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Cannabis legalisieren? „Kiffen macht nicht glücklich. Nicht-Kiffen auch nicht“

15 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 34 Jahren rauchen Joints. Europaweit. Doch der Konsum von Cannabis ist fast überall illegal. Würde die Freigabe weicher Drogen den Süchtigen helfen? Ein Ex-Kiffer nimmt Stellung.
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Cannabis: legalisieren oder nicht? Diese Frage stellen sich nicht nur Aktivisten. Auch in der Politik fängt die strukturkonservative Meinung an zu bröckeln. Quelle: Getty Images

Cannabis: legalisieren oder nicht? Diese Frage stellen sich nicht nur Aktivisten. Auch in der Politik fängt die strukturkonservative Meinung an zu bröckeln.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfEs fing harmlos an. Mit 16 Jahren hat Kai das erste Mal gekifft, erstmal nur am Wochenende. Dann irgendwann zuhause. „Videospiele, TV und paffen“, erzählt der heute 25-Jährige.

Kai, der in Wirklichkeit anders heißt und anonym bleiben will, ist Student und hat vor vier Monaten aufgehört, Joints zu rauchen. Endgültig, wie er sagt. Nach neun Jahren Teufelskreis. „Kiffen macht nicht glücklich, Nicht-Kiffen aber auch nicht.“ Der Konsum habe ihm zuletzt zu viel Zeit, Kraft und Geld geraubt, um nach etwas zu suchen, was ihn glücklich machen kann. Deshalb zog er einen Schlussstrich.

In den 70er Jahren war Marihuana eine der Trend-Drogen, der Konsum stand für Freiheit und Frieden. Rund 40 Jahre später ist Cannabis immer noch illegal, gilt vielmehr als Schmuddel-Droge für Leute auf dem Abstellgleis. Ein veraltetes Bild? Erst kürzlich forderte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek, die Droge zu legalisieren und mit einer Steuer von 50 Prozent zu belegen.

In Europa gibt es mehr als 15 Millionen Cannabis-Konsumenten im Alter von 15 bis 34 Jahren. Laut dem Europäischen Drogenbericht ist auch jeder vierte Erwachsene schon einmal in Kontakt mit Cannabis oder anderen Drogen gekommen. Das Durchschnittsalter beim Erstkonsum liegt bei 16, mit 25 Jahren fängt der Durchschnittskiffer eine Therapie an.

Ob Kai süchtig ist von Marihuana? Er sagt „Ja“ und zieht den Vergleich zum trockenen Alkoholiker: Er ist süchtig und er bleibt es. Dennoch ist der 25-Jährige zuversichtlich, dass er abstinent bleibt. Ohne Therapie.

In Sachen Marihuana scheint es in der Gesellschaft zwei Positionen zu geben: Entweder wird die Wirkung heruntergespielt, mit dem Tenor, Gras sei ja nicht so schlimm. Oder jeglicher Konsum, auch gelegentlicher Genuss, wird als dramatisch empfunden.

Laut Studien gibt jeder zweite Drogenabhängige an, durch Cannabis auf andere Drogen aufmerksam geworden zu sein. Ein Argument vieler Gegner in der Cannabis-Legalisierungsdebatte.

Wie die Bundesregierung 2015 darauf reagieren will, dazu hat Drogenbeauftragte Marlene Mortler eine klare Meinung: „Die aktuelle Diskussion zeigt, dass die bestehenden Gefahren und negativen Auswirkungen ausgeblendet werden.“ Es dürfe ihrer Meinung nach nicht der Eindruck erweckt werden, „ein bisschen Kiffen wird schon nicht schaden. Die gesundheitlichen Risiken gerade für Jugendliche und junge Erwachsene sind leider viel zu groß, um dies den Cannabis-Befürwortern widerspruchslos durchgehen zu lassen.“ Das ganze Interview lesen Sie in der Kurztextgalerie.

Weiter würde Mortler eine Legalisierung für „ein fatales Signal“ halten: „Cannabiskonsum ist der Grund Nummer Eins, warum junge Menschen eine Suchtberatungsstelle aufsuchen.“

Hanfverband: „Die Politik macht es sich zu einfach.“

Tatsächlich gibt es gesundheitliche Risiken bei regelmäßigem Cannabis-Konsum: Sie reichen von Atembeschwerden bis hin zu psychischen Problemen. Genau deshalb fordert Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung an der FH Frankfurt am Main einen offeneren Umgang mit Marihuana und den Gefahren.

Er bezeichnet die Herangehensweise Mortlers als „anachronistische Prohibitionspolitik“. Stöver ist Experte in Sachen Cannabis, hat die Frankfurter Fachtagung geleitet und fordert mehr als eine Legalisierung.

