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Corona-Epidemie Warum ist die Corona-Sterblichkeit in Deutschland so niedrig?

In Deutschland sind bisher 1,9 Prozent der Corona-Infizierten gestorben. Das ist im internationalen Vergleich wenig. Schützen wir uns besser? Oder täuschen die Zahlen? 
11.04.2020 - 08:00 Uhr 1 Kommentar
Das RKI hält die Todeszahlen in Deutschland für unterschätzt. Nicht jeder Gestorbene sei vorher getestet worden. Und im Obduktionsmaterial sei das Virus nicht immer nachweisbar. Quelle: dpa
Krankenhaus

Das RKI hält die Todeszahlen in Deutschland für unterschätzt. Nicht jeder Gestorbene sei vorher getestet worden. Und im Obduktionsmaterial sei das Virus nicht immer nachweisbar.

(Foto: dpa)

Berlin Wie lebensgefährlich der Erreger Sars-CoV-2 wirklich ist, fragen sich in diesen Tagen nicht nur Experten sondern auch die Bürger. Ist die Sterblichkeit tatsächlich so gering, wie die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vermuten lassen? Sind sie soviel geringer als in anderen Ländern? Je nach Antwort auf diese Frage sind die Menschen eher bereit, sich zu schützen, strikt Kontakte zu vermeiden oder Masken zu tragen. 

Die Berechnung ist einfach: Teilt man die Zahl der Corona-Toten durch die Zahl der Infizierten, ergibt sich die rechnerische Sterblichkeit – die sich täglich ändert. Anfangs lag diese nach den offiziellen Daten „lediglich“ bei 0,2 Prozent.

Mittlerweile beträgt die statistische Todes-Rate in Deutschland 1,9 Prozent. Der Anstieg kam nicht unerwartet, das RKI hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass zu erwarten ist, dass die Todesrate im Verlauf der Pandemie steigt. 

Das liegt vor allem daran, dass es vom Ausbruch bis zum Tod im Durchschnitt mehrere Wochen dauert. Die Zahl der bis heute registrierten Opfer müsste man also eigentlich mit der Zahl der registrierten Infizierten von vor zwei oder drei Wochen ins Verhältnis setzen. Andersherum werden wir erst in einigen Wochen wissen, wie viele von den bis heute als infiziert Gemeldeten tatsächlich nicht überlebt haben werden. 

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    Daneben hält das RKI die Todeszahlen in Deutschland für unterschätzt. Nicht jeder Gestorbene sei vorher getestet worden, sagt Lothar Wieler, der Präsident des RKI. Und im Obduktionsmaterial sei das Virus nicht immer nachweisbar.

    Weltweit variiert die Sterberate allerdings gewaltig: Italien weist nach den Daten des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) inzwischen eine Sterblichkeitsrate von mehr 12 Prozent aus, Frankreich sogar mehr als 13 Prozent. In den USA dagegen sind es erst rund drei Prozent (siehe auch Grafik).

    Grafik

    Eine Studie für China schätzt die Sterberate in der Provinz Hubei, in deren Hauptstadt Wuhan die Pandemie ihren Ausgang genommen hatte und besonders schlimm wütete, auf fünf Prozent. Für ganz China ohne Hubei kommt sie auf 0,8 Prozent. Daten aus China sind allerdings mit großer Vorsicht zu genießen. 

    Die immensen Unterschiede erklären Virologen vor allem damit, dass in Deutschland im internationalen Vergleich extrem viel getestet wurde – bisher bereits eine Millionen Menschen, zuletzt seien es rund 100.000 pro Tag gewesen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Und je mehr Tests stattfinden, desto eher werden auch diejenigen mit schwachen oder ohne Symptome kontrolliert – und umso niedriger fällt dann die Sterblichkeit aus. 

    Aktuell geht das RKI davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Erkrankten dennoch um das vier bis elf-fache unterschätzt wird. Die tatsächliche Gefährlichkeit des Virus, die „Letalität“, wie die Fachleute sagen, wäre also entsprechend geringer.

    Definitiv bestimmen lässt sich dies jedoch nur nach dem Ende einer Pandemie, wenn man etwa durch repräsentative Antikörper-Messungen abschätzen kann, wie viele Menschen tatsächlich erkrankt waren. 

    Im Moment gilt also für die Sterblichkeit ebenso wie etwa für die Zahl der Tage, bis sich die Zahl der Infizierten verdoppelt, „keine wahre Zahl“, sagt der RKI-Chef. Es gibt nur Annäherungen und Modellrechnungen. 

