Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

CDU und CSU „Keinen Bock auf Opposition“: Söder und Merkel werben für Laschet als Kanzler

Der Wahlkampfauftakt der Union verläuft trotz fallender Umfragewerte harmonisch: Die Kanzlerin ist von Laschet „zutiefst überzeugt“. Auch Markus Söder spart nicht mit Lob.
21.08.2021 - 13:55 Uhr Kommentieren
Nach 16 Jahren will die Union dafür sorgen, dass sie weiterhin das Kanzleramt hält. Quelle: Reuters
Angela Merkel, Armin Laschet, Markus Söder (von li. nach re.)

Nach 16 Jahren will die Union dafür sorgen, dass sie weiterhin das Kanzleramt hält.

(Foto: Reuters)

Berlin Sie darf als Erste die Bühne betreten. „Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel“, ruft die Moderatorin ins Mikrofon. Im gelben Blazer winkt die Kanzlerin in die Halle. Erst dann folgen CSU-Chef Markus Söder und der CDU-Vorsitzende Armin Laschet.

Gemeinsam wollen sie den Abwärtstrend der Union in den Umfragen stoppen, um doch noch die Bundestagswahl zu gewinnen. Schließlich hat Merkel vier Mal vorgemacht, wie es geht.

Wenige Minuten später steht die Kanzlerin am Rednerpult, nimmt einen Schluck Wasser und lässt sich beklatschen. Seit sie nicht mehr CDU-Vorsitzende ist, hält sie sich aus Wahlkämpfen heraus. Aus „Überzeugung“, wie sie sagt. Aber heute sei es anders.

Die Union habe seit 1949 mehr als 50 Jahre lang den Kanzler gestellt. Nun würden „die Karten neu gemischt“, da erstmals eine Amtsinhaberin nicht mehr antritt. „Es ist Ansporn dafür zu werben, dass weitere solche Jahre folgen“, sagt sie. „Für unser Land mit Armin Laschet als zukünftigen Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.“

Auf diesen Satz hatte Armin Laschet gehofft. Die Umfragen sind mies, die Stimmung ebenso. Der Rheinländer braucht Rückenwind, Fürsprecher, die es gut meinen mit ihm. So wie CDU-Mitglied Merkel aus Vorpommern.

Merkel gibt sich entspannt

Sie lobt ihn, dass er das „C“ im Parteinamen lebe und lässt durchschimmern, dass sie ihn ehrlich schätzt. „Es lohnt zu kämpfen, damit wir Deutschland gut gestalten“, sagt sie zum Ende ihrer Rede sogar noch. „Und das natürlich mit Armin Laschet als unseren zukünftigen Bundeskanzler.“ Sie sei „zutiefst überzeugt“, dass er es schaffe.

Die Kanzlerin wirkt entspannt an diesem Samstagvormittag in Berlin, nahe dem Potsdamer Platz. Vor dem steingewordenen Zirkuszelt Tempodrom steht der funkelnde Laschet-Tourbus mit seinem Konterfei in der Morgensonne. Merkel ist vor 20 Minuten aus ihrem Dienstwagen gestiegen. „Guten Tag“, „Hallo“ sagte sie entspannt und verschwand mit ihrem Redetext im Innern der Veranstaltungshalle.

Wo für gewöhnlich 4000 Menschen Konzerte feiern, sitzen in diesen Zeiten nur 100 leibhaftige Gäste im Rund, junge Wahlkämpfer aus der Hauptstadt – dafür gibt es umso mehr hinzugeschaltete Aktive aus allen Teilen des Landes. Natürlich sorgt so ein hybrides Format nicht für die Euphorie eines echten Parteitags.

Der Ablaufplan der Parteistrategen aber notiert hoffnungsfroh: „Wir zeigen, dass wir Bock auf die heiße Wahlkampfphase haben und vor allem: dass wir gemeinsam als Union bereits im ganzen Land aktiv in einem spannenden und vielfältigen Wahlkampf sind.“

Die jungen Gäste heben freudig Plakate hoch. „Wir haben es in der Hand“, steht darauf und der Wahlkampfslogan: „Deutschland gemeinsam machen.“ Die Kandidaten sollen derweil vor Ort kämpfen, sie müssen es auch. Allein an diesem Tag hat sich die Partei das Ziel gesetzt, an 100.000 Haustüren zu klopfen. Mit etwas mehr als 20 Prozent der Stimmen, wie aktuell in den Umfragen, wird die Union nicht zwangsläufig den nächsten Kanzler stellen und muss sich fragen, ob sie dann noch Volkspartei wäre.

