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CDU-Wirtschaftstag Siemens-Chef Kaeser: „Meine Töchter sollen nicht als Gastarbeiter nach China“

Europa gerät ins Hintertreffen: Siemens-Chef Joe Kaeser appelliert, die Gesellschaft und Wirtschaft der EU zu stärken. Gemeinsam sei man unschlagbar.
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Siemens-Chef Joe Kaeser warnt davor, dass Europa abgehängt wird Quelle: AFP
Siemens-Chef Joe Kaeser

Kaeser glaubt, dass Europa in den letzten fünf Jahren deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben ist.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Auf dem Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrats hat Siemens-Chef Joe Kaeser am Dienstag in seiner Rede deutliche Botschaften vermittelt. Europa dürfe es nicht zulassen, von Asien abgehängt zu werden. Außerdem wandte sich Kaeser gegen Rechtspopulismus und sprach sich für eine aktive Industriepolitik aus.

Wir dokumentieren die Rede von Joe Kaeser in – gekürzten und geglätteten – Auszügen:

„Diese Europawahl hat uns vieles gezeigt: Sie hat uns gezeigt, dass nicht alle den integrativen Ansatz teilen. Wir haben Nationalisten und Anti-Europäer gesehen, die stärker geworden sind. Aber ich glaube, wir haben auch gesehen, dass die Zahl der Europa-Befürworter steigt. Dass wir stabile Mehrheiten produzieren können, und das Allerbeste war, dass die Wahlbeteiligung gerade in Deutschland so stark gestiegen ist.

Und vor allem junge Leute haben Interesse an Europa, und wenn wir heute über Zukunft diskutieren, nicht nur freitags, sondern tagein, tagaus, dann ist es eine wunderbare Entwicklung. Die Jugend steht für Europa, sie engagiert sich, wenn es darum geht.

Ich glaube, dass Europa in den letzten fünf Jahren deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Wir haben Boden verloren gegen die Größten der Welt, natürlich namentlich China und die Vereinigten Staaten. … Die EU muss wieder auf Augenhöhe mit China und Amerika die Außenwirtschaftsinteressen unseres Wirtschaftsraums mitgestalten, und dazu brauchen wir Brückenbauer und keine Hexenjäger.

Das Ergebnis und die Art der Wahl des Kommissionspräsidenten werden auch Aufschluss darüber geben, ob Europa es schafft, Führung zu übernehmen.

Politik und Wirtschaft gehören zusammen, es ist eine symbiotische Beziehung. Wir müssen jetzt die Soziale Marktwirtschaft aktualisieren, auf Grundlage der neuen Bedingungen, auf den neuen Prämissen der vierten industriellen Revolution. Wer glaubt, dass er nicht betroffen ist, hat im Grunde eigentlich schon verloren.

Der Todfeind der Mittelmäßigkeit

Es gibt keine Bestandsgarantien mehr, es ist vorbei. Alles, was zählt, ist im Grunde die Wettbewerbsfähigkeit. Die Digitalisierung ist der Todfeind der Mittelmäßigkeit.

Die Innovation ist die Lebensader der deutschen Wirtschaft. Da führt überhaupt kein Weg dran vorbei.

Heute ist der Trend, einfach zusammengefasst: Europa war gestern, Amerika ist heute, und Asien ist morgen. Das werden und das dürfen wir nicht zulassen. Ich habe keine Lust, dass meine beiden Töchter als Gastarbeiter nach China gehen. Und deshalb ist die Frage eigentlich: Wo können wir diese Innovationen in zählbares Wachstum umsetzen?

Eines der größten Potenziale, die wir in Deutschland haben, ist das Thema Klimaschutz. Das ist ein Thema, das überall in der Welt eine riesige Rolle spielen wird. Und da ist Innovation gefragt, nicht nur Beschlüsse in Kattowitz oder Paris, sondern Innovation, Technologie, Kreislaufwirtschaft, die Herstellung von Batterien und natürlich auch die Wasserstoffökonomie.

