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Bundestagswahl Die Piraten kommen

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Im Gegenzug zeigen die Piraten ebenfalls Präsenz: "Entern" nennen sie das Platzieren ihrer eigenen Fahnen und Logos bei Veranstaltungen anderer Parteien. Ziel ist Wahrnehmung beim Gegner. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist Mitte August darauf reingefallen. Bei einem Auftritt in Bonn ließ er sich auf Nachfragen eines Besucher zur Ankündigung hinreißen, er wolle in Dialog mit der Piratenpartei treten. Ein Fehler: Nun wird ihm dies von der Piraten-PR kräftig unter die Nase gerieben. Zu Guttenberg ahnt wohl: Eine Diskussion auf Augenhöhe mit den Themen der Piraten könnte er kaum führen.

"Natürlich haben wir keine konkreten Steuervorschläge", sagt Piratenpartei-Chef Seipenbusch: "Aber das kann man in dieser kurzen Zeit auch nicht leisten. Nach der Bundestagswahl werden wir unsere Position weiter ausarbeiten. Ich glaube aber nicht, dass es am Ende heißen wird ,Wir machen eine Politik nach Keynes', wie bei anderen Parteien. Wir wollen Handlungspositionen ohne ideologischen Ballast erarbeiten."

Klingt gut. Die Ballastlosigkeit könnte aber zur Last werden. So wie im Fall eines rheinland-pfälzischen Parteimitglieds, von dem Äußerungen nahe der Holocaust-Leugnung bekannt wurden. "Er ist kein Rechter an sich", versucht Seipenbusch die Erklärung: "Er ist nur Meinungsfreiheitsfetischist und möchte eine Meinungsfreiheit wie in den USA. Dort darf der Holocaust geleugnet werden, weil eben jeder seine Meinung haben darf, egal wie dumm sie ist. In Deutschland aber geht das so nicht."

Auch Jörg Tauss ist so ein Problem: Der Bundestagsabgeordnete ist von der SPD zu den Piraten gewechselt, nachdem er wegen des Verdachts des Handels mit kinderpornographischem Material dort zur persona non grata geworden ist. Seine Immunität ist aufgehoben, bei der Bundestagswahl im September wird er nicht kandidieren. Außerdem hat er versprochen, die Partei zu verlassen, sollte er wegen Kinderporno-Handels verurteilt werden. Solange ist er für die Piraten unschuldig, verschafft ihnen aber deutlich mehr Wahrnehmung.

Meinungsfreiheit für alle, unschuldig bis zur Verurteilung - das klingt logisch, ist aber im Kontext von Politik und Medien nicht immer gefragt. Doch Logik spielt bei den Piraten eine große Rolle. Viele von ihnen studieren Informatik oder Naturwissenschaften. Studienfächer, die von Logik dominiert sind. Die meisten dieser Vertreter sind männlich. Es gibt noch andere Piraten. Sie sind älter, sind groß geworden in den 80ern. Sie sind die Generation Golf, die apolitischen Hedonisten, die nur an sich selbst denken, die stillen Teilhaber der Deutschland AG. Eine Generation, die verloren schien für die Politik.

Doch sie haben eben auch weite Teile des Erwachsenenlebens mit digitalen Werkzeugen verbracht. Mit dem Commodore 64, der Atari-Spielkonsole und später dann mit dem Internet. Das Web machte sie frei. Dort trafen sie auf jüngere, auf die Digital Natives. Und vereinten sich. Gemeinsam halten die beiden Generationen online Kontakt über Kontinente, buchen günstige Reisen, spielten, diskutieren, sind kreativ. Eine der wichtigsten Nachrichten ihres Lebens, der Anschlag des 11. September 2001, wurde ihnen zuerst im Internet überbracht. Und genau diese Freiheit, haben sie das Gefühl, soll ihnen genommen werden.

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