Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bundeswehr-Kampfjet Zwei Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern abgestürzt – ein Pilot gestorben

Zwei „Eurofighter“ der Bundeswehr sind in Mecklenburg-Vorpommern abgestürzt. Nur einer der beiden Piloten konnte sich mit seinem Fallschirm retten.
Update: 24.06.2019 - 21:35 Uhr 1 Kommentar

Zwei Eurofighter abgestürzt – ein Pilot stirbt beim Aufprall

Berlin, Nossentiner HütteBeim Hersteller Airbus ist man stolz auf den Eurofighter. Statistisch gesehen, so ein Sprecher auf Anfrage, ist er das aktuell sicherste Kampfflugzeug der Welt – wenn man die Abstürze bezogen auf die Zahl der Flugstunden zählt. Aller statistischen Wahrscheinlichkeit zum Trotz stürzten am Montag jedoch bei einem Übungsflug zwei Eurofighter über Mecklenburg-Vorpommern ab, teilte das Innenministerium in Schwerin mit.

Die Piloten konnten ihre Maschinen mit dem Schleudersitz verlassen, einer der beiden kam dennoch ums Leben: Er konnte nur tot geborgen werden, wie die Luftwaffe am frühen Abend bestätigte. Der andere Pilot wurde lebend aus einer Baumkrone gerettet, meldete das Verteidigungsministerium.

Einer der Jets war nahe der Ortschaft Nossentiner Hütte auf freier Fläche zu Boden gestürzt, der andere stürzte zehn Kilometer von der Ortschaft Jabel entfernt in ein Waldstück. Zwei Stunden nach dem Unfall meldete das Verteidigungsministerium, dass die Brände an den Absturzstellen gelöscht seien.

Unbeteiligte Dritte wurden nach Angaben des Inspekteurs der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, nicht verletzt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte am Montag einige hundert Meter von einem der Absturzorte nahe Nossentin entfernt eine genaue Aufklärung des Unglücks an. „Heute ist der Tag der Trauer und des Schmerzes über den Verlust unseres Soldaten“, sagte sie. Die Politikerin war dort mit dem Inspekteur der Luftwaffe sowie Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) eingetroffen. Zusammen besuchten sie die eigentliche Absturzstelle ohne Journalisten.

Die Bundeswehr hat die Ermittlungen übernommen. Da die Aufarbeitung des Unglücks mit einem toten und einem verletzten Pilot im Zuständigkeitsbereich der Luftwaffe liege, seien alle Ermittlungen der Bundeswehr übergeben worden, teilte das Polizeipräsidium Neubrandenburg am Montagabend mit. Bundeswehrsoldaten seien bereits an der Unglücksstelle in der Region Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte).

Nördlich des Gewässers sollen die beiden Jets abgestürzt sein. Bildquelle: Google
Fleesensee

Nördlich des Gewässers sollen die beiden Jets abgestürzt sein.

Bildquelle: Google

Die Abstürze wurden zuerst gegen 14 Uhr vom Piloten eines dritten Eurofighters gemeldet, der ebenfalls an dem Trainingsflug beteiligt gewesen war. Die Eurofighter gehörten zum Luftgeschwader 73 „Steinhoff“, sie waren im Raum Rostock-Laage aufgestiegen und flogen im für zivile Flugzeuge gesperrten militärischen Luftraum MVPA über der Mecklenburgischen Seenplatte.

Das Gebiet ist zwar nur dünn besiedelt, aber eine beliebte Ferienregion. Nur glücklichen Umständen sei es zu verdanken, dass die Trümmerteile über unbewohnten Gebieten niedergegangen seien und nicht über Dörfern, Hotels oder Zeltplätzen, sagten Anwohner.

Zuletzt war es über Deutschland vor fünf Jahren zu einem Unfall mit Eurofighter-Beteiligung gekommen. Am 23. Juni 2014 war ein Learjet in der Nähe des Ortes Elpe im Hochsauerlandkreis mit einem Eurofighter zusammengestoßen. Die beiden Insassen des Learjets kamen beim Aufprall des Flugzeugs am Boden ums Leben, der Eurofighter konnte landen. Ausgelöst hatte den Unfall laut Untersuchungsbericht von 2015 der Learjet-Pilot.

Das Unglück vom Montag reiht sich ein in eine Serie von Pech und Pannen bei der Bundeswehr. Die von der Luftwaffe betriebene Flugbereitschaft für die Bundesregierung wird seit November von einer Pannenserie verfolgt: Die Kanzlerin musste in Köln notlanden, mehrere Minister strandeten überall auf der Welt. In Berlin-Schönefeld krachte zuletzt eine Global 5000 auf die Landebahn – nachdem sie gerade aus der Reparatur gekommen war. Zeitweise waren nur sieben von neun Regierungsfliegern einsatzbereit.

Für Verteidigungsministerin von der Leyen begann mit dem Eurofighter-Absturz auch diese Woche mit schlechten Nachrichten. Dabei wollte sie am Mittwoch Positives verkünden: Der Haushaltsausschuss will den Kauf dreier neuer Global 6000 für die Regierung genehmigen. Seit Jahren kämpft die Bundeswehr mit veraltetem Gerät.

Der Wehrbeauftragte kritisierte Flugzeuge, die nicht fliegen, Schiffe, die nicht schwimmen, und Panzer, die nicht fahren. An diesem Donnerstag tagt erneut der Untersuchungsausschuss über die Berateraffäre. Befragt werden sollen der damals für die Auftragsvergabe von Beraterverträgen mitverantwortliche Abteilungsleiter General Erhard Bühler und Accenture-Berater Timo Noetzel. Die Abgeordneten hegen den Verdacht, dass Accenture millionenschwere Beraterverträge nur bekam, weil Noetzel und Bühler sich gut kennen.

Am Wochenende startete zudem Friedrich Merz einen politischen Angriff auf seine Parteifreundin: Er warnte vor einem Rechtsruck in der Bundeswehr und bei der Polizei.

Mehr: Deutschland, Frankreich und Spanien unterzeichnen das Rahmenabkommen für das größte Rüstungsprojekt Europas. Am Ende könnte das Luftkampfsystem FCAS bis zu 50 Milliarden kosten. Es ist der Startschuss für den Eurofighter-Nachfolger.

Startseite

Mehr zu: Bundeswehr-Kampfjet - Zwei Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern abgestürzt – ein Pilot gestorben

1 Kommentar zu "Bundeswehr-Kampfjet: Zwei Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern abgestürzt – ein Pilot gestorben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist tragisch dass durch Versagen der Regierungen der letzten Jahre ein Pilot ums Leben kam. Die Ursache muß Fr. Ursula von der Leyen nicht lange suchen, neine Sie ist mit eine der Ursachen.
    Unter der Verteidigungsministerin hat sich die Bundeswehr im Zustand von Gerät und Ausbildung weiter drastisch verschlechtert.
    Hier kamen zwei Ursachen dieser maroden Bundeswehr zusammen: Erstens schlecht gewartetes Fluggerät und zweitens mangelnder Ausbildungs bzw. Übungsstand der Piloten. Piloten die ihre Plichststunden auf ihrem Fluggerät nicht absolvieren können, Gefahr laufen dadurch ihre Fluglizenz zu verlieren, werden in Übungskämpfe geschickt.Das ist grob Fahrlässig.
    Die Verantwortung dafür trägt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und mit ihr die ganze Regierung allen voran die Bundeskanzlerin Fr. Merkel.

Serviceangebote