CDU-Politiker unter Beschuss Empörung über Boykottaufruf gegen Germanwings

Die Ursache des Germanwings-Absturzes in Frankreich ist noch völlig unklar. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wellmann bringt dennoch Konsequenzen gegen die Airline ins Spiel – und löst damit heftige Reaktionen aus.
Update: 25.03.2015 - 18:39 Uhr 16 Kommentare
Trümmer der abgestürzten Germanwings-Maschine: Suche nach Ursache der Katastrophe läuft auf Hochtouren. Quelle: AFP
Trümmer des Germanwings-Airbus A320.

Trümmer der abgestürzten Germanwings-Maschine: Suche nach Ursache der Katastrophe läuft auf Hochtouren.

(Foto: AFP)

BerlinNormalerweise kümmert sich Karl-Georg Wellmann um außenpolitische Themen. Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete ist nicht nur Hauptberichterstatter der Unions-Fraktion für die Ukraine, Weißrussland und Russland, er ist auch Vorsitzender der Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe. Ein Job, der dem 62-Jährigen viel abverlangt angesichts des immer noch ungelösten Ukraine-Russland-Konflikts.  Aber Wellmann ist mit Leidenschaft bei der Sache – und mit Ideen, die selbst prominente Politiker überzeugen.

Dass der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Ex-SPD-Kanzlerkandidat der Ukraine beim Aufbau eines modernen Bankwesens helfen will und sich bereit erklärt hat, hierfür gemeinsam mit weiteren renommierten Experten aus dem Westen für eine neu gegründete „Agentur zur Modernisierung der Ukraine“ zu arbeiten, geht maßgeblich auf Wellmann zurück. Er hat das Projekt vorangetrieben und ist nun Vorsitzender eines Vereins mit Sitz in Wien, der die Agentur trägt.

Wellmanns Ukraine-Engagement, das selbst von der deutschen Wirtschaft gutgeheißen wird, könnte nun allerdings durch ein völlig anders Thema Kratzer bekommen. Es geht um den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. 150 Menschen starben, darunter nach neuen Angaben 72 Deutsche. Zu den Opfern zählen auch 16 Schüler und 2 Lehrer eines Gymnasiums im westfälischen Haltern. Sie waren auf dem Rückweg von einem Austausch bei Barcelona.

Obwohl noch jede schlüssige Erklärung für die Katastrophe fehlt, preschte Wellmann auf seiner Facebook-Seite mit einer eigenen Ursachenanalyse vor – und schob der Airline die Verantwortung zu: „Vor Germanwings kann man nur noch warnen. Überalterte Maschinen und miserabler Service. Mit denen werde ich nicht mehr fliegen“, schrieb der CDU-Politiker (Anm. d. Red - Aktualisierung 16:20 Uhr: Inzwischen ist das Posting zum Germanwings-Absturz von Wellmanns Facebook-Seite verschwunden).

Die Pilotenvereinigung Cockpit hat Wellmanns Kritik scharf zurückgewiesen. „Die Vereinigung Cockpit erachtet das Recht auf freie Meinungsäußerung als ein sehr hohes Gut in einer Demokratie, jedoch sollte man sich als Person des öffentlichen Lebens auch über die Wirkung von Worten in einer solchen Zeit bewusst sein“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Aussagen, wie die des CDU-Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann, „die objektiv nicht nachvollziehbar und darüber hinaus ohne fachliche Relevanz sind, sind in einer solchen Zeit deplatziert“.

Zudem empörten sich sowohl Facebook-User als auch Politiker von SPD und Grünen über Wellmanns Boykott-Aufruf gegen Germanwings:

Daten aus dem Flugschreiber sollen Antworten liefern
Schwerer Gang vor die Presse
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Der Lufthansa-Chef Carsten Spohr, zu dessen Konzern Germanwings gehört, hatte nach dem Fund des Sprachrekorders am Dienstag gesagt: „Ich gehe davon aus, dass wir sicherlich relativ schnell erste Informationen bekommen werden, was die Absturzursache wahrscheinlich war.“ Am Mittwoch erklärte Spohr in Barcelona: „Nach dem Besuch des Unglücksorts bin ich sicher, dass wir die Ursache ermitteln werden, wenn wir auch die zweite Blackbox finden.“

Blick von oben
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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Mittwoch einen eigenen Eindruck von der Absturzstelle der Germanwings-Maschine in Südfrankreich verschafft. Merkel sei vor ihrer Landung bei den französischen Rettungskräften über das Absturzgebiet geflogen, bestätigte Regierungssprecher Steffen Seibert der Deutschen Presse-Agentur. Die Kanzlerin wurde demnach in ihrem Hubschrauber vom französischen Präsidenten François Hollande und der nordrhein-westfälischen Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) begleitet.

Staatschefs sind da
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Hollande und Merkel steigen aus dem Hubschrauber der französischen Luftwaffe: Die beiden Staatschefs besichtigen am Mittwoch gemeinsam mit ihrem spanischen Kollegen Rajoy die Unglücksstelle.

Herzliche Umarmung
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Francois Hollande begrüßt Spaniens Premierminister Mariano Rajoy. Daneben steht Angela Merkel. Die Staatsschef werden umringt von mehreren Kamerateams und Fotografen.

Dank an die Helfer
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Merkel nimmt sich Zeit für die Rettungskräfte. Sie schreitet ihre Reihen ab, schüttelt Hände. Lange unterhält sie sich mit einzelnen Helfern: Bergretter der Gendarmerie, Rotkreuz-Sanitäter, Feuerwehrmänner, Zivilschutzkräfte und Soldaten.

