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Bundestagswahl „Anfang vom Ende des Hypes“: Wahlforscher sehen Grüne nach Wahl in Sachsen-Anhalt geschwächt

Trotz eines mageren Ergebnisses in Sachsen-Anhalt halten sich die Grünen für gut positioniert. Politikwissenschaftler sprechen dagegen von einem „schweren Dämpfer“.
07.06.2021 - 17:46 Uhr 3 Kommentare
Einige Politikwissenschaftler sehen den Hype um die Partei abebben. Quelle: dpa
Grünen-Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck

Einige Politikwissenschaftler sehen den Hype um die Partei abebben.

(Foto: dpa)

Berlin Politikwissenschaftler sehen in dem schwachen Ergebnis der Grünen in Sachsen-Anhalt „den Anfang vom Ende des Grünen-Hypes“. Die Idee, dass die Partei die Union bei Wahlen überholen könne, sei schon immer eine Träumerei gewesen, sagte der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter dem Handelsblatt. „Das grüne Wählermilieu stimmt mit dem Durchschnitt der Bevölkerung nicht überein, es zielt vor allem auf das gut betuchte Bürgertum ab.“

Den Grünen müsse es zur Bundestagswahl gelingen, breitere Wählergruppen jenseits des Wohlstands- und Wohlfühlmilieus anzusprechen, sonst schrumpfe der Hype noch weiter. Die Verstärkung ökonomischer Akzente sei dabei unabdingbar.

Der Politikwissenschaftler und frühere Grünen-Politiker Hubert Kleinert sprach von einem „schweren Dämpfer“. Zum einen seien die Grünen im Osten traditionell schwächer. Gleichzeitig sei die Stimmungslage im Bundestagswahlkampf aber nicht mehr so günstig. „Die negativen Schlagzeilen – etwa zu den Nebeneinkünften und der Benzinpreisdebatte – haben dem Hype der vergangenen Wochen offenbar geschadet.“

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sagte hingegen, die Landtagswahl sei kein „Stimmungstest“. „Wie alle vier Landtagswahlen, die seit der Bundestagswahl 2017 in den neuen Bundesländern stattfanden, wurden die Entscheidungen der Wähler in Sachsen-Anhalt in erster Linie durch die Landes- und nicht die Bundespolitik beeinflusst“, sagte er.

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    Die Grünen hatten bei den Landtagswahlen am Sonntag nur 5,9 Prozent der Stimmen erzielt. Parteichefin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gestand ein, dass man sich mehr erhofft habe. Viele Menschen hätten aber verhindern wollen, dass Rechtsextreme eine Regierung mitbestimmten, und deshalb die CDU unterstützt.

    Optimale Ausgangslage für die Wahlen

    Auch Parteichef Robert Habeck erklärte am Montag, die Grünen hätten Hoffnungen gehabt, „dass unser Ergebnis stärker sein würde“. Das Phänomen, das letztlich der amtierende Ministerpräsident entscheidende Stimmen bekommen habe, sei zuvor schon in anderen ostdeutschen Ländern beobachtet worden, sagte Habeck.

    Sonderlich geschwächt sieht er die Grünen nicht. Sie seien „exakt in der Situation“, die sie sich Anfang des Jahres erhofft hatten, so Habeck: „In einer Duellsituation mit der Union zu sein, dann haben wir eine optimale Ausgangslage für die Wahlen.“

    Auch Baerbock lässt keine Rückschlüsse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt auf den Bund zu. „Am 26. September ist alles drin“, sagte die Spitzenkandidatin. Doch das dürfte schwierig werden. „Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt ist angesichts der eigenen Erwartungshaltung der Grünen geradezu desaströs.

    Selbst die FDP ist an ihnen vorbeigezogen“, sagte Constantin Wurthmann, Politikwissenschaftler an der Uni Düsseldorf, dem Handelsblatt. „Auch wenn die Grünen in Ostdeutschland traditionell schwach sind“, sagte Wurthmann weiter: „Das Ergebnis zeigt, dass ein gutes Abschneiden der Grünen auch bei den Bundestagswahlen kein Selbstläufer ist.“

    Noch am Wochenende hatte Baerbock ihren Lebenslauf auf ihrer Internetseite abermals verändern müssen und unkorrekte Angaben zu Mitgliedschaften in Organisationen präzisiert. Schon vor zwei Wochen hatte es Debatten um Studienabschlüsse der Kanzlerkandidatin gegeben.

    Wurthmann bezeichnet es als „ unprofessionell, dass die Grünen den Lebenslauf von Baerbock mehrfach anpassen mussten. Da hätte das Wahlkampfteam besser drauf vorbereitet sein müssen“, sagte der Politikwissenschaftler.

    Auf Nachfragen, ob es weitere Überraschungen gebe, sagte Parteichef Habeck am Montag, er gehe davon aus, „dass die Präzisierungen im Lebenslauf jetzt erfolgt sind“. Die Frage, wie die Fehler passieren konnten, beantwortete er nicht.