Er setzt sich für eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes ein. Das heißt, Verkauf und Erwerb von Gras sollen legalisiert werden – allerdings nur an strikte Bedingungen geknüpft. „Unsere Politiker sind Schisser. Die scheuen das Thema der Legalisierung aus Angst, das würde sie Stimmen kosten“, sagt Stöver im Interview mit Handelsblatt Online.

Er und andere Experten auf diesem Fachgebiet meinen: Eine Legalisierung sei überfällig. Zumal in den Vorreiter-Staaten Uruguay und insbesondere in den USA einige Verbesserungen festzustellen sind, seitdem Cannabis frei zugänglich wurde.

Zum Beispiel soll die Zahl der tödlichen Schmerzmittel-Überdosierungen in den vergangenen Monaten zurückgegangen sein. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität Pennsylvania, die US-Staaten, in denen medizinisches Cannabis legal ist mit jenen verglichen haben, wo der Konsum strafbar ist.

Die Zahl der jährlichen Todesfälle durch die Überdosierung von Opioiden (Schmerzmittelsubstanzen) war demnach um ein Viertel niedriger als vorher. Für die zuständigen Wissenschaftler ist das ein Hinweis darauf, dass die Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabinoid (CBD) eine sichere Alternative zu starken Schmerzmitteln sein können.

Kai kennt die Gefahren von Cannabis – jetzt: „In Hochzeiten habe ich täglich sehr viel gekifft, nur das Nötigste (wenn überhaupt) getan und das Haus kaum verlassen.“ Die Auswirkungen waren bei ihm zunächst die üblichen: Lachanfälle, Hunger, Müdigkeit. In dieser Reihenfolge. Irgendwann sei er „etwas zombiemäßig“ geworden.

Trotz oder gerade wegen seiner von sich selbst attestierten Abhängigkeit ist er für die Legalisierung: „In einer idealen Welt sind alle Drogen legal, aber keiner nimmt sie zu sich. In einer nicht-idealen Welt sind aber alle Drogen, ob legal oder nicht, verfügbar.“ Der Ist-Zustand also.

Tatsächlich ist es einfach, sich Cannabis zu besorgen. In Holland, in Deutschland, über Freunde oder Dealer. Vor allem bei jungen Konsumenten hat die Prohibition einen besonderen Reiz, da sind sich Experten einig. Auch Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands, ist der Meinung, das Verbot würde seine Ziele nicht erreichen: „Die Bundespolitik macht es sich zu einfach.“

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Legalisierung

Seit dem 1. Januar 2014 ist der Handel von Marihuana in den Bundesstaaten Colorado und Washington legal. In einem Referendum befürworteten die Bürger eine komplette Freigabe für Menschen über 21 Jahre. Das US-Bundesgesetz bewertet Marihuana aber weiter als Droge der gefährlichsten Kategorie und stellt es damit auf eine Stufe mit Heroin. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama wies die Bundesjustiz im vergangenen Jahr allerdings an, Marihuana-Konsumenten in Bundesstaaten mit einer Legalisierung nicht mehr zu verfolgen.

(Foto: dpa)
Barack Obama
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Stimmungsumschwung

US-Präsident Barack Obama hatte im Januar mit der Bemerkung für Aufsehen gesorgt, er halte Kiffen nicht für gefährlicher als das Trinken von Alkohol. Zugleich bezeichnete Obama, der in seiner Jugend selbst zum Joint griff, das Rauchen von Marihuana in einem Interview mit der Zeitschrift „The New Yorker“ aber als „schlechte Idee“ und „Laster“.

(Foto: ap)
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Medizin

In 18 US-Bundesstaaten darf das Rauschmittel für medizinische Zwecke verwendet werden. Die medizinischen Bedingungen sind allerdings unterschiedlich streng. Während viele Staaten Marihuana nur bei Krebs und anderen schweren Erkrankungen erlauben, kann es in Kalifornien schon für Rückenschmerzen verschrieben werden.

(Foto: ap)
Themenpaket US-Präsidentenwahl
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Was Banken dürfen

Im Februar 2014 steckte die Regierung in Washington einen engen Rahmen ab, in dem die Finanzinstitute Dienstleistungen für die Cannabis-Branche erbringen können. Die Banken müssen demnach genau darauf achten, dass ihre Kunden über die nötigen Lizenzen verfügen und sich an die gesetzlichen Auflagen halten. 