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    Unabhängig davon gibt es neben der Zahl der Tests weitere Faktoren, die als Erklärungsversuche für nationale Unterschiede herangezogen werden: Entscheidend ist vor allem, wer getestet wird. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die Sterblichkeit umso höher ist, je höher das Durchschnittsalter ist, und umso geringer, je besser der allgemeine Gesundheitszustand der Getesteten ist. 
    So wurden in Deutschland anfangs sehr viele jüngere und mittelalte Menschen getestet, die sich vor allem im Skiurlaub – etwa im lange übersehenen Hotspot Ischgl – angesteckt hatten. Da es sich dabei in der Regel um körperlich fitte Menschen handelt, ist auch ihre Gefahr geringer, dem Virus zu erliegen. 

    Ältere kranke Menschen hingegen, bei denen das Risiko, Covid-19 nicht zu überleben, besonders hoch ist, waren in Deutschland anfangs verhältnismäßig gut geschützt, weil die Kontaktsperren relativ früh verhängt wurden.

    Das kann sich jedoch schnell ändern, wie die jüngsten Fälle von Masseninfektionen in Heimen zeigen. RKI-Chef Wieler erklärt denn auch die Zunahme der Todesrate in den letzten Tagen vor allem damit, dass es „immer mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gibt, und generell immer mehr ältere Erkrankte“. Er geht daher davon aus, dass die Rate weiter steigt – „wie stark weiß ich nicht“. 

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    Daneben wird darauf verwiesen, dass der Anteil der Raucher eine Rolle spielen könnte, weil sie der Lungenkrankheit Covid-19 weniger entgegensetzen können. So raucht etwa in Italien fast ein Viertel der Bevölkerung. Zudem wurde aus Italien berichtet, dass es dort überdurchschnittlich viele Tote durch Antibiotika-Resistenzen gibt. 

    Und schließlich hängt die Sterblichkeit natürlich zentral davon ab, ob und wie die schwer Erkrankten versorgt werden. Während etwa in Norditalien oder Teilen Spaniens Kliniken hoffnungslos überlastet sind, Patienten in Fluren unterbringen müssen oder gar nicht erst annehmen können, ist Deutschland von solchen Zuständen weit entfernt.

    Die Anzahl der Intensivbetten ist aktuell absolut ausreichend: nach den Daten des Zentralregisters sind aktuell gut 13.000 Betten mit den unterschiedlichsten Intensivpatienten belegt – rund 10.000 Intensivbetten sind noch frei. 

    Mehr: Pharmaindustrie sucht intensiv nach Covid-19-Therapien – Doch es gibt ein großes Problem.

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    1 Kommentar zu "Corona-Epidemie: Warum ist die Corona-Sterblichkeit in Deutschland so niedrig?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die von Ihnen kommentierte Sterberate ist das Verhältnis aus ursächlich auf Corona zurückzuführenden Todesfällen und der tatsächlichen Zahl der Corona-Infizierten (mit und ohne Symptome). Über beides wissen wir wenig. In Vor-Corona-Zeiten hätten wir eine solche Kennzahl daher als aussagelos zur Seite gelegt, in Corona-Zeiten dagegen begründen wir damit Todesängste und den Stillstand von Volkswirtschaften. Was wissen wir? Nach den Obduktionsergebnissen der Rechtsmedizin der Hamburger Universität war bei keinem von 50 in Hamburg mit Corona in Zusammenhang gebrachten Todesfällen Corona die eindeutige Todesursache. Dem steht die Behauptung des RKI-Präsidenten gegenüber, es gäbe in Deutschland eine unentdeckte Dunkelziffer an Corona-Toten. Belege für diese These nennt er nicht und sie werden ihm offensichtlich auch nicht abverlangt. Dass es in Deutschland zur Zeit Todesfälle wegen Atemwegserkrankungen geben soll, ohne diese mit Corona in Zusammenhang zu bringen, erscheint mir ziemlich unglaubwürdig. Zur Zahl der Infizierten: Unter den wenigen mir bekannten Studien, die tatsächlich eine Bevölkerunsstichprobe hinsichtlich Infektionsrate untersuchen, kommen zwei zu sehr ähnlichen Ergebissen. Die Heinsberg-Studie von Prof. Streeck und die Analyse der London School of Hygiene and Tropical Medicine sämtlicher 3.700 Personen an Bord des Kreuzfahrtschiffes Diamond Princess, auf dem es Mitte Februar zu einem Corona-Ausbruch kam, ermitteln eine Infektionsrate von ca 15% und eine Todesfallrate deutlich unter 0,5%. Demnach wäre die Infektionsrate in Deutschland deutlich unter- und die Sterberate deutlich überschätzt. Die vom Statistischen Bundesamt kurzfristig angekündigten Daten zur Gesamtzahl der Sterbefälle im März werden weitere Aufschlüsse geben, Aber wahrscheinlich werden wir auch hier wieder vielstimmig belehrt, dass es irreführend und brandgefährlich sei, völlig unauffällige Daten als Indiz für eine groteske Überschätzung der Corona-Gefahren zu interpretieren.

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