CDU und das Griechenland-Votum Das makabre Spiel mit Mißfelders Vermächtnis

Vor seinem Tod hat sich Philipp Mißfelder gegen den Grexit stark gemacht. CDU-General Tauber und Parteivize Laschet wollen mit dessen Vermächtnis auf die Nein-Sager in der Union einwirken. Doch die wehren sich.
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Wie viel Solidarität mit Griechenland ist angemessen? Viele in der Union lehnen weitere Hilfs-Milliarden für Athen ab.
Griechenland-Krise

Wie viel Solidarität mit Griechenland ist angemessen? Viele in der Union lehnen weitere Hilfs-Milliarden für Athen ab.

BerlinPhilipp Mißfelder war ein glühender Europäer. Wie Helmut Kohl, der für ihn in dieser Hinsicht das Vorbild schlechthin war. Schon in jungen Jahren sah sich Mißfelder mit dem Altkanzler auf einer Linie. Damals war er noch Chef der Jungen Union. „Es gibt keinen größeren Europäer als Helmut Kohl“, erklärte er damals.

Was Mißfelder begeisterte und letztlich auch seine Hingabe zu Europa begründete, war Kohls Einsatz für die europäische Einigung und die Einigung Deutschlands – „zwei Dinge“, wie der junge Christdemokrat einmal sagte, „die untrennbar zusammen gehören und die Basis für unsere heutige Gesellschaft bilden“. Insofern war es nur folgerichtig, dass Mißfelder später dann auch in der Griechenland-Debatte deutlich Stellung bezog – ging es doch auch hier um die Einheit Europas, die es zu bewahren galt.

Philipp Mißfelder (CDU): Nach seinem Tod wird in der Union über sein politisches Wirken in der Griechenland-Debatte diskutiert. Quelle: dpa
Philipp Mißfelder

Philipp Mißfelder (CDU): Nach seinem Tod wird in der Union über sein politisches Wirken in der Griechenland-Debatte diskutiert.

(Foto: dpa)

Zehn Tage vor seinem Tod suchte Mißfelder wegen Griechenland EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel auf. Wie der „Spiegel“ berichtet, überreichte der CDU-Außenpolitiker dem Luxemburger seine in Plexiglas gegossene Ja-Stimmkarte aus dem Bundestag. Der 35-Jährige habe das Geschenk mit der Bitte verbunden, Juncker möge „alles in seiner Macht stehende tun, um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion zu verhindern“. Mißfelder machte bei dieser Gelegenheit unmissverständlich klar, dass er „auf jeden Fall“ für ein drittes Hilfspaket stimmen werde.

Dazu kam es aber nicht mehr. Mißfelder starb überraschend am 13. Juli. Sein Tod schockierte das politische Berlin. „Der Deutsche Bundestag verliert mit ihm einen engagierten und respektierten Parlamentarier – viele von uns, auch ich persönlich, einen guten Freund“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert in der Totenmesse in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale.

Auch Peter Tauber war mit Mißfelder befreundet. Umso verwunderter geben sich jetzt einige Unions-Abgeordnete, als der CDU-Generalsekretär nur drei Tage nach Mißfelders Tod mit Bezug auf dessen jüngste Äußerungen in der Griechenland-Debatte versuchte, Einfluss auf das Abstimmungsverhalten der Unions-Bundestagsabgeordneten zu nehmen. Dass nach Tauber dann auch noch der CDU-Bundesvize Armin Laschet mit Verweis auf Mißfelders „Vermächtnis“ den Griechenland-Neinsagern ins Gewissen redete, sorgt nun erst recht für großen Unmut.

Einigermaßen fassungslos reagiert der Vize-Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans Michelbach. „Es erfordert der Anstand vor meinem leider verstorbenen Freund Philipp Mißfelder die inakzeptablen Ausführungen von Herrn Laschet unkommentiert zu lassen“, sagt Michelbach dem Handelsblatt.

Carsten Linnemann (CDU), Chef der Mittelstandsvereinigung und Bundestagsabgeordneter, nennt die Äußerungen von Tauber und Laschet „irritierend“. „Anstatt sich mit dem Abstimmungsverhalten einzelner Kollegen in der eigenen Partei auseinanderzusetzen, sollten wir uns mit den Vorschlägen des Sachverständigenrates für eine Staateninsolvenzordnung in Europa beschäftigten“, sagt er. Linnemann fordert seit langem eine Insolvenzordnung für Staaten im Euro-Raum und lehnt daher weitere Staatshilfen für Griechenland ab.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann sagt dem Handelsblatt mit Blick auf Laschet und Tauber: „Es muss schon sehr traurig um die Argumentationskraft mancher Führungskräfte bestellt sein, wenn man gerade erst Verstorbene für seine Interessen instrumentalisieren muss, nur weil die Kritiker die derzeitige Form der Rettungspolitik eben nicht für alternativlos halten.“

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17 Kommentare zu "CDU und das Griechenland-Votum: Das makabre Spiel mit Mißfelders Vermächtnis"

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  • wenn die Argumente ausgehen geht man auf die emotionale Schine

    das ist bei der CDU nicht anders als bei anderen ...