Nach Kritik an seinen Wahlkampf-Äußerungen stellt der CSU-Chef sich in seiner Rede hinter Laschet. Quelle: AP
Markus Söder

Nach Kritik an seinen Wahlkampf-Äußerungen stellt der CSU-Chef sich in seiner Rede hinter Laschet.

(Foto: AP)

Für Merkels Rede hatten die Parteistrategen im Ablaufplan notiert: „16 gute Jahre für unser Land – trotz vielfältiger Krisen.“ Eine Viertelstunde Zeit hat sie für die Finanzkrise, die Flüchtlingskrise, Corona, das Hochwasser, Afghanistan und für Laschet. Ihr reichen knapp 14 Minuten.

Ohnehin hat sie Laschet schon geholfen: Zwei Mal hat Merkel die vom Hochwasser verwüsteten Gebiete besucht, einmal mit Laschet. Sie hat den Kanzlerkandidaten bei der letzten Sitzung der Parteigremien unterstützt, als es um die Hilfe für die in Afghanistan zurückgebliebenen Kräfte ging und die Frage, ob im Gegensatz zu 2015 die Anrainerstaaten unterstützt werden müssen, um eine weitere Flüchtlingswelle nach Europa zu stoppen.

Und nun steht sie auf der nur drei Stufen hohen Bühne des Tempodroms und zieht Bilanz: 2005, da gab es „mehr als fünf Millionen Arbeitslose“, „marode Staatsfinanzen“, erst „zehn Prozent erneuerbare Energien“, heute seien es mehr als 40 Prozent. „Ich könnte noch viele, viele Beispiele nennen.“ Es gehe darum, „unseren Kompass zu finden, der uns geleitet hat und der uns weiter leiten wird.“

Trotz des Umfragetiefs ist der CDU-Chef fest entschlossen, nächster Bundeskanzler zu werden. Quelle: AP
Armin Laschet

Trotz des Umfragetiefs ist der CDU-Chef fest entschlossen, nächster Bundeskanzler zu werden.

(Foto: AP)

Den sucht die Union seit längerem. Kein Wort zu den innerparteilichen Querelen, der Debatte um Steuerentlastungen oder Personen. Als sei es eine Sicherheitsmaßnahme, sitzt Merkel bei diesem Wahlkampfauftakt in der ersten Reihe vor der Bühne in der Mitte, rechts von ihr Söder, links von ihr Laschet. Sie scheint noch immer der ausgleichende Pol zu sein.

Söder sagt „Armin“ Unterstützung zu

Um den Ernst der Lage weiß inzwischen auch Söder, Ministerpräsident von Bayern und als CSU-Chef unterlegen im Rennen um die Kanzlerkandidatur. Ab sofort soll davon keine Rede mehr sein.

„Es gibt keinen Anlass zu jammern“, spricht Söder ins Mikrofon. „Es ist die Zeit, endlich zu kämpfen. Ich habe keinen Bock auf Opposition. Lasst uns endlich vernünftigen Wahlkampf machen“, hämmert er in die Halle. Es sei „Zeit für klare Worte, Unterschiede aufzuzeigen“. Und vor allem: „Die klare Führung kann nur die Union mit Armin Laschet geben.“

Mehr noch: „Wir müssen unseren Kanzlerkandidaten unterstützen und schützen gegen Angriffe“, fordert der Franke. „Du kannst dich auf meine Unterstützung verlassen.“ Seine Zusage sei „ehrlich gemeint“. Dass er nicht Kandidat geworden sei, sei für ihn „kein Problem. Jetzt kommt es darauf an, dass wir Armin unterstützen. Ich will, dass Armin Laschet Kanzler wird.“

Auch die Kanzlerin lobt Söder als „überragend“ und spricht von „16 guten Jahren“. Wen scheren der Streit der letzten Jahre und das Zerwürfnis von CDU und CSU? Der selbsternannte „Kandidat der Herzen“, der die K-Frage nur „eigentlich“ für geklärt hält, wie er vor wenigen Tagen zu Protokoll gab, will regieren und „ein Stück weit die Welt retten“.

