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Experte zum Kanzlerduell Nur ein Merkel-Aussetzer kann Steinbrück noch helfen

Das TV-Duell ist Steinbrücks letzte Chance gegen Merkel Boden gut zu machen. Doch ausgerechnet das Format der Sendung macht die Sache für ihn zu einem aussichtslosen Unterfangen.
31.08.2013 - 08:37 Uhr 45 Kommentare
Das Fernsehstudio in Berlin Adlershof steht für das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und dem SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück bereit. Frage ist: Wer wird punkten? Quelle: dpa

Das Fernsehstudio in Berlin Adlershof steht für das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und dem SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück bereit. Frage ist: Wer wird punkten?

(Foto: dpa)

Berlin Es könnte der wichtigste Sonntagabend im politischen Leben von Peer Steinbrück werden. Bei einem Rückstand von fast 30 Prozent in den persönlichen Umfragewerten hinter Angela Merkel muss der SPD-Kanzlerkandidat beim TV-Duell mit der Kanzlerin am Sonntagabend eine gute Figur machen, wenn er die Chance auf einen Machtwechsel erhalten will. Angesichts dieser Ausgangslage gilt das gleich von vier TV-Sendern übertragene Streitgespräch als eigentlicher Höhepunkt des Wahlkampfes. 2009 sahen immerhin 14 Millionen Zuschauer das TV-Scharmützel zwischen Merkel und ihrem damaligen Herausforderer Frank-Walter Steinmeier.

Steinbrück dürfte das rege Zuschauerinteresse aber nicht viel nützen. Es ist vor allem das Format des Duells, das dem SPD-Frontmann Chancen verbaut. Der Politikwissenschaftler Michael Kolkmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hält daher das TV-Duell in seiner jetzigen Form für überholt. "Das Duell wird von so rigide festgelegten Regeln beherrscht, dass es sehr schwer sein wird, davon längerfristiger zu profitieren. Da müsste es schon zu einem Aussetzer oder einer Panne eines der Kandidaten kommen, um mit Blick auf die Wahl einen entsprechenden Einfluss auszuüben", sagte Kolkmann Handelsblatt Online.

Willy Brandt wollte als Erster
KIESINGER BRANDT
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Erste Versuche, ein Fernseh-Duell nach amerikanischem Vorbild auszutragen, unternahm in Deutschland Willy Brandt (r.). Vor der Bundestagswahl 1969 forderte er Amtsinhaber Kurt Georg Kiesinger (CDU) zu einer solchen Debatte vor laufenden Kameras auf, schlug aber vor, noch weitere Teilnehmer hinzuzunehmen. Kiesinger bügelte den Vorstoß mit folgendem Satz ab: „Es steht dem Kanzler der Bundesrepublik nicht gut an, sich auf ein Stühlchen zu setzen und zu warten, bis ihm das Wort erteilt wird.“

(Foto: ap)
Bundestagswahl historisch
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Vor der Bundestagswahl 1976 forderte CDU-Herausforderer Helmut Kohl (l.) den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) heraus. Dieser lehnte jedoch ab. Zur Wahl 1980, als erneut über ein Duell diskutiert wurde, sprach sich die Mehrheit der Deutschen in einer Emnid-Umfrage gegen ein solches TV-Event aus.

(Foto: dpa)
Bundestagswahl historisch
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Ab 1990 verspürte Helmut Kohl, nun selbst Bundeskanzler, kein gesteigertes Interesse mehr an TV-Auftritten. Er nahm dann auch nicht mehr an den sogenannten Elefantenrunden teil, die bis dahin stets wenige Tage vor den Wahlen stattfanden.

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 2520963 HAM01:GERMANY-SCHROEDER:HANOVER,GERMANY,26FEB98 - Gerhard Schroeder (L), Prime Minister of northern German state Lower Saxony sh
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Die ersten Fernsehduelle gab es schließlich auf Landesebene: Vor der Hamburger Bürgerschaftswahl stellte sich 1997 Amtsinhaber Henning Voscherau (SPD) seinem CDU-Herausforderer Ole von Beust. Ein Jahr später debattierten Ministerpräsident Gerhard Schröder (l.) und der CDU-Kandidat Christian Wulff (r.) im niedersächsischen Landtagswahlkampf beim Sender N3.

(Foto: Reuters)
Bundestagswahlkampf im Fernsehen
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Die Premiere auf Bundesebene feierten 2002 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, r.) und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU, l.). Die Regeln des Aufeinandertreffens waren genau festgelegt. Beide Redner hatten für jede Antwort maximal 90 Sekunden Zeit. Den Moderatoren waren pro Antwort zwei Nachfragen gestattet, deren Beantwortung wiederum nicht länger als 60 Sekunden dauern durfte. Ein Notar überwachte die Gleichbehandlung. Es gab zwei Termine: Das erste wurde von SAT1 und RTL übertragen (Moderatoren: Peter Limbourg und Peter Kloeppel), das zweite Duell von ARD und ZDF (Sabine Christiansen und Maybrit Illner).

