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Bundeswehr Wehrbeauftragter will Beschaffung nach „Ikea-Prinzip“ vereinfachen

Der Bundeswehr mangelt es laut Wehrbeauftragtem Bartels weiter an Personal und Material. Gerade bei der Beschaffung will er einen Paradigmenwechsel.
28.01.2020 - 13:10 Uhr Kommentieren

Wehrbeauftragter: „Müssen hin zum Ikea-Prinzip: Aussuchen, bezahlen und mitnehmen“

Berlin Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, beklagt in seinem Jahresbericht die schleppende Modernisierung der Bundeswehr. „Personallücken, materielle Mangelwirtschaft und bürokratische Überorganisation bleiben vielerorts prägend für den Alltag. Da alte Strukturen und Prozesse längst nicht mehr passen, laufen allzu viele Anstrengungen ins Leere“, schreibt der SPD-Politiker in seinem an diesem Dienstag in Berlin veröffentlichten Bericht.

Weiter seien mehr als 20.000 Dienstposten oberhalb der Mannschaftsebene nicht besetzt, so Bartels. Zur Materiallage melde das Verteidigungsministerium selbst, es sei „bisher nicht gelungen, die materielle Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme deutlich zu verbessern“.

Kummer mache auch das nach wie vor schleppende Beschaffungswesen, schreibt der Wehrbeauftragte. Das liege nicht am Engagement des Bundeswehrpersonals, sondern an „offensichtlich dysfunktional gewordenen Strukturen auf der Amtsseite“ – und nicht selten auch an Know-how und Personaldefiziten aufseiten der Industrie.

„Die Strategie absoluter ,Risiko'-Minimierung im Management großer Rüstungsprojekte kann zur Maximierung des Risikos für die Truppe führen, die dann mit veralteter oder eben keiner Ausrüstung kämpfen muss“, kritisiert Bartels. Es gebe zwar Fortschritte bei den Finanzen und auch in Teilen der Infrastruktur, die spürbare Verbesserung vor allem bei Personal und Material sei bisher ausgeblieben.

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    Ursachen, Probleme und Lösungsansätze seien allerdings bekannt, so der Wehrbeauftragte. Er verweist auf eine Untersuchung zum Thema „Innere Führung – heute“, die als Abschlussbericht vom 1. Februar 2019 intern vorliege, jedoch nur als ein vom Ministerium „ungebilligter Entwurf“. Beklagt werde darin ein Mangel an Vertrauen, zu viele Querzuständigkeiten und zu hohe Regelungsdichte.

    Nur das oberste Ende der Technik als „Designer“-Lösung

    „Es fehlten die notwendige Robustheit, Klarheit in den Zuständigkeiten und Durchhaltefähigkeit für militärische Großorganisation“, gibt Bartels den Bericht wieder. „Zur Auftragserfüllung müssen daher oft Sonderorganisationen geschaffen werden.“

    Um Abhilfe zu schaffen, fordert der Wehrbeauftragte einen Paradigmenwechsel hin zum Kauf von der Stange. „Das heißt, weg vom Grundsatz, dass für deutsches Militär immer alles ,Design' sein muss, weil es sonst nichts taugt, hin zum ,Ikea-Prinzip': aussuchen, bezahlen und mitnehmen!“

    Das oberste Ende moderner Technik, neue Kampfpanzer oder eine neue Flugabwehr, könne dann immer noch als „Designer“-Lösung beschafft werden.

    Mehr: Welche Baustellen Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin erbt. Ursula von der Leyen hinterlässt eine Bundeswehr im Umbruch. Experten aus dem Bundestag verlangen von ihrer Nachfolgerin vor allem Waffenkäufe.

    • dpa
    • rtr
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