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CDU-Vorsitz Was für Annegret Kramp-Karrenbauer spricht und was für Friedrich Merz

Der Kampf um den CDU-Vorsitz wird zum Krimi. Annegret Kramp-Karrenbauer oder Friedrich Merz? Beide verfügen über ganz unterschiedliche Vorzüge.
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Merz oder Kramp-Karrenbauer: Wer sollte die CDU führen?

Berlin, DüsseldorfEines steht schon fest: Der nächste CDU-Chef oder die nächste Chefin ist katholisch und verheiratet. Beides trifft nämlich sowohl auf Annegret Kramp-Karrenbauer als auch auf Friedrich Merz und Jens Spahn zu. Nach den beiden Protestanten Wolfgang Schäuble (1998-2000) und Angela Merkel (2000-2018) hat bald also in jedem Fall wieder ein Katholik das Sagen in der Parteizentrale.

Wer es wird, ist auch kurz vor dem Parteitag offen. Jens Spahn ist im Kampf um den CDU-Vorsitz chancenlos, Kramp-Karrenbauer und Merz liefen sich derweil ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Tagesform könnte beim Delegiertentreffen in Hamburg die Wahl entscheiden. Ein Vergleich zwischen den beiden so unterschiedlichen Kontrahenten.

Was für Annegret Kramp-Karrenbauer spricht

Vorteil eins: AKK verfügt über etliche Vorzüge, die Merz nicht zu bieten hat. Sie hat mehrere Wahlen gewonnen und besitzt reichlich Regierungserfahrung in verschiedenen Koalitionen. Dazu kennt die bisherige Generalsekretärin die CDU sehr gut. Dank ihrer Zuhörtour durchs ganze Land weiß sie um die Befindlichkeiten und Launen ihrer Partei – und das besser als ihre Konkurrenten und womöglich auch die meisten anderen.

Vorteil zwei: AKK polarisiert nicht, ganz im Gegenteil zu Merz. Gegen den gab es in den vergangenen Woche zahlreiche Vorwürfe. Er sei kein Teamplayer und zu schnell beleidigt, habe als Millionär kein Händchen für die einfache Bevölkerung, sei von Rachegelüsten getrieben und zu wirtschaftsfreundlich. Außerdem sei er feige, weil er es in den ganzen Jahren nicht gewagt habe, direkt gegen Merkel anzutreten. Das sind nur einige der Vorhaltungen, denen Merz ausgesetzt war. Die meisten Vorwürfe sind unberechtigt oder stimmen allenfalls eingeschränkt.

Merz wurde von allen Bewerbern am gründlichsten durchleuchtet. Der eine große Skandal ließ sich ihm dabei bis heute nicht nachweisen. Dennoch: Merz bietet reichlich Angriffsflächen. Seine intensiven Verbindungen stoßen im CDU-Umfeld auf weniger Skepsis als bei Grünen oder Sozialdemokraten. Dennoch dürfte mancher Delegierter bei seiner Entscheidung bedenken, ob sich dies mit Merz als CDU-Chef oder Kanzlerkandidat in einem Wahlkampf möglicherweise nachteilig auf die Partei auswirken könnte.

AKK ist eine Art Anti-Merz. Die Saarländerin eckt nicht an. Unentwegt betonte sie zuletzt, es gehe nicht um das Entweder-oder, sondern um das Und. AKK präsentierte sich als Brückenbauerin und Versöhnerin, die die verschiedenen Richtungen der Partei zusammenhält. Sie verteidigt Merkels Flüchtlingspolitik und den Umgang mit der AfD. Zugleich sprach sie sich für die Beendigung des Doppelpasses und eine erneute Debatte über das Jahr 2015 aus. AKK bedient damit ein weites Spektrum in ihrer Partei. Das erklärt den großen Zuspruch für sie in fast allen Teilen der CDU. Mit ihrer Strategie ist sie relativ erfolgreich.

Vorteil drei: AKK kommt besser an. Das zeigt auch eine aktuelle Forsa-Umfrage. Sowohl unter allen Deutschen als auch bei CDU-Anhängern genießt sie demnach deutlich bessere Werte als Merz. In allen Kategorien – Glaubwürdigkeit, Sympathie und Bodenständigkeit – liegt sie meist deutlich vorne. Nach der Regionalkonferenz in Düsseldorf hatte sich der Saal schon geleert, Merz und Spahn waren längst weg, da stand AKK immer noch mit Mitgliedern zum Plausch zusammen. Der Nahkontakt mit Menschen liegt ihr weit mehr als ihren Mitbewerbern. Im Hinblick auf eine mögliche Kanzlerschaft ist das nicht die schlechteste Eigenschaft.

