Bußgelder für Kampfradler "Es geht nur über das Portemonnaie"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert einen Maßnahmenkatalog gegen „Kampfradler“. Der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut erläutert, woran gedacht ist.
16 Kommentare
Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrradfahrer in Deutschland. Quelle: dpa

Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrradfahrer in Deutschland.

(Foto: dpa)

Herr Witthaut, in Berlin sieht man tatsächlich täglich Radler, für die Rot an der Ampel nicht gilt. Ist das von Minister Ramsauer aufgeworfene Problem nicht ein Großstadtphänomen?

Nein, das ist natürlich nicht nur in Berlin ein Problem, dass sich Radfahrer nicht an Regeln halten. Das ist kein Großstadtphänomen, sondern das gibt es überall, in der Stadt wie auf dem Land. Gerade dort kann der Radfahrer davon ausgehen, dass er kaum kontrolliert wird, weil kaum Polizei da ist.

Kommt ein Fehlverhalten denn in einer Bevölkerungsgruppe besonders häufig vor?

Es gibt im Grunde genommen keine Verhaltensweise, die man einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zuordnen kann. Vom Anzugträger bis zum Kind fahren alle mal bei Rot über die Ampel. Viele Radfahrer denken sich, ich kann ja in die Kreuzung hineinschauen, warum soll ich dann halten.

Es ist in den letzten Jahren eindeutig eine Tendenz zu erkennen, sich nicht mehr an die entsprechenden Regeln zu halten. Man kann mittlerweile von einer Verrohung reden. Das Problem ist, dass die Polizei nicht an jeder Ampel einen Beamten hinstellen kann.

Aber die bundesweiten Statistiken geben es nicht unbedingt her, dass das Problem sich so verschärft hat, zumindest was Radfahrer als Geschädigte bei Unfällen betrifft, oder?

Wir stellen jeden Tag auf den Straßen fest, wie sich die Situation verändert und das ist doch das Entscheidende. Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrradfahrer und in Zukunft bekommen wir es noch mit einer ganz neuen Herausforderung zu tun, den E-Bikes. Mit denen kann man dann 40, 50 km/h fahren, gerade in der Stadt ist man damit ja oft schneller als mit dem Auto.

Liegt ein Grund für teils gefährliches Fahrverhalten nicht auch darin, dass oft eine Rad-Infrastruktur mit eigenen Spuren fehlt?

Es kommt natürlich hinzu, dass die Infrastruktur für Fahrradfahrer in den Städten sehr unterschiedlich ist. Da gibt es Fahrradwege, die verlaufen irgendwo im Nirwana.

Aber es gibt auch das Gegenteil, nehmen Sie eine Fahrradstadt wie Münster. Dort hat im Grunde genommen jeder Fahrradfahrer für sich die Vorfahrt gepachtet. Das erhöht das Unfallrisiko. Unsere Rechtsprechung ist so, dass jeder Autofahrer, der in einen Unfall mit einem Fahrradfahrer verwickelt wird, in irgendeiner Form eine Mitschuld bekommt.

"Es geht nur über das Portemonnaie"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

16 Kommentare zu "Bußgelder für Kampfradler: "Es geht nur über das Portemonnaie""

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hier gibt es den bombensicheren Test, ob man ein Kampf-Rambo-Rüpel-Radler ist oder nicht:
    http://kettenblatt.blogspot.de/2012/04/wie-uns-der-peter-sieht.html

  • Anstatt sich über die steigende Zahl von Fahrradfahrern zu freuen und darin den Nutzwert für mehr Lebensqualität in den Städten zu erkennen, bekämpft die Poltik die Radfahrer.

  • Während die Gdp eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten vehement ablehnt, wäre eine solche für Fahrräder natürlich ganz in ihrem Sinne, dehnte sie doch den polizeilichen Machtbereich wieder ein Stückchen weiter aus.

  • Es geht nur über das Krankenhaus.

    Wenn genug Fahrradfahrer überfahren werden, weil sie die Vorfahrt nicht beachtet haben, dann ist wieder Ruhe.

