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Nein, danke

Chef der CSU-Landesgruppe Nach Seehofers politischem Amoklauf ergeben sich für Dobrindt ungeahnte Optionen

Alexander Dobrindt verkörpert die CSU und beweist dabei sein Talent als Machtpolitiker. Er will Horst Seehofer als Parteichef beerben.
02.07.2018 - 17:22 Uhr Kommentieren
Der CSU-Landesgruppenchef stellt sich hinter Horst Seehofer. Quelle: Hans Christian Plambeck/laif
Alexander Dobrindt

Der CSU-Landesgruppenchef stellt sich hinter Horst Seehofer.

(Foto: Hans Christian Plambeck/laif)

München In jener Scherbennacht der Union, als CDU und CSU in hermetisch geschlossenen Kreisen über Asylpolitik redeten, hatte Alexander Dobrindt, 48, einen eigenen Auftritt. Der CSU-Landesgruppenchef in Berlin, Anführer aller christsozialen Bundestagsabgeordneten, verkündete inmitten des totalen Polit-Chaos trotzig, er könne „so nicht“ akzeptieren, was Kollege Horst Seehofer, 68, soeben offeriert habe: Rücktritt als CSU-Chef und Bundesinnenminister. Nein, danke, kommt nicht infrage.

Schon diese kleine Szene zur Geisterstunde am vorigen Sonntag verdeutlicht die starke Rolle des CSU-Politikers. Selbst Kanzlerin Angela Merkel hält den meist sibyllinisch Lächelnden für den gefährlichsten Widersacher. Der konstante Bedeutungszuwachs könnte bald im Parteivorsitz gipfeln: Dobrindt plant, nach allem, was zu hören ist, höchst systematisch und ehrgeizig den nächsten Karriereschritt. Nur einer stört im latenten Kampf um die Krone: Markus Söder, 50, als bayerischer Ministerpräsident mit lauten Parolen („Asyltourismus“) auf allen Kanälen.

Auch Dobrindt ist durchaus ein Freund der Radau-Rhetorik („Anti-Abschiebe-Industrie“), das brachte schon sein Job als CSU-Generalsekretär (2009 – 2013) mit sich; aber er wechselt eben auch Tonarten und Phrasierung je nach Lage. Seine durchaus vorhandene Rücksichtslosigkeit kommt nicht bullig daher, sondern dezent.

Dass sich der leise Ehrgeizige sogar als Cheftheoretiker sieht, bewies ein „Welt“-Gastkommentar, in dem er die „konservative Revolution“ gegen den Aeropag einer linksliberalen Elite ausrief – ganz so, als habe die Union nicht seit 1968 in knapp 30 Jahren den Bundeskanzler gestellt.

Dass der Diplomsoziologe daraufhin im ZDF-Interview ein wenig haspelte, konnte sein Standing in der Partei ebenso wenig schädigen wie die eher dürftige Bilanz als Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Anders als Nachfolger Andreas Scheuer fiel er in der Dieselaffäre kaum auf, machte aus der Pkw-Maut nicht gerade einen Hit und ließ es zudem zu, dass nicht Glasfasernetze en Gros verlegt, sondern alte Kupferkabel der Telekom aufgepeppt wurden.

Aber Dobrindt ist nun mal die Verkörperung einer CSU, die sich als Synonym für Bayern sieht: römisch-katholisch, Erfolgslaufbahn als Mittelständler (Druckbehälter), gut verheiratet, ein Sohn, dreimal Schützenkönig im oberbayerischen Heimatort Peißenberg, Grünen-Hasser. Eine dunkle Nerd-Brille verleiht Modernität, zu Anzügen mit großen Karos hält er mehr Abstand. Gag ja, Geck nein.

Im Bundestag hat der Chef-Aspirant starke Unterstützung, seine CSU-Landesgruppe gilt als „schwarzer Block“. Der Netzwerker schuf sich beizeiten einen „Zugspitzkreis“ in der Partei sowie eine Kumpel-Runde mit den Merkel-Kritikern Christian Lindner (FDP) und Jens Spahn (CDU).

Nach Seehofers politischem Amoklauf ergeben sich für Dobrindt nun ungeahnte Optionen. Geplant war es anders: Nach der bayerischen Landtagswahl im Oktober stand die Parteichef-Frage an, bei einem starken Resultat wäre Söder nicht zu stoppen gewesen.

Am Montagnachmittag trat Dobrindt in einer Siebener-Gruppe der CSU zum letzten Friedensversuch bei der Kanzlerin an, flankiert vom Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber. 2017, im Bundestagswahlkampf, hatte der letzte verbliebene Integrator dem strebsamen Parteifreund in dessen Wahlkreis Weilheim – in dem Franz Josef Strauß siegte – mit einem Auftritt geholfen. Klare Ansage: „Alexander sollte in Berlin noch ein Stück mehr Verantwortung übernehmen.“ So ein Stück kann groß sein.

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