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Corona-Hilfen NRW stoppt Corona-Soforthilfe nach Betrugsverdacht in tausenden Fällen

Mindestens 3.500 Antragsteller sind wohl von Kriminellen auf falsche Webseiten gelockt worden. Die Reaktion der Behörden dauerte fast eine Woche.
09.04.2020 - 18:18 Uhr 1 Kommentar
Mit irreführenden Formularen wollen Betrüger die beantragten Mittel abzweigen. Quelle: dpa
Gefälschte Hilfe-Seite

Mit irreführenden Formularen wollen Betrüger die beantragten Mittel abzweigen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Als das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) seine Corona-Soforthilfen Ende März in Gang brachte, standen Kriminelle längst in den Startlöchern. Die echten Formulare, mit denen in Not geratene Unternehmer Zuschüsse beantragen konnten, waren gerade im Internet veröffentlicht, als die Betrüger schon zuschlugen.

Über prominent platzierte Suchergebnisse und Werbeanzeigen im Internet locken sie bis heute Antragsteller auf betrügerische Webseiten, auf denen sie mittels täuschend echt wirkender Antragsformulare die Daten hilfesuchender Unternehmer abgreifen. Das Ganze zielt offensichtlich darauf ab, anschließend in deren Namen Soforthilfen zu beantragen.

„So könnte es den Tätern gelungen sein, ausgezahlte Corona-Hilfen an sich umzuleiten“, teilt am Donnerstag die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW) in nüchternen Worten mit. Nach bisherigen Erkenntnissen sind rund 3.500 bis 4.000 Antragsteller betroffen. Das NRW-Innenministerium hat deshalb heute die Auszahlungen der Soforthilfen des Landes vorübergehend gestoppt.

Dunkelziffer womöglich noch deutlich größer

Ob das wahre Ausmaß der mutmaßlichen Betrügereien damit bereits erfasst ist, ist fraglich. Das Potenzial jedenfalls ist weit größer. Bis Mittwoch sind nach Angaben des NRW-Wirtschaftsministeriums mehr als 380.000 Anträge bearbeitet und über 360.000 bewilligt worden. Mehr als drei Milliarden Euro wurden ausgezahlt. Betriebe mit bis zu fünf Angestellten können 9000 Euro beantragen, Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten 15.000 Euro. Mittelgroße Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern können 25.000 Euro bekommen.

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    Die Entscheidung über den vorübergehenden Stopp der Zahlungen sei am Mittwochabend in Abstimmung mit dem Landeskriminalamt gefallen, heißt es aus dem Ministerium. Bereits am Dienstag hatte das Handelsblatt über den Fall des Unternehmers Christian Ulrich aus Oer-Erkenschwick berichtet, der noch am gleichen Tag Strafanzeige erstattete.

    Auch andere Anzeigen seien an diesem Tag eingegangen, heißt es aus dem Innenministerium. Die Hinweise sollen sich dabei auf mehrere Webseiten erstrecken. Begünstigt werden mögliche Betrügereien dabei durch lasche Kontrollen, nicht nur in Nordrhein-Westfalen.

    Dabei hätten die Auszahlungen möglicherweise deutlich früher gestoppt werden können. Denn die ersten Hinweise auf die Betrugsmasche gab es bereits vor knapp einer Woche. Anfang April jedenfalls meldete Christian Ulrich seinen Fall der Bezirksregierung Münster. Er war skeptisch geworden, als er nach seinem Antrag vom 27. März knapp eine Woche später noch keine Auszahlung erhalten hatte, im Gegensatz zu einem befreundeten Unternehmer, der den Antrag deutlich später gestellt hatte. Beim Überprüfen seines Antrags und der Web-Adresse fiel ihm dann der Betrug auf.

    Doch von der Bezirksregierung erhielt er außer einer Eingangsbestätigung über seinen Hinweis nach eigenen Angaben bis heute keine weitere Rückmeldung. Ulrich wendete sich darauf an das Innenministerium. Wirklich Bewegung in die Sache kam aber erst, nachdem sein Fall öffentlich wurde.