Wir brauchen eine gemeinsame europäische Außenwirtschafts- und Industriepolitik. Natürlich brauchen wir eine Industriepolitik. Das ist doch gar keine Frage. Um gegen die Großen in dieser Welt bestehen zu können. China hat ,China 2025‘. Indien hat ‚Make it in India‘. Saudi-Arabien träumt von einer ‚Vision 2030‘.

Und wo ist Europa? Existiert nicht. Wo ist die deutsche Industriepolitik? Da streiten wir uns darüber, welche Branche wie viele Zeilen [in Altmaiers Strategiepapier] bekommt. Das kann es doch nicht sein.

Wir haben in Deutschland und in Europa nur eine Chance, wenn wir eine gemeinsame Position in der Außenwirtschaftspolitik formulieren. Allein wird Deutschland viel zu klein sein, um das zu tun.

Und nur wenn die Europäer in der Lage sind, den Chinesen, den Amerikanern etwas anzubieten, aus einer Position der Stärke, nur dann wird man auch die Veränderungen im bilateralen oder im multilateralen Umfeld sehen und zu Ergebnissen kommen. Wir brauchen eine Position der Stärke.

Und Europa ist eigentlich gar nicht so schlecht. Wir haben einen stabilen Binnenmarkt mit 500 Millionen Menschen, mit guter Kaufkraft. Wir haben hervorragende Fachkräfte, wir haben eine starke industrielle Basis. Und wir haben etwas, worum uns die ganze Welt beneidet – die, die es zugeben, und die, die es nicht zugeben: Wir haben eine unübertroffene Innovationskraft und eine einzigartige Wirtschaftsstruktur mit Handwerk, dem Mittelstand und den großen Unternehmen. Und das macht uns im Grunde unschlagbar.

Leistung ist die Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft

Und was wir auch noch können – das glaubt man kaum –, wir können Hardware und Software. Die deutschen Ingenieure sind die besten Softwareingenieure der Welt. Bescheidenheit ist hier nicht notwendig. Auch Selbstbewusstsein gehört dazu.

Leistung muss sich eben wieder lohnen. Weil die Leistung und der Erfolg die Grundlage für die Soziale Marktwirtschaft sind. Wer eine bedarfsneutrale Grundrente fordert, hat die Berechtigung zum Regieren unseres Landes verloren.

Wie erklären wir denjenigen, die vom Strukturwandel nicht profitieren, dass sie auch etwas davon haben? Wie geht das? Das ist eine zentrale Frage.

Wir reden die ganze Zeit über Start-ups. Viele fahren nach San Francisco und gucken sich das Silicon Valley an, fahren einmal die 101 herunter und die 380 wieder herauf, kommen zurück, ziehen sich rote Turnschuhe an und legen die Krawatte ab und verwirren die ganze Firma.

Es gab in Deutschland schon Firmengründungen, da gab es im Silicon Valley noch keine Garagen. Da muss man doch nicht irgendwo hinfahren und sich zum Narren der Gesellschaft im Silicon Valley machen. Man kann sich doch einfach darauf besinnen, was unser Land groß gemacht hat.

Das Wirtschaftswunder ist nicht einfach so vom Himmel gefallen. Das Wirtschaftswunder haben unsere Eltern und Großeltern gemacht. Durch Fleiß, durch das Gespür für Qualität. Durch Anstand. Durch ein Miteinander der Solidarität.

Wer auf dem Weg nach oben die Leute schlecht behandelt, der wird sie auf dem Weg nach unten alle wiedertreffen.“

Mehr: Der Siemens-Chef spricht der SPD wegen ihres Grundrentenkonzepts die „Berechtigung zum Regieren“ ab. Im Wettstreit mit den USA und China fordert er eine europäische Strategie.

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1 Kommentar zu "CDU-Wirtschaftstag : Siemens-Chef Kaeser: „Meine Töchter sollen nicht als Gastarbeiter nach China“"

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  • Deutschland darf keine Alleingänge mehr wagen. Nur so kann Europa seine Größe und Stärke in Wirtschaft und Kultur in einer globalisierten Welt ausspielen.

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