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Carsten Meyer-Heder Dieser Unternehmer will Bremens erster CDU-Bürgermeister werden

Carsten Meyer-Heder hat gute Chancen, die SPD im Kampf um das Rathaus zu schlagen. Dabei ist der IT-Manager erst seit einem Jahr Parteimitglied.
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Vor gerade mal einem Jahr bot er der CDU seine Hilfe an, kurz darauf machte sie ihn zum Spitzenkandidaten. Quelle: dpa
Carsten Meyer-Heder

Vor gerade mal einem Jahr bot er der CDU seine Hilfe an, kurz darauf machte sie ihn zum Spitzenkandidaten.

(Foto: dpa)

BremenMit schnellen, großen Schritten läuft Carsten Meyer-Heder über den Marktplatz. Der Zweimetermann kann es nicht erwarten, scheint es. Der 57-Jährige steht vor der Bremischen Bürgerschaft, das Parlament, dreht sich nach links. „Und da hinten ist mein Büro.“ Er muss lächeln, als er auf das Rathaus zeigt. „Also nach der Wahl natürlich.“

Der IT-Unternehmer mit Glatzkopf und Henriquatre-Bart will erreichen, was noch keiner geschafft hat: die SPD vom Thron stoßen, Gegenspieler Carsten Sieling in Bedrängnis bringen. An diesem Donnerstag trifft er das erste Mal auf den Politprofi Sieling, zwei Stunden werden sie öffentlich debattieren. Meyer-Heders Chancen stehen nicht schlecht. Bremen wählt am 26. Mai, bei der jüngsten Umfrage lag die CDU mit 25 Prozent einen Punkt vor der SPD, die seit 1945 den Bürgermeister stellt.

Donnerstag voriger Woche, die Jungen Unternehmer haben in einen holzvertäfelten Wirtschaftsklub im Zentrum geladen. „Da ist ja der Koalitionspartner“, sagt Meyer-Heder, als er Lencke Steiner erblickt. Die 33-Jährige ist FDP-Fraktionschefin in der Bürgerschaft und selbst Unternehmerin. Gemeinsam wollen sie die rot-grüne Koalition angreifen. „Ich glaube, dass wir da frischen Wind reinbringen können“, sagt Steiner.

So klein das Bundesland mit seinen 680 000 Einwohnern auch ist, so wenig die Wahlen hier normalerweise bundespolitische Beachtung finden: 2019 ist alles anders. Die SPD ist angezählt, nicht nur in Bremen. Obendrein wird am 26. Mai das Europaparlament gewählt: Verlieren die Sozialdemokraten doppelt, könnte es nicht nur eng werden für Chefin Andrea Nahles – sondern auch für die Große Koalition im Bund.

„Auf die Wahl in Bremen schaut die ganze Republik“, sagt FDP-Chef Christian Lindner, den die Unternehmer als Gast eingeladen haben.

Meyer-Heder, schwarzer Nadelstreifenanzug, Poloshirt, hört ihm geduldig zu, dreht immer wieder an seinem Ehering mit Bremer Skyline, den ihm seine Frau Anja geschenkt hat. Vor vier Wochen, sagt er, hätten alle nur über die Wahlen im Osten geredet. Nun aber zieht das Interesse an.

Selbst Meyer-Heder war überrascht, dass die Partei die Kampagne mittrug.
CDU-Plakat

Selbst Meyer-Heder war überrascht, dass die Partei die Kampagne mittrug.

Auch, weil Bremen seit zehn Tagen mit CDU-Postern plakatiert ist, auf denen die CDU nicht auftaucht: „Der Bauch muss dem Kopf öfter in den Arsch treten“, steht darauf geschrieben. Oder: „Bessermeckern geht nicht. Bessermachen schon.“ Dazu der Hashtag „CarstenMeyerWer?“ Die Kampagne, auch breit über Instagram und Co. gestreut, sieht eher nach Piratenpartei aus. Selbst Meyer-Heder war überrascht, dass die Partei sie mittrug.

Vor gerade mal einem Jahr bot er der CDU seine Hilfe an, kurz darauf machte sie ihn zum Spitzenkandidaten. Ihn, den Ur-Bremer, der hier Abi und Zivi machte und dann ziellos durchs Leben taumelte. Während er Wirtschaftswissenschaften studierte, arbeitete er in Kneipen, verdiente sich als Percussionspieler etwas dazu. Dann kam die Krebsdiagnose, mit Ende 20. Er hatte schon Metastasen, wurde operiert, bekam Chemo. „Die Erkrankung hat mich sehr geprägt“, sagt er heute. Zwei Jahre kämpfte er – und gewann.

Für Meyer-Heder wie ein Neuanfang.

Gründer durch Zufall

Zufällig kam der Sohn eines Bestatters und einer Hausfrau zur IT, machte eine Umschulung. „Am dritten Tag wusste ich: Das willst du machen.“ 1993 gründete er neusta. Heute ist aus dem Start-up die Firmengruppe team neusta geworden, die mit mehr als 1000 Mitarbeitern Softwarelösungen und IT-Beratung anbietet, 170 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und Kunden wie die Rewe Group oder Werder Bremen zählt.

Drei Kinder hat Meyer-Heder von zwei Frauen, dazu kommt die Stieftochter aus zweiter Ehe. Er ist Patchwork-Papa durch und durch, jedes zweite Wochenende hat er die Kids bei sich, Wahlkampf hin oder her.

In der Firma gab Meyer-Heder 2018 das Tagesgeschäft ab. Einen Tag die Woche ist er noch hier, den Rest frisst die Politik. Der Quereinsteiger will Bremen nach vorn bringen, das Image vom dauerklammen Land drehen, mehr in Bildung und Digitalisierung investieren. „Wir brauchen in den Behörden wieder eine Fehlerkultur“, sagt er.

Er will in Projekten denken, den Beamten mehr Eigenverantwortung geben, an den Investitionsstau ran, eine Seilbahn für den ÖPNV bauen. Und auch ein Stück weit mutiger werden: „Wir können Testmodell sein für viele verschiedene Verkehrskonzepte, können Start-ups einladen.“

Meyer-Heder ist ein ungewöhnlicher CDU-Kandidat. Der Motorradfan war bis vor einem Jahr noch nicht mal Mitglied. Aber in der Stadt bekommt er vielleicht deswegen so viel Zuspruch. Aber es gibt auch Trump-Vergleiche und warnende Stimmen, dass nun die Unternehmer nach der Macht greifen.

Am Donnerstagabend voriger Woche eilt Meyer-Heder zur Kunsthalle. Die Architekten- und die Ingenieurkammer haben Carsten Sieling zum Talk geladen, seinen Gegenspieler. Meyer-Heder nimmt in Reihe zwei Platz, wenige Meter vom Bürgermeister entfernt. Immer wieder zückt er sein Handy, macht sich Notizen, will sich Schwachstellen des 60-Jährigen merken.

Meyer-Heder ist kein großer Redner, hat für die öffentliche Debatte Medientraining genommen. In der Defensive sein, das ist für ihn eine neue Erfahrung: „Als erfolgreicher Unternehmer wird man ja hofiert.“

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