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 5307567 Auf einem fernsehgeraet ist am Sonntag, 4. September 2005, ein Werbe-Spot der ARD zum abendlichen TV Duell zwischen Bundeskanzle
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Drei Jahre später ließ sich die CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel auf nur ein einziges TV-Duell ein. Heiß wurde über die Steuerrechts-Vorschläge von Paul Kirchhof diskutiert, der für Merkel ein entsprechendes Konzept vorgelegt hatte.

(Foto: ap)
huGO-BildID: 5309760 Zwei Maenner verfolgen am Sonntagabend, 4. Sept. 2005, in einer Kneipe in Gelsenkirchen das TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerh
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Das Duell stieß 2005 auf großes Interesse: Mehr als 20 Millionen Menschen saßen vor dem Bildschirmen, als sich Merkel und Schröder stritten. Der Sozialdemokrat wurde anschließend von der großen Mehrheit als Sieger gesehen – das reichte für eine starke Aufholjagd, letztlich aber nicht mehr für den Wahlsieg.

(Foto: ap)

Spannender wäre das Duell sicherlich, wenn die Kandidaten sich gegenseitig oder Zuschauer die Kandidaten befragen dürften, sagte Kolkmann weiter. Auch verhindere die Zahl von vier Moderatoren eine kontroverse Veranstaltung. "Hier müsste es im nächsten Wahlkampf sinnvollerweise zu einer Reform kommen."

Wie bei früheren Wahlen spielt auch diesmal das Regierungslager die Bedeutung der TV-Debatte eher herunter, während die Opposition im Gegenzug besonders hohe Erwartungen in den Auftritt legt. "Wir sehen das TV-Duell als einen sehr wichtigen Punkt, weil da Nordrhein-Westfalen aus den Ferien kommt", meint dagegen SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Für die Mobilisierung sei das Ferienende im bevölkerungsreichsten Bundesland an diesem Wochenende eine Wegmarke. "Da ist das TV-Duell ein ganz zentraler Punkt, um richtig in die Schlusskurve zu kommen."

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    Ein Blick auf die Dramaturgie des Unions-Wahlkampfes zeigt dagegen, dass das Ereignis nur eine untergeordnete Rolle spielt oder spielen soll. Die heiße Phase beginnt die Union demonstrativ erst am darauf folgenden Wochenende in Düsseldorf. Merkel hatte zudem darauf beharrt, Steinbrück nur einmal gegenüber zu sitzen - und das auch noch im relativ sicheren zeitlichen Abstand von drei Wochen zur Wahl. Jeder mögliche positive Effekt für den Herausforderer soll wieder vergessen und von vielen anderen Wahlkampf-Eindrücken überlagert sein, wenn die Wähler am 22. September abstimmen. "Es mangelt nicht an Gelegenheit, sich über Persönlichkeiten und Programme ein Urteil zu bilden", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zu Reuters.

    Raab bringt Würze in das TV-Duell

    Einig sind sich die Experten, dass es in der Sendung nicht unbedingt darauf ankommt, was gesagt wird, sondern auch wie es ankommt. Peer Steinbrück dürfte dabei nach landläufiger Einschätzung die Favoritenrolle zukommen: In der Öffentlichkeit gilt er als schlagfertiger und gewitzter als Merkel. Wer Merkel aus kleineren Runden kennt, weiß zumindest, dass auch die CDU-Chefin mit Humor und Witz zu punkten versteht. Aber es ist unklar, ob dies neben Steinbrück wirkt, der am Sonntag übrigens die erste Frage erhält.

    Dessen Stärke gilt aber zugleich als sein größtes Risiko - was an den Nerven der SPD-Strategen nagt, die allesamt die desaströsen Ausfälle Gerhard Schröders gegen Merkel am Wahlabend im Jahr 2005 im Hinterkopf haben. Damals war die CDU-Chefin zu konsterniert, um zu antworten. Aber genau ihr Schweigen sicherte wohl ihre Karriere und Kanzlerschaft. Heute hat Merkel diese abwartende Haltung längst zu einem Element ihres Regierungsstils entwickelt - darf aber neben einem energischen Herausforderer auch nicht als passiv erscheinen. Zu aggressive Angriffe auf sie lösen jedoch erfahrungsgemäß eher einen Solidarisierungseffekt aus. Ein Warnsignal für Steinbrück ist, dass laut ZDF-Politbarometer mehr Befragte damit rechnen, dass Merkel im TV-Duell besser abschneiden wird.

    Merkel dürfte präsidial auftreten
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    45 Kommentare zu "Experte zum Kanzlerduell: Nur ein Merkel-Aussetzer kann Steinbrück noch helfen"

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    • Die "Aussetzer" haben unsere Politiker tagtäglich!!!

