Wirtschaftsforschungsinstitute Schlechte Noten für Familienpolitik der Koalition

Wirtschaftsforschungsinstitute stellen der Familienpolitik der Koalition nur ein mäßiges Zeugnis aus – denn nicht alle Instrumente wirken, wie sie sollen. Doch es gibt auch Ausnahmen.
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Forscher werfen der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vor, die Ergebnisse ihrer Familienpolitik zu positiv zu bewerten. Quelle: dpa

Forscher werfen der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vor, die Ergebnisse ihrer Familienpolitik zu positiv zu bewerten.

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BerlinDie Familienpolitik der Bundesregierung trägt aus Sicht einer von ihr eingesetzten Expertengruppe nur bedingt dazu bei, die Situation von Eltern und Kindern zu verbessern. Das zeigt ein Bericht der Wirtschaftsforschungsinstitute ZEW, DIW und Ifo, der der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitag) vorliegt. Schlecht kommt darin das Ehegattensplitting weg. Aber auch eine Kindergelderhöhung, wie sie neben Union und FDP auch SPD und Linkspartei planen, wird kritisch gesehen. Aus Sicht der Forscher sinnvolle Instrumente sind dagegen Kita-Ausbau und Elterngeld.

Die Regierung hatte eine Gruppe von Instituten beauftragt, die 156 staatlichen Familienleistungen im Umfang von 200 Milliarden Euro auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Noch vor Abgabe der letzten Einzelstudien gab es im Juni Ärger: Einige der Forscher warfen Familienministerin Kristina Schröder (CDU) vor, ihre Ergebnisse zu positiv zu bewerten. Am 2. Oktober wollen DIW, Ifo und ZEW laut „SZ“ nun ihre eigene Sicht der Dinge darlegen.

In ihrem Bericht loben die Wissenschaftler ausdrücklich den Kita-Ausbau. Der Besuch eines Kindes in einer staatlich geförderten Kita ist aus Sicht der Forscher die einzige Maßnahme, die alle von der Regierung definierten Ziele der Familienpolitik erfüllt. Dazu zählen die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die frühe Förderung von Kindern, die Erfüllung des elterlichen Kinderwunsches und die bessere finanzielle Absicherung der Familie.

Positiv schneidet der Zeitung zufolge auch das Elterngeld ab. Allerdings fordern die Forscher mehr Anreize, dass sich Mütter und Väter die Betreuung ihrer Kinder tatsächlich teilen. Dagegen steht das Ehegattensplitting aus Sicht des ZEW-Experten Holger Bonin zu Recht in der Kritik, „da es für den Zweitverdiener - meist die Frau - einen Anreiz setzt, nicht arbeiten zu gehen“. Einem höheren Kindergeld stehen die Forscher skeptisch gegenüber, da die Zahlung Eltern kaum Anreize biete, ihr Verhalten zu ändern, einen Job anzunehmen und besser fürs Alter vorzusorgen.

  • dpa
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8 Kommentare zu "Wirtschaftsforschungsinstitute: Schlechte Noten für Familienpolitik der Koalition"

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  • Es gibt eine brandneue Studie zum Einfluss verschiedener Betreuungsformen auf die Kinderentwicklung (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22928988), die alle familienpolitische Schlussfolgerungen aus Wirtschaftsinstituten ad absurdum führt, weil sie auf zwei Dinge hinausläuft: 1) Gruppenbetreuung verursacht oder fördert Verhaltensprobleme, insbesondere Hyperaktivitä 2) Effektive Interventionen und Fördermaßnahmen für Kinder sollten sich auf Familien und elterliche Erziehung richten. (Implizit: Jeder Krippenplatz-Euro ist Verschwendung).

  • Diese Berichte haben so irgendwie einen Hauch von DDR. Kinder ab in die staatliche Verwahrung.
    Das Wort Mutter wird offenba demnächst zum Schimpfwort.
    Weit haben es diese Forscher gebracht

  • Abgesehen von der Fragwürdigkeit der Studie und des zweifelhaften Ergebnisses - stellt sich die Frage warum dieser Beitrag zwei Tage vor der Wahl in einigen deutschen Zeitungen aufgegriffen wird, obwohl dieser bereits am 02. Februar vom Spiegel veröffentlich wurde? Versucht man den Demoskopen eine fragwürdige Hilfestellung zu gewähren.

  • Nur für die Familienpolitik gibt es schlechte Noten? Da muss man sich doch nur das gesamte Kabinett dieser Schwarz-Gelben Regierung anschauen. Nur Nullen! Ohne jegliche Kompetenz. Und es kann auch nichts nachkommen, denn es fehlt die Substanz. Diese Parteien sind ausgelaugt!

  • es gibt zig Studien und Umfragen dazu, das Mütter nur Teilzeit arbeiten wollen. zuletzt las ich diese Entwicklung beim Ärzteblatt im Bezug auf Ärtzinnen. Es gibt immer mehr weibliche Ärzte, diese WOLLEN aber NICHT Vollzeit arbeiten, wenn sie Kinder haben, sondern nunmal nur Teilzeit!!

    daher steigt der Bedarf an Ärzten an, weil dort ebenfalls eine Arbeitszeitumverteilung stattfindet vermehrt.

