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Carsten Meyer-Heder Wie ein Quereinsteiger die Bremer CDU auf Erfolgskurs brachte

Der Software-Unternehmer Carsten Meyer-Heder könnte erster CDU-Bürgermeister in Bremen werden – wenn er die Grünen von sich überzeugt.
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Sein Traumziel von 30 Prozent erreichte der CDU-Kandidat nicht ganz. Dennoch kann er mit dem Wahlergebnis zufrieden sein. Quelle: dpa
Carsten Meyer-Heder

Sein Traumziel von 30 Prozent erreichte der CDU-Kandidat nicht ganz. Dennoch kann er mit dem Wahlergebnis zufrieden sein.

(Foto: dpa)

Berlin Der glatzköpfige Zwei-Meter-Mann überragt die zierliche CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, nicht nur bezogen auf seine Körpergröße: Carsten Meyer-Heder, 58 Jahre alt, Spitzenkandidat in Bremen, ist am Sonntag ein historischer Sieg gelungen: Als erster Christdemokrat seiner Stadt schob er sich in der Wählergunst vor die ewige Regierungspartei SPD.

Blauer Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte: So steht er auf der Bühne im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. An diesem Montagmorgen ist er in die Hauptstadt gekommen, um im Präsidium der Partei Lob und Blumen entgegenzunehmen. Nun steht er neben der Parteichefin und erklärt, warum er nach 73 Jahren SPD-Herrschaft der erste Bremer CDU-Bürgermeister werden könnte. Die schwere Schlappe bei der Europawahl ist sein Thema nicht. „Ich werde mich hüten, heute schon Tipps an die Bundespartei zu geben“, sagt er.

Meyer-Heder hatte bereits im Wahlkampf sein „tolles Team“ gelobt – ausgerechnet die Bremer CDU, die so lange zerstritten war.

Friedensstifter war der wenige Tage vor der Wahl verstorbene CDU-Vorsitzende Jörg Kastendiek; er war es auch, der Meyer-Heder vorgeschlagen hatte. Es war ein Coup: Hinter dem Quereinsteiger konnten sich die Streithähne vereinen, denn der war unberührt von allen Grabenkämpfen der Vergangenheit. „Jörg hat mich und meine Kampagne „maßgeblich mit unterstützt“, sagt der Wahlsieger.

Dabei war diese Kampagne mit ihrer provokanten Frage durchaus gewagt: „Carsten Meyer-Wer?“ Aber offenkundig verfing sie, machte die Bremer neugierig. Weil ihm als Polit-Neuling Detailwissen fehlte, gründete er einen Beraterkreis – „parteiübergreifend“, wie er sagt. Eine Kita-Erzieherin gehörte zum Beispiel dazu, ein Vertreter der Kfz-Innung, ein Finanzvorstand.

Die CDU ist bei den jungen Leuten der Klassenfeind. Dabei sind wir es nicht. Carsten Meyer-Heder (CDU-Wahlsieger in Bremen)

Allein verschiedene Signale aus Berlin sorgten für Missmut, etwa die unbeholfene Reaktion der Partei auf den Youtuber Rezo. Das habe ebenso wenig geholfen wie die Debatte um die Upload-Filter im Internet, resümiert er. „Die CDU ist für junge Leute der Klassenfeind“, sagt er. „Dabei sind wir es nicht.“ Die Partei müsse an ihrem Image arbeiten.

Seit einem Jahr erst ist er Parteimitglied, und er widersetzt sich noch immer jedem Klischee – anders ausgedrückt: Er scheint all jene Eigenschaften zu besitzen, die der CDU derzeit abgehen. Als Softwareentwickler hat Meyer-Heder ein Unternehmen mit inzwischen 1000 Mitarbeitern aufgebaut.

Er repräsentiert den modernen Großstädter jenseits der klassischen CDU-Werte: Er ist aus der Kirche ausgetreten, war in jungen Jahren rebellisch, stellte wie Kevin Kühnert den Kapitalismus infrage und lehnte die Ansiedlung von Mercedes in Bremen ab. Die Bundeswehr mied er und absolvierte Zivildienst, heute lebt er in einer Patchwork-Familie.

Dennoch hadert Meyer-Heder nicht mit seiner politischen Identität. „Ich fühle mich in der CDU wohl“, sagt er. Er weiß, dass sich seine Partei derzeit aus vielen Konventionen befreit. Dass ein Homosexueller heute CDU-Minister sein könne, das gefällt ihm.

Und so nahm er das Angebot von Jens Spahn gern an, nach Bremen zu kommen und ihn im Wahlkampf zu unterstützen. Auch Friedrich Merz fragte per SMS, doch in diesem Fall lehnte Meyer-Heder dankend ab. Es sei „nicht gut für die linke Seele“ der Stadt, begründet er die Entscheidung gegen die Leitfigur der Konservativen.

Bremen als Experimentierfeld

26,1 Prozent der Stimmen hat er eingestrichen, 1,3 Prozentpunkte mehr als die SPD. Wenn das zum Regieren reicht, möchte er Bremen in ein Experimentierfeld für neue Mobilität verwandeln, die Digitalisierung voranbringen, Humus für Kreative schaffen. Er möchte den Bremer Filz bekämpfen, die „verkrusteten Strukturen“, wie er es nennt. Wie in der agilen Software-Entwicklung will er führen, Themen im Prozess bearbeiten und immer wieder erneuern. Unbürokratisch soll Bremen sein Update erhalten und 2030 ohne Hilfen vom Bund auskommen.

Nun muss er ab Mittwoch ausloten, ob die Grünen mit ihm und den Liberalen diesen Weg beschreiten wollen – oder ob sie auf ein Bündnis mit SPD und Linken setzen.

Mehr: Nach 73 Jahren in Regierungsverantwortung erlitt die SPD in Bremen eine historische Wahlschlappe. Lesen Sie hier alle Ergebnisse der Landtagswahlen in Bremen.

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