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Corona-App Wie Rostocks Oberbürgermeister mit der Luca-App gegen Corona kämpft

Rostocks Oberbürgermeister wirbt in seiner Stadt plakativ für die Luca-App als Alternative zum Lockdown. Doch die App ist nicht frei von Kritik.
07.04.2021 - 19:00 Uhr 1 Kommentar
Rostocks Oberbürgermeister will die Bürger auf einen anderen Weg im Kampf gegen die Pandemie einschwören. Quelle: Kristina Becker - photovisionen
Claus Ruhe Madsen

Rostocks Oberbürgermeister will die Bürger auf einen anderen Weg im Kampf gegen die Pandemie einschwören.

(Foto: Kristina Becker - photovisionen)

Berlin Wenn die anstehenden Aufgaben groß sind, greift Claus Ruhe Madsen schon mal zu ungewöhnlichen Mitteln. Als er 2019 für das Amt des Rostocker Oberbürgermeisters kandidierte, fuhr der Däne mit einem Lastenrad durch die Stadt in Mecklenburg-Vorpommern und verteilte Wursthörnchen an die Bürger. „Rostock bewegen“ lautete damals sein Slogan. Unterstützt von FDP und CDU gewann der parteilose Madsen die Wahl und ist nun seit gut eineinhalb Jahren der erste Mann Rostocks – und der erste ausländische Oberbürgermeister einer deutschen Stadt.

Aktuell wirbt Madsen, 48, wiederum plakativ für sein großes Vorhaben, Rostock gegen das Coronavirus zu wappnen. Er setzt dabei auf die Luca-App, die wie die Corona-Warn-App des Bundes die Nachverfolgung von Kontaktketten erleichtern soll. In der Stadt sind nun unter anderem Aufsteller mit der Aufschrift „Vorsicht Löwe! Sei kein Zebra, nutze #lucaApp“ zu sehen.

Madsen will die Bürger auf einen anderen Weg im Kampf gegen die Pandemie einschwören, abseits von Lockdowns. „Wir alle sind Gesundheitsamt“, heißt es auf der Rathaus-Website. „Nur wenn wir im Falle einer Infektion mit Sars-Cov-2 schnell und umfassend unsere Kontakte weitergeben, können wir die Ausbreitung des Virus wirksam stoppen“, ergänzt Madsen.

Seine Affinität zu Digitalem bewies Madsen schon 2019 im Wahlkampf, als er nicht nur freiwillige Umwelt- und Aufräumtage sowie mehr Fitnessgeräte auf öffentlichen Plätzen versprach, sondern auch ein digitales Bürgerportal. Als einer der Ersten pries er die Luca-App als vermeintlich probates Mittel gegen die Virusausbreitung und ließ sie in Rostock einsetzen.

Auch wenn in seiner Stadt die Inzidenzzahlen wieder steigen: Der Rostocker Versuch hat sich mittlerweile vielerorts durchgesetzt. 13 Bundesländer planen den Einsatz des Systems oder nutzen es bereits, darunter Berlin, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Den Anfang machte Mecklenburg-Vorpommern Mitte März. Für die Anbindung investierte das Land 440.000 Euro, etwa für SMS-Kosten zur Authentifizierung einer Handynummer und den Service. Das System hat das Berliner Unternehmen Nexenio entwickelt, die Idee stammt von der Stuttgarter Hip-Hop-Gruppe „Die Fantastischen Vier“ um Michael Bernd Schmidt alias Smudo.

App als Weg aus dem Lockdown

Mit der App kann man sich mit einer Art virtueller Visitenkarte etwa in Restaurants oder Kinos anmelden. Sie soll die Kontaktzettel ablösen, auf denen Gäste ihre Daten bislang schriftlich hinterlegen müssen. Die Daten können im Infektionsfall an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden.

Händler sehen in der App einen Weg aus dem Lockdown. So schlug die Initiative „Händler helfen Händlern“ mit rund 3000 Mitgliedern vor, nur noch Kunden ins Geschäft zu lassen, die mit der Luca-App eingecheckt haben. Im Gegenzug soll die Politik zusagen, dass der Handel auch bei höheren Infektionszahlen geöffnet bleibt.

Die App steht allerdings auch in der Kritik. So ist es offenbar möglich, sich von einem beliebigen Ort aus einzuchecken. Darauf wies etwa der ZDF-Moderator Jan Böhmermann hin, der von Berlin aus im Osnabrücker Zoo eincheckte und dies auf dem Kurznachrichtendienst Twitter dokumentierte. Für den Prozess ist lediglich der QR-Code notwendig, nicht aber die Information, wo sich eine Person gerade tatsächlich aufhält. Dies sei mit dem Datenschutz nicht vereinbar, argumentiert der Hersteller.

Kritik gibt es auch, weil einige Check-in-Orte mehrere Hektar groß sind, etwa Parks oder Einkaufszentren. Solche Check-in-Daten seien für die Gesundheitsämter „wertlos“, kommentierte die Linken-Politikerin Anke Domscheit-Berg auf Twitter. 

Auch Datenschützer hatten Nachbesserungen an der Luca-App gefordert. In einer Stellungnahme der Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder (DSK) hieß es etwa, derzeit würden die von Luca gesammelten Daten an einer zentralen Stelle gespeichert. Man wolle mit dem Betreiber der App erörtern, inwieweit eine dezentrale Speicherung möglich sei.

777 Fans beim Rostocker Spiel

In Rostock zumindest eröffnet die App perspektivische Öffnungen als Kontrastpunkt zum Lockdown. 777 Fußballfans durften den Eins-zu-null-Sieg des heimischen Drittligisten gegen Halle verfolgen, das Volkstheater gab ein Stück vor Publikum. Der Einzelhandel bleibt bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von aktuell knapp über 50 geöffnet.

Madsen kennt die Sorgen der Händler aus eigener Erfahrung. 1992 eigentlich nur für ein Auslandsjahr nach Deutschland gekommen, blieb er und gründete das Möbelhaus „Möbel Wikinger“ mit mittlerweile fünf Standorten. Den Kritikern sagt der Oberbürgermeister: „Nur wer mitmacht, hilft unseren Gesundheitsämtern bei ihrer Arbeit der Kontaktnachverfolgung im Infektionsfall.“ Oder anders ausgedrückt: „Mit der App auf dem Smartphone sind wir alle Gesundheitsamt!“

Mehr: Händler drängen auf Öffnung mit digitaler Einlasskontrolle über Luca-App

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1 Kommentar zu "Corona-App: Wie Rostocks Oberbürgermeister mit der Luca-App gegen Corona kämpft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn man ein System unterlaufen will wird es immer gelingen. Es ist typisch deutsch endlos zu diskutieren, warum etwas nicht funktioniert, statt ein App zu nutzen, die vielleicht nur zu 90% funktional ist, im Gegensatz zur staatliche Corona-App, die weitestgehend disfunktional ist.
    Typisch in der aktuellen Debatte ist auch, dass den Nutzern der App unterstellt wird, nur Behörden an der Nase herum führen zu wolle. Der erfolgreiche Umgang mit Corona, den Herr Madsen in Rostock unter Beweis stellt, beruht auf Vertrauen. Die Rostocker Bürger zeigen, dass es gerechtfertigt ist. Sonst sähen die Zahlen anders aus.

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