    Zuvor hieß es auch von Seiten des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts auf Handelsblatt-Nachfrage am Dienstag noch: „Immer da, wo staatliche Leistungen abrufbar sind, ist es naheliegend, dass Betrüger versuchen, an die Gelder zu kommen.“ Konkrete Hinweise zu möglichen Tätern und der konkreten Masche habe man noch nicht.

    Inzwischen haben die Ermittler die Spur aufgenommen. Diese führt laut Handelsblatt-Informationen mindestens in einem Fall in die Slowakei. Die Kriminalbeamten arbeiten nun daran, die gefälschten Internetseiten beschlagnahmen und abschalten zu lassen. Außerdem prüfen sie, ob und welche Hilfszahlungen bereits an manipulierte Kontoverbindungen ausgezahlt worden sind.

    Betrüger suchen im Darknet nach Komplizen

    In Augen der nordrhein-westfälischen Landesregierung handelt es sich um „hochprofessionelle Täter, die im Darknet nach Menschen suchen, die gegen eine Gewinnbeteiligung ihre Konten zur Verfügung stellen. Von diesen Konten wird der Gewinnanteil des Betrügers dann in Kryptowährung umgewandelt und damit anonymisiert, was die Identifizierung erschwert.“

    NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart warb bei den durch die Corona-Pandemie in Not geratenen Unternehmern um Geduld und Verständnis. „Wir werden die Zahlungen schnellstmöglich wieder aufnehmen und auch die Corona-Soforthilfe-Seite freischalten. Denn eines ist klar: Wir brauchen die Kleinunternehmer, um schnell wieder aus der Krise zu kommen.“

    Die Kriminalbeamten aus NRW sind bei ihren Ermittlungen auch im Austausch mit den Behörden anderer Bundesländer, um betrügerische Anträge besser identifizieren und erschweren zu können. In Baden-Württemberg warnen die Cyberstellen der Landeskriminalämter bereits Ende März vor gefälschten Corona-Soforthilfeanträgen im Internet. Noch sind dort die Zahlungen aber nicht ausgesetzt.

    Mit Blick auf den Auszahlungsstopp in Nordrhein-Westfalen Meldungen erklärte die baden-württembergische Landes-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut heute: „Unser Haus hat wenige Tage nach Beginn des Corona-Soforthilfeverfahrens von der Existenz einer Fake-Seite erfahren. Die zuständigen Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden wurden vom Ministerium unverzüglich informiert und Anzeige erstattet.“ Sie seien entsprechend sensibilisiert. Auf der Soforthilfe-Homepage des Landes seien entsprechende Warnhinweise platziert, gleichzeitig verschiedene Domänennamen reserviert, um künftige Fälschungen zu erschweren.

    Mehr: Corona-Soforthilfen ohne Kontrolle – Warum es Betrüger leicht haben.

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    1 Kommentar zu "Corona-Hilfen: NRW stoppt Corona-Soforthilfe nach Betrugsverdacht in tausenden Fällen"

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    • "Von diesen Konten wird der Gewinnanteil des Betrügers dann in Kryptowährung umgewandelt und damit anonymisiert, was die Identifizierung erschwert."

      Kann mir bitte mal jemand erklären, was der Vorteil von Kryptowährungen ist und warum es sie unbedingt geben muss? Bisher kenne ich sie nur im Zusammenhang mit Spekulattion, Betrug, Waffen- und Drogengeschäften, Menschenschmuggel, (Kinder-)Pornographie und jetzt eben Subventionsbetrug. Ich vermute mal, mindestens ein Drittel bis die Hälfte aller Umsätze in Kryptowährungen kommt aus illegalen Geschäften, der Rest sind reine Spekulationsgeschäfte oder an der Grenze zwischen Betrug und Spekulation im Rahmen von ICOs.

      Also warum braucht eine Gesellschaft das? Warum haben wir immer schärfere und unsinnigere Geldwäschevorschriften, das lassen wir (bzw. unsere Regierung) aber weiter zu?

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