht mit Füssen getreten und gelogen wurde, daß sich die Balken bogen.An Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten.Aber, da bin ich sicher,es wird nicht lange dauern bis wir die Zeche bezahlen dürfen und die Rechnungen serviert bekommen.
    Respekt vor allem den Abgeordneten die ihr Hirn noch zum Denken benutzen und dagegen gestimmt haben.
    Unseriös auch die Beschimpfungen diese als " Abweichler "
    zu titulieren.Im Gegenteil diesen Abgeordneten gehört ein Orden verliehen. Deutschland hat sich gestern an den Rest Europas vor allem an Frankreich,Italien,Spanien,Portugal usw.verkauft.Der Preis den das deutsche Volk zu bezahlen hat wird sehr,sehr hoch sein.Seit gestern hat auch Deutschland seine Zukunft und die unserer Enkel und Urenkel
    vertan.Die Konsequenz wird sein, daß Europa sehr schnell wieder zerfallen wird. Der Krieg hat begonnen.

  • Eigentlich weiß ich nicht wirklich, was die Aufregung soll.
    Wir haben genau die Regierung, die wir verdienen.
    Was da im Parlament sitz ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft.
    Also sind die dort getroffenen Entscheidungen die Entscheidungen der Mehrheit der Deutschen.
    Und wenn die Mehrheit der Deutschen bereit ist, für ein derzeitiges "meins, meins, meins" womöglich "die Zukunft" zu verkaufen - dann ist das eben so.

  • "Denn sie wissen nicht, was sie tun" - besser hätte die Headline nicht ausfallen können! Schon allein durch die Schaffung eines Rettungsschirmes hat die Politik in unlauterer Weise in marktwirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten eingegriffen, nun die Erhöhung, die nur deshalb notwendig geworden ist, weil man mit weiteren Ausfällen rechnet. Allein der Gedanke, dass man ja vermutlich gar nicht in Haftung genommen werden wird, schon gar nicht in der Höhe, ist pervers genug, denn die Nehmerländer werden sich nun darauf ausruhen und früher oder später wird uns die Haftung in vollem Umfang treffen. Indiz dafür ist, dass die Politik schon jetzt versucht, diesen Rettungsfond zu hebeln, warum wohl? Es zeichnet sich ab, dass Italien und Spanien zu Sorgenkindern werden und man will dafür gewappnet sein. Man kann der Großindustrie für die Zockermentalität unserer Politiker durchaus einen Teil der Verantwortung anlasten, denn diese Industrie ist hauptsächlich Nutznießer des Euro, der Globalisierung und der Rettung von Banken. Der Normalbürger wird mit einem vermeintlich sicheren Arbeitsplatz abgespeist, aber dieser Wohlstand ist insgesamt auf Sand gebaut. Unternehmerische Risiken werden in der Euro-Zone, aber auch weltweit, immer mehr auf den jeweiligen Staat abgewälzt. Die Politik nimmt sich dieser Aufgabe dankend an, da sie in unserer überregulierten Welt sonst nichts zu tun hätten. Nur als Unternehmer und Banker geben unsere Politiker eine denkbar schlechte Figur ab. Die eigentlich zu leistende Arbeit, die Schaffung von einheitlichen Rahmenbedingungen für Europa im Bereich Wirtschaft, Steuern und Soziales, bleibt aber liegen, das wäre nämlich zu viel Arbeit für die Politik, die sich lieber mit dem angenehmeren Ausgeben von Steuergeldern befasst.

  • Willkommen in den (verarmten) Vereingten sozialistischen Staaten von Europa. Ich kann nur meinen Kommentar aus einem anderen Thread wiederholen: das ist Hochverrat an unserem Vaterland der da gerade mit Kanzlermehrheit beschlossen wurde.

  • @Pendler
    Ich weiß ja nicht, welche opskuren Medien sie nutzen. Ich schaue kein Fernsehen, lese kaum Zeitungen und nutze NUR das Internet. Ich denke, sie tummeln sich zusehr auf den Phantast-Seiten.

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