Dazu gehört unter anderem das Verbot, Marihuana an Minderjährige zu verkaufen oder mit Drogenkartellen zusammenzuarbeiten. Außerdem müssen die Banken den Behörden über ihre Marihuana-Geschäfte regelmäßig Bericht erstatten und „verdächtige Aktivitäten“ melden.

 

(Foto: dpa)
David Martinez
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Coffeeshops

Bisher konnten ihre Geschäfte nur in bar abwickeln. Die neuen Regeln würden „größere finanzielle Transparenz in der Marihuana-Industrie fördern“ und „die Gefahren reiner Bargeschäfte abschwächen“, begründete die Direktorin der Strafverfolgungsbehörde des Finanzministeriums, Jennifer Shasky Calvery, die neuen Richtlinien.

(Foto: ap)
Legal Kiffen in zwei US-Staaten
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Geldquelle

Per Volksentscheid legte Colorado die Steuern auf Cannabis fest: Im Großhandel beträgt die Abgabe 15 Prozent, im Einzelhandel zehn Prozent. Außerdem müssen Konsumenten die übliche Mehrwertsteuer von 2,9 Prozent entrichten. Allein im Januar flossen so 2,9 Millionen Dollar an Steuern und knapp 600.000 Dollar an Gebühren in die Staatskasse. „Der erste Monat des Marihuana-Verkaufs hat den Erwartungen entsprochen“, sagte die Leiterin der Steuerbehörde von Colorado, Barbara Brohl.

(Foto: dpa)
Mari Tweed
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Börsengang in Kanada

Tweed Marijuana Inc. ist der erste börsengehandelte Marihuana-Hersteller Kanadas. Die Aktie hatte beim Börsendebüt Anfang April im Vergleich zum Preis der am 7. März erfolgten Privatplatzierung 191 Prozent zugelegt. Sie kostete hier 2,59 Dollar. Bei der Privatplatzierung betrug der Preis 89 Cent. Ende August kostete die Aktie 2,29 US-Dollar.

Fotoquelle: Screenshot der Internetseite

Prävention statt Verbot: Das ist Wurths Vorstellung von einem richtigen Weg im Umgang mit Cannabis. Im Schulunterricht zum Beispiel müsse das Thema detaillierter erklärt werden, zuhause müssten Eltern über die Gefahren von Cannabis genauso informieren wie über die von Alkohol und Tabak. „Gelegentlicher Partykonsum ist weniger problematisch als der Versuch, mit Alkohol oder Cannabis Probleme zu verdrängen.“ Was Wurth damit meint, ist, dass nicht nur die Politik gefragt ist. Erst recht so lange, wie diese nichts ändern will.

Zurück zu Kai: Seine Mutter hatte damals „keine Lust, kein Interesse oder keinen Mut“, ihn aufs Kiffen anzusprechen, vermutet er. „Ich war ein vernachlässigtes Arbeiterkind aus der Vorstadt mit Narrenfreiheit.“ Seinen Drogenkonsum ganz alleine zu reflektieren – das sei im Alter von circa 18 Jahren wohl kaum möglich. Bei Cannabis gebe es eine größere Hürde, sich Hilfe zu suchen als bei Alkohol, weil der Konsum eigentlich verboten sei.

Genau diese Prohibition, die sich die Politiker im Jahr 1925 ausgedacht und 1994 zum letzten Mal überarbeitet haben, macht nicht nur den Legalisierungsaktivisten das Leben schwer. Die deutsche Justiz muss jedes Jahr rund eine Viertelmillion Rauschgiftdelikte verfolgen. Davon ist jede vierte Gras-Sünde ein Konsumentendelikt.

Suchtforschungsexperte Stöver meint: Dies raube der Polizei Geld und Nerven, um gegen die wahren Übeltäter im Drogengeschäft vorzugehen: die Drogenringe. Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Selbst der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) stellt sich mittlerweile gegen das aktuelle Cannabis-Gesetz – und somit gegen die Politik.

Dirk Peglow, BDK-Landesvize in Hessen, forderte laut „Frankfurter Rundschau“ auf der Fachtagung Mitte November einen größeren Spielraum bezüglich Rauschgift-Anzeigen: „Wir sind es leid, Strafanzeigen zu schreiben, die uns Zeit kosten und zu nichts führen.“ So weitermachen wie bisher könne er jedenfalls nicht.

Dass sich jetzt sogar eine Instanz der Exekutive für einen lockereren Umgang mit Cannabis ausspricht, zeigt: Das Gesetz scheint veraltet. Bisher sind allerdings jegliche Reform-Versuche der Opposition im Bundestag auf Granit gestoßen.

