Bundestagswahl So extrem sind die Kandidaten der AfD

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Hardliner und Geschichtsrevisionisten

Michael Limburg (geb. 1940, Ingenieur)
Gilt innerhalb der AfD als Experte für Energiepolitik. Leugnet in Interviews den menschengemachten Klimawandel. Sagt: „Es gibt kein Klimaproblem.“ CO2-Emissionen sollten nicht sanktioniert, sondern im Gegenteil belohnt werden: „Jeder, der CO2 ausstößt, müsste noch Geld dazu bekommen.“ Schließlich sei die chemische Verbindung gut für Pflanzen. Kandidiert auf der Landesliste Brandenburg.

Enrico Komning (geb. 1968, Rechtsanwalt)
Direktkandidat im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I - Vorpommern- Greifswald II. Ist Mitglied der rechten Greifswalder Burschenschaft Rugia, der auch ein bekannter Holocaustleugner angehört. Saß früher im Landesvorstand der rechtspopulistischen „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“ von Ronald Schill. Lehnt „gesellschaftspolitische Umerziehungsmaßnahmen wie Gender-Mainstreaming“ ab. Will das Waffenrecht lockern. Prahlt auf Facebook, dass er mit seiner kleinen Tochter die erste Strophe der Nationalhymne singt.

In den Reihen der Partei finden sich viele Geschichtsrevisionisten, die versuchen, deutsche Vergangenheit umzudeuten. Ihre Aussagen widersprechen massiv dem heutigen Forschungsstand.

Hetze gegen Flüchtlinge und den Islam
Diffamierende Aussagen über Boateng
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AfD-Vize Alexander Gauland hat mit einer Äußerung über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng für Empörung gesorgt. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) hatte Gauland mit folgenden Worten über Boateng zitiert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Damit spielte er auf Boatengs Hautfarbe an: Der gebürtige Berliner hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater. Politiker aller anderen Parteien und Fußballfunktionäre empörten sich über Gauland.

Später ruderte Gauland zurück
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Der weit rechts stehende AfD-Vize bestritt nach dem Proteststurm am Sonntag, sich über Boateng (Foto) als Person geäußert zu haben. „Ich habe nie, wie die „FAS“ insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten.“ Die Zeitung bekräftigte aber ihre Darstellung. In der ARD räumte Gauland am Abend ein, Boatengs Name könne gefallen sein, möglicherweise seitens der Journalisten - „denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus“. Er habe deutlich machen wollen, „dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten“.

Abfällige Worte über Asylbewerberheime
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Gauland (auf dem Foto mit AfD-Chefin Petry) hat schon früher mit scharfen Aussagen – vor allem zu Flüchtlingen – provoziert. Vor einem Jahr sagte er dem Handelsblatt: „Wir sind eine Partei der kleinen Leute. Damit meine ich auch Leute, die eben kein Asylbewerberheim neben sich haben wollen. Die damit verbundenen Ängste und Sorgen sollten wir ernst nehmen und aufgreifen, dann werden wir auch gewählt.“

Gauland verglich die Flüchtlingswelle mit einem Wasserrohrbruch
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„Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten“, sagte Gauland Ende Februar dem „Zeit-Magazin“. Man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen. Gauland fügte hinzu: „Man kann sich nicht einfach überrollen lassen. Einen Wasserrohrbruch dichten Sie auch ab.“ Das Foto zeigt syrische Kinder in einem Flüchtlingslager in der Türkei.

AfD-Chefin Petry sprach sich sogar für Gewalt gegen Flüchtlinge aus
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Noch drastischere Worte kamen von Frauke Petry: In einem Interview forderte sie im Januar, zu verhindern, dass weiter so viele unregistrierte Flüchtlinge über Österreich einreisen könnten. Die Polizei müsse dafür „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“, sagte Petry. „Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“

Beatrix von Storch legte nach
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Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch allerdings legte mit einem Eintrag auf Facebook nach: Sie befürwortete Petrys Schusswaffengebrauch – auch gegen Frauen und Kinder. Die „Kinder“ nahm sie später zurück.

Attacken auch gegen den Islam
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Von Storch war es auch, die zusammen mit Gauland im April die Islam-Debatte auslöste. Sie nannte den Islam „an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“ und sprach sich für ein Verbot von Minaretten und Muezzins in Deutschland aus. Gauland bezeichnete den Islam als „Fremdkörper“ in Deutschland. Parteichefin Petry stellte sich hinter die Aussagen und kritisierte später auch das Kopftuch muslimischer Frauen. In das Grundsatzprogramm der Partei wurde im April der Satz geschrieben: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Ein Treffen mit dem Zentralrat der Muslime brach die AfD im Mai ab. Das Foto zeigt eine Moschee in Duisburg.

Stefan Scheil (geb. 1963, Historiker)
Der Direktkandidat im Wahlkreis Kaiserslautern doziert in Vorträgen bei Landsmannschaften und Hobbywissenschaftlern über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs – zum Beispiel die „militärischen Ambitionen Polens“. Glaubt, dass Polen einen Krieg gegen Deutschland beginnen wollte, um das eigene Staatsgebiet auf Kosten Deutschlands zu erweitern. Spricht vom „Mythos Polen als ewiges Opfer".

