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China-Experte Moritz Rudolf „Sie werden Teil von Pekings Propaganda“

Der Gründer der Beratungsfirma Eurasia Bridges über Chinas Geostrategie, negative Folgen der Neuen Seidenstraße und Chancen für den Mittelstand.
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„Peking hat eine langfristige Wirtschaftsstrategie, viel Geld und klar definierte Ziele.“ Quelle: MERICS
Moritz Rudolf

„Peking hat eine langfristige Wirtschaftsstrategie, viel Geld und klar definierte Ziele.“

(Foto: MERICS)

Berlin China investiert Milliarden in Europa, um ein interkontinentales Handels- und Infrastrukturnetz aufzubauen. Umgangssprachlich ist das Projekt auch als „Neue Seidenstraße“ bekannt. In Brüssel sieht man Pekings Pläne wegen des chinesischen Einflussgewinns kritisch. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hat jüngst eine Gegenstrategie vorgestellt. Trotzdem wollen deutsche Städte an der Neuen Seidenstraße mitverdienen. China-Experte Moritz Rudolf über Chancen und Risiken.

Herr Rudolf, deutsche Städte wie Duisburg werben massiv um chinesische Investitionen. Ist das gefährlich?
Das kommt darauf an, inwieweit die Verantwortlichen durchschauen, um was es geht. Die Städte müssen sich klarmachen, dass sie Teil der chinesischen Propaganda werden. Die Seidenstraßeninitiative ist sozusagen das Baby von Staatspräsident Xi Jinping.

Ist es nicht immer schlecht, an Propaganda mitzuwirken?
Man muss nur wissen, wie man damit umgeht. Städte sollten sich überlegen, wie das Projekt ihren wirtschaftlichen Interessen nutzen kann. Dann können sie den Propaganda-Effekt auch umkehren und zu ihren Gunsten ausnutzen.

Duisburg wäre gerne Deutschlands China Town.
Die Stadt ist nicht der wichtigste Punkt auf der neuen Seidenstraße, sondern einer von vielen. Doch der Besuch von Xi Jinping 2014 war für Duisburg ein Coup. Damit spielt die Stadt. Wenn sie das macht, um ihre Interessen durchzusetzen, finde ich das clever. Städte haben den Vorteil, dass die negativen Aspekte nicht so schwer wiegen. Bei Staaten sieht das anders aus.

Was sind das für negative Aspekte?
Bei der Seidenstraßeninitiative geht es auch um normative Werte. Und die chinesischen Standards stehen teilweise im Widerspruch zu den Werten im Westen, beispielsweise bei den Menschenrechten. Diese Aspekte schwingen stärker mit, wenn es um die Kooperation zwischen China und einem anderen Staat geht.

Versucht China mit der Seidenstraßeninitiative bewusst politisch Einfluss zu nehmen?
Ich glaube, dass das automatisch passiert. Die Möglichkeiten der politischen Einflussnahme steigen mit dem Abhängigkeitsverhältnis. Wer jemanden unterstützt, erwartet auch ein bestimmtes Verhalten. In dieser Hinsicht unterscheidet sich China nicht von anderen Staaten.

Griechenland, in das China Milliarden investiert, hat im vergangenen Jahr im UN-Menschenrechtsrat eine EU-Erklärung zu Menschenrechten in der Volksrepublik blockiert.
Die europäische Entwicklungshilfe bindet ihre Unterstützung meist an westliche Vorstellungen von einem guten Staat. China hingegen vermarktet seine Investitionen offiziell so, dass es keinen politischen Einfluss will. Auf der informellen Ebene erwartet es aber natürlich auch, dass bestimmte rote Linien nicht übertreten werden.

China wird auch vorgeworfen, das Kräfteverhältnis zugunsten der eigenen Unternehmen zu verschieben.
Peking hat eine langfristige Wirtschaftsstrategie, viel Geld und klar definierte Ziele. Der Staat ist eng verknüpft mit der Wirtschaft, vor allem wenn es darum geht, im Ausland aktiv zu werden. Die Interessen sind ähnlich und werden gemeinsam vorangetrieben. Das macht die chinesische Konkurrenz für europäische Unternehmen zu einem übermächtigen Gegner.

Wie kann Europa darauf reagieren?
Die europäischen Staaten müssen sich vor allem absprechen. Wollen sie Teil der Seidenstraßeninitiative werden, sollten sie überlegen, wo es Sinn macht, stärker und gemeinsam zu verhandeln.

Was raten Sie deutschen Unternehmen, damit sie von der Seidenstraßeninitiative profitieren können?
Als erstes müssen sie sich klarmachen, was die Initiative eigentlich ist, wie sie umgesetzt wird und worauf sie sich einlassen. Erst dann kann man identifizieren, welche chinesischen Provinzen die interessantesten Anknüpfungspunkte sind. Ich glaube aber, dass gerade bei Mittelständern das Verständnis noch nicht ausgeprägt ist.

Moritz Rudolf ist Gründer der Beratungsfirma Eurasia Bridges. Das Unternehmen berät unter anderem Firmen in China und Europa, die von der Seidenstraßeninitiative profitieren wollen. Zuvor war er mehrere Jahre am Mercator-Institut für China-Studien (MERICS) Experte für Chinas Geostrategie.

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