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CDU Kramp-Karrenbauer wird Merz so schnell nicht los

Eigentlich steht die CDU-Chefin im Mittelpunkt bei einer Veranstaltung in Düsseldorf. Aber auch Merz ist dort und macht erneut deutlich: Wenn er gerufen wird, wäre er bereit.
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Am Montagabend waren Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz zu Gast beim Ständehaustreff in Düsseldorf. Quelle: dpa
Ständehaustreff der „Rheinischen Post“

Am Montagabend waren Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz zu Gast beim Ständehaustreff in Düsseldorf.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Bei der wohl unangenehmsten Frage des Abends muss Annegret Kramp-Karrenbauer lachen. „2018 war ein tolles Jahr. Dann wurden Sie CDU-Vorsitzende und dann ging es bergab, oder?“, hat Michael Bröcker, Chefredakteur der „Rheinischen Post“, gerade gefragt. Aber sie lässt sich nicht provozieren. „Es war eine gute Entscheidung und ich bereue sie nicht“, sagt AKK. „Man steht immer auf den Schultern seines Vorgängers, im positiven wie im negativen.“

Im Dezember wurde Kramp-Karrenbauer zur CDU-Chefin gewählt. Nach sechs Monaten mehren sich in und außerhalb der Partei jedoch die Zweifel, ob sie in die Fußstapfen von Angela Merkel treten kann. Heute ist sie zum Ständehaustreff in Düsseldorf, die Zeitung „Rheinische Post“ hat geladen. Und auch Kramp-Karrenbauers unterlegener Mitbewerber Friedrich Merz hat an diesem Abend im früheren Sitz des nordrhein-westfälischen Landtags noch seinen Auftritt, aber dazu später mehr.

Das Motto des Abends ist AKK, auch kulinarisch. Als Aperitif gibt es einen Drink aus Amaretto, Kaffee und Karamellsirup. Die Vorspeise besteht aus Avocado, Krabben und Kastenbrot. Zum Hauptgang gibt es Apfel mit Kartoffelsalat und Kalbstafelspitz, zum Nachtisch Ananas-Buttermilcheis, Kokos und Kalamansi.

Der letzte Gast der Veranstaltungsreihe war im Mai Grünen-Chef Robert Habeck, der zurzeit als möglicher nächster Kanzler gehandelt wird. Diese Rolle war eigentlich für Kramp-Karrenbauer vorgesehen. Doch nach einem halben Jahr steckt sie in Schwierigkeiten.

Die Bilanz ist dürftig. In Umfragen sank die Union zuletzt weit unter 30 Prozent. Wenn es in der CDU zurzeit eines nicht gibt, dann Ruhe. Ihr Umgang mit dem Europawahlergebnis, die Reaktion auf das Rezo-Video und ihre Äußerungen über Meinungsmache im Netz haben Kramp-Karrenbauer auch intern viel Kritik eingebracht. Zuletzt gelang es ihr nicht, quälende Debatten über den nächsten Kanzlerkandidaten und Koalitionen mit der AfD einzufangen.

Um dieses Thema kommt sie auch im Ständehaus nicht herum. Kramp-Karrenbauer gibt der AfD eine Mitverantwortung an der geistigen Vorbereitung des Anschlags auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. „In der Situation, ernsthaft darüber zu reden, die CDU könnte mit der AfD kooperieren, ist nicht hinnehmbar.“ Auf mögliche Ausschlussverfahren aus der CDU sagt sie: „Es ist sehr schwer, jemanden auszuschließen. Aber wir prüfen das.“

Wo will sie hin? Was ist ihr Profil? Das will Moderator Bröcker wissen. Aber Kramp-Karrenbauer weicht aus und wechselt schnell auf die Perspektive der Partei. Und auf Stichworte wie Freiheit, Selbstverantwortung oder Volkspartei der Mitte. Wofür sie genau steht, bleibt unscharf.

