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Bundeswehr erhält neues Gewehr Von der Leyen sortiert G36 aus

Die Verteidigungsministerin hat sich entschieden: Eine Verbesserung des Sturmgewehrs kommt nicht infrage, das neue Standardgewehr wird europaweit ausgeschrieben. Ein schwerer Rückschlag für den Hersteller Heckler & Koch.
08.09.2015 - 11:18 Uhr

„Wir wollen einen Schritt in die nächste Generation machen“

Berlin Es ist eine weitreichende Entscheidung, über die Ursula von der Leyen am Dienstagmorgen die Verteidigungspolitiker des Parlaments informierte: Das G36, das Standardgewehr der Bundeswehr, werde komplett ausgetauscht. Ein Nachfolger des Sturmgewehres des schwäbischen Herstellers Heckler & Koch solle nun per europaweiter Ausschreibung gesucht werden.

„Wir haben uns im Einvernehmen mit der militärischen Führung für einen klaren Schnitt entschieden. Nach fast 20 Jahren G36 wollen wir eine neue Generation Sturmgewehr für die Bundeswehr beschaffen. Das neue System soll auch modernere Anforderungen erfüllen als ein punktuell verbessertes G36“, sagte Von der Leyen am Dienstag.

Die Verteidigungsministerin vollzieht damit einen Schritt, der sich bereits abgezeichnet hatte. Nach einem verheerenden Präzisionstest hatte von der Leyen im April verkündet: „Das G36 hat in seiner heutigen Konstruktion keine Zukunft mehr in der Bundeswehr.“ Damit hielt sie sich offen, ob nur die Konstruktion verändert werden könne oder ob das G36 durch ein anderes Gewehr ersetzt werden müsse.

Die Mängel der Maschinengewehre
Bundeswehr-Soldaten mit Maschinengewehr
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Das Sturmgewehr G36 ist nicht die einzige Waffe der Bundeswehr mit Problemen bei der Treffsicherheit. Beim Maschinengewehr MG5 sei „eine Überschreitung des vertraglich vereinbarten Abstandes des Mittleren Treffpunktes“ festgestellt worden, räumte das Verteidigungsministerium nach einem Bericht des „Spiegel“ ein. Das Maschinengewehr wird wie das G36 von Heckler & Koch produziert. Die Abweichung beim MG5 wurde vom Ministerium aber offensichtlich als verkraftbar eingestuft. Wegen der Streuung sei „eine Vertragsanpassung mit Preisreduzierung“ ausgehandelt worden.

(Foto: dpa)
Schraube locker
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Ein Teil der Gefechtshelme der Bundeswehr muss wegen einer mangelhaften Schraube zur Befestigung am Kopf aus dem Verkehr gezogen werden. Das Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, dass die Schraube nicht ausreichend gegen Splitter geschützt sei. Um eine mögliche Gefährdung der Soldaten im Einsatz auszuschließen, würden die Helme dort zuerst ausgetauscht. „Danach erfolgt auch der Austausch aller betroffenen Gefechtshelme für den Grundbetrieb im Inland“, heißt es in der Mitteilung. Nach einem Bericht des verteidigungspolitischen Blogs „Augen geradeaus!“ stammen die defekten Helme vom spanischen Hersteller Induyco.

(Foto: dpa)
Das Sturmgewehr G36 schießt angeblich schief
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Experten stellen dem umstrittenen Sturmgewehr G36 ein verheerendes Zeugnis aus. Dessen Trefferquote soll bei extremer Erhitzung stark sinken. Der Bundeswehrverband fordert daher einen schnellen Ersatz für das G36. Zwar vertrauten die Soldaten weiter ihrer Standardwaffe, sagte Verbandschef André Wüstner. Trotzdem erwarteten sie, dass als Konsequenz eine neue Waffe beschafft werde – und das wesentlich schneller als in den anvisierten zehn Jahren. Heute nimmt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor den Fachausschüssen des Bundestags zu dem Bericht Stellung.

(Foto: dpa)
Im Einsatz gegen den IS
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Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 176.544 der Waffen bei dem baden-württembergischen Hersteller Heckler & Koch eingekauft, von denen noch 166.619 genutzt werden. Das Gewehr besteht zum großen Teil aus Kunststoff und ist deswegen mit einem Gewicht von dreieinhalb Kilogramm vergleichsweise leicht. Es hat ein Kaliber von 5,56 mal 45 Millimetern und kann Einzelschüsse und Dauerfeuer abgegeben. 8000 G36-Gewehre hat die Bundeswehr an die kurdische Armee im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) abgegeben. Es ist die jüngste, aber bei weitem nicht die erste Blamage in Sachen Bundeswehrausrüstung.

