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Corona-Folgen „Sehr große Zukunftssorgen“: Drei von fünf Selbstständigen fehlt über 1200 Euro Einkommen im Monat

Die Folgen der Pandemie ist für viele Kleinstunternehmer existenzbedrohend, stellt das DIW fest. Vor allem die Höhe der Einbußen ist stark unterschiedlich.
12.06.2020 - 11:16 Uhr 2 Kommentare
Corona-Folgen: Kleinunternehmern existenziell bedroht Quelle: dpa
Leere Tische trotz bestem Wetter

Die Folgen der Coronakrise stellen viele Selbstständige vor eine ungewisse Zukunft.

(Foto: dpa)

Berlin In der Coronakrise ist es besser, fest angestellt, als solo-selbstständig zu sein: Von den abhängig Beschäftigten müssen 15 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen. Bei den Kleinselbstständigen aber sind es 60 Prozent. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt.

„Die Coronakrise ist auch eine Krise für die Selbstständigen“, sagt Alexander Kritikos. Der Studienleiter hat anhand von Daten aus der Langzeitbefragung Sozio-ökonomisches Panel (SOEP) und aus telefonischen Zusatzbefragungen die Lage von Selbstständigen in den Lockdown-Monaten April und Mai mit der im Vorkrisen-Monat Februar verglichen. Diese Ergebnisse hat er zusammen mit Daten von Angestellten betrachtet.

Die Verluste bei Kleinselbstständigen sind deshalb so hoch, weil unter ihnen viele Ladenbetreiber sind. Knapp die Hälfte der Befragten sagte, sie seien direkt von den Regeln zu den Öffnungszeiten betroffen gewesen.

Zudem sagten viele aus, dass Kunden ihre Bestellungen storniert hätten, oder nicht mehr nach Dienstleistungen fragten. Zwei Drittel der Selbstständigen insgesamt wurden somit hart von den Lockdown-Regeln getroffen. Für sie kamen die Beschränkungen oftmals einem Berufsverbot gleich.

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    Existenzbedrohende Umsatzverluste

    Die Umsatzrückgänge wirken für Soloselbstständige und Inhaber von Klein- und Kleinstunternehmen schnell existenzbedrohend. Knapp die Hälfte gab an, Liquiditätsreserven für nur drei Monate zu haben, jeweils knapp 20 Prozent sagten, sie könnten noch sechs oder zwölf Monate durchhalten.

    Im Vergleich zu den vier Millionen Selbstständigen, die ein Zehntel der Erwerbstätigen ausmachen, geht es den Angestellten noch gut. Von den abhängig Beschäftigten des Jahres 2019 waren im April und im Mai dieses Jahres rund 18 Prozent in Kurzarbeit.

    Vor allem aber unterscheidet sich die Höhe der Einkommenseinbußen erheblich, die drei von fünf Selbstständigen, aber nur jeder sechste Angestellte aushalten muss: Während es bei den Angestellten durchschnittlich 400 Euro brutto waren, waren es bei den Selbstständigen im Durchschnitt mehr als 1200 Euro. 

    „Das ist nicht verwunderlich, wenn die Hälfte der Selbstständigen Umsatzrückgänge zwischen 67 und 100 Prozent beklagt“, sagt Kritikos. Wenig verwunderlich sei deshalb auch, dass sich die Soloselbstständigen „sehr große Sorgen“ über ihre wirtschaftliche Zukunft machen.

    Hinzu kommt: Die umfangreichen Hilfspakete von Bund und Ländern gehen großenteils an den Selbstständigen vorbei: Sie können bislang nur Betriebsmittel ersetzt bekommen, nicht aber ihren Unternehmerlohn.

    Der Verband der Gründer und Selbstständigen klagt daher nach Auffassung von Kritikos völlig zurecht, dass die Koalition die Soloselbstständigen weitgehend im Stich lasse. „Die Erstattung von fixen Betriebskosten löst nur zu einem sehr begrenzten Teil die Liquiditätsengpässe der Selbstständigen“, sagt Kritikos. Auch die Möglichkeit, dass sie bis 30. September Hartz IV ohne umfangreiche Einkommensprüfung beantragen könnten, sei zu wenig zielgenau für diese Gruppe, sagt er.