Stellt Winston Churchill als einen Rassisten dar, der massenhaft Deutsche töten wollte. Er habe deutsche Friedensangebote torpediert und „Bombenterror“ gegen die deutsche Zivilbevölkerung „herbeigesehnt“. Dagegen hätte es von deutscher Seite vielfach den Versuch gegeben, „den Krieg mit einem Kompromiss abzubrechen und zu diesem Zweck die besetzten Länder wieder weitgehend zu räumen“. Nennt den deutschen Überfall auf die Sowjetunion einen „Präventivkrieg“.

Sebastian Schulze (geb. 1976, Kaufmann)
Veranstaltet einmal im Jahr den „Alternativen Wissenskongress“, bei dem neurechte Verschwörungstheoretiker und Stichwortgeber der Reichsbürgerszene als Redner auftreten dürfen. Auch Rechtsaußen Jürgen Elsässer war schon als Redner vor Ort. Auf Facebook verbreitet Schulze Beiträge vom rechten Kopp-Verlag, postet Hetze gegen Israel. Besonders intensiv bewirbt er den Kanal freigeist.tv, auf dem Verschwörungstheoretiker wie der rechtsextreme Esoteriker David Icke oder Gerhard Wisnewski zu Wort kommen.

Letzterer glaubt, IS-Anschläge wie der auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz seien sogenannte „False Flag“-Attacken, also beispielsweise von der deutschen Regierung inszeniert, um Kriegsstimmung im eigenen Volk zu verbreiten. Schulze ist Direktkandidat im Wahlkreis Herford - Minden - Lübbecke II.

Julian Schmidt (geb. 1989, Student)
Weil er Ursula von der Leyens Ankündigung, Wehrmachtsdevotionalien aus Bundeswehrkasernen zu entfernen, für eine „hysterische Hexenjagd“ hielt, schrieb der Direktkandidat im Wahlkreis Marburg der Verteidigungsministerin einen offenen Brief. Darin erklärte er, dass der „ganz große Teil der Wehrmachtsoldaten nicht Täter, sondern Opfer“ gewesen sei.

Jens Maier (geb. 1962, Richter)
Pegida-Redner und Vorstandsmitglied der „Patriotischen Plattform“. Über Platz zwei auf der Landesliste Sachsen fast sicher im Bundestag. Bezeichnet Muslime als „Gesindel“ und „Schleiereulen“. Trat im Januar in Dresden bei derselben Veranstaltung auf, bei der Björn Höcke das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnete. Dort erklärte Maier den angeblichen „Schuldkult“ der Deutschen für „endgültig beendet“, warnte vor der „Herstellung von Mischvölkern“ in Europa.

Bezeichnete die NPD als „einzige Partei, die immer entschlossen zu Deutschland gestanden hat“. Sagte bei einem Pegida-Auftritt, es genüge ihm nicht, dass die im Zweiten Weltkrieg bei der Bombardierung Dresdens zerstörte Frauenkirche wieder aufgebaut wurde. Zitat: „Die Frauenkirche ist auferstanden. Aber das reicht noch nicht, da muss noch mehr kommen. Ich will, dass Deutschland wieder aufersteht.“

Soll bei einer Veranstaltung des „Compact“-Magazins Verständnis für den norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik geäußert haben: Breivik sei aus Verzweiflung über die Einwanderung von Kulturfremden zum Massenmörder geworden. Maier bestreitet diese Aussage. Der tatsächliche Wortlaut lässt sich nicht rekonstruieren, weil der Veranstalter den Videomitschnitt gelöscht hat

Robert Teske (geb. 1990, Speditionskaufmann)
Gestaltet zusammen mit einem Mitglied der rechtsextremen Identitären den neurechten Podcast „90 Grad“. Darin heißt es zum Beispiel, die Gewalttaten Rechtsextremer in der US-Stadt Charlottesville seien provoziert worden: „Die Eskalation war gewollt.“ Kandidiert auf der Landesliste Bremen.

Neulinge und Ex-Abgeordnete
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15 Kommentare zu "Bundestagswahl: So extrem sind die Kandidaten der AfD"

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  • Köstlich auch dieser Stefan Scheil. Nennt den deutschen Überfall auf Russland einen Präventivkrieg. Besonders witzig wird die braune Soße, wenn man sich vor Augen führt, dass solche Parteien auch noch vom Meisterstrategen Putin unterstützt werden. Nach dem hirnrissigen Motto: Nationalisten aller Länder vereinigt Euch!



    (Auch mit Kaczynski könnte dieser Bruder im Geiste bestimmt angeregt über die deutsch polnische Geschichte fachsimpeln.)

  • Dubravko Mandic könnte ziemlich schnell wieder seinen Bundestagsplatz leer räumen müssen, wegen verschiedener Delikte im rechtsradikalen Milieu. Er wird mit einigen Anzeigen rechnen müssen, die gute Aussicht haben, eine rechtskräftige Verurteilung nach sich zu ziehen.

