Christian Linder „Wir brauchen keine Leihstimmen“

Unter Christian Lindners Führung soll die gedemütigte FDP alle Klischees abstreifen: Eigenständig will sie sein, kein Anhängsel der Union mehr. Die SPD aber buhlt schon um frustrierte Parteimitglieder.
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FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner: „Wir definieren uns nicht mehr über die Nähe oder Ferne zu irgendeiner anderen Partei.“ Quelle: dpa

FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner: „Wir definieren uns nicht mehr über die Nähe oder Ferne zu irgendeiner anderen Partei.“

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BerlinDer neue FDP-Chef Christian Lindner will die Liberalen mit Attacken auf Schwarz-Rot und einem eigenständigen Kurs 2017 zurück in den Bundestag bringen. Als Lehre aus dem historischen Absturz bei der Wahl werde die FDP kein Anhängsel der Union mehr sein: „Wir haben unseren eigenen Kompass. Wir brauchen keine Leihstimmen“, sagte Lindner am Sonntag bei einem Sonderparteitag in Berlin. Union und SPD warf er eine Bevormundung der Bürger vor.

Der 34-jährige Lindner gilt als letzter Hoffnungsträger der FDP, die erstmals in ihrer Geschichte nicht mehr im Parlament vertreten ist. Der bisherige Bundesvize und nordrhein-westfälische Landesvorsitzende erhielt rund 79 Prozent der Stimmen, was als ordentliches Ergebnis gilt. Sein Vorgänger, Noch-Wirtschaftsminister Philipp Rösler, räumte eigene Fehler ein und wurde mit viel Beifall verabschiedet.

Als einen Grund für den Niedergang nannte Lindner das Betteln um Zweitstimmen von Unionswählern. Es sei schon falsch gewesen, Wahlkampf für Helmut Kohl zu machen. Das gelte auch für Angela Merkel. Das alte Lagerdenken sei nun Geschichte: „Wir definieren uns nicht mehr über die Nähe oder Ferne zu irgendeiner anderen Partei.“

Vor mehr als 600 Delegierten, die teils schonungslos und emotional den Zustand der Partei analysierten, stellte Lindner seine Strategie vor. Die Partei werde Anwältin von sozialer Marktwirtschaft, Rechtsstaat und Toleranz bleiben: „Die FDP hat ein Wächteramt für diese Grundwerte.“ Flügelkämpfe oder einen Rechtsruck werde er verhindern. Wenn die FDP den „Euro-Hassern“ der AfD hinterherlaufe, „verlieren wir unsere Seele“, mahnte er die Freidemokraten.

Die von Schwarz-Rot verweigerte, gesetzlich vorgeschriebene Senkung der Rentenbeiträge sei höchst fragwürdig. „Die Rentenversicherungsbeiträge zahlen keine Millionäre, sondern Facharbeiter und Kindergärtnerinnen. Ich nenne das eine Form der Enteignung.“

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4 Kommentare zu "Christian Linder: „Wir brauchen keine Leihstimmen“"

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  • das ist nun der eindeutige beweis, dass es in der politik gut ist ein luftschubser zu sein. ob das auch der grund der bilderberger war, lindner einzuladen? Man kanns nur vermuten.
    Aber vielleicht will lindner mit dem job auch nur seine schulden aus seinen firmen beim steuerzahler begleichen. ist doch pfiffig, dies wenn mit stuergeldern zu tun. Alles fließt!

  • Diese FDP hat ihre Seele längst verloren, und darum wurde sie abgewählt, auch Dank der AfD. Und bevor ich diese FDP mit schwachem Führungspersonal nochmals wählen würde, glaube ich eher der AfD, die ihre Seele nicht verkauft hat: europa- und eurokritisch; demokratisch mittig und frei; selbstbestimmend; bürgernäher. Das alles hat die FDP nicht mehr zu bieten! Die Alternative heißt AfD.

  • "Wir brauchen keine Leihstimmen"
    Was gerade Herr Lindner in der Vergangenheit brauchte, waren dumme Steuerzahler, die seinen durchaus luxuriösen Lebensstil finanzieren:
    Dazu einfach mal nach seiner Tätigkeit als (einer von 3) Geschäftsführer der "Moomax GmbH" googeln oder unter Wikipedia nachsehen.
    Zitate Wikipedia "...die KfW Bankengruppe – und damit Bund und Länder – verlor weitere 1,4 Millionen Euro...". "...dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der 2 Millionen Euro als Gehälter an die drei Moomax-Geschäftsführer geflossen sein muss..."
    Zumindest für ihn selbst war sein Ausflug in die Wirtschaft anscheinend außerordentlich erfolgreich.
    Wer wohl als nächstes für ihn zahlen darf?

  • Bevor Herr Lindner von Euro-Hassern spricht sollte er doch noch mal überprüfen wie viele der FDP Bundestagsabgeordneten 1998 aufgrund massiver Bedenken hinsichtlich der Stabilität de in der finalen Abstimmung über den Teilnehmerkreis des Euros nicht zugestimmt haben. FDP Abgeordnete wie Otto Graf Lambsdorff oder Burkhard Hirsch haben in Anlage 2 (ab S. 21159) des Berichtes über die Bundestagssitzung ihre ablehnende (Minderheits-) Meinung kundgetan.
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/13/13230.pdf
    Die damals ablehnende Meinungen von Lambsdorff und Hirsch zeigen, dass eine liberale Positionen nicht Euro-hörig sein müssen und man trotzdem überzeugter Europäer sein kann.
    Lesenswert auch dieses kurze Interview von Lambsdorff zur Euro-Eweiterung:
    :http://www.deutschlandfunk.de/finanzpolitische-folgen-der-eu-erweiterung.694.de.html?dram:article_id=59698

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