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Corona-Impfstoff„Politiker keineswegs die besseren Investoren“: Top-Ökonomen kritisieren Staatsbeteiligung bei Curevac

Die Beteiligung der Bundesregierung am Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac erweist sich als schlechtes Geschäft. Ökonomen sagen: das war absehbar. Dennoch will der Bund nicht abspringen. 17.06.2021 - 13:15 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Gabriel Felbermayr ist in Deutschland gut bekannt. Nach seiner Habilitation an der Uni Tübingen unterrichtete der österreichische Ökonom am Lehrstuhl für Internationale Wirtschaft in Hohenheim. Von 2010 bis 2019 leitete er das ifo Zentrum für internationale Wirtschaft in München. Zuletzt war er Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Seit Oktober ist der 45-Jährige nun Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) und Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Foto: dpa

Berlin. Der Einstieg des deutschen Staates beim nun mit der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs vorläufig gescheiterten Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac sorgt für scharfe Kritik von Top-Ökonomen. „Der Fall Curevac zeigt wieder einmal, dass Politiker keineswegs die besseren Investoren sind“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

„Der Staat ist ohne Not in das Unternehmen eingestiegen, das ja im letzten Frühjahr auch genügend private Investoren gefunden hatte“, sagte Felbermayr.

Der Bund hält über die Förderbank KfW rund 16 Prozent an Curevac und hatte dafür im vergangenen Jahr gut 300 Millionen Euro investiert. Größter Investor ist der SAP-Gründer Dietmar Hopp mit fast 47 Prozent. Der Covid-19-Impfstoff des Tübinger Unternehmen ist nach vorläufigen Daten in der entscheidenden Zulassungsstudie gefloppt. Die Wirksamkeit lag demnach nur bei 47 Prozent.

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Felbermayr hatte bereits nach dem Staatseinstieg vor rund einem Jahr die Entscheidung scharf kritisiert – ebenso wie der damalige Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld. „Mit traumwandlerischer Sicherheit hat der Bund denjenigen der beiden Impfstoffhersteller erwählt, der es nun nicht schafft, rechtzeitig einen wirksamen Impfstoff auf den Markt zu bringen“, sagte das langjährige Mitglied des Sachverständigenrates der Nachrichtenagentur Reuters. Schließlich sei der Curevac-Konkurrent Biontech ohne Staatsbeteiligung deutlich schneller und erfolgreicher bei der Impfstoffentwicklung gewesen.

„Was dieses Beispiel zeigt, ist ganz einfach, dass sich der Staat am besten von Industriebeteiligungen und industriepolitischen Offensiven oder besser noch: industriepolitischen Fantasien fernhält“, sagte Feld, der den Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Universität Freiburg innehat.

Bund hält weiterhin an Curevac-Beteiligung fest

Der Bund hält auch nach dem Rückschlag der Tübinger Biopharmafirma Curevac bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs an seiner Beteiligung an dem Unternehmen fest. „Mit der Beteiligung an Curevac verfolgte und verfolgt die Bundesregierung gesundheits- und industriepolitische Ziele“, erklärte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag.

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Es gehe nicht nur darum, mehr Impfstoffproduktion in Deutschland und Europa anzusiedeln, sondern auch um Forschungsaktivitäten. Für die mRNA-Technologie, die auch bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna zum Einsatz kommt, gebe es vielfältige Anwendungsbereiche, etwa in der Krebsbekämpfung, betonte eine Sprecherin.

Der Bund war im vergangenen Jahr über die Aufbaubank KfW mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen. Dabei habe die Bundesregierung allerdings keinen Einfluss auf das operative Geschäft, erklärte die Sprecherin.

rtr
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