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Carola Rackete Mehr als 640.000 Euro an Spenden für festgenommene „Sea-Watch“-Kapitänin

Die festgenommene Seenotretterin Carola Rackete erfährt breite Unterstützung – auch wegen einer Spendenaktion von Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann.
30.06.2019 Update: 30.06.2019 - 17:25 Uhr Kommentieren
Der Seenotretterin drohen in Italien mehrere Anklagen, auch wegen Beihilfe zur illegalen Migration. Quelle: AP
Carola Rackete

Der Seenotretterin drohen in Italien mehrere Anklagen, auch wegen Beihilfe zur illegalen Migration.

(Foto: AP)

Düsseldorf Mit einem beispiellosen Manöver hat die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch die offene Konfrontation mit Italien gewagt. Doch die ungenehmigte Einfahrt eines Seerettungsschiffs in den Hafen von Lampedusa hat persönliche Konsequenzen für die deutsche Kapitänin des Schiffs. Carola Rackete droht nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch lange Haft.

Rackete war vergangene Woche zunächst unerlaubt in die italienischen Hoheitsgewässer und schließlich auch in den Hafen eingefahren und hatte sich damit über die Anweisungen der italienischen Behörden hinweggesetzt. Ihr drohen mehrere Anklagen, unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Migration. Bei der Ankunft auf Lampedusa war die bei Kiel geborene und in Niedersachsen aufgewachsene Rackete festgenommen worden und steht derzeit unter Hausarrest. Am Montag wird ihre Vernehmung und eine mögliche Bestätigung des Haftbefehls erwartet.

In den sozialen Medien erhält die Aktivistin viel Zuspruch. Der Hashtag #freecarolarackete trendete auf Twitter und wurde auch von zahlreichen Prominenten geteilt. So initiierten die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf eine Spendenaktion, die unerwartet großen Erfolg hatte. Bis Sonntagmittag sammelten sie mehr als 400.000 Euro ein.

Heufer-Umlauf bedankte sich für die Spenden: „Wow! Vielen Dank an alle!“ schrieb er auf Twitter. Für den Fall, dass die italienischen Behörden Rackete strafrechtlich verfolgen würden, „werden wir, wie im letzten Jahr, Geld für die anfallenden Rechtskosten und Ausgaben der Lebensretter sammeln und spenden“. Die Aktion soll bis Ende Juli laufen.

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    Auch vonseiten der Politik erfährt die 31-Jährige Unterstützung: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte: „Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden. Es ist an der italienischen Justiz, die Vorwürfe schnell zu klären.“ Menschenleben zu retten, sei eine humanitäre Verpflichtung.

    Sein luxemburgischer Amtskollege Jean Asselborn sprang ihn umgehend bei. In einem über Facebook verbreiteten offenen Brief an den italienischen Außenminister Enzo Moavero Milanesi schrieb Asselborn, die Kapitänin der „Sea Watch 3“ habe sich „in der Pflicht befunden, 40 Migranten nach Lampedusa zu bringen“.

    „Menschenleben zu retten, ist eine Pflicht und sollte niemals ein Delikt oder ein Verbrechen sein“, schrieb der dienstälteste Außenminister der EU. „Im Gegenteil: Jemanden nicht zu retten, ist ein Verbrechen.“ Luxemburg werde weiterhin mit Italien solidarisch sein, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen gehe.

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich am Sonntagmittag. Auch er verteidigte das Vorgehen der deutschen Kapitänin. Es könne ja sein, dass es italienische Rechtsvorschriften gebe, wann ein Schiff einen Hafen anlaufen dürfe. „Nur: Italien ist nicht irgendein Staat. Italien ist inmitten der Europäischen Union, ist Gründungsstaat der Europäischen Union. Und deshalb dürfen wir von einem Land wie Italien erwarten, dass man mit einem solchen Fall anders umgeht“, sagte Steinmeier laut einem Bericht von zdf.de im Sommerinterview des Senders.

    Rackete selbst hat ihre unerlaubte Einfahrt in den Hafen von Lampedusa verteidigt. Die Sicherheit der Flüchtlinge an Bord hätte nicht länger gewährleistet werden können. „Die Situation war hoffnungslos. Und mein Ziel war es lediglich, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen“, sagte die 31-jährige Deutsche über ihre Anwälte gegenüber der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Sonntag). Sie habe Suizide befürchtet.

    Salvini spricht von Kriminalität

    „Es war der verzweifelte letzte Versuch, die Sicherheit der Menschen sicherzustellen“, begründete Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer die Entscheidung der Kapitänin, den Hafen anzufahren, obwohl sich eine Lösung für die Migranten anbahnte: Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, hatten sich bereit erklärt, die Schutzsuchenden aufzunehmen.

    Bei der Finanzpolizei, deren Boot rammte, als sie in den Hafen einlief, hat sich Rackete bereits entschuldigt: „Meine Absicht war, meine Mission zu erfüllen, natürlich nicht, euch zu rammen“, sagte sie laut Nachrichtenagentur Adnkronos.

    Der Vater der Kapitänin, Ekkehart Rackete, sagte dem „Corriere“, seine Tochter habe nie einen Fehler begangen. „Carola ist nicht impulsiv, sie weiß immer, was sie macht, und sie ist eine starke Frau.“ Darüber, was in Italien auf sie zukommen würde, sei sie sich schon vor der Ankunft in Lampedusa bewusst gewesen. „Das, was passiert ist, war keine Überraschung, ich bin sicher, dass sie sich der Konsequenzen bewusst war, denen sie entgegen ging.“

    Die italienische Regierung fährt bislang aber einen harten Kurs. Innenminister Matteo Salvini hatte einen Zusammenstoß der „Sea-Watch 3“ beim Einlaufen mit dem Boot der Finanzpolizei als Beweis gewertet, dass es sich bei den Seenotrettern um „Kriminelle“ handelt. „Sie haben die Maske abgelegt: Das sind Verbrecher“, sagte er.

    Für Grünen-Chef Robert Habeck ist das allerdings eine fadenscheinige Begründung. Er kritisierte eine „Sprachverdrehung orwell'schen Ausmaßes“, wenn Italiens Innenminister der deutschen Kapitänin „Unterstützung von Menschenhändlern“ und Piraterie vorwerfe.

    „Der eigentliche Skandal ist das Ertrinken im Mittelmeer, sind die fehlenden legalen Fluchtwege und ein fehlender Verteilmechanismus in Europa.“ Die Europaabgeordnete der Linken, Özlem Demirel, erklärte: „Carola Rackete gehört nicht hinter Gitter, sondern verdient einen Orden für ihre Courage und Menschlichkeit.“

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Rechtsprofessor Daniel Thym erklärt im Interview, warum Deutschland ein Einwanderungsland sein kann – aber nicht gleichzeitig jeder kommen darf.

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