    Grüne in der Defensive

    Statt Themen zu setzen, befinden sich die Grünen derzeit eher in einer Defensivhaltung. Zur Debatte um steigende Benzinpreise sagte Habeck, es sei ihnen nicht gelungen, ihr Konzept eines Energiegeldes zu erläutern. Dieses wollen die Grünen einführen, um einen sozialen Ausgleich für steigende Kosten etwa für den CO2-Preis auf Benzin zu schaffen.

    Habeck: „Letzten drei Wochen waren sicherlich kein Rückenwind für die Kollegen in Sachsen-Anhalt“

    Man sei sich in der Parteiführung einig, dass es „falsch wäre, nur auf die Unzulänglichkeiten und kleinen Fehler der letzten Wochen zu schauen“, sagte Habeck. Die Partei werde sich nun intensiv mit Punkten jenseits des Klimaschutzes beschäftigen, wie der Daseinsvorsorge, kommunaler Infrastruktur und sozialem Ausgleich.

    Alle diese Punkte würden auf dem Bundesparteitag aufgegriffen, der am kommenden Wochenende das Wahlprogramm verabschieden soll. Der Parteitag werde „ein Ausrufezeichen grüner Politik setzen“, kündigte Habeck an. Mehr als 3000 Änderungsanträge liegen vor; die Partei hat alle Hände voll zu tun, ein ambitioniertes, gleichzeitig realistisches und finanzierbares Wahlprogramm vorzulegen – und gleichzeitig die Basis mitzunehmen.

    Mehr: „Umbauprogramm mit historischer Dimension“: Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock wirbt für Industriepakt

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    3 Kommentare zu "Bundestagswahl: „Anfang vom Ende des Hypes“: Wahlforscher sehen Grüne nach Wahl in Sachsen-Anhalt geschwächt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Nu, dass die Grünchen in ST irgendwo einstellig abschneiden werden, war klar. Sie sollten die Größe entwickeln, so was auch klar zuzugestehen. Das Rumgeeiere ist Merkel².
      Bei der Frau Baerbock ist auf der Homepage praktisch gar kein grün mehr zu finden und wenn, derart verschossen, dass man klar sieht: Ein ordentliches Atlantik-Brücke -Mitglied schämt sich für so was.
      Der Hype um die beiden Obernullen war immer ein Hype und entsprechend unberechtigt. Traurig ist, dass das Personal mit einer gewissen Substanz (Künast, Trittin, Hofreiter etc.) mittlerweile voll abgemeldet ist. An denen ist natürlich auch einiges auszusetzen, z.B. Trittins Verliebheit in seine Anzüge, aber sie bestehen eben nicht nur aus Lack.
      Wie alt ist das Buch "Die Geheimen Verführer"? Da sollte doch die Allgemeinbildung drauf aufbauen. Statt dessen lassen wir uns immer mehr von den Merketern vermarkten.

      Traurig machen einen auch so Eskapaden wie die der PARTEI. Was von den Vögeln zu halten ist, kann ja jeder auf Twitter und Telegram verfolgen. Eine Parteikultur, die aus Billigtextilien,Kettenrauchen und Billigbier saufen besteht, ist nicht proletarisch, sondern indiskutabel.

      Einem aufgeklärten Humanisten kann die Parteienlandschaft hier nur Tränen, Scham- und Zornesröte ins Gesicht treiben.

    • Die Wahl in Sachsen-Anhalt war meiner Ansicht nach eine Personenwahl - MP Haseloff hat einfach einen guten Job gemacht. Die Grünen sind in letzter Zeit sehr mit sich selber beschäftigt durch technische Fehler, zB Korrektur von Lebensläufen usw. - nicht gut für eine "Verbotspartei". Aber eins ist klar: egal wer in die Regierung kommt, es wird zu Steuererhöhungen kommen, außerdem die Debatte über den Renteneintritt mit 68 (was eine weitere Rentenkürzung wäre) und die hohen Strompreise (Nr. 1 in Europa) - vom höheren Verbrauch durch E-Mobilität ganz zu schweigen. Der Wegfall des Soli (2020 € 18,7 MRD.) macht die Politik kreativ. Es wird spannend bleiben...

    • Eines ist nun schon deutlich: Deutschland will nicht durch die Grünen regiert werden. Die Klimakrise ist für die meisten Wähler weit weg, aber für die Grünen ist das das einzigste Thema des Wahlkampfs . Jedoch ist Klimapolitik auch ein Programm bei den anderen Parteien. Anders gesagt: die Grünen sind die Populisten der Klimapolitik. Der Holzhammerweg : Alles verteuern was umweltschädlich ist oder gar verbieten, Unternehmen mehr belasten, mehr Steurn, Subventionspolitik der Unternehmen die auf EU Niveau verboten ist, Sozialabbau zu Gunsten des Klimas, Wohlstandzerstörung usw. Intelligent klingst dies nicht aus dem Mund von Annlena Baerbock. Das Wahlprogramm der Grünen hat doch einen sehr demagogischen Charakter (war schon immer so). Man kann vermuten das die Grünenwähler meistens junge Wähler oder Erstwähler sind die in der Realität des Lebens noch gar nicht angekommen sind.

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