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CDU-Parteitag Forsa-Chef Güllner: „Friedrich Merz haben die Wähler abgehakt“

Manfred Güllner glaubt, dass Armin Laschet nun als CDU-Parteivorsitzender bundesweit an Profil gewinnen kann. Dass SPD und FDP von der Wahl profitieren, bezweifelt er.
17.01.2021 - 16:30 Uhr 1 Kommentar
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet konnte sich im Kampf um den CDU-Vorsitz gegen Friedrich Merz durchsetzen. Quelle: AFP
Armin Laschet und Friedrich Merz (v. l.)

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet konnte sich im Kampf um den CDU-Vorsitz gegen Friedrich Merz durchsetzen.

(Foto: AFP)

Berlin Der Forsa-Chef sieht die Wahl von Armin Laschet zum CDU-Vorsitzenden als richtige Entscheidung für die Partei an. Die CDU habe dadurch die Chance, die vielen Wähler von Angela Merkel weiter an sich zu binden.

Er fordert das Lager von Friedrich Merz, der Laschet im Rennen um den Parteivorsitz unterlag, auf, den neuen Vorsitzenden nun zu unterstützen, damit der Wahlerfolg nicht gefährdet wird.

Im Bezug darauf, dass Merz sich als Wirtschaftsminister angeboten hatte, sagt Güllner, dass die Wähler Merz jetzt abgehakt hätten. Laschet hingegen könne nun mit seiner Wahl bundesweit an Profil gewinnen und rücke im Hinblick auf eine mögliche Kanzlerkandidatur in den Fokus der Wähler.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Güllner, Armin Laschet lag in den Umfragen immer hinter Friedrich Merz. Warum hat er jetzt den Kampf um den CDU-Vorsitz gewonnen?
Am Ende hat sich die Ratio bei den 1001 CDU-Delegierten durchgesetzt. Die Entscheidung ist richtig, da Armin Laschet den für die CDU erfolgreichen Kurs von Angela Merkel fortsetzen will. Es wäre ein großer Fehler gewesen, die CDU mit Friedrich Merz nach rechts zu bewegen.

Warum?
Die CDU hat jetzt die Chance, die vielen Wähler der Kanzlerin, die ja nicht noch einmal antritt, weiter an sich zu binden.

Es gibt trotzdem das große Merz-Lager in der CDU. Wie kann der neue CDU-Vorsitzende diesen Flügel der Partei einbinden?
Das Lager von Friedrich Merz sollte jetzt Armin Laschet unterstützen, wenn nicht der Wahlerfolg gefährdet werden soll. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist übrigens auch längst vom harten Rechtskurs der CSU unter Horst Seehofer abgerückt und in die Mitte geschwenkt. Und dort werden die Wahlen gewonnen.

Sollte Friedrich Merz, wie von ihm selbst ins Spiel gebracht, über den Posten des Wirtschaftsministers eingebunden werden?
Friedrich Merz haben die Wähler jetzt abgehakt. Er war immer nur im rechten Lager stark verankert und nicht in der Mitte.

Der nächste Schritt Richtung Kanzleramt für Armin Laschet ist die Kanzlerkandidatur. Kann er den Rückstand in den Umfragen auf seinen Konkurrenten Markus Söder bis zum Frühjahr noch aufholen?
Mit seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden kann Armin Laschet nun bundesweit Profil gewinnen. Das war bislang vor allem in Nordrhein-Westfalen möglich. Jetzt rückt er automatisch in den Fokus der Wähler.

Reicht das aus?
Das Problem von Armin Laschet in der Coronakrise war, dass er in seinem Kurs nicht klar war. Im Laufe der Pandemie war er für Lockerungen, später konnte es ihm wie Markus Söder nicht hart genug sein. Aus seiner Sicht hatte das sicherlich durch die unterschiedlichen Corona-Phasen seine Berechtigung. Beim Bürger kam das allerdings als Lavieren an. Da gingen auch seine Werte nach unten.

„Das Lager von Friedrich Merz sollte jetzt Armin Laschet unterstützen, wenn nicht der Wahlerfolg gefährdet werden soll“, sagt der Forsa-Chef. Quelle: Reuters
Manfred Güllner

„Das Lager von Friedrich Merz sollte jetzt Armin Laschet unterstützen, wenn nicht der Wahlerfolg gefährdet werden soll“, sagt der Forsa-Chef.

(Foto: Reuters)

Und jetzt?
Wir fragen bei Forsa immer, bei welchem Politiker sich die Bürger in guten Händen fühlen. Hier konnte Laschet in letzter Zeit wieder zulegen. In seiner Rede hat er auch hervorragend herausgestellt, wie wichtig ihm der Wert Vertrauen ist. Das spiegelt sich auch in seinem Politikstil wider, der auf Konsens und nicht auf Konfrontation setzt. Johannes Rau hat das mal als „Versöhnen statt Spalten“ bezeichnet. Das kommt bei den eher konsensorientierten Bürgern an und wird sich auch in den Umfragewerten bemerkbar machen.

Was bedeutet die Wahl von Armin Laschet für die SPD und vor allem für Kanzlerkandidat Olaf Scholz?
Zahlen gibt es noch nicht dazu. Meine Vermutung ist, dass Olaf Scholz nicht davon profitieren kann. Seine Überlegung, die Merkel-Wähler würden nun abtrünnig und zu ihm kommen, dürfte nicht eintreffen.

Warum nicht?
Weil das Bild von Olaf Scholz bei den Bürgern zu gefestigt ist. Da ist kaum ein Aufschwung zu erhoffen.

Wird die FDP als mögliches marktwirtschaftliches Korrektiv davon profitieren, dass Armin Laschet und nicht Friedrich Merz CDU-Chef geworden ist?
Ich denke, dass nur ein paar hartgesottene Merz-Fans zur FDP überlaufen. Die FDP hat zu viel Vertrauen beim klassischen Mittelstand verspielt. Ähnliches gilt auch für die Grünen. Armin Laschet kann wechselwillige CDU-Wähler zur Ökopartei an sich binden.

Mehr: Laschets Sieg ist eine Richtungsentscheidung für die Bundestagswahl.

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1 Kommentar zu "CDU-Parteitag: Forsa-Chef Güllner: „Friedrich Merz haben die Wähler abgehakt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Merz hatte in persona die meisten Stimmen. Er ist stark verankert bei den CDU-Mitgliedern und hat trotz Gegenwind vom Merkel-Lager fast die Hälfte der Delegierten hinter sich gebracht.
    Da vom rechten Flügel der CDU zu sprechen ist schon abenteuerlich.

    Herr Laschet täte gut daran, Herrn Merz - z.B. als Wirtschaftsminister - wenn er denn Kanzler würde - in die Regierungsarbeit mit einzubinden.
    Dann hätten wir wenigstens schon mal einen Minister mit nachgewiesener Kompetenz, was man ja im Augenblick absolut nicht sagen kann. Entsprechend sind auch die handwerkliche Qualität der Gesetze und das kollektive Regierungsversagen in allen wichtigen Themen der letzten Jahre - insbesondere Corona-Panik. Digitalisierung, international nicht konkurrenzfähige Steuer- und Abgaben, Migrationsthemen uvm.

    Ich denke, da hat sich im zweiten Wahlgang schlicht Frau Merkel eingeschaltet und eine Koalition gegen den kritischen Herrn Merz - der ihr vor Jahren schon lästig war - geschmiedet und schon stimmte das Ergebnis für sie. Kritik kann sie nicht vertragen, denn ihr Handeln ist immer, immer alternativlos.

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