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Clemens Fuest im Interview „Sorgen sind berechtigt“ – Ifo-Chef rechnet mit Abkühlung der Konjunktur

Ifo-Präsident Clemens Fuest spricht über die Wachstumsschwächen der Wirtschaft, den Abschwung Chinas und welche Rolle Börse und Staat dabei spielen.
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„Kurzfristig ist das größte Konjunkturrisiko sicherlich ein harter Brexit.“ Quelle: Reuters
Clemens Fuest

„Kurzfristig ist das größte Konjunkturrisiko sicherlich ein harter Brexit.“

(Foto: Reuters)

BerlinIfo-Chef Clemens Fuest erwartet eine schwächere deutsche Konjunktur infolge der chinesischen Wachstumsprobleme. „Sorgen sind berechtigt“, sagte Fuest dem Handelsblatt. Erstmals seit zwei Jahren war am Montag das offizielle Stimmungsbarometer der chinesischen Industrie im Wert zurückgegangen. „Allerdings kommen die Signale für eine Abkühlung nicht allein aus China, das Weltwirtschaftsklima insgesamt wird rauer“, sagte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts dem Handelsblatt.

Etwa sieben Prozent der deutschen Exporte – Waren im Wert von rund 86 Milliarden Euro im Jahr 2017 – gingen in das Riesenreich. Dieser Anteil wachse seit Jahren. Allerdings seien Europa und die USA immer noch weit wichtiger für die deutsche Exportindustrie. So spielten die Angst vor einem harten Brexit und der Rückgang der Erwerbsbevölkerung für die Konjunktur ebenfalls eine tragende Rolle. Auch Probleme der Autoindustrie würden „im kommenden Jahr noch spürbar sein“, so Fuest.

Das Ifo-Institut legte Ende 2018 die pessimistischste Prognose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute vor: Nur um 1,1 Prozent soll die deutsche Wirtschaft 2019 wachsen – nach 1,5 Prozent im vergangenen Jahr. Die nervösen Kurse an den Börsen spielten dabei laut Fuest nur eine begrenzte Rolle: „Dass der aktuelle Kursrückgang an den Börsen einen Abschwung auslöst, ist nicht zu erwarten.“

Lesen hier das ganze Interview:

In China hat die Industrie erstmals seit zwei Jahren einen Rückgang verzeichnet. An den Finanzmärkten wachsen die Sorgen, dass eine Wirtschaftsschwäche in dem riesigen Absatzmarkt die deutsche Industrie hart treffen könnte. Sind die Sorgen berechtigt?
Sorgen sind berechtigt, für Panik besteht aber kein Anlass. Etwa sieben Prozent der deutschen Exporte, rund 86 Milliarden Euro im Jahr 2017, gehen nach China. Dieser Anteil wächst seit Jahren, aber Europa und die USA sind immer noch weit wichtiger für die die deutsche Exportindustrie. Allerdings kommen die Signale für eine Abkühlung nicht allein aus China, das Weltwirtschaftsklima insgesamt wird rauer.

Das Ifo-Institut ist mit seiner Wachstumsprognose für Deutschland 2019 mit 1,1 Prozent am pessimistischsten. Vor einem Jahr waren Sie am euphorischsten. Was ist passiert, dass Sie jetzt vorsichtiger als alle anderen sind?
Unsere Prognosen beruhen auf den Daten, die wir aktuell beobachten. Vor einem Jahr haben viele Indikatoren, vor allem der Ifo-Geschäftsklimaindex, für Deutschland einen Höhepunkt erreicht. Seitdem ging es deutlich nach unten. Deshalb sind wir für 2019 weniger optimistisch. Wir denken unter anderem, dass die Probleme in der Autoindustrie auch im kommenden Jahr noch spürbar sein werden.

Welches Risiko ist aus Ihrer Sicht das größte für Deutschlands Konjunktur?
Kurzfristig ist das größte Konjunkturrisiko sicherlich ein harter Brexit, der den Handel zwischen Großbritannien und der EU erheblich beeinträchtigen könnte. Hinzu kommen die Probleme in China und wachsende Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs in den USA. Mittelfristig könnten vor allem der anstehende Strukturwandel in der Autoindustrie und der Rückgang der Erwerbsbevölkerung das Wachstum in Deutschland hemmen.

Die Binnenkonjunktur in Deutschland läuft bisher stabil, der Arbeitsmarkt ist so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Kann das die Konjunktur retten?
Die starke Binnenkonjunktur ist derzeit eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft. Vor allem der Bausektor befindet sich immer noch in einer Hochkonjunktur, aber auch bei den Dienstleistungen läuft es immer noch gut. Wir erwarten, dass die Zahl der Erwerbstätigen im kommenden Jahr etwas langsamer steigt als 2018, aber mit mehr als 45 Millionen ein neues Rekordniveau erreicht.

Wie schätzen Sie die Investitionen ein: Sind die Unternehmen zu ängstlich?
Nein, wenn die Unternehmen sich mit Investitionen zurückhalten, hat das in der Regel gute Gründe. Nach aktuellen Schätzungen des Ifo-Instituts haben die Unternehmen 2018 rund 2,7 Prozent mehr investiert als im Vorjahr. Für 2019 erwarten wir erneut ein Wachstum, aber es wird mit rund 1,6 Prozent verhaltener ausfallen.

Kann der Staat schwächelnde Privatinvestitionen auffangen, und tut er dies ausreichend?

Nein, die öffentlichen Investitionen sind wichtig, aber sie sind nur ein kleiner Teil der gesamtwirtschaftlichen Investitionen, und sie haben andere Funktionen. Wichtiger ist, dass der Staat gute Rahmenbedingungen für private Investitionen schafft. Deutschland sollte in der Steuerpolitik, der Energiepolitik und bei der Fachkräfteanwerbung mehr tun, um Deutschland für private Investoren attraktiver zu machen.

Welchen Einfluss haben die nervösen Börsen auf die Konjunktur?
In Deutschland spielen Aktienbörsen sowohl für die Unternehmensfinanzierung als auch für die Vermögensbildung der privaten Haushalte eine begrenzte Rolle. Dass der aktuelle Kursrückgang an den Börsen einen Abschwung auslöst, ist nicht zu erwarten. In den USA und Großbritannien ist der Konjunktureffekt der Börse größer.

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