SPD-Anhänger vs. Große Koalition Proteststurm gegen Sigmar Gabriel

„Wählerverräter“, „Steigbügelhalter für Merkel“, „Muttis Fußabtreter“: Bei SPD-Anhängern kommt die schwarz-rote Eintracht nicht gut an. Auf der Facebook-Seite von Parteichef Gabriel machen sie ihrem Ärger Luft.
Update: 18.10.2013 - 15:20 Uhr 51 Kommentare

BerlinSigmar Gabriel hat die SPD in eine schwierige Situation manövriert. Die Entscheidung der Parteispitze, eine Neuauflage der Großen Koalition anzusteuern, könnte sich noch zum gefährlichen Bumerang für ihn entwickeln. Schon jetzt macht sich bei vielen SPD-Anhängern und –Mitgliedern großer Unmut breit.

Die Steilvorlage für seine Kritiker liefert Gabriel selbst – mit einem Video, das er auf seiner Facebook-Seite posten ließ. Darin erklärt der SPD-Chef, warum er und seine sozialdemokratischen Mitsondierer dafür sind, dem Parteikonvent, der am Sonntag tagt, die Aufnahme von Koalitionsgesprächen mit der Union zu empfehlen. „Die Verhandlungsgruppe der SPD hat nach der dritten Sondierungsrunde einstimmig verabredet und beschlossen, dass wir aus unserer Sicht den Eindruck haben, dass die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen Sinn macht", sagt Gabriel. Konkrete Verhandlungsergebnisse, etwa beim umstrittenen Mindestlohn, gebe es nicht. „Aber wir glauben, dass wir eine gemeinsame Basis mit der Union finden können, um Koalitionsverhandlungen auch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.“

Erfolg ist ein dehnbarer Begriff. Bislang erschöpft sich vieles, was sich die SPD-Vorderen darunter vorstellen, in der Formulierung von Allgemeinplätzen. So auch, wenn die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, die sich bis vor kurzem noch besonders kritisch über die Chancen einer Großen Koalition geäußert hat, nun erklärt: „Im Arbeitsmarkt, bei der Bildung, bei der Rente, bei der Pflege, bei der Infrastruktur, bei den Kommunalfinanzen und auch bei Integration – da ist ein Weg erkennbar und das ist für uns entscheidend, weil wir glauben, damit einen Politikwechsel auch wirklich realisieren zu können.“

Die SPD-Anhänger wollen davon nichts wissen, für sie ist die Große Koalition generell ein rotes Tuch. Und das tun sie in mehr als 600 Kommentaren auf Gabriels Facebook-Seite kund. „Ich fühle mich von meiner Partei verraten und verkauft“, schreibt dort ein Jan Hitschfeld. Ein anderer wird noch deutlicher: „Machtgeile Wählerverräter!“ Ein Clemens Riesser will Gabriel nun nicht mehr als Genosse bezeichnen. „Ich und viele andere, gleichgültig ob Mitglied in der SPD oder nicht, haben nicht SPD gewählt um eine Große Koalition zu wollen wie ihr sie jetzt anstrebt“, macht er seinem Ärger Luft. Für ihn sei das Betrug an denen, die SPD gewählt hätten. „Für mich seid ihr nur noch Lakaien eurer Machtgelüste.“

Dass die jetzt anstehende Entscheidungsfindung bei der SPD – nach dem Parteikonvent sollen letztlich die knapp 500.000 Mitglieder der Partei über einen Koalitionsvertrag entscheiden – kein Spaziergang wird, weiß auch Gabriel. Bei der Gewerkschaft IG BCE – das ist so etwas wie ein Heimspiel, ein Treffen mit der Basis, äußert er sich entsprechend zurückhaltend.

