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Bundestagswahl im Visier „Verbreitung von Fake News nimmt definitiv zu“

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Bundeswahlleiter: „Fake News könnten auf Wahlentscheidung wirken“

Merkel ist selbst oft Ziel von Lug-und-Trug-Attacken. So sind viele der erfolgreichsten deutschsprachigen Artikel über die Bundeskanzlerin auf Facebook Fake News, wie eine Analyse der deutschen Ausgabe der amerikanischen Online-Plattform BuzzFeed ergeben hat. Für ihre Auswertung hat BuzzFeed über einen Zeitraum von fünf Jahren die Interaktionen aller auf Facebook geteilten Artikel in den Blick genommen und ein Ranking erstellt. Danach befinden sich unter den zehn erfolgreichsten Artikeln über Merkel sieben Falschnachrichten, die aus den Jahren 2015 und 2016 stammen.

Wenn Fakten keine Rolle spielen
Merkel im Visier der Fake-News-Produzenten
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Zwei Monate vor der Bundestagswahl steigt bei Parteien die Angst Falschinformationen im Internet. Das ist nicht unbegründet, wie eine Analyse der Online-Plattform Buzzfeed zeigt. Die Digitalexperten haben die Merkel-Artikel untersucht, die tagtäglich bei Facebook gepostet werden. Das Ergebnis: Die populärsten Meldungen basieren häufig auf Falschmeldungen oder Satire. Ein Überblick.

(Foto: dpa)
„Merkel will in Afrika für Einwanderung nach Deutschland werben“
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Die „Deutsche Wirtschafts Nachrichten“ veröffentlichten 2015 einen Artikel mit der Überschrift „Merkel will in Afrika für Einwanderung nach Deutschland werben“. Was die Überschrift nicht verrät: In dem Podcast, auf den sich der reißerische Titel bezieht, sprach die Bundeskanzlerin über gezielte Immigration junger Afrikaner, die in Deutschland unbesetzte Arbeitsstellen füllen könnten. Die Überschrift erzeugt allerdings den Eindruck, als würde Merkel mehr Flüchtlinge nach Europa holen wollen. Offenbar ging es dem Autor darum, möglichst viele Leser auf den Artikel aufmerksam zu machen – was mit 82.000 Interaktionen auf Facebook durchaus gelungen ist.

(Foto: dpa)
„EILMELDUNG! Angela Merkel kündigt Rücktritt an!“
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Ebenfalls 82.000 Interaktionen erreichte eine Meldung über den angeblichen Rücktritt der Kanzlerin, die das Portal „kulturstudio.wordpress.com“ im April 2015 verbreitete. Dass es sich bei der Seite um ein Satire-Portal handelt, war offenbar nicht allen Facebook-Nutzern bekannt.

(Foto: dpa)
„Manipulation: Merkel verhängt Zensur über die ARD-Tagesschau“
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Auch der Artikel mit der Überschrift „Manipulation: Merkel verhängt Zensur über die ARD-Tagesschau“ geht auf das Konto der „Deutsche Wirtschafts Nachrichten“. In dem Text, der im Mai 2015 veröffentlicht wurde, geht es um den Besuch einer Schülergruppe im Bundeskanzleramt und eine anschließende Fragerunde mit Merkel. Im Rahmen dieser Fragerunde sei es zu einer „klassischen Zensur“ gekommen, indem den anwesenden Tagesschau-Reportern angeblich die Berichterstattung über einige Fragen verboten wurde. Wie das Portal Buzzfeed in seiner Analyse berichtet, war eine vollständige TV-Aufzeichnung der Fragerunde tatsächlich nicht erwünscht, allerdings habe das Bundeskanzleramt oder die Bundeskanzlerin zu keinem Zeitpunkt die Arbeit der Tagesschau-Reporter behindert oder Zensur geübt. Auf Facebook sammelte der Artikel 83.000 Interaktionen.

(Foto: obs)
„Angela Merkel wurde bei einem Verkehrsunfall überfahren“
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Ein weiterer Fall von Satire war die Meldung, die das Portal „debeste.de“ im Februar 2015 veröffentlichte. Die Überschrift des Artikels lautete: „Angela Merkel wurde bei einem Verkehrsunfall überfahren“. Im Folgenden schreibt die Satire-Seite: „...und kommt direkt in den Himmel. Dort trifft sie den Engel Gabriel.“ Über 88.000 Interaktionen zog diese Meldung bei Facebook nach sich – die meisten Nutzer dürften jedoch spätestens nach dem zweiten Satz verstanden haben, dass es sich um Satire handelt.

