CDU-Ministerpräsident Daniel Günther „Wie blasen die sich eigentlich auf?“

Die Sondierungsverhandlungen sollen vor allem der eigenen Partei zeigen, „wie hart man angeblich verhandelt hat“, sagt Daniel Günther, Ministerpräsident (CDU) in Schleswig-Holstein. Und lästert über die CSU.
Update: 16.01.2018 - 12:51 Uhr 8 Kommentare
Der CDU-Mann führt eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen in Schleswig-Holstein. Quelle: dpa
Daniel Günther

Der CDU-Mann führt eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen in Schleswig-Holstein.

(Foto: dpa)

KielSchleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat Sondierungsverhandlungen über die komplette Nacht hinweg als „kompletten Unsinn“ bezeichnet. „Das ist einfach nur, damit man sich aufblasen kann vor seinen eigenen Parteien, wie hart man angeblich verhandelt hat“, sagte Günther nach einem Bericht der „Kieler Nachrichten“ am Montag auf dem Jahresempfang des Radiosenders RSH. „Ich finde, diesen ganzen Quatsch sollte man einfach mal einstellen“, sagte der Regierungs-Chef demnach.

Seiner Meinung nach hätte man die Gespräche zwischen Union und SPD über die mögliche Neuauflage einer großen Koalition auch um 20.00 Uhr unterbrechen können. „Alle wären ins Bett gegangen mit bester Laune und man hätte am Freitag die gleiche Stundenzahl weiterverhandeln können und wäre ganz normal um 18.00 Uhr durch gewesen.“

Günther kritisierte dem Bericht zufolge auch das Verhalten der CDU-Schwesterpartei CSU. „Die CSU mit ihren 6,2 Prozent, wie blasen die sich eigentlich immer auf bei solchen Verhandlungen?“ Konkret griff er CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt an, weil dieser mit Blick auf Gegner einer großen Koalition in der SPD von einem „Zwergenaufstand“ gesprochen hatte. „Wenn man zusammen regieren will, dann kann man nicht so übereinander reden.“

„Ich kann nur zu Geschwindigkeit raten“

Dobrindt will die Koalitionsverhandlungen mit der SPD bereits am kommenden Montag beginnen. „Ich kann nur zu absoluter Geschwindigkeit raten“, sagte er am Dienstag in Berlin. Er sei sehr sicher, dass der SPD-Parteitag am 21. Januar der Aufnahme von Verhandlungen zustimmen werde. „Ich freue mich darauf, dass wir dann am Montag mit Koalitionsverhandlungen beginnen können.“ Danach habe man zwei Wochen Zeit, die Verhandlungen abzuschließen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor gesagt, sie wolle, dass ein Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD noch „vor Fastnacht“, also vor dem 13. Februar stehe. Dobrindt warnte, dass eine neue Groko bei längeren Verzögerungen der Regierungsbildung einen schlechten Start haben werde.

Der CSU-Politiker äußerte sich sehr positiv über die SPD und sprach nicht erneut vom „Zwergenaufstand“. „Ich habe Vertrauen in die SPD“, betonte Dobrindt. Die Sozialdemokraten seien in den vergangenen vier Jahren ein verlässlicher Partner gewesen. Wenn ihn etwas sorge, dann sei es die „masochistische Art“ der SPD, ständig eigene Erfolg schlecht zu reden. „Dass ich ein glühender Befürworter der Groko bin, hat eher etwas mit meiner Leidenschaft für die Grünen zu tun“, schränkt der CSU-Politiker allerdings scherzhaft ein. Dobrindt galt als entschiedener Gegner eines Jamaika-Bündnisses.

Erneut schloss er die von einigen SPD-Politikern geforderte „Nachbesserung“ am Sondierungsergebnis aus. Sicher könne es bei den Koalitionsverhandlungen Vertiefungen bei einigen Themen geben, weil man auf den 28 Seiten nicht alle Punkte detailliert habe klären können. Aber etwa über Steuererhöhungen werde nicht erneut geredet.

  • dpa
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8 Kommentare zu "CDU-Ministerpräsident Daniel Günther: „Wie blasen die sich eigentlich auf?“"

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  • Mit dieser „Blaserei“ lebt die CDU nicht erst seit gestern ... und Herr Dobrindt sollte mal seinen Reifendruck überprüfen ...

  • Die CSU ist die einzige Partei in diesem Bündnis, die noch einigermaßen konservative Werte vertritt. Die sollte sie auch möglichst gut durchsetzen. Frau Merkel und die CDU würden der SPD doch alles zugestehen.

  • Zusatz:

    ... beeindrucken lassen. Statt selbst zu denken. Und selbst Verantwortung zu übernehmen.

  • ... hereinfallen, weil sie sich von deren durchsichtigem(!) Profilierungsgehabe beeindrucken lassen.

  • Herr Dobrindt sollte seine ungefragten Wortbeiträge einfach einmal lassen.
    Reden ist Silber, schweigen ist Gold !

  • Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat völlig recht, mit dem was er über Herrn Dobrindt sagt. Der Landesgruppenchaft der CSU hätte seine Aufgaben als Minister wahrnehmen sollen. Da hat er vornehmlich durch Versagen geglänzt. Man stelle sich vor, Dobrindt in einer noch verantwortlicheren Position in Gemeinschaft mit dem unerfahrenen Spahn und der "Marke Lindner". Schreck lass nach.

  • „Günther kritisierte dem Bericht zufolge auch das Verhalten der CDU-Schwesterpartei CSU. „Die CSU mit ihren 6,2 Prozent, wie blasen die sich eigentlich immer auf bei solchen Verhandlungen?“ Konkret griff er CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt an, weil dieser mit Blick auf Gegner einer großen Koalition in der SPD von einem „Zwergenaufstand“ gesprochen hatte. „Wenn man zusammen regieren will, dann kann man nicht so übereinander reden.““

    Das ist ja gerade die Krux mit unserem überholten Politiksystem: Dass diejenigen Politiker, die tatsächlich das Gemeinwohl im Auge haben und sich wirklich nach Kräften bemühen, Zukunftsprojekte voranzubringen, immer prompt und zuverlässig von (gerade in der Politik im Übermaß vorhandenen) profilierungssüchtigen Egoisten ausgebremst, um nicht zu sagen: blockiert werden.

    Und dass so viele Bürger auf die ebenso wohlgesetzten wie hohlen Worte und leeren Versprechungen solcher aufgeblasener Idioten hereinfallen weil sie sich von deren durchsichtigen Profilierungsgehabe beeindrucken lassen.

  • Endlich mal ein Politiker der CDU der klare Ansagen machen kann. Vielleicht ist auch in dieser Partei noch nicht alles verloren. Bitte weiter so und Flagge zeigen mit der eigenen Meinung. Herr MP Günther, Sie haben absolut Recht. Dieses zur Schau stellen unserer "Führung" ist unangemessen.

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