(Foto: dpa)
Software-Panne bei Hubschraubern
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Eine schadhafte Software, mit der die Wartung der Maschinen überwacht und Ersatzteile beschafft werden, sorgte im Februar 2015 dafür, dass viele der Helikopter am Boden bleiben mussten. Nach einem Update waren die Daten so durcheinandergeraten, dass die Techniker nicht mehr nachvollziehen können, welche der Maschinen flugtauglich ist. Besonders betroffen von der Software-Panne ist der Bundeswehr-Transporthubschrauber NH 90. Das ist insofern besonders bitter, weil der wichtiger Bestandteil bei der schnellen Eingreiftruppe im Ukraine-Konflikt ist.

(Foto: dpa)
Ausfälle bei den Bordhubschraubern
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Auch bei den Bordhubschraubern vom Typ Sea Lynx der Marine gab es erhebliche Ausfälle, wie ebenfalls im September 2014 bekannt geworden war. Von 22 Maschinen sei keine einzige einsatzbereit. Im Juni war laut einem Süddeutschen Zeitung vorliegenden internen Dokument in einem Modell einer Fregatte ein 20 Zentimeter langer Riss entdeckt worden, woraufhin der komplette Betrieb mit dem Modell zunächst eingestellt wurde. Wohl zu Recht: Danach wurden an drei weiteren Hubschraubern ähnliche Schäden gefunden. Unter Auflagen sind im Januar die ersten Sea Lynx wieder gestartet. Insgesamt ist der Zustand der Hubschrauber-Flotte besonders besorgniserregend. Der Stand einsatzbereiter Maschinen ist auf extrem niedrigem Niveau. Nach einer internen Statistik waren Ende des vergangenen Jahres nur elf Prozent aller Exemplare des Kampfhubschraubers Tiger startklar. Beim Transporthubschrauber NH 90 lag die Quote im Jahresmittel 2014 bei 17,45 Prozent.

(Foto: dpa)
Defekte Transall-Maschinen
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Die Panne sorgte im September 2014 für Aufsehen und lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit nach längerer Zeit wieder auf die Ausrüstungsmängel bei der deutschen Bundeswehr: Weil die Transall-Maschinen der Bundeswehr technische Defekte aufwiesen, konnten die Ausbilder, die kurdische Peschmerga-Kämpfer bei ihrer Arbeit gegen den IS im Irak vorerst nicht zu ihrer Mission aufbrechen. Sie mussten die Maschinen auf dem Militärflugplatz Hohn wieder verlassen.

(Foto: ap)


Nun hat sie sich für die zweite, deutlich aufwändigere Alternative entschieden. Schließlich müssen nicht nur die rund 170.000 Exemplare im Bestand der Bundeswehr nach und nach ersetzt werden. Es müssen auch zahlreiche andere Ausrüstungsgüter angepasst werden, von den Halterungen in den gepanzerten Fahrzeugen bis zur neuen Gefechtsausrüstung für die Infanterie, die unter dem Namen „Gladius“ seit 2013 bei der Bundeswehr eingeführt wird.

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    Zur Begründung heißt es im Ministerium, die nötigen Modifikationen am G36 seien zu umfangreich gewesen, um es bei einer Produktverbesserung des Gewehres, das Mitte der 1990er-Jahre eingeführt wurde, bewenden zu lassen. Das G36 hatte im Test einer Gruppe von Experten im heißgeschossen Zustand und unter hohen Außentemperaturen erhebliche Präzisionsmängel gezeigt. Als Ursachen gelten die geringe Stärke des Laufes sowie das sich verformende Material zwischen Zielfernrohr und Lauf.


    Für die Soldaten im Auslandseinsatz hatte von der Leyen bereits kürzlich eine Übergangslösung präsentiert: Dafür sollen 600 Sturmgewehre auf der Basis des bereits genutzten Gewehrs G27P von Heckler & Koch sowie als Ergänzung 600 leichte Maschinengewehre vom Typ MG4 beschafft werden.

    Für Heckler & Koch ist die Entscheidung bitter, schließlich verliert das Unternehmen damit seinen Referenzkunden für das bislang im Export erfolgreiche G36. Der Mittelständler aus Oberndorf kann sich natürlich an der Ausschreibung für das neue Sturmgewehr beteiligen, er muss aber mit Konkurrenz aus anderen Ländern rechnen.

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