  • ich denke, dass es verschiedenen Städte eine genereller Unterschied der Rücksichtslosigkeit der Verkehrsteilnehmer gibt (d.h. alle, Fußgänger, Autofahrer, Radfahrer). Da gibt rücksichtsvolle Städte und arrogante Ego-Städte. Eine Stadt wie Münster würde ich eher als rücksichtsvoll beurteilen (Wo dann halt auswärtige Autofahrer sich lieber an ihre Führerscheinstunden errinnern sollten). Eine Stadt wie Münster halte ich eher für eine positive Ausnahme. Imselben Bundesland gibt es dann auch Städte wo man lieber nicht über Straße gehen sollte (auch wenn die Ampel grün ist. Egal ob Fußgänger oder Fahrradfahrer), weil es dort zu viele Autofahrer gibt, denen einen Menschenleben schlichtweg egal zu sein scheint. Es hängt viel der Mentalität/Rücksichtslosigkeit einer Stadtbevölkerung ab.

    Ich denke, dass es halt viele Städte mit einer konsequent schrottigen Verkehrsplanung gibt, die nur Stress befeuert. Es gibt sicherlich mehr "Kampf-Autofahrer" als "Kampfradler". Mein Verständnis über diese Diskussion hält sich daher sehr stark in Grenzen. Ist wahrscheinlich so ein Talkshow-Sommerloch-Nullthema.

    Herr Ramsauer: Ersetzen Sie doch bitte einfach ihre inkompetenten Verkehrsplaner mit ein paar Neuen. Das bringt langfristig mehr als Bußgelder. ... Achja darum geht es ja nicht: Kurzfristige Schlagzeile und ein bisschen Kommualkassen stopfen ist ja das Politiker-Opium. Hab es glatt vergessen...

  • ABZOCKEN ABZOCKEN ABZOCKEN

  • "Es geht nur über das Portemonnaie"

    Ja ganz genau und deshalb auch an Portemonnaie der Politiker und Bankster wenn die Scheiße bauen! Denn es "Es geht nur über das Portemonnaie"!

  • Spannend wäre auch im Rahmen dieser Debatte zu erfahren, ob es den politischen Entscheidungsträgern bei diesen Maßnahmen tatsächlich um den Schutz der Radfahren, respektive aller Verkehrsteilnehmer, geht.
    Denn dann würde ich vorschlagen, dass die Polizei auch mal eine Auge darauf wirft, in wiefern Autofahrer Radwege (z.B.) beim Abbiegen respektieren. Oder ob vielleicht einfach mal eine Werbekampagne für die Verwendung des in Vergessenheit geratenen Blinkers oder des Schulterblicks durchführt wird. Damit würde sich die Sicherheit von Radlern, aber auch allen anderen Verkehrsteilnehmern wie z.B. Fussgängern, Autos, etc., auf deutschen Straßen bereits signifikant verbessern lassen. Nur leider steigert das nicht die Einnahmen des öffentlichen Haushalts.

  • Dabei wäre es so einfach:

    Jeder fahrradfahrende Rotlichtsünder mit Führerschein wird wie ein Autofahrer sanktioniert, d.h. wer mit dem Fahrrad eine rote Ampel überfährt gibt seinen Führerschein ab, schliesslich hat er die Verkehrsregeln zur Erlangung des Führerscheines einmal gelernt.

  • @ MasterSunzi,
    nicht nur die Polizei, auch Verwaltung und Politik:
    Der Radweg an einer Hauptstraße muss 1,5m breit sein. Er ist "Lenkerbreit" und wurde durch das Aufstellen einer Werbesäule quasi auf diese Breite fest zementiert.
    Weitere Werbeträger wurden zwischenzeitlich zusätzlich montiert, womit eine Verbreiterung des Radwegs unöglich geworden ist.
    Das Argument; man möge auch die Einnahmen für die Stadt berücksichtigen.
    Also "Kampf Radweg Blockierer" von Amts wegen vs "Kampf Radler" wobei Gewinner wohl immer der Staat ist?!

Alle Kommentare lesen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%