(Foto: dpa)
„Merkel ist Wahnsinnig | Kanadisches Fernsehen liefert Beweise“
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Mit der Überschrift „Merkel ist Wahnsinnig | Kanadisches Fernsehen liefert Beweise“ ging im März 2016 ein Video von dem kanadischen Rechtspopulisten Ezra Levant online. Das Video erreichte bei Facebook 98.900 Interaktionen und ist somit der vierterfolgreichste Nachrichtenbeitrag über Angela Merkel in dem Sozialen Netzwerk. Buzzfeed zählt das Video zu den Falschmeldungen, weil im Video falsche Tatsachen über Flüchtlinge behauptet werden.

(Foto: dpa)
„Merkel möchte allen Flüchtlingen schnellstmöglich Wahlrecht geben“
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Auf dem zweiten Platz der erfolgreichsten Facebook-Artikel bei Facebook landet eine Satiremeldung des Online-Portals „eine-zeitung.net“, welche über 148.000 Interaktionen hervorrief. Die Überschrift „Merkel möchte allen Flüchtlingen schnellstmöglich Wahlrecht geben“ basiert nicht auf echten Aussagen der Bundeskanzlerin, sondern ist Satire. Laut Buzzfeed haben zahlreiche Facebook-Nutzer dies jedoch nicht verstanden und kommentierten den Artikel mit Beschimpfungen und Hasstiraden in Richtung Merkel und der „Lügenpresse“. Auch mehrere rechtspopulistische Facebook-Seiten haben den Satire-Artikel als vermeintlich wahre Nachrichtenmeldung geteilt.

(Foto: dpa)

In der Auswertung fällt auf, dass nur drei der zehn erfolgreichsten Artikel von klassischen Medien stammen. Artikel über Merkel in „Bild“, „Spiegel“, „Stern“ „Süddeutsche Zeitung“ oder „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erzielen demnach sogar eine deutlich geringere Resonanz als Falschnachrichten über die Kanzlerin. Insbesondere Fake News zum Thema Flüchtlinge haben es laut der BuzzFeed-Recherche „sehr viel leichter“ sich bei Facebook zu verbreiten, als Inhalte traditioneller Medien.

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ist regelmäßig im Visier von Fake-News-Produzenten. Dazu zählt auch die AfD, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. Deren Vize-Chefin Beatrix von Storch verbreitete über Facebook und Twitter ein Video von Maas und legte bei der Betitelung des Postings dem Minister das Zitat in den Mund "Auf Facebook gilt Meinungsfreiheit nicht". Tatsächlich ist der Satz aber bei der Veranstaltung vor Studierenden in Köln gar nicht gefallen.

Darauf angesprochen, stellte von Storch ihre Falschbehauptung nicht richtig. Auch die Bundespartei äußerte sich auf Nachfrage via Twitter nicht direkt dazu. Vielmehr retweetete sie auch das offenbar bewusst falsch kolportierte Zitat. Dabei reicht ein Blick in das Video, um festzustellen, dass Maas lediglich das Verhältnis zwischen Facebook und seinen Kunden, den Usern, erklärt hat. Dass Facebook ein privates Unternehmen ist und zu seinen Bedingungen und Regeln eine Kommunikationsplattform betreibt, auf der theoretisch jeder seine Inhalte verbreiten kann, solange sie nicht gegen geltendes Recht verstoßen.

Dass Facebook offenbar vielen Nutzern als „Fake-News-Schleuder“ dient, lässt sich jedoch kaum verhindern. Zwar habe der US-Internetkonzern „in letzter Zeit einiges getan, um die Verbreitung von Fake News einzudämmen“, sagt Experte Hegelich. „Das Problem ist aber, dass die Plattform eigentlich nicht für politische Kommunikation entworfen ist, sondern für das schnelle Teilen von persönlichen Inhalten.“ Soll heißen: Wenn auf ein Posting mit dem „Gefällt mir“-Button reagiert wird, der Inhalt also geliked wird, sei das ja „kein aussagekräftiges politisches Statement“, so Hegelich. „Ein soziales Netzwerk, das für politische Debatten brauchbar ist, müsste vermutlich ziemlich anders designend werden“, erläutert der Experte.

