Kurioses im Wahlkampf Kartoffelsuppe, FKK und Hipster

Der Bundestagswahlkampf bietet einige Kuriositäten: Neben den Kochkünsten der Kanzlerin kamen unter anderem Themen wie FKK und Hipster auf. Einige Politiker sorgten dabei besonders für Diskussionsstoff.
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Die Bundeskanzlerin erklärt im Wahlkampf, wie sie ihre Kartoffelsuppe zubereitet. Quelle: dpa
Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin erklärt im Wahlkampf, wie sie ihre Kartoffelsuppe zubereitet.

(Foto: dpa)

BerlinAngela Merkel geht im Wahlkampf bis zum Äußersten: Sie wird privat. „Ich zerstampfe die Kartoffeln immer selbst mit einem Kartoffelstampfer und nicht mit der Püriermaschine“, verrät sie der „Bunten“. Solche Sätze sind eine Steilvorlage für die „Heute-Show“, die Satiresendung im ZDF. „Endlich: Merkels verbindlichste Aussage in zwölf Jahren Kanzlerschaft“, schreibt die Redaktion zur Causa Kartoffelsuppe.

Wenn die „Heute-Show“ am Freitag (8.9.) aus der Sommerpause kommt, hat sie reichlich Stoff. Der Wahlkampf liefert einiges an Material. Würde man die Bundestagswahl wie Comic-Held Asterix sehen, könnte man sagen: „Die spinnen, die Deutschen“.

Schon bei den Formalien geht was schief: In Heidelberg plakatiert die CDU aus Versehen SPD-Plakate. Im Wahlkreis Kreuznach müssen Stimmzettel nachgedruckt werden, das Papier war zu dünn fürs Wahlgeheimnis. Vor dem TV-Duell reklamiert die SPD im Internet den Sieg schon Stunden vorher für sich - und entschuldigt sich nach dem „peinlichen Fehler“ für die angerichtete „Verwirrung“.

Mehr Parteien, mehr Kandidaten, neue Wahlkreise
Wer darf wählen?
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Wahlberechtigt sind 29,8 Millionen Männer und 31,7 Millionen Frauen – insgesamt 61,5 Millionen Menschen. Das sind rund 400.000 weniger als bei der Wahl 2013. Eine große Bedeutung haben erfahrungsgemäß die Älteren. Bereits 2013 stellten die Ab-60-Jährigen mit 21,3 Millionen gut ein Drittel aller potenziellen Wähler – es sind fast doppelt so viele wie die Unter-30-Jährigen. (Quelle: Deutsche Presse Agentur)

Wer darf wählen?
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Wie schon 2013 gibt es auch in diesem Jahr rund drei Millionen Erstwähler. Bundeswahlleiter Dieter Sarreither sagte bei der Vorstellung einer aktuellen Statistik am Dienstag in Berlin, die Parteien täten gut daran, die Erstwähler gezielt anzusprechen: „Man kann sie aktivieren.“ Die 30- bis 59-Jährigen wiederum stellten knapp die Hälfte der Wahlberechtigten. Für die Wahl im Herbst haben sich bisher rund 37.000 im Ausland lebende Deutsche in ein Wählerverzeichnis eingetragen - doppelt so viele wie 2013 zu diesem Zeitpunkt.

Welche Rolle spielen Wähler mit ausländischen Wurzeln?
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Zuletzt rückte der Aufruf des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, weder Union, SPD noch Grüne zu wählen, die Wähler mit ausländischen Wurzeln in den Blick. Wahlleiter Sarreither geht von rund 720.000 Wahlberechtigten mit türkischem Hintergrund aus.

Hat der Boykottaufruf Folgen?
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Laut einer Erhebung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration vom November haben die Türkischstämmigen eine recht stabile Bindung an die SPD (69,8 Prozent). Insgesamt hatten vor vier Jahren 5,8 Millionen Wahlberechtigte einen Migrationshintergrund. Als Partei ihrer Wahl nennen Zuwanderer laut dem Rat zu 40,1 Prozent die SPD, es folgen die Union (27,6), die Grünen (13,2) und die Linke (11,3).

Welche Parteien treten an?
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Es gibt einen Rekord von 42 Parteien — so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Sieben dieser Parteien wurden erst in diesem oder im vergangenen Jahr gegründet: Allianz Deutscher Demokraten, Bündnis Grundeinkommen, Demokratie in Bewegung, Die Grauen — Generationenpartei, Die Urbane — Eine Hiphop-Partei, Mieterpartei, V-Partei — Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer.

Welche Bewerber treten an?
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Insgesamt sind es 4828 Kandidaten — so viele wie seit 1998 nicht mehr. Wahlleiter Sarreither wertet das als klaren Hinweis gegen Politikverdrossenheit. Beruflich tätig sind mit 1757 die meisten in den Bereichen Unternehmensorganisation/Recht/Verwaltung, gefolgt von Gesundheit/Soziales/Lehre/Erziehung (683). 520 Bewerber verzeichnet der Wahlleiter unter dem Punkt Wiederkandidatur — sie kandidieren also erneut für den Bundestag. 348 Kandidaten sind Studenten, Azubis oder Schüler.

Wer ist der jüngste, wer der älteste Kandidat?
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Mit 1323 Bewerbern gehört ein Großteil der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen an. Der jüngste Bewerber wird nach eigenen Angaben erst einige Tage vor der Wahl 18: der in Berlin geborene Schüler Floris Beer, der für Die PARTEI in Fürstenwalde antritt. Die älteste Kandidatin ist die 89-jährige ehemalige Autorin und Schauspielerin Barbara Rütting, die für die V-Partei für Veränderung in Bayern antritt.

Nacktes geht immer, gerade im Sommer: Das weiß Medienprofi Gregor Gysi, der im „Playboy“ das Verschwinden von FKK im Osten beklagt. Er verspricht, sich bei seinen Linkspartei-Kollegen für FKK im Osten einzusetzen. Sich selbst ausgenommen: „Alles hat Grenzen“, sagt Gysi der „Bild“-Zeitung, die ihn zu den Nackten am Berliner Müggelsee begleitet und ihn damit auf den Titel hebt. „Wenn überhaupt, findet FKK bei mir nur noch zu Hause statt.“

CDU-Politiker Jens Spahn findet ein neues Feindbild: den Kellner, der in den Berliner Cafés nur Englisch spricht. Das gehe ihm „auf den Zwirn“, so Spahn. Mit dieser Meinung ist er in Berlin gar nicht so allein. Nachdem das Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ Spahn ins Gespräch gebracht hat, legt er nach. In der „Zeit“ kritisiert Spahn, die Hipster, also die vermeintlich coolen Leute, schotteten sich mit ihrem Englisch ab. „Hipster-Hass als Wahlkampf-Thema. Groß!“, schreibt das Modeblog „Dandy Diary“ dazu.

FDP-Chef Christian Lindner wirkt auf den Wahlplakaten wie ein Rasierwasser-Model. Er ist so präsent, dass das Satiremagazin „Extra 3“ ein Bild mit dem Spruch versieht: „Alle elf Sekunden verliebt sich ein Liberaler in sich selbst.“ Manche fühlen sich bei Lindner an einen Vertreter erinnert, der eine Thermomix-Maschine verkauft. Die Twitteraktion bekommt das Schlagwort „ThermiLindner“. Dass der smarte Parteichef zwischen den Wahlkampfterminen noch für die Jägerprüfung büffelt, macht er selbst gern zum Thema.

Profilierung oder Kuriosität?
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