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Check24, Verivox Verbraucherschützer fordern strenge Regulierung von Vergleichsportalen

Für die Suche nach dem besten Angebot nutzen viele Verbraucher Vergleichsportale. Verbraucherschützer bezweifeln, ob dabei immer das Beste herauskommt.
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Vergleichsportale wie Check24 spielen eine immer wichtigere Rolle. Quelle: dpa
Vergleichsportal Check24.

Vergleichsportale wie Check24 spielen eine immer wichtigere Rolle.

(Foto: dpa)

BerlinFür Kartellamtspräsident Andreas Mundt ist die Sache klar. „Der Verbraucher kann sich nicht immer darauf verlassen, tatsächlich das für ihn beste Angebot auf einem Vergleichsportal zu finden“, befand Mundt Ende vergangenen Jahres.

Der Behördenchef stellte damals eine Untersuchung von 36 Portalen für die Branchen Reisen, Energie, Versicherungen, Telekommunikation und Finanzen vor. Die Kartellamts-Experten hatten die Plattformen genauer unter die Lupe genommen und waren dabei auf einige Mängel gestoßen. Verbraucher würden oft nicht darüber aufgeklärt, wie die Reihenfolge der Suchergebnisse und die Empfehlungen der Vergleichsportale im Einzelnen zustande kommen. „Es fehlt an Transparenz“, resümierte Mundt seinerzeit.

Neue Aktualität bekommt das Thema jetzt durch den Billiganbieter Bayerische Energieversorgung (BEV), der in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet hat. Die BEV war Verbraucherschützern schon im November 2017 negativ aufgefallen. Das Unternehmen hatte Verbrauchern, die ihre Dienstleistungen auf einem Vergleichsportal positiv bewerten, einen „Dankeschön-Bonus“ von bis zu 100 Euro angeboten. In einem Vergleich hat die BEV dann zugesichert, auf diese Praxis zu verzichten. Da das Unternehmen bei Vergleichsportalen aber lange Zeit weit oben in den Ranglisten auftauchte, geraten die Portale nun selbst unter Druck.

So plädiert Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller für eine strenge Regulierung von Plattformen wie Check24 oder Verivox. „Vergleichsportale spiegeln dem Verbraucher nicht die Realität in ihrer Vielfalt und Breite wider. Wir brauchen daher klare gesetzliche Vorgaben für Vergleichsportale“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dem Handelsblatt. „Die Politik sollte einen Regulierungsrahmen schaffen mit verbindlichen und nachprüfbaren Vorgaben und Kriterien - insbesondere zu der Art, wie die Rankings erstellt und wie Angebote dort optisch dargestellt werden.“

Der normale Nutzer gehe natürlich davon aus, dass Angebote, die ganz oben stünden, die besten und die günstigsten seien sowie am ehesten seinen Präferenzen entsprächen. Das sei aber oft nicht der Fall, so Müller, „weil Einträge an oberster Stelle häufig nicht Teil eines generischen Rankings sind, sondern dort zu Werbezwecken platziert wurden“.

Aus Verbrauchersicht sei zudem die „Marktabdeckung der Portale“ eine wichtige Frage. „Wenn es zum Beispiel um Kfz-Versicherungen geht, sollten auf den Portalen auch die marktrelevanten Angebote zu finden sein“, sagte der VZBV-Chef. „Ärgerlich ist, wenn Angebote wichtiger Anbieter nicht berücksichtigt werden, weil man sich nicht über Provisionen einigen konnte.“

Falls Zahlungen von Anbietern an Vergleichsportale erfolgten, müssten diese daher an prominenter Stelle transparent gemacht werden. „Zahlungen können legitim für die Vermittlung sein, in keinem Fall jedoch für das Erkaufen von Bestenplätzen in den Rankings“, sagte Müller. „Solche Werbeanzeigen dürfen nicht in die Auflistung der Ergebnisse einbezogen werden.“ Sie müssten auf den Portalseiten „optisch deutlich von den wirklichen Vergleichsergebnissen abgegrenzt und deutlich als Werbung gekennzeichnet sein“.

„Wir sind als Vergleichsportal nicht die Wächter des Marktes“

Portalbetreiber sollten aus Müllers Sicht zudem transparent machen, „auf Basis welcher Kriterien sie zu ihren jeweils angezeigten und vorgeschlagenen Vergleichsergebnissen kommen“. Außerdem müsse klar sein: „Vergleichsportale dürfen nicht ignorieren, wenn sich Beschwerden über bestimmte Produktanbieter häufen, wie es etwa bei dem jetzt pleitegegangenen Billigstromanbieter BEV der Fall war.“ Auch das müsse der Gesetzgeber bei einer Regulierung berücksichtigen. „Weil Vergleichsportale so immens wichtig geworden sind, können sie sich nicht damit herausreden, das sie tun und lassen können, was sie wollen“, betonte der VZBV-Chef.

Die Vergleichsportale Verivox und Check24 spielen auf dem Strommarkt eine immer wichtigere Rolle. „Fast jeder vierte Energieversorgungsvertrag von Haushaltskunden wird inzwischen über ein Vergleichsportal vermittelt“, stellte Kartellamts-Chef Mundt vergangenes Jahr fest. Alleine kann sich ein Stromkunde kaum einen Überblick über die Angebotsvielfalt verschaffen, denn im Durchschnitt kann jeder Haushalt unter 124 Anbietern wählen, wie die Bundesnetzagentur errechnet hat.

Die Portale bekommen für die Vermittlung neuer Kunden Provisionen von den Lieferanten. Deren Höhe habe aber keinen Einfluss auf das Ranking der Angebote, versichern sie. Verivox und Co. sehen ihre Rolle auch nicht als Kontrolleure der Stromlieferanten. „Wir sind als Vergleichsportal nicht die Wächter des Marktes, sondern können den Markt nur transparent widerspiegeln“, sagte Verivox-Managerin Dagmar Ginzel. Ähnlich argumentiert Check24. „Wir haben keine umfassende Einsicht in die finanzielle Situation von Energieanbietern“, teilte ein Sprecher mit.

Es sei Aufgabe der Bundesnetzagentur, „eine möglichst sichere, preisgünstige und verbraucherfreundliche Versorgung mit Strom und Gas sicherzustellen“, betonte Ginzel. Im Fall BEV wie bei früheren Anbieterinsolvenzen zeige sich aber, dass die Behörde „eher zu spät als zu früh eingreift“. Das sieht die Bonner Behörde anders: In alle Fällen seien „stets die jeweils erforderlichen Aufsichtsmaßnahmen eingeleitet“ worden, erklärte sie.

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