Dennoch lassen sich negativen Folgen für die Bundestagswahl nicht ausschließen. Im Gegenteil, die sozialen Medien zählen auch für den Bundeswahlleiter Dieter Sarreither zu den diesjährigen Herausforderungen. Wie in den USA bestehe auch in Deutschland die „Gefahr, dass Fake News im Wahlkampf auf die Wahlentscheidung wirken könnten“, sagte Sarreither kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Politik und die Medien rät er daher, Informationen sehr sorgfältig zu prüfen. Doch auch seine Behörde sieht er im Fall der Fälle am Zug. „Sollte die Wahl selbst Opfer von gezielt platzierten Falschinformationen im Netz werden, etwa dass die Wahllokale angeblich schon um 16 Uhr schließen, dann reagieren wir über alle uns zur Verfügung stehenden Kanäle, auch über unseren zertifizierten Twitter-Account“, so Sarreither.

Auf diese Weise dürften sehr viele User erreicht werden. Denn das Internet ist laut einer Studie der Universität Hohenheim Informationsmedium Nummer eins für politische Themen. Laut der Untersuchung, bei der 286 Social-Media-Nutzer im Alter zwischen 18 und 40 Jahren befragt wurden, betrifft das insbesondere Wähler unter 40 Jahren. Für über 80 Prozent der Befragten stehen Webseiten, Blogs und Soziale Medien in punkto Information an erster Stelle. Zentrale Themen sind für sie dabei Bildungs- und Außenpolitik sowie die Situation am Arbeitsmarkt.

Hilfe gegen Falschnachrichten
Was tun gegen Fake-News?
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Über das Thema „Fake News, Bundestagswahl und die Verantwortung der Medien“ diskutierten Sven Afhüppe, Handelsblatt-Chefredakteur, Tom Buhrow, Intendant des Westdeutschen Rundfunks, und Beat Balzli, Chefredakteur der Wirtschaftswoche. Durch den Abend führte Ina Karabasz. Das Gespräch fand allerdings ausnahmsweise nicht auf dem Dach der Verlagsgruppe statt, sondern im Foyer. Keine Fake-News, sondern nur dem schlechten Wetter geschuldet.

(Foto: Rudolf Wichert und Julia Vogel für Handelsblatt)
Ernste Themen
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Die Debatte der Medienmacher ging in die Breite: Von der Gefahr von Falschnachrichten für die anstehende Bundestagswahl bis hin zur Verantwortung von Journalisten.

(Foto: Rudolf Wichert und Julia Vogel für Handelsblatt)
Volles Haus
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Das Foyer war voll: Wie Michael C. Maletzky vom Bankhaus Lampe ließen sich viele von einem Stehplatz aber nicht abhalten.

(Foto: Rudolf Wichert und Julia Vogel für Handelsblatt)
Nicht das Lachen vergessen
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Trotz ernster Thematik, durfte zwischendurch gelacht werden: Zum Beispiel, als Moderatorin Ina Karabasz die zehn erfolgreichsten Fake-News aller Zeiten vorlas – mit teils absurden Inhalten.

(Foto: Rudolf Wichert und Julia Vogel für Handelsblatt)
Lachen im Publikum
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Das amüsierte auch das Publikum: Zum Beispiel Walter Tesarczyk von der Provinzial Rheinland Versicherung.

(Foto: Rudolf Wichert und Julia Vogel für Handelsblatt)
Gut besucht
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Der Diskussion folgten auch (von links) Klaus R. Kampmann, Professor an der Westfälischen Hochschule, Sebastian Ackermann, Leiter Unternehmenskommunikation von RWE Deutschland und Joachim Schäfer von der Messe Düsseldorf.

(Foto: Rudolf Wichert und Julia Vogel für Handelsblatt)
Zeit für Fragen
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Die Möglichkeit zum Mitdiskutieren nutze zum Beispiel Jürgen Büssow, Regierungspräsident a.D. des Regierungsbezirks Düsseldorf.

(Foto: Rudolf Wichert und Julia Vogel für Handelsblatt)

An zweiter Stelle folgt das Fernsehen mit Angeboten wie Polit-Talks, TV-Debatten und Nachrichten, auf Platz drei der Austausch mit Freunden, Bekannten und der Familie. Printmedien und Hörfunk schaffen es auf die Plätze vier und fünf. Politische Veranstaltungen wie Parteitage oder Podiumsdiskussionen besuchen nur 12,6 Prozent der jungen Befragten.

