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CHE-Studienkredittest Zinsen zweitrangig: Studenten nehmen 564 Millionen Euro Studienkredite auf

Der Marktführer bei Studienkrediten, die staatliche KfW, verlangt mittlerweile den höchsten Zinssatz von Studenten. Doch das ist nicht das entscheidende Kriterium.
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Studierende in Deutschland leihen sich pro Jahr 564 Millionen Euro. Quelle: dpa
Hörsaal

Studierende in Deutschland leihen sich pro Jahr 564 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

BerlinDer Markt für Studienkredite geht zwar leicht zurück – doch noch immer finanzieren sich 93.000 Studenten auch über einen Kredit. Pro Monat beläuft sich die Gesamtsumme im Schnitt auf 47 Millionen Euro. Das sind 564 Millionen Euro im Jahr – ein Jahr zuvor waren es sogar 600 Millionen. Das zeigt der neue Studienkredittest des Centrums für Hochschulforschung (CHE) für das Handelsblatt.

Damit „nutzen noch immer drei Mal so viele Studierende einen Kredit, wie durch das vom Bund geförderte Deutschlandstipendium und die Begabtenförderwerke unterstützt werden“, stellt Studientestautor Ulrich Müller die Dimension klar.

Der Rückgang spielt sich vor allem bei den Marktführern, der staatseigenen KfW und dem Bundesverwaltungsamt, ab, die zusammen rund 90 Prozent der Kredite vergeben. Diese Entwicklung könne auch damit zusammenhängen, dass „der Platzhirsch KfW mit 4,21 Prozent mittlerweile den höchsten Zinssatz aller Anbieter hat“, vermutet Müller.

Das liege zwar auch daran, dass „Anbieter mit teilweise unverschämt hohen Zinssätzen, wie etwa die Deutsche Bank mit fast neun und die DKB mit 6,5 Prozent, mittlerweile aufgegeben haben“, sei aber dennoch ein „bemerkenswertes Novum“.

Auf niedrigem Niveau registriert das CHE jedoch durchaus Dynamik: Im Aufwind sind vor allem einige Bildungsfonds, wie etwa Brain Capital, Deutsche Bildung und Chancen eG.

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Sie sind beim Zinssatz allerdings nicht vergleichbar mit den übrigen Angeboten, da Studenten hier während der Auszahlungsphase keine Zinsen zahlen und die Rückzahlung je nach dem Einkommen erfolgt – also bei Besserverdienenden durchaus üppig ausfallen kann. Gleichwohl „geht der Trend wohl weiter Richtung Bildungsfonds“, so Müller.

Einen steilen Aufstieg verzeichne etwa Brain Capital mit seinen hochschulspezifischen Angeboten, die zuletzt um vier neue erweitert wurden. Festo, Brain Capital und Deutsche Bildung ergänzen die Kredite um ein Förderprogramm, das etwa E-Learning-Kurse oder Einzelcoaching bietet. Nachgebessert hätten einige Anbieter bei der Rückzahlungsregelung bei Teilzeitjobs.

Generell ist bei Bildungsfonds in der Regel ein erfolgreicher Studienabschluss Voraussetzung für die einkommensabhängige Rückzahlung. Eine „vorbildliche Ausnahme“ bilde Chancen eG, die bei Studienabbruch die Auszahlungen beende und die Rückzahlung an die geleisteten Auszahlungen anpasse.

Wurde also etwa drei von sechs Semestern studiert, halbieren sich die vom Bruttoeinkommen zu leistenden Rückzahlungsprozente. Damit sei es möglich, ein anderes Studium oder eine Ausbildung zu absolvieren, da die Rückzahlungspflicht erst beginnt, wenn man das Mindesteinkommen erreicht.

Wie viel Geld brauche ich? Wie flexibel ist der Kredit?

Daneben schreitet auf dem Feld der Studienkredite der Prozess der Marktbereinigung weiter fort: So ist der Bildungsfonds Career Concept nicht mehr aktiv, Neuverträge laufen nun über den Anbieter Festo, der in Personalunion geführt wird.

Doch auch der Bildungsfonds des Esslinger Maschinenbauers Festo, der sich speziell an MINT-Studenten richtet, also Studenten in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, weist nach dem CHE-Test seit 2015 sinkende Absatzzahlen auf.

Das Angebot der Sparkasse Bodensee für Studenten der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen wird eingestellt. Auch der Anbieter Strival, der Kredite und Finanzierung ohne Rückzahlung über Crowdfunding finanzierte, hat aufgegeben, die Website ist nicht mehr erreichbar. Die DKB hatte ihren Studenten-Bildungsfonds bereits 2017 eingestellt, Future Finance ihr „unsäglich schlechtes“ Angebot ebenfalls, so Müller.

Anders als in früheren Jahren verzichtet das CHE diesmal darauf, zumindest eine „Spitzengruppe“ von Anbietern auszuzeichnen. Das Angebot und die Bedürfnisse der Kunden seien schlicht zu vielfältig, um das Ergebnis so zu vereinfachen.
Die Studienkredittester rufen Studenten daher dazu auf, vor Vertragsabschluss sowohl die eigenen Bedürfnisse als auch die Konditionen sehr genau zu prüfen – und sich von jedem Anbieter „ein verbindliches Angebot erstellen zu lassen“.

Der Zinssatz allein sei nicht das entscheidende Kriterium – zumal er bei Fonds ohnehin nicht zu beziffern sei. Daneben müsse man sich fragen: Brauche ich wirklich so viel Geld? Kann ich den Auszahlungsbetrag variieren? Was passiert bei Schwangerschaft, Elternzeit oder Studienabbruch?

Auch ein komplettes Auslandsstudium ist nur bei wenigen Anbietern möglich. Dazu gehören die bundesweiten Anbieter Brain Capital, Deutsche Bildung und Festo – nicht aber der Marktführer KfW.

Auf lokaler Ebene finanziert etwa die Sparkasse Herford ein Auslandsstudium. Die Finanzierung von ein oder zwei Auslandssemestern hingegen ist in vielen Fällen möglich. Auf jeden Fall sollte man sich hier aber auch „kostengünstigere Geldquellen wie etwa Erasmus-Stipendien oder Auslands-Bafög“ ansehen, rät das CHE.

„Größte Vorsicht ist geboten“, warnt das CHE mit Blick auf diverse weitere Anbieter im Internet, etwa sogenannte Peer-to-Peer-Vermittler. Die seien vielleicht unbürokratisch, aber „überhaupt nicht an studentischen Bedürfnissen orientiert und meist überteuert“.

Mehr: Nach dem ersten Berufsabschluss wollen nur 47 Prozent der Studenten ein Masterstudium beginnen. Der Bachelor wird vermehrt bei Unternehmen anerkannt.

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