Neues ZDF-Format Wahl-Quiztalkgameshow mit Brüderle und Gysi

Dauer-Wahlkampf im Fernsehen: In "Wie geht's, Deutschland?" beweist Marietta Slomka zwei Talente - und das ZDF, dass Shows längst nicht mehr zu seinen Stärken zählen.
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Comoderator Mitri SirinMarietta Slomka

Comoderator Mitri SirinMarietta Slomka

Ob der Bundestagswahlkampf nun die Fahrt aufnimmt, die bisher viele Beobachter vermissten, bleibt fraglich. Das Wahlkampf-Fernsehen aber überschlägt sich dieser Tage geradezu. Genau 24 Stunden, nachdem Rainer Brüderle  und Gregor Gysi sich im "kleinen TV-Duell" fürs ARD-Programm in Berlin-Mitte gestritten hatten, traten die Spitzenkandidaten von FDP und der Linken gestern in Potsdam-Babelsberg vor ZDF-Kameras. "Wie geht's, Deutschland?" bot Top-Politiker aus weiteren Parteien - und eine hoffnungslos überkandidelte Mischung aus Quiz-, Game- und Talkshow mit Studiopublikum. Einige der besseren Momente des laufenden Wahlkampf-Fernsehens enthielt die Sendung dennoch.

Der über zwei Stunden lange Fernsehabend begann mit einer 45-minütigen Reportage der "heute-journal"-Moderatorin Marietta Slomka. Thema wie Zeitarbeit, Steuerbelastung sogenannter Normalverdiener und Altersarmut wurden anhand von Beispielen zwischen Mönchengladbach und München, Roth bei Nürnberg und Köln unaufgeregt, aber scharf von mehreren Seiten angerissen. Slomka und die ZDF-Kameras beobachteten Bürger in ihren Wohnungen oder Häusern, die offen über ihre finanzielle Verhältnisse redeten - eine für die 20.15 Uhr-Sendezeit überraschend differenzierte Reportage. Mit einer Rentnerin, die sich live im Saal freute, inzwischen den Halbtagsjob zur Aufbesserung ihrer Rente ergattert zu haben, um den sie sich in der Reportage bemüht hatte, begann die eigentliche Show.

Wie zu Lightshow und Untermalungsmusik die prominenten Gäste ins Studio einmarschierten - neben Brüderle und Gysi Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel, Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sowie die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) - deutete das Konzeptproblem der Quiztalkgameshow allerdings bereits an.

Dem eigentlich stimmige Ansatz, die Wahlkämpfer exemplarisch mit "Normalbürgern" zu konfrontieren, deren konkrete Lebens- und Finanzverhältnisse vorgestellt worden waren, kamen immer wieder alberne Spielchen in die Quere: Erst musste den Politikern ein Gegenstand, der für eines ihrer Hobbys stehen sollte, zugeordnet werden ("Siggi Pop" Gabriel seine Tanzschuhe, Göring-Eckardts einen Schalke 04-Fanschal). Später mussten die Politiker hektisch auf eine neu dekorierte Showbühne rennen, um lebensgroßen Platzhaltern bestimmter Berufe ihr mutmaßliches Gehalt zuzuordnen - zumindest vorm Fernseher ließen sich Ablauf und Ergebnis dieses Spiels kaum nachvollziehen.

Die Präsenz der Betroffenen kitzelte einiges hervor
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13 Kommentare zu "Neues ZDF-Format: Wahl-Quiztalkgameshow mit Brüderle und Gysi"

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  • Es geht um Zuwanderung und mangelnde Fachkräfte. Arbeitslose Fachkräfte gibt es genug, aber aus dem Ausland kann man sie mit Hungerlöhnen bezahlen. Wer in Deutschland mit 40 seine Arbeit verliert, warum auch immer, hat keine Chance auf einen neuen Job.

  • Für das ZDF gar nicht so schlecht!
    Sichtlich bemüht, eine Wohlfühlatmosphäre herzustellen, fehlte Frau Slomka nur noch ein "Ich freu mich"-Auftritt von z.B. Marianne und Michael.

    Die Aussagekraft der eingeblendeten Twitter und Co.- Aktivitäten hatten leider für den Zuschauer keinerlei inhaltliche Aussagekraft, sondern dienten nur dem ZDF als Beweis: Es gibt Netzaktivität - also bin ich!

    Höhepunkt war natürlich das Industrielobby-Brüderle mit seiner Frage: Was ist, wenn man viel sagt und nichts dabei herauskommt? Antwort vom Publikum: FDP!