    Europäische Nachbarländer helfen zielgenauer

    Kritikos empfiehlt daher in Blick in europäische Nachbarländer, die Wege gefunden haben, den Kleinstunternehmern einen Teil des Unternehmerlohns zu erstatten. „Viele Nachbarländer gewähren den Selbständigen in diesen Zeiten relativ unkompliziert Liquiditätshilfen in unterschiedlichster Form, die auch zur Deckung von Einkommensausfällen genutzt werden können“, sagt der Forscher. Unter diesen Ländern seien die Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Spanien, Belgien und die Schweiz.

    In Deutschland könnte ein Vorschlag von Baden-Württemberg eine Lösung sein: Demnach könnten Selbstständige im Rahmen von Soforthilfen auch einen fiktiven Unternehmerlohn in Höhe der Pfändungsfreigrenze von 1180 Euro monatlich als Betriebskosten ansetzen. Noch besser aber wäre es, über die Finanzämter Zuschüsse zu gewähren, meint der DIW-Forscher.

    Konkret könnten die Finanzämter für die Phase 1 der Coronakrise finanzielle Hilfen gewähren, wenn ein Selbstständiger im Vergleich zum Durchschnitt der letzten Monate vor der Krise Umsatzeinbrüche von mehr als 50 Prozent hinnehmen musste. Diesen Verlust könnte der Staat zu 80 Prozent ersetzen und den Betrag bei 2000 Euro deckeln, schlägt Kritikos vor. Der Vorteil: Die Finanzämter verfügen bereits über die Umsatzdaten.

    Kritikos fürchtet zudem um die Kultur der Selbstständigkeit: Werde kleinen Ladenbesitzern und Dienstleistern nicht geholfen, drohe die zuletzt positive Einstellung zu Gründungen Schaden zu nehmen.

    Mehr: Jeder vierte Solo-Selbstständige rechnet mit Aus in der Krise

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    2 Kommentare zu "Corona-Folgen: „Sehr große Zukunftssorgen“: Drei von fünf Selbstständigen fehlt über 1200 Euro Einkommen im Monat "

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    • Der deutsche Kampf gegen die Selbständigkeit wird sich noch bitter rächen. Ich kann nur jedem abraten, sich in Deutschland selbständig zu machen. Ständige Gängelungen durch das Finanzamt, Sozialversicherungsträger und Bürokratie sind die Regel. Man ist der Willkür des Finanzamtes ausgesetzt. Alle vier Jahre sind sinnlose und teure Prüfungen durch die Rentenversicherung angesagt. Die meisten Selbständigen arbeiten länger als der Durchschnitt und haften dann auch noch mit ihrem Privatvermögen oder ihrer Altersvorsorge. Durch die Globalisierung hat ein ruinöser Wettbewerb in vielen Bereichen eingesetzt. Der Selbständige, der dem deutschen System unterworfen ist, kann da nicht mehr mithalten, wenn er schon ca. 1000,- Euro im Monat an Versicherungen aufbringen muss. Selbst ausbildungsintensive Tätigkeiten, wie Programmierung, usw. werden inzwischen zu einem Bruchteil in Indien durchgeführt. Der Ruf nach der totalen Digitalisierung in allen Bereichen wird natürlich zu einer verstärkten Abwanderung der digitalisierten Dienstleistung in billigere Länder, mit niedrigeren Sozialstandards führen. Durch Corona wird eine schon bestehende Krise in vielen Bereichen nur verstärkt. Vielleicht ist Corona der Anlass für viele aufzuhören mit dem Selbstbetrug. Es muss sich grundlegend etwas ändern bei der sozialen Absicherung von Selbständigen.

    • Vielleicht könnte zumindest den in der Vergangenheit erfolgreichen Kleinunternehmer durch Rückzahlung ihrer Einkommensteuer der letzten Jahre unter die Arme gegriffen werden? Das wäre auf jeden Fall besser, als Unternehmern mit schlechtem Geschäftsmodell und fehlender Konkurrenzfähigkeit den unausweichlichen Konkurs zu verlängern.

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