Kommentar zum TV-Duell Schulz punktet, aber es reicht nicht

Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich in der TV-Debatte mit Angela Merkel wacker geschlagen. Gewaltige Wirkungstreffer fehlten allerdings. Die erfahrene Kanzlerin wirkte insgesamt kompetenter. Ein Kommentar.
23 Kommentare

TV-Duell verpasst? Das sind die wichtigsten Aussagen

TV-Duell verpasst? Das sind die wichtigsten Aussagen

BerlinDas TV-Duell wird keinen richtungsweisenden Stimmungsumschwung in Deutschland bringen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich am Sonntagabend wacker gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel geschlagen. Doch weder gab es gewaltige Wirkungstreffer und erst recht nicht den K.-o.-Schlag, den es gebraucht hätte, um einen ähnlichen Schulz-Hype wie zu Beginn seiner Kanzlerkandidatur auszulösen.

Schulz hat sich selbst einmal als Street Fighter bezeichnet. Während der 97-minütigen Debatte konnte man ab und zu erahnen, was er damit meinte. Er erfüllte die Erwartungshaltung an einen Herausforderer, wirkte angriffslustiger und konnte auch bei den Themen Türkei oder Rente mit 70 punkten. In beiden Fällen konnte er der Kanzlerin eine feste Position abringen. Auch sein Schlussplädoyer wirkte durchdachter. Gehörig ins Straucheln kam er bei der Steuerentlastung für eine Familie mit zwei Kindern. Die Entlastungshöhe von 250 Euro dürfte ins Blaue hinein geschossen gewesen zu sein.

Zuschauer sehen Merkel vor Schulz
Merkel überzeugender, Schulz angriffslustiger
1 von 13

Nach einer ersten ARD-Umfrage lag Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Halbzeit des Fernsehduells vor ihrem Herausforderer Martin Schulz. 44 Prozent sagten, die CDU-Chefin sei überzeugender gewesen, nur 32 Prozent sagten dies über den SPD-Chef. Bei den unentschiedenen Wählern lag Merkel mit 36 zu 31 Prozent vorne. Dafür hielt eine große Mehrheit Schulz für angriffslustiger: 78 zu 6 Prozent. Bei den Fragen nach Argumentation (44 zu 36), Kompetenz (59 zu 18), Glaubwürdigkeit (47 zu 26) und Sympathie (46 zu 26) lag dagegen Merkel teils deutlich vor dem SPD-Kanzlerkandidaten.

Politik-Prominenz vor Ort
2 von 13

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), der Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann (vorne rechts), und der Schauspieler Axel Pape (links neben Schwesig) waren in den Fernsehstudios in Adlershof vor Ort.

Prominente Unterstützung für Merkel
3 von 13

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (von links), Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der Ministerpräsident von Nordrein-Westfalen, Armin Laschet, schauen gebannt auf den Fernseher.

Türkei bestimmt die erste halbe Stunde
4 von 13

Die ersten 30 Minuten drehen sich vor allem um die Themen Migration und die Türkei. Martin Schulz versucht klare Kanten zu zeigen und spricht sich für einen Abbruch der Verhandlungen mit der Türkei aus. Merkel zeigt sich vorsichtiger. Die Menschen in der Türkei würden auf Deutschland setzen. Beide sind sich allerdings einig, dass ein europäisches Einwanderungsgesetz kommen müsse.

Das Duell als TV-Ereignis
5 von 13

Das TV-Duell wird auch in Kneipen und Restaurants übertragen. Im Berliner Restaurant „Ständige Vertretung“ wirken die Zuschauer aber nicht gerade gefesselt von der Diskussion.

Respektvolle Begrüßung
6 von 13

Die Bundeskanzlerin und ihr Herausforderer begrüßten sich per Handschlag. Danach ist der Umgang der beiden Kontrahenten respektvoll. Dass einer dem anderen ins Wort fällt, kommt kaum vor.

Moderatoren-Quartett stellt die Fragen
7 von 13

Die übertragenden TV-Sender haben sich auf die Moderatoren (von links) Sandra Maischberger (ARD), Claus Strunz (ProSieben/SAT.1), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) gesetzt, um beim TV-Duell die Fragen zu stellen.

Merkel wirkte insgesamt kompetenter, sie spielte ihre zwölfjährige Regierungserfahrung aus. Die Kanzlerin wollte sich in diesen unruhigen Zeiten weder auf einen endgültigen Bruch mit Erdogan noch auf die massiven Vorwürfe von Schulz gegen US-Präsident Trump einlassen. Politik ohne Zirkus, auch in Zeiten des Wahlkampfes.

Was völlig in der Debatte fehlte, waren die beiden zentralen Herausforderungen Deutschlands: Bildung und Digitalisierung. Auch zur Euro-Krise war nichts zu hören. Dafür kam es einem streckenweise so vor, dass nicht Schulz und Merkel sich duellierten, sondern die Moderatoren mit den Politikern.

Am Ende konnte Schulz punkten, aber es reicht gegen die Kanzlerin nicht. Dem SPD-Kanzlerkandidaten bleiben noch drei Wochen, um das Blatt zu wenden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar zum TV-Duell - Schulz punktet, aber es reicht nicht

23 Kommentare zu "Kommentar zum TV-Duell: Schulz punktet, aber es reicht nicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schulz hat wieder mit wertvollen Lebensweisheiten aus seiner Nachbarschaft in Würstelen geprahlt, um die Wähler einzufangen. Mehr ist nicht zu kommentieren.