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51 Kommentare zu "SPD-Anhänger vs. Große Koalition: Proteststurm gegen Sigmar Gabriel"

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  • „Wer jetzt austritt, kann nicht gegen Schwarz-Rot stimmen“


    Andererseits gerät die Argumentation der Gabriel-Mitarbeiter ins Wanken als ein Robert Kemp schreibt: „Vor der Wahl: Keine Große Koalition, keine Koalition mit der Linke. Auf einer Wahllüge bleibt ihr sitzen.“ Das "Gabriel-Team" kontert, man könne eine Große Koalition schlecht finden. Aber eine „Wahllüge“ sei das nicht. „Wir haben die nämlich – anders als eine Koalition mit den Linken – nie ausgeschlossen.“

    Tatsächlich liegen die Mitarbeiter des SPD-Chefs an dieser Stelle falsch. Denn der einstige Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, Peer Steinbrück, war es, der eine Große Koalition ausgeschlossen hatte. Ziemlich deutlich sogar. Im ZDF-Sommerinterview hatte er auf die Feststellung, dass eine Große Koalition rechnerisch eine Option wäre geantwortet: „Das halte ich für sehr unwahrscheinlich, weil die SPD nicht nochmal der Steigbügelhalter sein will einer Großen Koalition mit Frau Merkel als Kanzlerin. Wir haben unsere Erfahrungen gemacht.“ Zwischen 2005 und 2009 sei die SPD nicht belohnt worden in dieser Koalition, „wo sie personell und inhaltlich der bessere Teil gewesen ist - und das wiederholen wir nicht“.
    Das zum Thema Glaubwürdigkeit!!!
    Die Schröderverbündeten sind mit Gabriel,Steinbück,Steinmeyer all gegenwärtig.

    Die SPD-Eliten haben es wieder einmal geschaft, den Großteil der SPD-Basis hinters Licht zu führen!!

  • Uns Sigmar hätte Steinbrück nicht gelassen und gegen einen Parteivorsitzenden anzustinken - na ja, nicht wirklich einfach, oder?
    Außerdem sollte man einfach abwarten und eine Tasse Tee trinken - vielleicht sehen SPD/Grüne/Linke doch noch die historische Chance aus der Opposition heraus der Minderheitskanzlerin zu sagen, was sie zu tun und was sie zu lassen hat. Würde sicherlich klappen - Frau Merkel liebt doch ihren Job....

  • Hätte die SPD vor der Wahl ein rot-rot-grünes Bündnis angekündigt, wäre Mutti bei schlappen 46-47% gelandet und hätte die absolute Mehrheit erlangt. Nur für die "Strategen", die Steinbrück angesichts des Wahlergebnisses vorwerfen, kein rot-rot-grünes Bündnis eingegangen zu sein. In der Opposition hätten nun beide Seiden, SPD und Linke, Zeit gehabt eine kraftvolle Opposition zu bilden, aufeinander zuzugehen, Gräben zuzuschütten und Glaubwürdigkeit für ein künftiges Bündnis zu erlangen. Aber die Aussicht auf Ministerposten ist anscheinend verlockender.

  • Die Ausssicht auf einen wohldotierten Ministerposten mitsamt Pensionsansprüchen ist zu verlockend.

  • Sie haben doch die Agenda erlebt. Warum sollte Gabriel anders sein?
    Die CDU wäre ohne diese Leute besser dran, also wird kopuliert.
    Vielleicht bleibt ja "für ein paar Pöstchen mehr" nix mehr übrig.
    Kein Charisma, nur miese Nummern:
    ügen über einen Mindestlohn dessen Entstehungsgeschichte sie selber verbrochen haben.
    Schlechte Leute in schwierigen Zeiten, die verdienen was sie geschichtlich erhalten werden.
    Agenda und verarmt ist ein bisschen dicke - eines hätte gereicht.

  • Nein!
    Was sie als "wahre Sozialdemokratie" bezeichnen, ist nicht anderes als Sozialismus, der von seiner Natur nicht nur undemokratisch, sondern auch zutiefst unsozial wäre, in letzter Konsequenz also das glatte Gegenteil von wirklicher Sozialdemokratie.
    Man muss sich angesichts der massiven Kampagne, die der Linksaußen-Flügel der SPD derzeit führt - gegen Übernahme von Regierungsverantwortung, für ein Deutschland ruinierendes rot-rot-grünes Bündnis - aber tatsächlich wünschen, dass die SPD auf lange Zeit von den Regierungsbänken fernbleibt.

