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CDU-Vorsitz Für Merz, Spahn und Kramp-Karrenbauer geht es um jetzt um jede Stimme

Auf der Bühne geloben die Kandidaten für die Nachfolge von CDU-Chefin Merkel Fairness. Hinter den Kulissen aber tobt der Wahlkampf.
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Wer den CDU-Vorsitz gewinnt, darf auch auf die Nachfolge von Angela Merkel im Kanzleramt hoffen. Quelle: imago/snapshot
Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn

Wer den CDU-Vorsitz gewinnt, darf auch auf die Nachfolge von Angela Merkel im Kanzleramt hoffen.

(Foto: imago/snapshot)

Berlin Von Lübeck bis Berlin, von Halle bis Böblingen: Rund 14.000 CDU-Mitglieder wollten in den vergangenen zwei Wochen live erleben, wer sich nach 18 Jahren unter Angela Merkel um den Parteivorsitz bemüht. Regelrecht euphorisiert lauschten sie Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn. Weitere 75.000 Menschen erlebten im Livestream, wie fair die Kandidaten sich behandelten. Hinter den Kulissen aber tobt längst der entscheidende Wahlkampf: um die 1.001 Delegierten, die am Freitag beim Bundesparteitag die entscheidenden Stimmen abgeben.

501 von ihnen gilt es in Hamburg zu gewinnen. „Es wird viel telefoniert und geredet“, berichten Unterstützer aller Kandidaten. „Der Preis ist einfach zu heiß.“

20 bis 30 Prozent der Delegierten seien noch unentschlossen, heißt es. Kramp-Karrenbauer und Spahn hätten bereits viel telefoniert. Merz hingegen habe andere für sich werben lassen. Für den Wirtschaftsanwalt und ehemaligen Fraktionschef im Bundestag engagieren sich prominente Figuren wie der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke. Der Borussia-Boss und die CDU-Ikone treten auch schon einmal zusammen auf und sind in vielem einer Meinung: Vor allem lehnen sie Merkels Kurs ab.

Im Südwesten greift Kurt Lauk, der ehemalige Chef des Wirtschaftsrats der CDU, zum Hörer. Gerade der Wirtschaftsrat wünscht sich Merz zurück. Auch der Investmentbanker Dirk Notheis ist aktiv, der einst kritische und skandalöse Deals einfädelte, etwa rund um den Energieversorger EnBW oder die Deutsche Bahn.

Für Spahn indes ist die Schar der Unterstützer arg geschrumpft. Zwar kann er weiter auf seine Freunde Carsten Linnemann, Chef der Mittelstandsunion (MIT), und Paul Ziemiak, Chef der Jungen Union (JU), zählen, die sich seit Jahren als „Troika“ gegenseitig bei ihrem Aufstieg helfen. Allerdings jubelt die große Mehrheit von MIT und JU inzwischen Merz zu – so wie Watzke, der bis vor Kurzem noch Spahn unterstützte und sogar Kramp-Karrenbauer lobte, weil sie der CDU mehr Profil verleihe.

„Jens Spahn vertritt eine Politik, die der größte Teil der Wähler, die der CDU in den letzten Jahren verloren gegangen sind, gut findet, und könnte diese vielleicht zur CDU zurückbringen“, wurde er zuletzt in einer Biografie über den Gesundheitsminister zitiert.

Merz telefoniert inzwischen selbst viel und wirbt für einen Richtungswechsel. „Ich mache ein Angebot“, zitieren ihn Gesprächspartner. Daher stehe er nur für den Parteivorsitz zur Verfügung und werde „nach Hause fahren“, wenn er verliere. Gewinne er, wolle er Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin behalten. Die aber hat längst angekündigt, im Falle einer Niederlage nur noch ehrenamtlich zur Verfügung zu stehen.

Ihre Anhänger sehen die Aussage von Merz daher als vergiftetes Angebot: Er wolle so „AKK“-Anhänger locken, ihn zu wählen. Stattdessen heißt es, Merz habe die 43-jährige Katja Leikert aus Hessen im Blick. Bestätigen mag das sein Lager nicht, nur, dass es eine junge Frau werden solle. Seine Widersacher sagen, ihn treibe „Rachsucht“, weil er es bis heute nicht verwunden habe, wegen Merkel aus der Politik ausgeschieden zu sein. Merz hingegen wird nicht müde zu betonen, dass er mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel gut zusammenarbeiten wolle – die gesamte Wahlperiode bis 2021.

Und so werden viele zweifelhafte Dinge erzählt, die erahnen lassen, dass es nicht so fair zugeht wie auf der Bühne. Es heißt, es würde auch die Frage gestellt, ob denn auch jeder Kandidat seine Steuern ordentlich bezahlt habe. Von „familiären Gerüchten“ ist die Rede. Dann heißt es, das Merz-Lager bedränge Spahn, auf dem Parteitag nicht anzutreten, damit Merz beim direkten Duell bessere Chancen habe. Im Spahn-Lager hingegen heißt es, es gebe weder Druck noch werde Spahn zurückziehen. Klar ist: Es geht um jede Stimme.

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Kein Wunder, dass auch die Unterstützer von Kramp-Karrenbauer längst aktiv sind. Zu ihnen gehören viele CDU-Größen, etwa der Chef des Arbeitnehmerflügels, Karl-Josef Laumann, oder die Chefin der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, und der Großteil der Fraktionsführung im Bundestag. Einer von ihnen gibt das Motto aus: „Wir reden gut über unseren Favoriten und nicht schlecht über die Konkurrenten.“

Es geht ums Kanzleramt

Vor allem reden sie über das, was die Delegierten interessiert: Wie geht es nach dem Parteitag weiter? Anhänger Kramp-Karrenbauers sagen, mit ihr gebe es kein „Weiter so“ wie mit Merkel, aber auch keine Polarisierung, für die Merz stehe. So etwas gefährde die Koalition und würde Neuwahlen beschwören, was wiederum Europa schwäche und damit die Zersplitterung des Parteiensystems befördere, wie es in vielen Teilen Europas schon der Fall sei. „Diese Partei muss regieren“, mahnen deshalb die Anhänger Kramp-Karrenbauers.

Es geht um viel auf dem Parteitag, um den CDU-Vorsitz, der traditionell den Weg ins Kanzleramt ebnet. Es werde „knapp“ zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz. Davon sind sie in allen Lagern überzeugt. Auf ihre Reden komme es zuletzt an. Spahn selbst trauen sie bis zu 25 Prozent der Stimmen zu. Er sei wie ein Zirkuspferd und könne „mit einer guten Rede einen Parteitag drehen“.

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