  • Was ist bloß aus der christlichen Partei geworden,sie sollte sich schämen solche Leute in der Partei zu tolerieren

  • Das Instrumentalisieren der poltischen Position eines plötzlich Verstorbenen durch Poltiker wie Tauber und Laschet hat schon etwas Makaberes. Noch makaberer mit dem Hinweis, es könne nicht poltisches Zielsein, Griechenland dem Hunger preiszugeben.

    Wenn erfahrene Ökonomen wie Sinn oder Fuest, einen temporären Austritt Griechenlands für sinnvoll ansehen, damit dieses Land wieder wettbewerbsfähig wird mit einer abwertbaren Währung, dann wollen diese Ökonomen Griechenland gewiss nicht dem Hunger preisgeben.

    Demagogisches Aufrüsten wie es ein Herr Tauber bevorzugt, hat schon einen Grad an Widerlichkeit erreicht, der allerdings kennzeichnend ist für nicht ganz unbedeutende Teile der Union.

    Gäbe es nicht Bosbach und andere, hätte diese Partei ihre Glaubwürdigkeit als demokratische Partei wohl längst verloren.

  • Und selbstverständlich auch zukünftig niemals wählen werde.

  • Man, man, man lasst den Mann doch in Frieden ruhen. Mir bestätigt die Handlungsweisen dieser „christlichen“ Partei immer wieder, warum ich die in meinem bisherigen Leben niemals gewählt habe.
    „Spring auf, spring auf, auf den Zug der Opportunisten
    Spring auf, spring auf, unsere Ideale packen wir in Kisten
    Verteigern die dann höchstbietend bei ebay an den letzten Trend
    Spring auf, spring auf, auf den Zug der Opportunisten
    Unsere Fahne hängen wir in den Wind,
    Spring auf, spring auf, spring auf, spring auf“
    (Quelle / Text: Marc-Uwe Kling)

  • Philipp Mißfelder war ein junger Abgeordneter der sehr früh starb. Philipp Mißfelder war ein Mensch, kein Gott, kein Hero, kein Staatsmann - eine Person die auch Fehler macht und machte. Erinnert sei auch an seine Auffassung über Hüft-Operationen für alte Leute.

    Die Person Philipp Mißfelder jetzt für Abstimmungen zu missbrauchen, ist mit dem Begriff Pietätlosigkeit nicht zu beschreiben, sondern ist eine Schweinerei.

    Es ist Sache der Familie Mißfelder, die beiden Dumpfbacken aufzufordern, ihren Mund zu halten und ihren Sohn, Ehemann, Vater nicht für CDU-Zwecke zu missbrauchen.

  • einfach nur schäbig, dieses Schmierentheater von Tauber und Laschet. Richtig schmierig.

  • Die sogenannte "Euro-Rettung" der Euro-Sekte im Bundestag war schon immer jenseits jeder ökonomischen Vernunft. Nun hat sie mit solchen perfiden Beispielen der Manipulation auch jede moralische Legitimation verloren. 90% der Parlamentarier brechen mit ihrem Festhalten an eine dem Tot geweihten Einheitswährung jeden Amtseid und sollten bald vor ein Gericht gestellt werden.

  • "Die USA und andere Weltmächte sind bereits mit ihren Lobbygruppen in diese EU-EZB Institutionen eingezogen."
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    Und darum wird auch die Macht der EU-Kommission nicht beschnitten werden. Die USA sagen einfach nur "No!" und die deutschen Politiker gehen mit Lichtgeschwindigkeit auf die Knie und machen den Kotau zur Sicherheit nicht dreimal, sondern dreihundertmal.

  • „Es gibt kaum jemanden, der mit voller Überzeugung den Griechenland-Beschlüssen zugestimmt hat. Aber es gibt Verantwortung jenseits der Ratio“
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    Ach wäre da schön, wenn sich unsere Politiker auch so sehr für das deutsche Volk ins Zeug legen. Aber zu so einer Hochform laufen die ausschließlich dann auf, wenn es gilt, den Arbeitnehmern immer neue Belastungen aufzubürden, sie immer rücksichtsloser für edle Ziele auszubeuten, die scheinbar nur die Politiker verstehen.

    Entweder die machen uns platt oder es heißt bald Staat vs. Bezahlvolk. Entweder das Volk legt den Parteiensumpf trocken oder die verderben das ganze Land. Die Politik in Deutschland hat schlicht zu viel Geld zum Umverteilen. Das muss auf rund ein Drittel reduziert werden, dann wird auch die Politik viel besser.

    Menschen haben zudem Menschen zu wählen und keine anonymen Parteien!

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