Die Parteien antworten auf das Informationsverhalten der jungen Wählerzielgruppe mit Wahlkampf-Aktivitäten in sozialen Medien. Besonders wahrgenommen werden diese auf Facebook, Twitter und Youtube. Unter den Parteien traten im Internet besonders CDU, AfD und SPD in Erscheinung, die am häufigsten wahrgenommenen Politiker waren Merkel, Martin Schulz (SPD) und Cem Özdemir (Grüne). Der Trend, dass Wähler immer häufiger im Internet nach politischen Informationen suchen, erklärt womöglich auch die Zunahme an Falschnachrichten in diesem Bereich.

Brexit 2019
Drei Strategien im Kampf gegen Falschnachrichten
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Mehr zu: Bundestagswahl im Visier - „Verbreitung von Fake News nimmt definitiv zu“

65 Kommentare zu "Bundestagswahl im Visier: „Verbreitung von Fake News nimmt definitiv zu“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Heutige Fortsetzung der Propagangasendungen von 3SAT.

    Nicht vergessen:

    "Die rechte Wende

    Die sieben größten Tricks der Populisten"

  • @ Herr Günther Schemutat

    Bitte verbreiten Sie keine Fake-News. Sie werden sonst gelöscht!

    Meine natürlich nicht sie, sondern Ihren Kommentar.

  • Zur Bundestagswahl am 24 September 2017 gibt es die Anweisung , die Wahlurnen Richtung Mekka auszurichten, damit der Gläubige Muslim auch mit
    Gottes Hilfe wählt , wie auch bei Politikervereidigungen Gott hinzugezogen werden kann.

  • Mein Vorschlag: Weil doch die Merkel bei der gamescom rumhängt für Ihren Wahlkampf.

    Wir setzen allen Parlamentariern die VR Brille auf!

    Dann denken die - geil jetzt haben wir neue Zensurgesetze beschlossen. Dabei haben die nur virtuell abgestimmt und alles bleibt wie ist zum wohle des Volkes!

  • Ah ok schlafen wohl noch :-)

  • Auf dem Maidan warten ist Alles :)

    Und es gibt mindestens ein(en) Europäer.

  • Vor knapp einem Jahr hatte ich das letzte mal geschrieben, da war das echt anders.

  • Was mich sehr wundert.

    Warum gibt es noch keine Anfeindungen? Wie Rechtschreibung falsch, Verschwörungstheoretiker also persönliche Anfeindungen und runterputzen etc.

    Das ist schon sehr merkwürdig... Richtig seltsam.... Gibt wohl andere Bestimmungen von oben??

  • So wie ich es weiß, besteht in Sachsen – aber nicht nur dort – ein ähnliches Problem mit Nafris, dass dort bei der Bevölkerung überhaupt nicht gut gelitten ist.

    Das beeinflusst die öffentliche Meinung dort sicher in allen Schichten und Altersklassen mehr als im Westen.

    Dazu kommt die Stigmatisierung des Ostens durch die ÖR, die dort natürlich auch wahrgenommen wird. Dieser permanente Affront wird wohl auch zu einer ähnlichen Solidarisierung untereinander führen.

    Strategisch kann es den ÖR und den Machtpolitikern eigentlich nur noch darum gehen, ein Erstarken der AfD in den alten Bundesländern zu verhindern. Denn wenn die im Westen auf ähnliche Werte wie im Osten kommen würde, wäre wohl, so wie man im Ruhrpott sagt „Schicht im Schacht.“

  • Der Osten ist eh abgeschrieben. Vorerst!

    Wenn die neuen Generation rangezüchtet werden und die "alten ossis" nicht mehr existieren. Dann wird der Osten noch Systemtreu gezüchtet. Das dauert aber noch lange. Übrigens die letzte Revolution ist von Dresden mit ausgegangen. In Sachsen scheinen die Bürger besonders kritisch zu sein. Das kommt nicht von ungefähr, dass Pegida ausgetechnet hier entstanden ist. Die einzige Möglichkeit den Sachsen "das Maul zu stopfen" ist denen Jobs anzubieten viele Ansiedlungen helfen beim umerziehen auf Systemtreue!!

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