Zuletzt hatten Grüne und Linke einen Antrag im Bundesgesundheitsausschuss gestellt. Darin forderten sie lediglich die Prüfung des Betäubungsmittelgesetzes. Doch das wurde abgelehnt.

Würde Kai noch einmal kiffen, nur so zum Spaß? „Nein“, sagt er – egal, ob Gras legal wird oder nicht. „In meinem Fall hätte es bei einer Legalisierung vielleicht keine Sucht gegeben. Aber, woher soll ich schon wissen, was für alle gut ist?“

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  • Einige Ergänzungen zur Medizin:
    THC und CBD sind Entzündungshemmer und daher Mittel, chronisch-entzündliche Erkrankungen in ihrem Verlauf zu stoppen und die Entzündung zu nehmen: MS, Morbus Crohn, Arthritis und mehr. Selbst stark von Lyme-Borelliose geschädigte Patienten profitieren von dieser Wirkung.

    Es gibt Forschungen, die zeigen, dass Cannabinoide den programmierten Zelltod bei Krebszellen auslösen und dass sie die Ausbreitung von Krebszellen im Körper (Metastasenbildung) behindern. Und es gibt viele Einzelfall-Belege, dass sich Patienten durch die Selbstmedikation mit Hasch-Öl ihren Krebs bekämpft haben bis hin zur Bekämpfung eines Glioblastoms (Hirntumor) bei einem Kleinkind.

  • Mit Kai ist hier ein Negativ-Beispiel - wo ist das Positiv-Beispiel, z.B. eines Patienten mit ADHS u. Cannabis-Medikation?
    Kais Statement zu Legalisierung, idealer und realer Welt ist sehr treffend.

    Mortler: „Die bestehenden Gefahren und negativen Auswirkungen werden ausgeblendet.“ - Ja, die der Prohibition. Obwohl sie das Ziel, Senkung des Drogenkonsums, verfehlt, wird daran festgehalten mit dem Ergebnis, dass sie sich schädlich auf Konsumenten (fehlender Verbraucher- u. Jugendschutz, Kriminalisierung), auf Gesellschaft (Förderung des Schwarzmarkts u. krimineller Strukturen mit exorbitanten Gewinnspannen) auswirkt u. hohe Kosten verursacht. Ja die Gefahren durch Drogenkonsum bestehen weiter, riskante Konsumformen werden durch das Verbot sogar gefördert.

    Mortler:"Grundsätzlich gilt für mich, dass die Legalisierung einer illegalen Droge aus gesundheitspolit. Sicht nicht zu verantworten wäre, da hiervon ein fatales Signal, insbesondere an Kinder u. Jugendliche ausgehen würde. "
    Das ist so eine strunz-bornierte Haltung unserer Politiker - fragen sie sich nicht: Wieso kommen Jugendliche schon seit Jahren an illegale Drogen ran? Das Einstiegsalter ist in den Niederlande, Portugal höher und steigt auch in den US-Staaten mit legaler Abgabe an.

    Mortler: "Die Diskussion wird mir zu sehr aufs Strafrecht und Verbote reduziert. " Klar, weil diese auch den großen Anteil der Gelder nimmt. 50% der Telefonüberwachung bezieht sich auf Rauschgiftdelikte. Siehe auch die "Prohibitionsuhr", 83 Mio € pro Monat für die Hanfrepression. Dagegen sind die Gelder für Prävention (hier 0,5 Mio zusätzlich) Peanuts.

    Mortler: "Ich setze mich dafür ein, einen sicheren rechtlichen Rahmen für einen breiteren Einsatz von Cannabis in der Medizin zu finden.“ Ich frage mich nur, wie? Hab das verfolgt u. von ihr im letzten Jahr außer einem "gründlichen Nachdenken" NICHTS mitbekommen. Aktuell sitzen die Patienten mit Ausnahmegenehmigung auf dem Trocknen, ihre u. ihres Chefs Gröhes Taten? Fehlanzeige!

  • Ein sehr ausgewogener, ausführlicher Artikel, der das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

    Aber dieser Satz ist falsch:
    "Cannabis ist ein Sammelbegriff für alle Rauschgiftdrogen der Sorte Hanf."

    Cannabis "ist KEIN RauschGIFT, sondern das ist Medizin, dessen Wirkmechanismen wir kennen und die bei richtigem Einsatz nicht süchtig machen sondern die die Schmerzkontrollmechanismen anspricht. " Schmerztherapeut Müller-Schwefe in frontal21. Die letale Dosis ist dermaßen hoch, dass sie kaum ermittelbar ist.

