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Corona-Impfung Preise von „mehreren Hundert Euro“ – Behörden ermitteln in über 100 Fällen wegen gefälschter Impfpässe

Der gelbe Impfpass aus Papier ist einfach zu fälschen. Polizeibehörden ermitteln die Fälschungen in weiten Teilen Deutschlands – und sie erwarten einen Anstieg der Fallzahlen.
09.06.2021 - 14:49 Uhr Kommentieren

Berlin Telegram, Snapchat oder Foren im Darknet: Impfpässe mit gefälschten Covid-19-Einträgen werden auf diversen Plattformen angeboten. Und das Geschäft boomt: Impfpässe seien derzeit „die wohl heißeste Fälscherware“, heißt es von der Staatsanwaltschaft München I.

Ein Ende ist vorerst nicht abzusehen – im Gegenteil. Angesichts der Lockerungen für Geimpfte steige der illegale Handel mit gefälschten Impfpässen über Telegram und andere Chatgruppen deutlich an, teilte die Polizei Berlin mit.

Auch beim Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein hieß es: Eine Steigerung der Nachfrage und somit auch des Angebots von gefälschten Impfbescheinigungen sei aufgrund der gesetzlichen Lockerungen für Geimpfte wahrscheinlich.

Derzeit ermitteln die Behörden in über 100 Fällen in Zusammenhang mit gefälschten Impfpässen. Das geht aus Antworten der Polizeibehörden der 16 Bundesländer hervor. Allein 42 Verfahren werden demnach in Nordrhein-Westfalen geführt, über 30 in Bayern, und insgesamt elf Strafermittlungsverfahren laufen bei der Polizei Berlin.

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    Die Landeskriminalämter in Niedersachsen und Schleswig-Holstein nannten keine konkreten Zahlen. Auch beim LKA Hessen hieß es nur, dass vereinzelte infrage stehende Sachverhalte bekannt seien, bei denen Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden.

    Seit dem 9. Mai gilt für Geimpfte und Genesene eine Reihe von Einschränkungen nicht mehr. Die Bundesregierung hob für beide Gruppen die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen auf, sie können sich zudem wieder uneingeschränkt mit anderen Menschen treffen. Nach Reisen müssen vollständig Geimpfte und genesene Menschen nur noch in Ausnahmefällen in Quarantäne – etwa, wenn sie aus einem Virusvariantengebiet einreisen.

    Doch noch längst gibt es nicht genügend Impfstoff für alle Bürger. Wie groß das Ausmaß der Impfpassfälschungen tatsächlich ist, bleibt schwer zu ermitteln. Der gelbe Impfpass aus Papier ist jedenfalls einfach zu fälschen. „Der Impfausweis aus Papier ist kein Sicherheitsdokument“, teilte das LKA Sachsen mit. Er habe keine Sicherheitsmerkmale wie etwa ein Wasserzeichen oder Hologramm.

    „Impfzertifikate bereits für unter 30 Euro“

    Auch das LKA Schleswig-Holstein stellte fest: Impfbücher sowie zum Teil auch Druckvorlagen für Impfbuch-Etiketten seien im Handel frei verfügbar und wiesen keinerlei Sicherheitsmerkmale auf. „Aufgrund der fehlenden Sicherheitsmerkmale und der Möglichkeit, Impfungen rein handschriftlich zu dokumentieren, erweist sich eine Echtheitsprüfung eingetragener Impfungen als schwierig.“

    Das nutzen Betrüger aus – und bieten die gefälschten Pässe zu teils sehr unterschiedlichen Preisen an. So bewegen sich in NRW die Beträge für einen gefälschten Impfausweis zwischen 90 und 250 Euro. In Berlin beobachtete die Polizei Preise „pro Stück von knapp hundert bis hin zu mehreren Hundert Euro“.

    Günstiger ist es in Rheinland-Pfalz. „Zuletzt wurden deutsche Impfzertifikate bereits für unter 30 Euro angeboten“, teilte das dort ansässige LKA mit. In der Regel würden Preise ab etwa 70 Euro verlangt.

    Um Missbrauch zu verhindern, plant die Bundesregierung die Einführung eines digitalen Impfnachweises. Wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) am vergangenen Dienstag bekannt gab, werden Apotheken ab dem 14. Juni, einen digitalen Impfnachweis für Geimpfte ausstellen können.

    Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wies bereits darauf hin, dass „Fehler- oder Fälschungsanfälligkeit“ mit Blick auf den digitalen Impfausweis vor allem beim Übertrag gegeben seien. Hintergrund ist, dass Bürgerinnen und Bürger, die schon vor Einführung des sogenannten CovPass vollständig geimpft worden sind, ihr digitales Zertifikat künftig in Impfzentren, Arztpraxen und auch in Apotheken erhalten können.

    Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe

    Die Apothekerin müsste also entscheiden, ob der analoge Impfeintrag im gelben Impfpass echt ist. Spahn sagte dazu, dies könne man am Ende „nur nach fachlicher Augenscheinkontrolle machen“. Daher werde man eine Fälschung „nicht zu hundert Prozent ausschließen können“.

    Dennoch könnte der digitale Ausweis laut LKA Betrug verhindern: „Ein fälschungssicherer digitaler Impfnachweis dürfte wesentlich zur Betrugsprävention beitragen“, teilte das LKA Baden-Württemberg mit.

    Auch vom LKA Rheinland-Pfalz hieß es dazu: „Der Handel mit gefälschten Impfpässen würde sich mit eindeutigen Sicherheitsmerkmalen, die der Fälschungssicherheit dienen, zumindest einschränken lassen.“ Eine lückenlose Impfstoffdokumentation bleibe aber unerlässlich.

    Betrügern drohen nach Angaben des Gesundheitsministeriums indes hohe Strafen: Den Verwendern eines gefälschten Impfausweises blüht demnach Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Den Erstellern drohen zwei Jahre im Gefängnis oder eine Geldstrafe. „Ich kann immer nur sagen, am Ende betrügt man sich selbst“, sagte Spahn.

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Digitaler Impfnachweis steht kurz vor dem Start

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