  • Wenn man sich das intellektuelle Profil dieser Leute ansieht, versteht man plötzlich auch, wie die Kommentare zustande kommen, die hier von Leuten wie Marc Hoffmann und Herrn Spiegel abgelassen werden. Diese sonderbaren System-Abschaffungspläne kannte man früher nur von linken Spinnern. Bei den Rechten kommt dieser geballte Bullshit nun noch schlimmer und lautstärker (Trump!) daher. Gepaart mit den immensen Geldvermögen der rechten Eliten, bringt das eine beängstigende Wucht mit sich. Frau Weidel ist ja auch im Dienst der Allianz Invest, einer international agierenden Investment-Bank, welche man im Volksmund "Heuschrecke" nennt. das sind die wahren Feinde des arbeitenden Volkes. Revolution von oben. Und dann Steuern zahlen in der Schweiz.

  • Herr Holger Narrog

    Diese Systemathik gehört doch zum System der systemathisch gesteuerten kollektiven Meinungsbildung.

    Wie geht das noch einmal? Oft genug einfach etwas behaupten?

    Died Wirkung meine ich gestern Abend in der Kandidaten-Show bei dem extremen Herrn Gauland festgestellt zu haben. Es fehlte im jeglliche Offensivkraft, um seine Gegner öffentlich gezielt in die Schranken zu verweisen.

    Selbst beste Gelegenheiten nutzte er nicht, wie z. B., als KGE ihm dreist vorhielt, er wolle diese Özoguz nach Anatolien entsorgen, weil sie Türkin ist.

    Dazu hätte er unmißverständlich klarstellen können, dass er diese Person wegen deren Behauptung "es gäbe keine deutsche Kultur" angegangen ist.

    Vor großem Pubklikum hat er es versäumt, diese Grüne an die Wand zu nageln und sie aufzufordern zu sagen, ob KGE die Meinung der Özoguz teilt oder nicht.
    Sie soll sich dazu für die dazu schweigenden Grünen klar äuußern.

    Diese großartige Gelegenheit, Wählerstimmen für die Grünen zu dezimieren, hat er leider nicht genutzt.

  • Wenn man den Text liest sollte man meinen, dass die Kandidaten der bösen Oppositionspartei Babies mit Migrationshintergrund zum Frühstück speisen.

    3 Tage vor der Wahl hätte ich mich gewundert wenn etwas anderes gekommen wäre.

    Soweit mir bekannt stammen viele der Kandidaten aus dem rechten Flügel der CDU. Für den Text hat man vermutlich Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, oder die ungeschicktesten Sätze aus Reden und Texten herausgepickt.

  • „Nicht persönlich werden?“

    Was haben Sie dagegen, wenn ich dem Neuen eine hervorragende Qualifizierung bescheinige, auf die das HB, so wie ich es beschrieben habe, anscheinend großen Wert legt – ansonsten würden Sie ihm ja wohl kaum Gelegenheit dazu geben? Was also ist daran also „persönlich werden?

    Was ist daran persönlich, wenn ich das an dem Beispiel Boerhinger abgelieferte „Arbeitsergebnis“ zum Anlass nehme, auf den am gleichen Tag den zu Ihrem Verlagshaus gehörenden WiWo erschienenen Artikel mit völlig konträrem Inhalt verweise und ein Fazit ziehe?

    Oder hat Ihr Spezialist diesen Artikel studiert und seine „Beurteilung“ zu dem „Extremen“ Boerhinger etwas geändert? Nichts dergleichen.

    Fakt ist demnach - Sie haben nicht aus dem behaupteten Grund gelöscht!

    Gelöscht haben Sie, weil Ihnen meine klar ausgedrückte und begründete Meinung nicht passt.

    Meine Meinung dazu: Armseliges Verhalten.


    Das HB hat einen neuen „Spezialisten“? Soll er Herrn Neuerer unterstützen oder ist Herr Neuerer gar ermüdet von der Produktionsmenge seiner tendenziösen „Berichterstattung?

    Sei es, wie es sei.

    Die hervorragende Qualifizierung des „Neuen“ kann man seinen zahlreichen Verknüpfungen zu „soll“ Verbindungen, „soll“ gesagt haben und wird ihm zugesprochen, usw., erkennen.

    Zu seinen „Erkenntnissen“ betreffend Peter Boehringer (geb. 1969, Kaufmann und Autor) kann man nur lakonisch feststellen – bei diesem „Journalisten“ bringt wohl ein Lesen des heutigen Artikels in der WiWo Lektüre „Die schmutzigen Gesetze der Macht„ auch nichts.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Man kann natürlich auch noch mehr Zuwanderungen und die Flüchtlingr unterstützen. Ganz einfach die Balkanroute zusätzlich öffnen.

    Herzlich Willkommen.

  • 6Parteien im Bundestag. Das gibt lebhafte Debatten. Vor allem aus der Opposition.
    Das haben sich die "Volksparteien" wohl etwas einfacher vorgestellt.

  • Achso, für all die Intelligenzallergiker hier im Forum, das war Sarkasmus.

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