    CBD heißt übrigens Cannabidiol. Cannabinoid beschreibt die ganze Gruppe an Wirkstoffen. Berauschend wirkt NUR THC, CBD wirkt sedierend und entzündungshemmend, weitere Cannabinoide sind CBN, CBG, insgesamt 60.

    Eigentlich gehört hier her, dass der Mensch ein Endo-Cannabinoid-System besitzt, das Signal-Prozesse wie den Schmerz regelt. G. Müller-Schwefe in dem Video ab Minute 1, 1min lang.

    Köln hat KEIN Verfassungsgericht und das Urteil ist noch nicht rechtswirksam.

    Ausnahmen: Zur Zeit sind KEINE Cannabisblüten lieferbar. Die Patienten sitzen seit einem Vierteljahr auf dem Trocknen.

    Cannabis vs. Alkohol: Alkohol ist die riskanteste Droge überhaupt (Nutt in The Lancet, 2010), Cannabis folgt erst weit danach und nach Tabak.
    An den Folgen des Alkoholkonsums sterben jährlich 74000 allein in D. (Vergleich: 100.000 Cannabis-Abhängige europaweit in Behandlung).
    Tabak: daran sterben jährlich ca 140.000 in Deutschland

    Legal Highs sind ein Produkt der Prohibition: Ohne das Cannabis-Verbot gäbe es gar kein Interesse, nach Ersatz-Cannabinoiden mit unbekannten Risiken zu suchen.

  • "15 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 34 Jahren rauchen Joints. Europaweit"

    Wie viele Menschen über 34 rauchen denn hier in Europa Joints? Und wie viele rauchen Pfeife oder konsumieren Cannabis oral, in Form von Gebäck z.B. ?
    Wie viele Cannabis-Patienten gibt es in Europa, oder speziell hier in Deutschland? Und welche Krankheiten werden da genau, mit welchen Produkten der Cannabis-Pflanze, wie behandelt?

  • "Die deutsche Justiz muss jedes Jahr rund eine Viertelmillion Rauschgiftdelikte verfolgen. Davon ist jede vierte Gras-Sünde ein Konsumentendelikt."

    Woher stammen denn diese Zahlen? Der Link ist nämlich tot. Und überall sonst kann man nach kurzer Recherche lesen, von den jährlich etwa 250.000 Strafverfahren aufgrund von Verstößen gegen das BtmG hier, entfielen um die 55% allein auf konsumnahe Cannabis-Delikte. Das heißt ja, in mehr als der Hälfte ALLER BtmG-Fälle, mit denen sich Polizei, Drogenfahndungen, Staatsanwaltschaften und Strafgerichte hierzulande beschäftigen - bezahlt vom Steuerzahler, nebenbei bemerkt - geht es nicht etwa um den bösen Drogen-Dealer oder irgendwelche Drogenbarone, Bandenchefs, etc., sondern um einfache, kleine Kiffer, die geringe Mengen Cannabis gekauft, besessen, oder für den Eigenbedarf angebaut haben. Steht das etwa in irgendeinem vernünftigen Verhältnis zur relativen Gefährlichkeit von Cannabis? Sollten sich die Beamten nicht eher um "richtige" Kriminelle kümmern, die anderen Menschen Schaden zufügen und nicht bloß sich selbst?

    Die Verbreitung des Cannabis-Konsums sinkt ja auch noch nicht mal. Strafverfolgung hat nachweislich keinen Einfluss auf die Verbreitung des Cannabis-Konsums.

    Diesen armen Kai, und andere Einzelfälle wie ihn, welche an psychischen Problemen leiden und deshalb schon keine Drogen konsumieren sollten, hat die Prohibition ja auch nicht abhalten können. Und würden Konsumenten nicht dermaßen stigmatisiert und obendrein noch strafrechtlich verfolgt, hätten Menschen wie er sicher auch keine so großen Hemmungen, sich Probleme einzugestehen und rechtzeitig in Behandlung zu begeben. Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört, dass eine Strafanzeige jemanden von seinen psychischen Problemen befreit hätte. Eher ganz im Gegenteil. André Schulz, Vorsitzender des BDK, selbstkritisch dazu in einem Interview: „Wir als Polizei vergeben den Stempel ,Drogenkrimineller‘. Es gibt Karrieren in diesem Bereich, die wir selber schaffen."

  • „Die aktuelle Diskussion zeigt, dass die bestehenden Gefahren und negativen Auswirkungen ausgeblendet werden.“ Etwa so, wie die bestehenden Gefahren, negativen Auswirkungen und nachweisliche Wirkungslosigkeit der Cannabis-Prohibtion, seitens der Hanf-Gegner immer ausgeblendet werden?