CO2-Emissionen in Entwicklungsländern „Beim Klimaschutz geht es nicht nur um Kohlekraftwerke“

Die weltweiten Investitionen in den Klimaschutz lösen in den kommenden Jahren ein Konjunkturprogramm aus, ist sich Entwicklungsminister Gerd Müller sicher. Deshalb solle Deutschland auch seine Entwicklungshilfe ändern.
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Für den Bundesentwicklungsminister spielt die Klimapolitik in Afrika eine große Rolle für den Klimaschutz. Quelle: dpa
Gerd Müller

Für den Bundesentwicklungsminister spielt die Klimapolitik in Afrika eine große Rolle für den Klimaschutz.

(Foto: dpa)

BerlinDer Klimaschutz bietet aus Sicht von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) Vorteile vor allem auch für die deutsche Industrie. „Der im Pariser Abkommen verabredete Klimaschutz löst in den nächsten Jahren weltweit eine Energiewende aus“, sagte Müller dem Handelsblatt. Die damit verbundenen Investitionen seien ein weltweites Konjunkturprogramm, mit dem Millionen Arbeitsplätze geschaffen würden. „Für die deutsche Industrie als Technologieführer bei erneuerbaren Energien bietet diese Energiewende enorme Wachstumschancen“, sagte er.

Selbstverständlich müsse Deutschland die versprochenen Klimaziele einhalten, sagte Müller und widersprach damit FDP-Politikern, die die für 2020 zugesagten Ziele als unerreichbar bezeichnet hatten. „Es geht beim Klimaschutz aber nicht nur um deutsche Kohlekraftwerke“, sagte Müller. Ob die Klimaziele insgesamt erreicht werden, werde sich vor allem in China, Indien und auf dem afrikanischen Kontinent entscheiden. „Ich bin froh, dass die FDP jetzt auch den weltweiten Klimaschutz entdeckt hat. 98 Prozent der CO2-Emissionen finden ja außerhalb Deutschlands statt“, so Müller.

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Am 6. November beginnt in Bonn die UNO-Klimakonferenz. Gastgeber ist der pazifische Inselstaat Fidschi. Weil das Land keine 25.000 Delegierten, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen und Journalisten beherbergen kann, wird die Konferenz in der Stadt abgehalten, in der das UN-Klimasekretariat UNFCCC sitzt: Bonn. Trotzdem werden die Vertreter der pazifischen Inselnationen eine wesentliche Rolle spielen in den Verhandlungen. Tiefliegende Länder wie Kiribati haben langfristig kaum eine Chance, die Folgen des Klimawandels zu überstehen: Der steigende Meeresspiegel dürfte das Leben auf den Inseln und Atollen verunmöglichen.

Erderwärmung
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In Bonn soll die technische Realisierung des 2015 in Paris vereinbarten Klimaschutzabkommens begonnen werden. Es geht darum, vor der UN-Klimakonferenz Ende 2018 im polnischen Kattowitz ein sogenanntes Regelbuch für die Umsetzung auszuhandeln. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Emissionen
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Dass dies gelingen wird, ist laut Experten wenig wahrscheinlich. Viele Klimatologen glauben, dass sich die Erde um etwa drei Grad erwärmen wird, selbst wenn alle Nationen ihre bisherigen Zusagen zur Reduktion von Klimaemissionen einhalten würden. 197 Staaten haben das Klimaabkommen unterzeichnet, rund 170 haben es ratifiziert.

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Die Inselnationen werden die Industrieländer nicht nur auf eine striktere Einhaltung der Klimaziele verpflichten wollen, sondern zur Hilfe bei der Bewältigung von Klimaschäden. Dass der amerikanische Präsident Donald Trump den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen bekannt gegeben hatte, dürfte in Bonn zu Spannungen führen. Offen ist, ob die klimaskeptische US-Administration den Verhandlungsprozess nur beobachten wird, oder versuchen, ihn aktiv zu blockieren.