Die CSU hat in Bayern ganz eigene Probleme

Für Laschet kann es an diesem Tag nicht besser kommen. Kleinlaut war Söder schon bei der virtuellen Fraktionssitzung der Bundestagsfraktion tags zuvor. Wie es hieß, habe er viel Kritik für seine Äußerungen über die Lage der Union im Wahlkampf erhalten und gemerkt, dass er zu weit gegangen sei.

Natürlich müsse ein CSU-Chef sich immer auch ein wenig gegen die CDU positionieren, berichtet eine erfahrene CDU-Politikerin. Diese mobilisiere in Bayern. Doch das habe Grenzen, die CSU müsse das Ziel im Blick behalten: „Wir brauchen 40 Prozent der Stimmen aus Bayern.“

Derzeit sind es laut Umfragen knapp 37. In Richtung der FDP-Wähler und jenen der Freien Wähler betont Söder noch einmal, wie wichtig es sei, den Mittelstand steuerlich zu entlasten. „Wir sind die Partei des Mittelstands und des Eigentums.“ Auf die Mütterrente besteht er, auch wenn Laschet sie ablehnt.

Im Berliner Tempodrom eröffneten der CSU-Chef, die Bundeskanzlerin und der Kanzlerkandidat der Union den Wahlkampf. Quelle: Reuters
Söder, Merkel und Laschet

Im Berliner Tempodrom eröffneten der CSU-Chef, die Bundeskanzlerin und der Kanzlerkandidat der Union den Wahlkampf.

(Foto: Reuters)

Doch die CSU läuft Gefahr, in Bayern gleich mehrere Direktmandate zu verlieren – an die Grünen, sogar in Söders Heimat Nürnberg. Für ihn könnte es sogar noch schlimmer kommen: Sein Vertrauter und Vize-Generalsekretär, Florian Hahn, droht seinen Wahlkreis München-Land ausgerechnet an Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter zu verlieren.

Deshalb startet die CSU am Dienstag in Hahns Wahlkreis eine aufwendige „Stadion-Tour“ und fährt dort die gesamte Parteiprominenz auf. Sechs weitere solche Veranstaltungen sind geplant. Es geht im Berliner Tempodrom auch für die CSU um viel, nicht nur für die CDU und Laschet.

Der Kanzlerkandidat selbst tourt seit zehn Tagen durch die Republik, um sich den Deutschen vorzustellen. Viel zu viele kennen den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten noch gar nicht und wenn, dann eher aus den sozialen Netzwerken, wo seine Pannen oder als solche, vom politischen Gegner konstruierte, verbreitet werden: Sei es das unglückliche Lachen nach der Hochwasserkatastrophe oder das Lachen von Visionär Elon Musk bei Laschets Besuch auf dem Teslagelände in Grünheide bei Berlin.

Und dort, wo der Plakatwahlkampf begonnen hat, berichten vereinzelt Kreisverbände, es gebe aus der Bundesgeschäftsstelle keine Plakate mit dem Konterfei des Kandidaten. Andere Kreisvorsitzende widersprechen. So etwas gibt zumindest wieder Anlass für Verschwörungstheorien. Etwa die, die Union wolle ihren Spitzenkandidaten verstecken. Draußen vor dem Tempodrom hängen viele Plakate – auch von Laschet.

