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Carsten Maschmeyer „Vor Steuern sind das eben zwei Millionen“

Carsten Maschmeyer soll doch zwei Millionen Euro an Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gezahlt haben – für die Rechte an der Autobiografie. Der Deal basierte zunächst nur einer Handschlag-Vereinbarung.
Update: 13.11.2014 - 17:20 Uhr 11 Kommentare
Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres sind gerade den Flitterwochen. Quelle: dpa

Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres sind gerade den Flitterwochen.

(Foto: dpa)

Berlin /München Der Unternehmer Carsten Maschmeyer soll dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem Bericht des Magazins „Stern“ rund zwei Millionen Euro für die Rechte an der Autobiografie gezahlt haben. Bisher war von einer Million Euro die Rede. Maschmeyer selbst hatte zu einem früheren Bericht über den Betrag von einer Million erklärt, 2006 von Schröder die Rechte für dessen Memoiren erworben und gewinnbringend vermarktet zu haben. „Es handelt sich um einen normalen Kauf und Verkauf und keine Gefälligkeit, denn die Gesamtsumme der Erlöse übertraf deutlich den Pauschalpreis beim Ankauf“, so Maschmeyer 2011.

Das Honorar soll nach „Stern“-Angaben erst nachträglich schriftlich geregelt worden sein. Bei dem Deal zu Schröders Biografie habe es sich zunächst um eine Handschlag-Vereinbarung gehandelt, die das zuständige Finanzamt Hannover nicht akzeptiert habe, sagte der „Stern“-Reporter Oliver Schröm am Donnerstag bei einer Buch-Vorstellung in Berlin.

Daraufhin habe Maschmeyer, der die Rechte an der Autobiografie Schröders gekauft hatte, einen Vertrag aufgesetzt, in dem das Honorar exakt aufgeführt worden sei. In dem Schriftstück, das dem Hamburger Magazin zugespielt wurde, heißt es: „Für die vorstehend beschriebene Nutzungsüberlassung hat Herr Maschmeyer an Herrn Schröder einen Vorschuss in Höhe von EUR 2.016.380,37 (inkl. USt) gezahlt.“ Das sei ein „absurd hohes Honorar“ gewesen, meinte Schröm angesichts späterer Verkaufszahlen. Eine „Gewinnerzielungsabsicht“ bei Maschmeyer könne er nicht erkennen.

Das Magazin beruft sich auf Tausende vertrauliche Dokumente, die belegen würden, wie nah sich Schröder und der damalige Chef des Finanzdienstleisters AWD schon zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung gekommen seien. So habe sich Maschmeyer auch für eine Reform der Riester-Rente eingesetzt – er habe auf eine „Ölquelle“ gehofft, die sprudeln könnte. Der SPD-Politiker Schröder (70) war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler.

Mit Schröder habe die Vereinbarung bestanden, dass er nach Steuern eine Millionen Euro erhält. Vor Steuern seien das eben zwei Millionen, erklärte eine Sprecherin Maschmeyers, der selbst gerade in den Flitterwochen mit Veronika Ferres weilt. Die Konstruktion der Riester-Rente hat das angeblich nicht beeinflusst. Die Rente war deutlich vor Erscheinen des Buches eingeführt worden. Allerdings wurde sie seit ihrem Bestehen mehrmals reformiert mit dem Ziel, sie für alle Beteiligten – also für Kunden genauso wie für die Versicherungsvertreter der ehemaligen Maschmeyer-Firma AWD – einfacher zu machen.

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte das Büro Schröders schriftlich mit: „Zu diesem Bericht gibt es keine Stellungnahme von Herrn Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder.“ An diesem Donnerstag wird zu diesem Thema in Berlin ein Buch vorgestellt mit dem Titel „Geld Macht Politik: Das Beziehungskonto von Carsten Maschmeyer, Gerhard Schröder und Christian Wulff“.

  • oli
  • dpa
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11 Kommentare zu "Carsten Maschmeyer: „Vor Steuern sind das eben zwei Millionen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schröder und Maschmeyer - Ein Herz und eine Seele
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    Carsten Maschmeyer soll Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder rund zwei Millionen Euro für die Rechte an dessen Autobiografie gezahlt haben. Wie nah standen sich der Politiker und der AWD-Manager? Und gab es einen Zusammenhang zur Reform der Riester-Rente während Schröders Amtszeit?

    Zwei „Stern“-Journalisten haben nachrecherchiert, das Ergebnis ist seit Donnerstag in einem Buch („Geld – Macht – Politik: Das Beziehungskonto von Carsten Maschmeyer, Gerhard Schröder und Christian Wulff“) nachzulesen: Danach hat Maschmeyer nicht nur eine, sondern sogar zwei Millionen Euro auf den Tisch gelegt – und vereinbart war der Deal schon vor dem Wahltag, der den SPD-Kanzler Gerhard Schröder das Amt kostete. Das wirft eine heikle Frage auf: Steht hinter der Abmachung mehr als nur ein Buchgeschäft, das sich kaum rechnen konnte? Womöglich sogar eine Neuauflage jener „politischen Landschaftspflege“, die seit der Flick-Affäre in den 80er Jahren für Gefälligkeiten steht, mit denen sich Firmen Politiker gewogen machen?