  • @Herr Christian Körner, 04.09.2017, 10:23 Uhr

    "LIEBES HANDELSBLATT STELLT DOCH BITTE DIE KOMPLETTE STUDIE UNS ZUR VERFÜGUNG, DAMIT WIR GENAU NACHRECHNEN KÖNNEN"

    Gute Idee. F a l l s (?) irgendwelche Details bei der Veröffentlichung ausgelassen worden sein sollten (wenn ja, warum?): Was spricht eigentlich dagegen*??!

    *(gegen die komplette Veröffentlichung bzw. für die Auslassung bestimmter Details, meine ich)

  • Aus meiner Sicht , war es für Herrn Schulz ein Bewerbungsgespräch für ein Ministeramt , unter Frau Merkel !.

  • Lung Wong: ".....bevor der Venezuelaeffekt beginnt. "

    Begonnen hat der schon:
    -Medienzensur (durch (Un-)Maas),
    -halbstaaatliche Denunziationsföderung (durch NGOs wie AAA mit ex-Stasi-IM A. Kahane und Agentin.org von Heinrich-Böll Stiftung)
    -nicht verfolgte Rechtsbrüche der Regierung
    -Erlaubnis des Einsatzes der Armee im eigenen Land
    -"sprachpolizeiliche" Vorgaben und Wortneuschöpfungen (z.B. durch Bertelsmann Stiftung)
    - Gleichschaltung der sog. freien Medien

    Bestimmt habe ich noch was vergessen.
    Daher, lieber Wong, haben Sie Recht. Weg hier solange es noch geht und man nicht Opfer geworden ist.

    Zum TV Duell: Zwei langweilige, aber gefährliche Politiker für den Schlafmichl. 90 Minuten verschwendete Lebenszeit für mich.

  • Schulz hat wieder mit wertvollen Lebensweisheiten aus seiner Nachbarschaft in Würstelen geprahlt, um die Wähler einzufangen. Mehr ist nicht zu kommentieren.

  • Das sogenannte Duell habe ich mir nicht angetan. Merkels Sieg stand doch von vornherein fest. Sie ist schließlich die Kanzlerkandidatin von CDU/CSU, SPD, FDP und den Grünen. Und der Schulz plant doch schon die Große Koalition mit ihm als Außen- Innen- und Verteidigungsminister.

  • Was soll denn diese TV-Wahl-Schau noch bringen ?? Die große Koalition aus SPD/CDU/CSU unter der Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, hat die Murks-Politik der vergangenen 4 Jahre - verbunden mit diversen Rechtsbrüchen - zu verantworten und nun haben sogenannte "Kanzlerkandidaten" dieser Parteien noch die Chuzpe, den Wähler um sein Plazet für ein "weiter so" zu bitten unter dem
    Motto : Wir schaffen das ----- Deutschland in den nächsten 4 Jahren total gegen die Wand zu fahren.

  • Im Schlusswort machte Martin Schulz seine „ Bewerbung „ an die „EU“ unter Herrn Juncker, deren Geschäftsführer, Kommissar oder Vasall von Deutschland zu werden !
    Falls es zur Koalition mit der S P D kommt , wird mit einem
    EUROPA-MINISTER -Martin Schulz , obiges realisiert !-!

  • Herr Sir Alex04.09.2017, 10:03 Uhr
    Herr Toni Ebert04.09.2017, 09:57 Uhr

    Ich wollte die Diskrepanz

    veröffentlichte Meinung vs öffentliche Meinung

    ansprechen!
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    oky, also die Praktiken der Lügenpresse und Fäkal News?

  • DAS IST NICHT MEHR MEIN DEUTSCHLAND!
    MERKEL UND SCHULZ SIND SICH EINIG - Deutsche Autobauer sind Betrüger!
    DOCH: VW wurde in den USA verklagt - verurteilt - hat Strafe gezahlt. JA, das war so. Alle anderen Autobauer sind NICHT verurteilt. Trotzdem arbeiten sie zusammen mit der Regierung an konstruktiven Lösungen. Merkel und Schulz vorverurteilt die deutschen Autobauer - das geht garnicht und deshalb sind beide für mich nicht wählbar.
    GERADE DIE DEUTSCHEN AUTOBAUER NEHMEN GELD IN DIE HAND um die Stickoxide weiter zu senken.
    Sie haben komplett neue Motoren entwickelt, die Abgasreinigung wurde in den Motoren integriert, damit kann bei jeder Temperatur quasi sofort die Reinigung effektiv stattfinden.
    Eine vernünftige Lösung für nicht allzu alte Dieselfahrzeuge ist ein Softwareupdate: durch etwas mehr Kraftstoffeinspritzung bei Start des Motors, wird dieser schneller warm und damit die Abgasreinigung schneller effektiv.
    Für ältere Dieselfahrzeuge wird eine Umweltprämie geboten, die sich gewaschen hat - man sollte sich mal informieren.
    Vergleicht man den CO2 Ausstoß - laut Handelsblattstudie "DIESEL VS. ELEKTROAUTO Eine gute Idee – und sieben unbequeme Wahrheiten"
    Benzin 37,2t Diesel 29,2t Hybrid 31,6t Elektro bei 200!!!km Reichweite 25,8t
    BEI 500 KM REICHWEITE E-AUTOS WIRD 41,85 TONNEN CO2 NÖTIG - VORALLEM WEGEN DER BATTERIE - das Elektrosmog die WHO Grenzwerte zigfach überschreitet wird kaum bedacht
    LIEBES HANDELSBLATT STELLT DOCH BITTE DIE KOMPLETTE STUDIE UNS ZUR VERFÜGUNG, DAMIT WIR GENAU NACHRECHNEN KÖNNEN

Alle Kommentare lesen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%