Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

CAM-Experte zu Dieselemissionen Stefan Bratzel: „Ich würde ganz klar von einem Politikversagen sprechen“

Die Politik trägt die Hauptverantwortung für das Diesel-Regulierungschaos, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM).
1 Kommentar
Der Professor am Center of Automotive Management (CAM) hat eine klare Meinung zur Emissionsfrage. Quelle: CAM
Stefan Bratzel

Der Professor am Center of Automotive Management (CAM) hat eine klare Meinung zur Emissionsfrage.

(Foto: CAM)

Herr Bratzel, jetzt streiten sogar schon unter den Lungenfachärzten unterschiedliche Lager über die Rechtmäßigkeit der Stickoxid-Grenzwerte. Wer hat denn nun recht?
Das ist natürlich enorm schwer zu sagen. Mir ist in dieser ganzen Diskussion vor allem eine Sache von großer Bedeutung: Wenn wir damit rechnen müssen, dass Grenzwerte trotz vorausgehender jahrelanger wissenschaftlicher Diskussion plötzlich nicht mehr gelten sollen, dann verlassen wir die Grundlage des Rechts.

Sie sehen die Verantwortung also vor allem aufseiten der Politik?
Ich würde sogar ganz klar von einem Politikversagen sprechen, das jetzt zu einer aus rechtsstaatlicher Sicht sehr kritischen Diskussion geführt hat. Es kann doch nicht sein, dass die Politik Grenzwerte vorgibt, sich dann aber nicht mehr darum kümmert, dass diese Werte auch eingehalten werden. So etwas versteht draußen doch niemand mehr. Damit kommen wir in Teufelsküche, was das Staatsverständnis betrifft.

Für Sie ist die ganze Diesel-Diskussion also in die falsche Richtung gelaufen?
Man könnte fast sagen, dass die gesamte Diskussion um die Grenzwerte fast schädlicher ist als die tatsächlichen gesundheitlichen Gefahren. Denken Sie allein an die Fahrverbote und die möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen für den Standort Deutschland. Da sind Ängste geschürt worden, die überhaupt nicht gerechtfertigt sind.

Die Emissionen durch den Diesel bereiten Ihnen nicht die größten Sorgen?
Ganz und gar nicht. Die Feinstaubbelastung ist das viel größere Problem, insbesondere bei den extrem kleinen Partikeln. Das geht in der aktuellen Diskussion völlig unter. Da die Autofahrer zudem immer stärker vom Diesel zum Benziner wechseln, steigt auch die Kohlendioxidbelastung im Straßenverkehr. Der Deutschen Umwelthilfe ist es gelungen, ein einzelnes Thema wie den Diesel extrem hochzuheben – und für enorme Verunsicherung zu sorgen.

Einverstanden, die aktuelle Situation ist sehr verfahren. Gibt es eine Chance, da wieder herauszukommen?
Das ist wirklich sehr, sehr schwierig. Aber ich komme noch einmal auf die Politik zurück: Seit Jahren erleben wir ein regulatorisches Flickwerk. Aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit dem Diesel und den Stickoxiden. Wir brauchen endlich ein funktionsfähiges Gesamtkonzept – eine Politik, die wirklich integriert alle Verkehrs- und Mobilitätsthemen angeht. Eine Politik der Zukunft also, die diesen Namen auch verdient.

Die Automobilindustrie steht vor dem Einstieg in die Elektromobilität, arbeitet an der Digitalisierung und dem autonomen Fahren. Kommt das von Ihnen geforderte integrierte Konzept nicht von allein?
Zu einem gewissen Grad haben Sie recht damit, Elektromobilität und Digitalisierung werden eine ganze Menge verändern. Aber das ist eben nicht alles, da gehört noch viel mehr dazu. Die Politik muss auch Antworten darauf finden, wie sie mit dem weiter enorm wachsenden Verkehrsaufkommen klarkommen will; das betrifft besonders den Güterverkehr. Ein weiterer Ausbau der Infrastruktur wird da kaum möglich sein, regulatorische Eingriffe sind unumgänglich.

Was meinen Sie konkret damit?
In den Städten und Ballungsräumen wird es zu Beschränkungen beim motorisierten Individualverkehr kommen. Wir brauchen mehr und neue Mobilitätsdienste wie etwa das Ridesharing. Das heißt auch, ein Stück weit davon Abschied zu nehmen, dass jeder mit seinem eigenen Auto unterwegs ist. Wir brauchen eine Revolution, die zu mehr Effizienz im Straßenverkehr führt. Anders wird es nicht mehr gehen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: CAM-Experte zu Dieselemissionen - Stefan Bratzel: „Ich würde ganz klar von einem Politikversagen sprechen“

1 Kommentar zu "CAM-Experte zu Dieselemissionen: Stefan Bratzel: „Ich würde ganz klar von einem Politikversagen sprechen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hybrid Autos würden schon helfen - in der Stadt elektrisch, auf der Autobahn oder am Land mit einem sparsamen Verbrenner (Diesel, Benzin, Wasserstoff).
    ZUDEM: Viele Autofahrer mit einer elektrischen Reichweite von ca 100 km würden zu ca. 80% elektrisch fahren können - man denke an die Pendler, die selten mehr als 50 km von der Arbeit wohnen. Gäbe es an der Arbeitsstelle auch eine Ladestation, wären 100 km rein elektrisch kein Problem!
    Herr Bratzel, Ihre Konzepte würden eine weitere Erleichterung bieten!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%