  • Auch wenn ich die politischen Thesen von Gregor Gysi politisch für absolut falsch halte, so gefällt mir sein persönlichen Charme und seine angenehme Zurückhaltung bei der Beschimpfung seiner poilitischen Kontrahenten. Ganz anders Gabriell, mit seiner arroganten Art, anderen dauernd ins Wort zu fallen und selbst endlos über das Steuerehöhungs-Parteiprogramm der SPD zu schwafeln. Auch seine politische Mitstreiterin, Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, besitzt nicht, wie bereits in anderen Diskussionsrunden demonstriert, den persönlichen Anstand, andere ausreden zu lassen. Ansonsten war diese gameshow der absoluteTiefpunkt in den politischen Dikussionssendungen, was mich nach der Ankündigung einer weiteren läppischen Spielrunde auf Kindergartenniveau nur noch zum Abschalten veranlassen konnte.
    Amos40

  • Wie @Wilhelm schon sagte, das sändige Stehlen unserer Rentenbeiträge, denn was anderes it es nicht, wurde ga nicht gesagt, hier ist auch bei den Moderatoren immer eine Wissenslücke.
    Die Reportage war gut gemacht von Slomka.
    Aber der Rest der Sedung verkam so ein bißchen zu Wetten das und war im höchstem Maßte dumm und albern

  • Vicario
    hier muß ich Ihnen absolut zustimmen

  • Das Verteidigen der Beamtenprivilegien war wieder mal bezeichnend. Kein Wort darüber, dass die Rentenkassen seit Gründung der BRD systematisch geplündert werden. Die Pseudozuschüsse aus der Steuerkasse reichen bei Weitem nicht aus, um diesen Raubzug zu kompensieren. Das beste alte Beispiel ist die Wiedervereinigung,und die neuste Frechheit das Elterngeld, das aus der Rentenkasse abgegriffen wird. Beamte, Freiberufler, Politiker haben und hatten mit der Finanzierung dieser Ausgaben nichts zu tun

  • Der Stil der Sendung hat mir gefallen. Frau Slomka sowieso.
    Die Beiträge der einzelnen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen waren sehr gut.

    Nur bei der Studiodiskussion kamen mir die einzelnen Lebensbeispiele zu kurz. Es wäre ganz gut, wenn der Wähler direkter in Diskussion gehen könnte zu den Politikern.
    Die Spielchen lockern zwar auf und lassen die Politiker evtl. netter erscheinen, machte das Ganze aber sehr hektisch.

    Das Einzige was auffiel, Brüderle war so zurückhaltend!?

  • Bisher hatte ich von der Arbeit von Frau Slomka eine sehr, sehr hohe Meinung; bis gestern. Da war nur noch Fremdschämen wie in einem C-Promi-Format bei RTL II angesagt. Einfach nur gruselig, die politische Erkenntnis gleich null, die Wahlbeteiligung wird mit sowas noch weiter belastet.

  • Die Statements der Politiker waren doch allesamt die gleichen wie (am Tage) vorher. Also ist kein Lernerfolg durch die Konfrontation mit dem Wähler abzusehen! Nur die Doku war gut gemacht, weil sachlich und unaufgeregt. Das Show-Element (Bühnenauftritte) sollte wohl den EQ und die Kreativität der Politiker illustrieren... Dabei waren Gabriels Totalausfall und v.d.Leyens Ehrgeizigkeit besonders auffällig.

  • Zitat : Der über zwei Stunden lange Fernsehabend begann mit einer 45-minütigen Reportage der "heute-journal"-Moderatorin Marietta Slomka

    - das war ja nicht schlecht, Beispiele aus dem realen Leben aufzuzeigen.

    Aber anschließend durch die Dauerdampfplauderer mit ihren Permanentlügen das ganze wieder in ein falsches Licht zu rücken, ohne denen zu widersprechen, war eine sehr schäbige Leistung und hat die Würze aus dem geschehen genommen !

    Die Spieleinlagen für die vermieften Partei-Genossen waren verschwendete Zeit und haben von der eigentlichen Diskussion abgelenkt !

    Das fehlen der "Wirklichen Opposition" wie der AfD oder der Piraten deutet wieder auf die Einschläferungstaktik der Systemtreuen Medien.

    Fazit : die Reportage im ersten Teil der Sendung hat sich durch den zweiten Teil der Sendung am Sachverhalt selbst aufgehoben.

    Sendungen mit fehlenden Oppositionsparteien verkommen immer mehr zu Propagandabühnen der etablierten Parteien mit Wiederholungen ihrer Lügenstatements !

    Nicht SEHENSWERT !

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