  • ..............das ist die Folge, daß wir heute keine Persönlichkeiten mehr haben. Alle Personen in dieser Partei sind schwammig. Alles redet wirr durcheinander, im Glauben, damit einen Platz an der Sonne zu haben, um sich damit herauszuheben. Mitnichten. Diese Partei wird in der Regierung zermalmt. Es bleibt von diesem Haufen nach 4 Jahren nix (nichts) mehr übrig. Sie werden ein noch viel größeres Fiasko erleben, als bei der letzten großen Koalition. Es ist eine Schmach, das es in dieser Partei nur ein Mittelmaß an Politiker gibt, mit der qualitativen Tendenz nach unten. Wir Bürger können nur ohnmächtig zusehen. Was können wir tun? Wir, draußen in den Wohnungen und Häusern? Nun, die Familien wieder aufzurüsten mit all den schönen Dingen, mit denen unsere Vorfahren schon glücklich waren. Also viel lesen, kulturell uns das genehmigen, was den Bedürfnissen der Menschen entspricht. Viel Sport, viel beten, nicht zu viel Gutes essen. Genußmittel wie Kaffee, Alkohol, und Nikotin links liegen lassen. Rauf aufs Rad und ab in die Natur. Also an das eigene Wohlsein denken. Und nicht nach oben schauen. Und dann zu hoffen, daß es einigermaßen gut gehen wird. Es gibt kein Universal-Rezept, es gibt nur das Denken, sich selber gesund und wohl zu fühlen und alles dafür zu tun...............Wir haben eine wundervolle Sprache, eine der Tollsten überhaupt. Für jeden Begriff gibt es unzählige Ersatzbezeichnungen............wir können stolz auf uns sein......................

  • Die SPD ist vor acht Jahren auf Merkel hereingefallen, weil Steinbrück und Steinmeier nicht richtig verhandelt haben und nur an ihren eigenen Posten interessiert waren.
    Diese Geschichte wiederholt sich jetzt.
    Auch Gabriel steht nicht gerade für Verzicht.
    Wie kann die SPD eine Alternative sein, wenn sie jetzt wieder mitmacht.
    Für die SPD wäre es besser den Grünen den Vortritt zu lassen.
    Leider wird die SPD wieder von schlechten Leuten angeführt.

  • @ AnonymBillyjo 18.10.2013, 17:32
    Teil 2
    Die Urne steht aber nur symbolisch da, denn die Zettel wurden bereits ausgewertet.
    Und dann wird verlesen:
    Gewinner ist der Läufer mit der schwarzen Pudelmütze mit 41,5% der Zuschauerstimmen
    Zweiter ist der Läufer mit der roten Pudelmütze mit 25,7% der Zuschauerstimmen
    usw.
    Und dann beginnt wie immer die Diskussion, dass die schwarze Pudelmütze nicht wirklich der Gewinner sein könne, sondern es wäre der Wille der Zuschauer, dass die schwarze und rote Pudelmütze zusammen als Gewinner erscheinen sollten, obwohl die sich ja gar nicht verstehen, da sollten doch die rot-rot-grünen Pudelmützen zusammen als Sieger gelten, aber die rote Pudelmütze war ja schon vorher dagegen.
    Es ist wohl ganz gut, dass im Sport der Gewinner noch nicht durch die Zuschauer gewählt wird.
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    Und bei der Bundestagswahl kann es in dem Sinne keinen Gewinner geben, höchstens ein Abbild der Interessenverteilung in einem Staat.
    Aber wie will man dem wirklich gerecht werden?
    Notwendig ist vor allem eine breite Bürgerbeteiligung über Volksabstimmungen (googeln).
    Genug wichtige Themen gibt es, wie Euro/DM und EU/D, Gentechnik, Massentierhaltung, ...

  • Zum Politikwechsel der Sozis :

    alle Forderungen der Sozis könnten ab dem 22. Oktober problemlos realisiert werden : Mindestlohn, Rente mit 65, Spitzensteuersatzerhöhung, etc. !

    Im Neuen Bundestag hat Rot/Rot/Grün die Mehrheit......also könnte man all die Sachen ohne mit der CDU zu koalieren sofort gesetzlich durchbringen.

    Es ist jetzt abzuwarten, ob die Linke nicht diese Farce veranstaltet und entsprechende Anträge auf Gesetzesvorlagen stellt. Dann kann die SPD richtig EINPACKEN !!!!

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