Vorteil vier: Eine weitere Rubrik entscheidet AKK für sich. Sie bewältigte den parteiinternen Wahlkampf besonnener und ohne größere Patzer. Merz wagte zwar mehr, ihm unterliefen dabei aber auch deutlich mehr Fehler. Bei der erwartbaren Frage nach seinem Einkommen reagierte er wenig souverän. Statt das schwierige Thema abzuräumen, löste er eine unnötige Debatte über Reichtum aus. Seine Äußerung zum Asylrecht entpuppte sich als falsch. Trotz viel Vorbereitungszeit mangelte es Merz in einigen Situationen an Fingerspitzengefühl.

AKK ist die risikoärmere Variante. Sie verspricht in Inhalt und Stil eine ungefähre Fortsetzung von Merkels Politik ergänzt um einige Modifizierungen. Eine Wahl von Merz birgt deutlich mehr Unwägbarkeiten. Dass er die ganze Partei mitnehmen kann: unsicher. Der Umgang mit der Kanzlerin: schwierig. Ein Sturz Merkels und der Bruch der Koalition: möglich. So mäßig die Lage der CDU ist, so sehr könnten unentschiedene Delegierte am Ende deshalb dazu neigen, lieber der vermeintlich sicheren Option ihre Stimme zu geben.

Vorteil fünf: Die Kandidatur von Jens Spahn ist strategisch ungünstig für Merz. Beide werben mit ihrem Profil um dieselben Delegierten aus dem konservativen Teil der Partei. Für Merz wäre es besser, wenn Spahn seine Kandidatur noch zurückzieht. Darauf deutet so kurz vor dem Parteitag allerdings nichts hin. Im Interview mit dem Handelsblatt schloss Spahn dies aus. Sollte es beim Parteitag jedoch zu einer Stichwahl mit AKK kommen, könnte Merz sich Hoffnungen auf Zugewinne aus dem Spahn-Lager machen.

Sollte die Partei sie am Ende zur neuen Vorsitzenden wählen, müsste AKK Merz dankbar sein. Dank ihm hätte sie die Wahl nicht mangels Alternativen gewonnen, sondern in einem hart umkämpften Wettbewerb. Die Sehnsuchtsfigur Merz geschlagen zu haben, würde ihrem Sieg eine besondere Legitimität verleihen und sie mit einem zusätzlichen Bonus ausstatten.

Was für Friedrich Merz spricht

Vorteil eins: Anders als Kramp-Karrenbauer und Spahn ist Merz ein Kandidat von außen. Mit der Politik der Großen Koalition in den vergangenen Jahren hat er nichts zu tun. Das ist ein Vorteil angesichts der vielen Streitigkeiten des schwarz-roten Bündnisses und des damit verbundenen schlechten Ansehens in der Bevölkerung. Merz ist unbelastet von den jüngsten Konflikten, vor allem zwischen CDU und CSU. Er kann einen Neustart in dem Verhältnis der Schwesterparteien organisieren. Er kann neue Ideen einspeisen in die Große Koalition und neue Impulse geben.

Vorteil zwei: Merz steht deshalb für Neuanfang und Aufbruch, den die CDU dringend braucht. 18 Jahre war Merkel nun Parteichefin. Eine sehr lange Zeit war sie das auch sehr erfolgreich, sicherte der CDU gute Wahlergebnisse. Doch mittlerweile ist sie zu einer Belastung geworden. Gerechtfertigt oder nicht – viele Bürger und gerade auch Unionsanhänger sind ihres Politikstils überdrüssig. Da bietet Merz im Gegensatz zu Kramp-Karrenbauer einen echten Kontrast. Der frühere Unionsfraktionschef eckt auch mal an, er ist kantig und geradeheraus.

Das kann auch mal zu Fehlern und Missverständnissen führen, wie jüngst bei seinen unbedachten Äußerungen zum Asylrecht. Merz musste zurückrudern. Doch ein Parteichef, der klare Positionen bezieht und eine deutliche Sprache spricht, ist für die CDU in ihrer jetzigen Lage wichtig und richtig. Selbst wenn er sich dann mal korrigieren muss.

Das ist immer besser als der jetzige Kurs, bei dem es vor allem darum geht, nicht mit zu klaren Positionen aufzufallen und keine Kritik zu provozieren. Damit ist Merkel lange Zeit gut gefahren, doch diese Strategie ist an ihr Ende gekommen. In der jetzigen polarisierten Zeit braucht es Haltung. Die hat Merz.

