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Christoph Heusgen Ex-Berater von Merkel vertritt auf großer Bühne deutsche Interessen

Angela Merkels Ex-Sicherheitsberater Christoph Heusgen vertritt Deutschland im UN-Sicherheitsrat – in schwierigen Zeiten für die Weltgemeinschaft.
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Der Ökonom beriet Angela Merkel zwölf Jahre lang. Quelle: picture alliance/AP Images
Christoph Heusgen

Der Ökonom beriet Angela Merkel zwölf Jahre lang.

(Foto: picture alliance/AP Images)

WashingtonAlarmismus ist nicht sein Stil. Doch Christoph Heusgen, deutscher Botschafter bei den Vereinten Nationen, bringt seine Sorgen auch ohne schrille Töne zum Ausdruck. Transatlantiker zu sein, sagte er im vergangenen Jahr bei einem Bankett in New York, sei in diesen Zeiten „nicht so einfach“. Die regelbasierte Weltordnung leide unter schleichender Irrelevanz.

Jetzt hat der 63-Jährige die Chance, die Interessen Berlins auf großer Bühne zu vertreten: Seit Jahresbeginn hat Deutschland einen temporären Sitz im UN-Sicherheitsrat inne, dem mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen.

Heusgen sitzt damit plötzlich in der ersten Reihe der internationalen Krisendiplomatie. An Erfahrung und Expertise mangelt es ihm nicht. Bevor er im Sommer 2017 als UN-Botschafter nach New York entsandt wurde, beriet er zwölf Jahre lang Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Außen- und Sicherheitspolitik – so lange wie kein anderer.

Heusgens Spitzenjob ist ein vorläufiger Karrierehöhepunkt, er kennt und schätzt die USA. Von seinem Austauschjahr als Teenager in Ohio schwärmt er noch heute als „eine wunderbare Erfahrung“. Damals entdeckte er seine „Liebe zur New York Times“, erzählte er auf dem Bankett – weil die Zeitung die Ergebnisse der Bundesliga auflistete. Heute wohnt er im Herzen New Yorks und kann durch den Central Park joggen.

Der gebürtige Rheinländer trat 1980 als frisch promovierter Wirtschaftswissenschaftler in den Auswärtigen Dienst ein und arbeitete um die Jahrtausendwende für den EU-Außenvertreter Javier Solana. Seine Kontakte in der globalen Diplomatie sind exzellent.

Für Stirnrunzeln sorgte 2017 lediglich, dass auch Heusgens Frau, promovierte Juristin und Medizinerin, nahtlos eine Stelle bei der UN bekam. Heusgen soll sich vehement an höchster Stelle dafür eingesetzt haben. Die einen betrachteten den Vorgang damals als übliches Netzwerken, die anderen als Beförderung mit Geschmäckle.

Was viele Weggefährten an ihm schätzen, ist sein Fokus auf lange Linien, auf Verständigung und Kooperation. Bei den sechs Gelegenheiten, zu denen Deutschland bislang im Sicherheitsrat saß, gab es immer wieder turbulente Phasen, etwa im Streit um den Irak-Krieg und den Militäreinsatz in Libyen.

Die USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien sind ständige Mitglieder, zehn Staaten werden alle zwei Jahre befristet in das Gremium gewählt. Die Beschlüsse sind verbindlich, der Sicherheitsrat kann Sanktionen verhängen, Friedensmissionen entsenden und militärische Gewalt billigen.

Allerdings gilt das Gremium als gelähmt. Oft entzündet sich Zank an den Vetomächten Russland und China, und seit der Wahl von Donald Trump fallen die USA als treibende Kraft für Kompromisse weg. Deren bisherige UN-Botschafterin Nikki Haley ersetzte Trump kürzlich mit der unerfahrenen Heather Nauert.

Es ist eines von vielen Signalen, dass die US-Regierung multilaterale Organisationen schwächen will. Deutschland attackiert Trump sogar direkt: Er schimpft auf die Gaspipeline Nord Stream 2, Merkels Flüchtlingskurs oder deutsche Autos.

Deutschland kann unter diesen Umständen Impulse geben, darf aber kaum auf Durchbrüche hoffen. Heusgen erklärt sein Arbeitsprogramm entsprechend nüchtern und besonnen. Auf der Agenda stünden Rüstungskontrolle, der Klimawandel, der Schutz humanitärer Helfer sowie das Ziel, mehr Frauen in der Konfliktprävention einzusetzen.

„Erfolge wären, wenn wir erreichen würden, dass sich der Sicherheitsrat mit Krisenvorsorge beschäftigt, wenn das Thema sexuelle Gewalt gegen Frauen stärkere Beachtung findet und wenn wir bei den Themen Klima und Sicherheit die Sensibilität der Mitgliedstaaten erhöhen könnten“, sagte Heusgen im ZDF. In Sätzen wie diesen schimmert durch, dass Deutschland konstruktiv, aber nicht aufdringlich auftreten will und kann.

Genau dafür ist Heusgen der richtige Mann. Zum Jahresauftakt probierte es sein Büro trotzdem mit einer Portion Humor. In sozialen Netzwerken witzelte sein Team über deutsche Klischees und postete ein Handtuch, abgelegt auf einem blauen UN-Sessel: „Unsere Kollegen haben vorsorglich schon mal Plätze im Verhandlungsraum reserviert.“

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