Sympathiewerte von Kramp-Karrenbauer sind abgestürzt

In der eigenen Partei hat Kramp-Karrenbauer viele Erwartungen enttäuscht. Nach dem Fehlstart braucht die Vorsitzende Erfolgserlebnisse. Möglicherweise bleibt nicht viel Zeit. Ende des Jahres könnte die SPD auf ihrem Parteitag das Ende der Großen Koalition besiegeln. Dazu sagt sie: „Ich habe mir abgewöhnt, irgendwas unter dem Motto Wenn-Dann zu diskutieren. Es gibt für diese Regierung noch einiges zu tun.“

Was bei einem Bruch der Regierung passieren würde, ist zurzeit völlig offen. Die Sympathiewerte von Kramp-Karrenbauer sind abgestürzt. Nur 30 Prozent der Anhänger von CDU und CSU sind dafür, dass sie Kanzlerkandidatin wird. Dies dürfte ein Grund dafür sein, dass Friedrich Merz sich auch ohne Amt in Lauerposition hält. In der vergangenen Woche gab er erneut zwei große Interviews. Dabei sprach er AKK einerseits das Vertrauen aus („Sie macht vieles richtig“), signalisierte aber auch, notfalls bereitzustehen, wenn er gefragt würde.

Dass der 63-Jährige weiterhin große Sympathien in der Partei genießt, ist auch an diesem Abend wieder spürbar. Im Publikum sitzen viele Unternehmer aus dem Bundesland, CDU-Politiker und Personen aus dem erweiterten Umfeld des Landesverbandes. Merz darf nach einer knappen Stunde von der Rolle des Zuschauers auf die Bühne wechseln. Ob er Kramp-Karrenbauer unterschätzt hat? Nein, erwidert Merz knapp. Als Bröcker ihn auf die 35 Stimmen anspricht, die bei der Wahl um den Vorsitz gefehlt hätten, korrigiert er „18“ und erntet Lacher.

Auf die Frage, warum die beiden nicht eine Doppelspitze bildeten, entgegnet die CDU-Chefin, die Partei habe gute Erfahrungen damit gemacht, „die Dinge in eine Hand zu legen“. Ob es nicht denkbar sei, dass Merz und Kramp-Karrenbauer die K-Frage bei einem Frühstück im Sauerland unter sich klärten, so wie Merkel und Stoiber 2002 in Wolfratshausen? Beide lächeln etwas gequält. „Geschichte wiederholt sich nicht“, sagt Kramp-Karrenbauer.

Die Frage, ob sie sich Merz eines Tages in ihrem Regierungskabinett wünsche, umkurvt sie. Dies entscheide die Person zum entsprechenden Zeitpunkt. Der wiederum lässt sich auch von der Frage nicht locken, wann er sich in den letzten Monaten mal so richtig aufgeregt habe über seine Vorsitzende. Er ärgere sich über Kommentare, sagt er, dass seine Unterstützung gönnerhaft sei. „Sie ist ernst gemeint, in Sorge um den Zustand meines Landes und meiner Partei.“ Laut wird Merz, als es um eine mögliche Übernahme grüner Positionen in der Umweltpolitik geht. „Genau das nicht, nicht hinterherlaufen“, ruft Merz aufgebracht. „Wenn wir anderen hinterherlaufen, wird das Original gewählt.“

In wenigen Minuten bringt Merz seine Botschaften unter, die von den mehr als 500 Zuschauern wohlwollender goutiert werden als die der CDU-Chefin. Er würde so gern, das ist ihm anzumerken, aber Merz verliert kein schlechtes Wort über seine Vorsitzende. Beide haben ein Zweckbündnis geschmiedet. Kramp-Karrenbauer kann Merz als Fürsprecher in diesen schwierigen Wochen gut gebrauchen. Aber auch an diesem Abend zeigt sich – so leicht wird sie ihn auch nicht wieder los.

Mehr: Die Umfragewerte von Parteichefin Kramp-Karrenbauer fallen. Auch wenn die Kontrahenten sie verteidigen – es herrscht ein Zustand der Grundnervosität.

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1 Kommentar zu "CDU: Kramp-Karrenbauer wird Merz so schnell nicht los"

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  • Wenn die GroKo im Dezember platzt, fürchte ich, dass durch AKK’s Kanzlerkandidatur die CDU dieselben Werte wie die SPD erreicht. Wann begreifen eigentlich die angeblichen Köpfe der CDU den strategischen Fehler, eine quasi Oberbürgermeisterin zur Kanzlerkandidatur zu motivieren? Sie kann es doch nicht, begreift es endlich.

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