  • Danke, ein sehr treffender Vergleich!!!!!! Maschmeyer's abenteuerliche Erklärungsversuche erinnern sehr stark an die Ausreden von Schwarzgeld-Betrügern: Jedes Mal wenn ein neues Detail rauskommt, wird eine neue Räuberpistole nachgeschoben. Normalerweise läuft die Bezahlung für solche "Dienste" ja über die berühmten "Gutachten", die man dann bei demjenigen für ein paar Millionen in Auftrag gibt, dem man noch eine Gegenleistung schuldet. Bei Hr. Schröder ging das wohl nicht - als amtierender Bundeskanzler konnte er wohl kaum eine Rechnung für ein Gutachten an Maschmeyer oder seine AWD schicken :-).

  • Genau, die staatliche Rente sollte in private Taschen umgeleitet werden.

  • Zitat:

    "Er ist jedenfalls sicher der einzige Unternehmer in Deutschland, der seine gezahlten Honorare oder Rechnungen gleich "Nach Steuer für den Beschenkten" bemisst."


    @Thomas Schmidt, Sie haben vollkommen Recht! So eine schwachsinnige Rechtfertigung einer "falschen früheren Aussage" habe ich auch noch nie gelesen.

    Hat Maschmeyer seine Finanzprodukte für die vielen armen bei ihm versicherten Kunden auch mit der Nachsteuerrendite beworben?




  • Stimmt, solche Lodl wie Maschmeyer habe ich in den späten Achtzigern bereits kennengelernt. Er wollte mir einen NorisFonds verticken. Hochglanzbrochure mit "gemischtem Satz" (ein Teil kapitalisierte Lebensversicherung, der Andere ein Fonds).

    Ich sagte ihm, dass er seine Unterlagen da lassen könne, damit ich sie noch einmal genauer unter die Lupe nehme.

    Mit fast weinerlicher Stimme bat er darum den Vertrag abzuschließen: Er könne die Provision gut gebrauchen. Wie jämmerlich !!!

    Das ist das Kaliber aus dem Maschmeyer gestrickt ist.

    Wie gut, dass ich außerdem nie einen Riester-Vertrag unterschrieben habe. Das Ganze dient aufgrund der katastrophalen Intransparenz nur dazu Vermittler und Versicherungsunternehmen reich zu machen.

    Leute lasst die Finger davon !!!

    Und diese rot-grünen Faschisten wollten uns zwingen diesen Zusatzvertrag zur DRV-Rente anzuschließen!

    Zum Teufel mit Gerhard Schröder, Joschka Fischer & Co.

  • Na ja, bei der Reputation und der Glaubwürdigkeit, die Herr Maschmeyer in Deutschland zu Recht besitzt, lässt sich ja auch durch solche sinnfreien Erklärungen sein Ruf nicht noch weiter ruinieren. Er ist jedenfalls sicher der einzige Unternehmer in Deutschland, der seine gezahlten Honorare oder Rechnungen gleich "Nach Steuer für den Beschenkten" bemisst. Auch seine Azussage, diese 2 Millionen wären durch die Vermarktung des Schröder-Buches wieder reingekommen, hält sicher keiner ernsthaften Prüfung stand - für Hr. Maschmeyer sollte es ja ein Leichtes sein, diese Erlöse (idealerweise mit dem Bestätigungsvermerk eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers) zu belegen. Da sind wir alle mal gespannt..:-). Tröstlich jedenfalls für Normal-Sterbliche, wenn man Maschmeyer sieht: Selbst mit ein paar Milliarden lässt sich ein billiges Rolex- und Goldkettchen-Strukturvertriebler Image und Auftreten nicht loswerden...

  • Die Freundschaftsdienste des Hannoveraners Schröder brachten Maschmeyer gewiss mehr ein.

    Ich stelle die Frage, wann Korruption anfängt und wo sie aufhört. Der Fall Wulff, ebenfalls in Hannover beheimatet, scheint dagegen von untergeordneter Bedeutung zu sein.

  • Wenn Kapitalisten sich zum Commerz bekennen, dann ist das eine Art von Glaubwürdigkeit. Wenn allerdings Sozialisten und Gewerkschaftsbosse sich in Luxusvillen suhlen und dann der Arbeitnehmerschaft verkaufen, "ich bin Einer von Euch", dann ist das brillante Volksverdummung. - Und die Bürger merken das scheinbar gar nicht -. Frau Steer das Wort D.....ist am rechten Platz.

  • Eigetlich muß man feststellen, ob man will oder nicht, es sin offenbar nur nochDrecksäcke in den führenden Positionen
    Es wird Zeit, dass wir mal groß und öffetlich die 68iger Zeit aufarbeiten, denn genau seitdem haben wir all das

  • Es kommt alles das Licht.
    ich bin davon überzeugt, dass nicht zufällig unter Schröder als Bundeskanzler eine Rentenreform (Riester) gemacht wurde, die ausschließlich den Banken und Versicherungen zugute kommt. Alle staatlichen Zuschüsse werden (bis auf ganz wenige Ausnahmen) der Finanz- industrie zufließen.
    Was für ein Zufall, dass es parallel zu dieser Entwicklung einen engen Draht zwischen Schröder und Maschmeier gab. Allerdings kann man wohl die ganze "Niedersachsen-Connection" (Wulf, Gabriel, Steinmeier und Weil)mit hinzurechnen.
    Die modernen Netzwerk funktionieren wohl immer noch als Seilschaften. Nur dass man nicht mehr offensichtlich auf höhere Positionen gehievt wird,sondern sicherstellt dass die spätere Versorgung mit Geld ausreichend ist.

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