Im Fokus der Weltöffentlichkeit
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Merkel, Hollande und Rajoy machen sich ein Bild von der Lage vor Ort. Kaum jemand kannte diesen abgelegenen Ort in den französischen Hochalpen. Seit dem Absturz der Germanwings-Maschine zieht Seyne-les-Alpes die Blicke der Weltöffentlichkeit auf sich.

Kurzer Besuch
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Merkel, Hollande und Rajoy sind nur wenige Stunden in der Bergwelt mit dem Unglücksmassiv, dem Tête de l'Estrop (2961 Meter). Dann werden sie in ihre Hauptstädte zurückfliegen. Zurück bleibt die Trauer der Angehörigen und die Betroffenheit in der Region.

„Ich halte von solchen reißerischen Stellungnahmen kurz nach schrecklichen Unglücksfällen überhaupt nichts“, sagte der SPD-Bundesvize Ralf Stegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Niemand sollte versuchen, aus derartigen Situationen politisches Kapital zu schlagen.“ Jetzt gehe es darum, dass die Fachleute die Ursachen des Absturzes aufklären. Die Gedanken und die Anteilnahme seien bei den Angehörigen und Freunden der Opfer.

Die Vize-Vorsitzender Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, nannte den Facebook-Kommentar Wellmanns angesichts der Tragödie „einfach nur billig“. „Jetzt sollte man an die Opfer denken und nicht über den Service einer Airline schwadronieren“, sagte Andreae dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Frankreichs Innenminister: Alle Hypothesen zur Ursache auf dem Tisch
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16 Kommentare zu "CDU-Politiker unter Beschuss: Empörung über Boykottaufruf gegen Germanwings"

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  • Sehr geehrter Herr Wellmann , als Politiker sollte Ihnen bewußt sein , daß auch politische Entscheidungen zu einem zunehmend schwierigen Geschäftsumfeld für Airlines führen. Provinzflughäfen werden subventioniert ; Golfcarrier , die stark von Ihren Heimatländern subventioniert werden, können hier den Markt mit einem ruinösen Preiskampf für sich erobern. Die Luftverkehrsabgabe trifft dafür überproportional heimische Airlines . Ich bin seit mehr als 30 Jahren bei Lufthansa beschäftigt und weiß , daß Sicherheit ohne Frage an erster Stelle steht ,sowohl im Premium-Segment , als auch im Preis-Sensiblen Segment . Erstklassiger Service hat aber seinen Preis ! Ihre Äußerungen sind wenig qualifiziert . Selbstverständlich entscheidet jeder Kunde selbst , wo er kauft - und jeder Wähler, wem er in Zukunft seine Stimme nicht mehr gibt.

  • Ich empfinde diese Äußerungen als, zumindest, pietätslos und äußerst belastend für die Angehörigen der Mitarbeiter von Germanwings, ebenso wie die der Angehörigen von Passagieren des betroffenen Fluges.
    Das Verhalten des MdB Wellmann ist, angesichts der aktuellen Ereignisse, für einen Volksvertreter absolut nicht hinnehmbar.
    Sicher ist Ihm geläufig, das selbst die Flugbereitschaft der Bundesrepublik Deutschland über "alte" Muster verfügt, von der Bundeswehr einmal ganz abgesehen. Sind diese Maschinen potentiell lebensbedrohlich? Wie sieht es aus mit Flugzeugen die in Richtung Ukraine gehen. Und was weiß Hr. Wellmann wirklich über A,B und C checks? Sicherlich ist er regelmäßiger Kunde von diversen Fluggesellschaften. Schlechten Service und überalterte Maschinen ? Ist dr Abgeordnete Wellmann schon einmal mit einer durchschnittlichen US-airline inneramerikanisch geflogen, oder Ryanair, easy jet o.ä ?
    Ich empfinde tiefe Scham über dieses Verhalten des Bundestagsabgeordneten und möchte hiermit meiner äussersten Missachtung Ausdruck verleihen.
    Sollte es nicht bereits geschehen sein, wäre eine Bitte um Entschuldigung doch sehr angemessen.

  • Am besten wäre es Herr Wellmann würde gar nicht mehr fliegen, dann spart er unsere wertvollen Steuergelder und kann mit seinem Auto dort hin fahren.

    Kommentare vom Abnickerverein in Berlin bitte nicht mehr veröffentlichen liebes HB,
    denn diese interessieren niemanden.

    Danke

  • "Aber Wellmann ist mit Leidenschaft bei der Sache – und mit Ideen, die selbst prominente Politiker überzeugen."

    Frei nach dem Motto: "Er war stets bemüht, hat das Klassenziel aber leider nicht erreichen können."

    Ach ja, unsere Politiker glänzen häufig durch Unverstand und Ungeschicklichkeit.

  • Lieber Herr Wellmann, nehmen Sie doch einfach Ihren Hut, treten Sie zurueck und posten zukuenftig nur noch auf ihrer homepage, die hoffentlich keiner liest. Und wenn Sie Einen A.... in der Hose haben, entschuldigen Sie sich am Besten fuer dieses Geschwaetz.

  • Lieber Herr Wellmann, nehmen Sie doch einfach Ihren Hut, treten Sie zurueck und posten zukuenftig nur noch auf ihrer homepage, die hoffentlich keiner liest. Und wenn Sie Einen A.... in der Hose haben, entschuldigen Sie sich am Besten fuer dieses Geschwaetz.

  • Einfach mal die Klappe halten Wellmann.

    Sind Sie nicht gut genug hofiert worden oder wie war das?


  • Das ist ja wohl unglaublich. Der Mann gehört in die letzte Reihe ohne Mikrofon. So eine Äußerung darf einem Politiker nicht passieren. Unglaublich und empörend!!!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

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