      Weiß gar nicht, wer wem überhaupt helfen möchte!!!

      Was für Diskussionen!?

    • Also mir fehlt ein Kanzlerduell zwischen allen Kanzlerkandidaten aller Parteien zumindestenz der Grünen,FDP,CDU/CSU,SPD,Linke, Piraten undsw. Den so ein Duell ist in meinen Augen ein Abglatsch des Amerikanischen Präsidentenduell(obama-gegen-romney). Nur Publicity spielt hir eine Rolle nicht mehr Intelligence.

    • Es ist eben die einzige "Berufs"- Gruppe, die keinerlei Qualifikationsnachweis erbringen muß und trotzdem selbst über ihr Einkommen bestimmen kann... ):

    • Dreiste grüne Selbstbedieung wird mit 317.000€ belohnt.
      http://www.noz.de/deutschland-und-welt/politik/74365972/fall-paschedag-317-000-euro-fuers-nichtstun

    • "Nur ein Merkel-Aussetzer kann Steinbrück noch helfen"
      Diese ganze Regierung Merkel ist ein einziger Aussetzer.
      Ich sage nur Niedriglohnsektor wird immer mehr ausgebaut, Altersarmut wächst. Kein Vorschlag und Plan zur Rentenplanung für jüngere Generationen.
      In der Europolitik hat weder CDU/CSU/FDP noch SPD/GRÜNE/LINKE eine Alternative zur jetzigen Situation.
      Für die Bundestagswahl 2013 sind alle Szenarien vorgegeben.
      Der Wähler hat nur zwei Möglichkeiten.
      a) soll es so weiter gehen unter Schwarz/Gelb (Lobbypolitik, Reiche werden immer reicher, Armut nimmt zu) oder Rot/Grün (Versprechen für bessere Löhne, Bessere Renten, Gerechteres Gesundheitssystem)
      b) Abstimmung für oder gegen den Euro, dann bleibt nur AfD.
      Fazit: machen wir weiter mit der Politik der ruhigen Hand, dann bleibt das Gefühl zwischen was ist in der Wundertüte und wir warten aufs Christkind. Mal ehrlich, wen befriedigt eine Politik ohne Richtungsvorgaben, mit der Hoffnung von vielen, solange es mir gut geht interessiert mich nicht was mein Nachbar bekommt. Nicht zu vergessen die Situation der jungen Generation, die nach den jetzigen Vorgaben von heute auf morgen leben, keine vernünftigen Festanstellungen bekommen, keine Aussicht auf Rentenrücklagen haben.
      Herr Steinbrück braucht doch nur einmal Frau Merkel zu fragen, welche Konzepte sie hat, außer abwarten, zögern, verdrängen von Problemen. Diese Regierung Merkel steht auf dem Standpunkt, wenn sie alle Leute im Hamsterrad am laufen hält, hätte sie alles getan. Jeder hat eine Beschäftigung ob man damit über die Runden kommt ist zweitrangig, und die oberen 10% sind auch zufrieden, weil unsere Politik so ausgerichtet ist, dass deren Vermögen immer mehr anwachsen.

    • Diese Frau als Bundeskanzler/in ist der "Aussetzer" schlechthin.

    • Erschreckend!
      Es ist schockierend, wie sich viele Leute hier mit ihrer primitiven Wortwahl outen. Kein Wunder, wenn die Politiker der Meinung sind, die Bürger sind dumm und unmündig und deshalb können sie diese wie Untertanen behandeln. Da zeigt sich doch ganz deutlich: Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient.

    • @Harlemjump

      Es ist ziemlich egal ob Frau Wagenknecht hohe Absätze trägt oder im Rolls Royce vorfährt. Wichtig ist dass sich ihre Partei für verbesserte Lebensbedingungen der Kleinverdiener und der Hartz IV-Sklaven einsetzt. Wenn dies zu Lasten eines Rolls Royce ginge wäre es auch egal. Wichtig ist dass es den Kleinen endlich besser geht. Für diese Unterschicht (immerhin 20 Prozent der Deutschen) interessiert sich eben nur DIE LINKE. Daher sollten 20 Prozent der Deutschen diese Partei wählen.

    • @Beobachter
      Wieviel Zeit soll dieses Berufspolitikertum eigentlich noch bekommen um irgendwas zu bewegen?
      Ich finde es reicht!

      Alles was die bis jetzt getan haben, ist das Volk zu verarschen.
      Die Mövenpick Partei, weiss nicht was sie will und Merkel sitzt alles aus und ist noch stolz drauf.

    • Diese Wahl gewinnt Frau Merkel und das ist gut so. Möge die FDP nöch viele Stimmen hinzubekommen, damit es endlich mal voran geht in good old Germany.

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