Vorteil drei: „Wir brauchen jetzt Aufbruch und Erneuerung“, sagte Merz bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Bekanntgabe seiner Kandidatur. „Aber wir brauchen keinen Umsturz.“ Auch wenn Merz als Kandidat einen klaren Kontrast zu Merkel verkörpert, so weiß er auch, dass die CDU Maß und Mitte bewahren muss.

Merz wird das Profil der Partei schärfen, aber sie trotzdem als Volkspartei positionieren, die viele Gruppen anspricht. Die Unterstützung der Konservativen und Wirtschaftsliberalen ist ihm gewiss. Deshalb bemühte er sich bei den Regionalkonferenzen auch um den Sozialflügel und die Liberalen.

Merz weiß: Konservative und Wirtschaftsliberale haben sich zuletzt unter Merkel vernachlässigt gefühlt. Diesen Fehler darf er nun nicht unter umgekehrten Vorzeichen wiederholen. Dabei hilft Merz, dass er durchaus pragmatischer ist, als er vielfach beschrieben wird. Natürlich ist er ein Wirtschaftsliberaler, was aber nicht bedeutet, dass er jede Position des Wirtschaftsflügels teilen würde. So hat er sich schon für den Mindestlohn starkgemacht, als viele in der Partei damit noch haderten.

Vorteil vier: Gleichwohl wird Merz eine klare Kompetenz in Wirtschaftsfragen zugemessen. Und das könnte sich schon bald als sehr wertvoll herausstellen. In den vergangenen Jahren lief die Konjunktur gut, Deutschland erlebte einen Daueraufschwung wie selten zuvor. Merkel fuhr dabei auch die Reformdividende der Agenda 2010 ihres Vorgängers Gerhard Schröder ein.

Doch mittlerweile trüben sich die Aussichten ein. Das Risiko, dass dem Daueraufschwung bald die Puste ausgeht, steigt. Umso wichtiger ist es, mit Merz einen CDU-Chef zu haben, der Impulse für Reformen geben wird. Merz kennt die Wirtschaft. Die vergangenen Jahre hat er selbst als erfolgreicher Anwalt in der Wirtschaft gearbeitet. Das und sein Millionenverdienst haben ihm auch Kritik eingebracht. Doch gerade für CDU-Wähler gilt: Dass Merz auch außerhalb der Politik Erfolg gehabt hat, macht ihn nicht verdächtig. Im Gegenteil: Es spricht für ihn.

Vorteil fünf: Nicht nur konjunkturell könnte es bald ungemütlicher werden. Die weltpolitische Lage ist schwierig. Unter Präsident Donald Trump ist auf die USA nur noch bedingt Verlass. Und innerhalb der Europäischen Union nehmen die Fliehkräfte zu. Merz kennt sich in der Außenpolitik aus, er ist bestens in Washington vernetzt. Auch wenn er die Politik von Trump kritisch sieht, wird er die transatlantischen Beziehungen so gut es geht pflegen.

Gleichzeitig hat sich Merz für eine Stärkung der EU ausgesprochen. Er ist überzeugter Europäer, den EU-Skeptikern wird er nicht nachgeben. Vielmehr kann Merz mit seinem Standing in der CDU weitere EU-Reformen auch gegen parteiinterne Kritik durchsetzen. All diese Vorteile sprechen dafür, dass Merz zum CDU-Chef gewählt wird. Und sie sind auch Rüstzeug für eine mögliche Kanzlerschaft. Vorher allerdings müsste er sich als Parteichef mit Kanzlerin Merkel arrangieren. Das hat er zugesagt. Eine gute Zusammenarbeit und später dann ein guter Übergang – das erwartet die CDU.   

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  • AKK wird das Rennen machen. Sollte Sie aber tatsächlich nicht zur neuen Vorsitzenden gewählt werden, muß Sie Konsequenz zeigen. Mal ehrlich, man bewirbt sich doch nicht um ein hohes Amt, um nach einer Niederlage wieder ins Glied zurückzutreten. "Ganz oder gar nicht" muß das Credo lauten. Wer anders denkt, ist der geborene Looser.

  • Es waere Schade wenn AKK, falls sie nicht Vorsitzende wird, ihren Posten aufgeben wuerde.
    Ich sehe keine objektiven Grund, warum sie das tun sollte. Tut sie es aber trotzdem, ist das
    fuer mich eine beleidigte-Leberwurst-Reaktion, die nicht fuer sie spraeche.

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