    Nun kann nicht ein Volkswirt ankommen und sagen, wir müssen nun jeden in Vollzeit zwingen. Wenn man das versucht, dann werden solche mütter auf Kinder ganz verzichten oder nur ein Einzelkind bekommen. Wenn Frauen nunmal Teilzeit arbeiten wollen, dann muss die Gesellschaft FAMILIENFREUNDLICH werden und eine TEILZEITGESELLSCHAFT werden. Das hätte den Nebeneffekt, dass man Arbeit umverteilen kann, sofern das Bildungssystem darauf sinnvoll abgestimmt ist (Weiterbildungen etc).

    warum man in DE die Vollzeitgesellschaft proklamiert ist mir ein Rätsel. Trotz "Fachkräftemangel" arbeitet jeder 4. prekär. 70% der Niedriglöhner sind Frauen, die Stundenzahl, die jene arbeiten sinkt immer weiter ab auf nur noch 18%. Und dann kommen Volkswirte und meinen, nur weil es Krippen gibt, stellen Arbeitgeber auf einmal urplötzlich all Vollzeit ein und haben Bedarf an Mehrarbeit...

    Schwachsinn hoch 10. Wir müssen uns an Holland anpassen: Mann und Frau absoluten Rechtsanspruch auf Teilzeit, ein flexibles Umschulungs- und Weiterbildungssystem staatlich gefördert und bedingungslos. Vollzeit für alle ist vollkommen hirnlos. Da wo ich arbeite nebenbei verschwinden übrigens immer mehr Stellen, v.a. für Personen mit Ausbildung. Die wandern ins Nirwana - also wieder weniger Berufsmöglichkeiten für Frauen (und Männer).


  • natürlich muss das Kindergeld angehoben werden! Es muss inflationsgesichert werden, weil es das Existenzminimum der Kinder mit abdecken soll. Meine alleinerziehende Schwester zieht in DE 2 Kinder groß, sie benötigt das Kindergeld dringend, um steigende Kosten aufzufangen und die Miete zu bezahlen.

    in DE leben immer mehr Alleinerziehende in Armut, auch jene die eine Stelle haben, haben oft zu niedrige Einkommen. DE sichert Alleinerziehende schlechter ab als Dänemark z.B.

    In DE leben immer mehr Kinder in Armut, weil die Mütter zu geringe Einkommen haben. Das Kindergeld gleicht ein wenig die Lohnzurückhaltung und die schlechten Löhne in Frauenberufen wie Arzthelferin aus. Die meisten Mütter mit kleinen Kindern wollen nunmal nur Teilzeit arbeiten und das muss denen auch möglich sein.


    wir haben nichts davon einen Arbeitsmarkt mit Vollzeitkräften zu fluten, der nicht genug Arbeit vorhält. Das Arbeitsvolumen in DE liegt bei niedriger 29-30 Std-Woche bzw. annuell bei 1400 Stunden knapp.

    Das liegt daran, dass in DE schlichtweg nicht genug Arbeit für alle vorhanden ist. Hinzu kommt die Konzentration auf nur wenige Berufe.

    Holland macht es richtig! Die Gesellschaft muss zur Teilzeitgesellschaft umgebaut werden statt Vollzeit für alle zu fordern. Anders geht es nicht, Arbeit muss umverteilt werden.

    http://www.ingenieur360.de/konjunktur/automation-erfordert-neuausrichtung-der-arbeitsmarktpolitik/

    Auch bei DL wird immer mehr automatisiert und rationalisiert -- mit ner "Vollzeit für alle Gesellschaft" steigt die Arbeitslosigkeit vieler eher an. Daher die Minijobber -- das sind verdeckt Arbeitslose





  • ... das Ehegattensplitting..., „da es für den Zweitverdiener - meist die Frau - einen Anreiz setzt, nicht arbeiten zu gehen“.

    Nein, das Ehegattensplitting ERMÖGLICHT es, dass ein Elternteil ganz für die Erziehung der Kinder da sein kann.
    Aber klar, da der Wegfall des Ehegattensplittings Milliarden in die immer klamme Staatskasse spülen würde, wird sich immer ein „Experte“ finden lassen, der sich gegen das Splitting ausspricht.

  • der Zwangsbesuch der Kita ab Krippenalter ist keine Familienpolitik, sondern Wirtschaftspolitik. Die schlauen Volkswirtler GLAUBEN anscheinend die Mär, dass sich jedes Angebot (an Arbeitskräften) seine Nachfrage (nach Arbeitskräften)automatisch selbst schafft. Das stimmt aber im realen Leben nicht. Nur weil man den A-Markt mit steigendem Erwerbspersonenpotential flutet, steigt nicht deren Beschäftigung. Ein Großteil der Frauen konzentriert sich auf nur 10 Ausbildungsberufe, wo oft über Bedarf ausgebildet wird. Wenn die alle den A-Markt fluten, weil man ökonomischen Zwang ausübt und die Krippen ausbaut, so entstehen nicht automatisch mehr Stellen für die. Schon heute wird ein Großteil der Frauen mit Berufsausbildung in Minijobs abgedrängt, weil für Mehrarbeit kein Bedarf besteht - daran ändert auch Kita-Ausbau nichts. Ich empfehle den Ökonomen sich mal den ländlichen Raum in DE zu betrachten, wo viele Kinder noch zu Hause betreut werden -- es gibt dort nicht genug Stellen, außer Handel und Tourismus oft auch nicht genug potentielle Arbeitgeber, noch ein bisschen Pflege evtl., aber selbst die haben noch genug Pflegehelfer, es fehlen max. Qualifizierte. Wo sollen all die Frauen auf einmal arbeiten können???

    ich bin echt gespannt darauf -- in meinem Bekantenkreis haben viele damals ne Ausbildung gemacht, aber außer Minijobs nie ne Stelle gefunden - denn mehr Arbeit ist nicht vorhanden, mehr wird nicht gebraucht. Das Erwerbspersonenpotential war noch nie so groß wie heute. Es gibt viel zu wenig vrnünftige Stellen, v.a. im ländlichen Raum ist tote Hose - daran ändern auch Krippen nichts.

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