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Prominente Vertreter der Inselstaaten fordern seit Langem, Industrienationen müssten das Verbrennen fossiler Energieträger – allem voran Kohle - drastisch einschränken. Gerade der pazifische Nachbar Australien –  wie die USA ein weltführender CO2-Emittent - dürfte in Bonn aber effektiven Maßnahmen zur Reduktion des Verbrauchs und Exports des Klimakillers ausweichen, um seine Rohstoffindustrie zu schützen.

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Dabei warnt eine eben veröffentlichte Studie der Universität Melbourne vor einem Anstieg der Meere um 1,32 Meter bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Das ist deutlich mehr als die 85 Zentimeter, die der jüngste Weltklimabericht für den Fall eines ungebremsten CO2-Ausstosses prognostiziert.

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Gelinge es der Weltgemeinschaft jedoch, die Erderwärmung auf unter 1,9 Grad zu beschränken, könne das sonst ungebremste Abtauen der Antarktis möglicherweise verhindert werden, so die Forscher. Dann würde auch der Meeresspiegelanstieg nicht so hoch ausfallen.

Der Entwicklungsminister betonte, dass Deutschland in Entwicklungsländern bereits Investitionen in den Klimaschutz fördere. „Allerdings kann die öffentliche Entwicklungshilfe alleine nicht die riesigen Probleme Afrikas lösen. Deshalb wollen wir als Union im Koalitionsvertrag die Unterstützung von Investitionen deutscher Unternehmen in Afrika festschreiben“, sagte er. „Wir wollen etwa Hermes-Bürgschaften von Exporten auf Investitionen ausdehnen“. Er hoffe, dass neben der FDP auch die Grünen es unterstützen, die Privatwirtschaft in Afrika zu stärken.

Die Sondierungsgespräche in der Gruppe Außenpolitik, Verteidigung, Entwicklungszusammenarbeit und Handel, in der Müller für die CSU verhandelt, gebe es grundsätzlich viele Übereinstimmungen der vier Partner. „Alle wollen die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit weiter erhöhen“, sagte Müller. Es stünden auch alle zur Nato, zur Partnerschaft mit den USA, zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit Frankreich und zur gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU. Auch für die Weiterführung des Marshallplans mit Afrika gebe es einen Konsens. „Ich denke daher, dass wir uns zusammenfinden können, wenn es jetzt konkreter wird“, sagte der CSU-Politiker.

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3 Kommentare zu "CO2-Emissionen in Entwicklungsländern: „Beim Klimaschutz geht es nicht nur um Kohlekraftwerke“"

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  • Klimaschutz heißt auch ; Auto winterfest machen , Heizoel tanken ,
    frostempfindliche Pflanzen einpacken , Winterklamotten nach vorne holen und sich je nach Höhenlage auf Schneeräumern einstellen !
    In Niederungen immer den Wasserspiegel im Auge haben und bei steigendem Niveo , das Überlebensboot besteigen!!

  • Deutschland bracht seine Entwicklungshilfe nicht ändern, es kann sie an sich selbst ausbezahlen, denn nach Lage der Dinge wird es selbst ein Dritte-Welt Staat.
    Die Bevölkerung ist jedenfalls vorhanden oder sollte man schreiben Frau Dr. Merkels Gäste brauchen auch diese Stütze?

  • Es ist sehr bedauerlich, dass die Entwicklungshilfe nicht nach den Bedürfnissen des Empfängers ausgerichtet wird, sondern zum Instrument wird die eigene (öko)Religion dem Rest der Welt aufzudrängen.

    So werden Ländern in Afrika die eine stabile, unterbrechungsfreie Stromversorgung benötigen würden, am Liebsten ein modernes Kohlekraftwerk hätten, anstelle dessen bedingt nützliche, umweltschädliche Windmühlen und Solaranlagen aufgedrängt.

    Faszinierend ist, dass sich dies die Steuerzahler gefallen lassen.

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