CIA-Folterbericht auf Deutsch „Zynisch und pervers“

Wolfgang Neskovic ist Idealist. Deshalb hat er den CIA-Folterbericht auf Deutsch herausgebracht. Der Ex-Bundesrichter will, dass Folter endlich zur Vergangenheit gehört. Dafür sieht er nur einen Weg.
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„Sie befahlen mir, mich auszuziehen, schlugen mir mit einem Rohr auf die Fußsohlen und stellten Fragen zu meiner Teilnahme am Referendum.“ Quelle: dpa

„Sie befahlen mir, mich auszuziehen, schlugen mir mit einem Rohr auf die Fußsohlen und stellten Fragen zu meiner Teilnahme am Referendum.“

(Foto: dpa)

DüsseldorfSein Standpunkt ist unerbittlich: „Folter ist und kann durch nichts gerechtfertigt werden.“ Nicht durch ein Attentat wie das des 11. September, nicht durch die Gräueltaten in Paris vor zwei Wochen. Für Wolfgang Neskovic ist klar: Die USA verhalten sich rechtsstaatswidrig, wenn sie die Folter einsetzen. Damit würden sie sich über geltendes internationales Recht hinwegsetzen. Neskovic sagt dem Handelsblatt (Online-Ausgabe): „Wir bekämpfen Terror nicht mit Terror. Denn im Rechtsstaat heiligt der Zweck nicht die Mittel.“ Das gelte auch für Folter.

Schläge in den Unterleib, Nahrungsentzug, Nacktheit, Eisbäder, Schlafentzug: Die Foltermethoden der CIA kennen keine Grenzen. Im Dezember veröffentlichten die USA den Bericht. Nun gibt es die Gräueltaten auch auf Deutsch zu lesen. Wolfgang Neskovic hat sie veröffentlicht. Der Grund: Der Folterbericht sei ein einzigartiges historisches Dokument, dass das Ausmaß der Gräueltaten des amerikanischen Geheimdienstes öffentlich mache. Ebenso die Menschenrechtsverstöße.

Schlecht sei ihm bei der Lektüre geworden. Wegen der bestialischen Brutalität, wegen der Psychologen, die zu Millionären wurden, weil sie die CIA-Mitarbeiter anleiteten, welche Foltermethoden am besten seien. Und denen die USA dafür noch Rechtsschutz gewähren. „Zynisch und pervers“ nennt Neskovic das. Auch ein Grund für ihn, das Buch zu lesen: Weil der Inhalt nicht der Phantasie eines Romanautoren entsprungen ist, sondern der Wirklichkeit.

Wolfgang Neskovic. Quelle: dpa

Wolfgang Neskovic.

(Foto: dpa)

Der 66-jährige Jurist war schon vieles: SPD-, Grünen- und Linken-Mitglied. Die letztgenannte Partei verließ er mit dem Satz: „Ich möchte endlich wieder frei atmen können.“ Das schrieb er in einem offenen Brief im Dezember 2012. „Intern und öffentlich“ habe er die Politik der rot-roten Regierung „konsequent kritisiert“ und an frühere Wahlversprechen erinnert. Es blieb bei der Erinnerung.

Weiter machte er als fraktionsloser Bundestagsabgeordneter, war Bundesrichter, Mitglied im BND-Ausschuss. Seine Maxime in allen seinen Ämtern: sich nicht verbiegen zu lassen. Vielleicht auch einer der Gründe, warum er es in keiner der Parteien aushielt; warum er diesen Spitznamen trägt: Gerechtigkeitsfanatiker. Nun kämpft er also gegen die Folter. Und für die Durchsetzung des Rechts.

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24 Kommentare zu "CIA-Folterbericht auf Deutsch: „Zynisch und pervers“"

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  • Ich hoffe Sie kommen einmal in den Genuß derselben, möglichst als Unschuldiger. Wie es vielen bereits passiert ist.

  • http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/19/kuenftig-straffrei-geheimdienste-duerfen-straftaten-zur-tarnung-begehen/


  • Wer mehr über Terror im Namen des Staates erfahren möchte, sollte Bücher des ehemaligen Bundestagsabgeordnete und Bundesminister Andreas von Bülow lesen.

  • http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/19/star-pianistin-lisitsa-es-gibt-plaene-fuer-einen-grossen-ausverkauf-der-ukraine/

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/12/02/ukraine-us-investment-bankerin-ist-neue-finanzministerin/

  • Die USA haben im 21. Jahrhundert sieben Länder ganz oder teilweise zerstört und wurde dabei von der "westlichen Zivilisation" und den westlichen Bilderbergmedien unterstützt.

    Bankster-Marionette Obama wurde aufgrund seines Versprechens gewählt, das Folterzentrum der US Army in Guantanamo aufzulösen – ein Versprechen, das er auch sechs Jahre später noch nicht eingelöst hat.

    Bankster-Marionette Obama wurde im ersten Monat seiner Amtszeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und führte weiter Krieg in Afghanistan, Ägypten, Libyen und in jüngster Zeit in Syrien und der Ukraine!

    Das sollte jeder im Kopf haben, der "Amerika" beurteilt.
    Die Vereinigten Staaten von Amerika haben heute nur noch wenig mit Demokratie zu tun.

    Die Oligarchie, die unter der dünnen Fassade von "Demokratie" die politische Kontrolle übernommen hat, hat das industrielle und soziale Gefüge der Vereinigten Staaten ruiniert.

    Die wahren Terroristen sitzen heute in den westlichen Regierungen, Geheimdiensten und Banken!

  • Ah Billeyo mal wieder mit einem "qualifizierten" Kommentar...
    Wie sie nun darauf kommen, dass Hr. Neskovic linksradikal und antidemokratisch ist bleibt ihr Geheimnis?!
    Im übrigen hat Hr. Neskovic den Bericht nicht verfasst sondern nur übersetzt. Also mal unabhängig von ihrer pauschalen "Linken" Diffamierung hat die Arbeit von Hr. Neskovic rein gar nichts mit der Glaubwürdigkeit des Berichts zu tun!
    Aber ihre Kommentare waren schon immer "in der höchsten Potenz" beleidigend, polemisch und unsachlich...

  • Nein, Herr Hellenkamp,
    erst wird die Schuldfrage geklärt. Wenn er dann schuldig ist, wird er noch wie die Sau gefoltert ;-)

  • Grundsätzliche Zustimmung, Herr Falk.

    Aber bei den von Ihnen genannten Prozessen wurden Kleine gehängt. Die Großen lies man laufen!

  • Der 66-jährige Jurist war schon vieles: SPD-, Grünen- und Linken-Mitglied. ......

    Bei einem so linksradikal veranlagten "Politiker" kann man nur vermuten, Gutmensch und antidemokratisch in der höchsten Potenz und sich selber über die Glaubwürdigkeit des Berichts seine eigene Meinung bilden.

  • So sind Menschen. So waren sie auch immer. Der Druck, überleben zu wollen, ist nie verschwunden. Bei Menschen, die einzigen mit dem Zusatzorgan Individualgehirn, klafft eine enorme Lücke zwischen Erfolgsstreben und Anstand. Die Spiegelneuronen wirken gegen das bewusste Gelegenheiten nutzen wollen kaum. Nur wenn man zustimmt, dass Menschen keinerlei Grenzen haben, sind all die tagtäglich empört vermeldeten Gräuel in uns richtig bewertet – zynisch und pervers.

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