Balsam für Laschets Kandidatenseele

Er darf nach all dem Balsam als Letzter reden. Hier in der Halle kennen sie ihn und klatschen extra lange. 36 Tage hat er noch. „Stärkste Kraft“ will er werden, dankt Angela Merkel. „Stürmische 16 Jahre“ seien es angesichts der vielen Krisen gewesen. Er dankt auch Söder. „Die Wahlsiege der letzten 70 Jahren waren immer nur möglich, wenn CDU und CSU eng beieinander waren.“ Beide würden in den nächsten Jahren zusammen „viel bewegen“. Er nennt auch Friedrich Merz und andere Köpfe, um zu verdeutlichen: „Wir sind die große Volkspartei.“

Auf der Bühne spricht heute der Regierende, der Staatsmann: von der Coronakrise, von der Hochwasserkatastrophe, von Afghanistan. Er attackiert den SPD-Außenminister. „Es kann kein weiter so in der Außen- und Sicherheitspolitik geben.“ Deutschland müsse in der Lage sein, einen Flughafen wie Kabul zu sichern. „Dafür ist mehr Europa erforderlich.“

Klare Kante fordert er und spricht dabei frei und souverän, wie zuletzt im Januar auf dem Parteitag, der ihn zum neuen Vorsitzenden gewählt hat. Wenn etwas entschieden werde, dann müsse es auch durchgesetzt werden. Er erwarte von jedem Koalitionspartner eine klare Position in der Außen- und Sicherheitspolitik. Die Union stehe zur Nato. Und sie stehe dazu, Gefährder abzuschieben. Diesen hätten „jedes Recht verloren“.

Er will Bundeswehr und Polizei besser ausstatten mit Material und gesetzlichen Überwachungsmöglichkeiten, etwa bei verbreiteten Bildern von Kindesmissbrauch im Internet. „Da brauchen wir eine Vorratsdatenspeicherung“, und nicht einen „Datenschutz für Täter“.

Laschet will nicht mehr der nette Mann aus Aachen sein. Deshalb gibt es auch nichts mit der AfD. Diese Klarheit wünsche er sich auch von der SPD in Richtung Linkspartei. „Wir wollen mit den Parteien der demokratischen Mitte koalieren.“

„Unter abklingendem Applaus von der Bühne“

Das von ihm angekündigte „Modernisierungsjahrzehnt“ spielt heute kaum eine Rolle. Er redet vielmehr vom internationalen Wettbewerb nach der Pandemie. „Wirtschaftlich wieder zu Wachstum kommen“, will er mit einer klimaneutralen Industrie. Natürlich dürfe es keine Steuererhöhungen geben, diese „rot-rot-grünen Spielereien“, das Ehegattensplitting müsse bleiben wie auch das Ziel, ohne neue Schulden auszukommen.

Aber natürlich will er auch die Genehmigungsverfahren vereinfachen, damit Investoren wie Tesla-Chef Elon Musk ins Land kommen und Arbeitsplätze schaffen. „Wir brauchen Sonderregelungen“, sagt er. Für Stromtrassen, für Investitionen in die Energiewende.

Wahlkampfauftakt der Unionsparteien

„Deshalb werde ich als Kanzler in den ersten 100 Tagen Planungsbeschleunigungspakete zum Schwerpunkt machen“, kündigt er an. Es gehe um die „wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“, um Vorbild für den Klimaschutz zu sein. „Wir werden kämpfen“, schließt er seine Rede. „Wir wollen regieren, damit Deutschland einen guten Weg nimmt.“

Tatsächlich passiert am Ende nicht das, was im Ablaufplan nach seiner für 20 Minuten eingeplanten Rede steht: „Laschet geht unter abklingendem Applaus von der Bühne.“ Er hat weit länger geredet, weil es um viel ging.

Zeitgleich schwärmen die jungen Unionisten des „Connect“-Wahlkampfteams aus. Der Haustürwahlkampf beginnt. Damit es auch ohne Merkel weitergeht mit der Macht. Sie selbst wird nur noch einmal als Wahlkämpferin auftreten: am 24. September in München. Zwei Tage später werden CDU und CSU wissen, wie beliebt sie ohne die Kanzlerin in der Bevölkerung sind.

Mehr: „Anspruch der Union muss mindestens bei 30 Prozent liegen“: Daniel Günther über die CDU und den Wahlkampf

Startseite
Mehr zu: CDU und CSU - „Keinen Bock auf Opposition“: Söder und Merkel werben für Laschet als Kanzler
0 Kommentare zu "CDU und CSU: „Keinen Bock auf Opposition“: Söder und Merkel werben für Laschet als Kanzler"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%